Tagebuch des Flottendienstbootes „Alster“

Flottendienstboot „Alster“ (Quelle: © Bundeswehr / Presse- und Informationszentrum Marine)
Wie der berufliche Alltag auf einem Flottendienstboot aussieht, ist selbst in der Marine relativ unbekannt. Um einen kleinen Einblick in das Leben und die Arbeit an Bord zu bekommen, stellt die Marine das Flottendienstboot „Alster“ in dieser Serie vor.
Tagebucheinträge
Auf dem Flottendienstboot „Alster“ herrscht reges Treiben an Oberdeck. Der Erste Wachoffizier (I. WO) mustert die 78-köpfige Besatzung und, fast wie ein „Reiseleiter“
, wird das Programm der Seereise bekannt gegeben. Der Kommandant bekommt eine Meldung vom I. WO: „Besatzung vollzählig zur Auslaufmusterung angetreten“
. Ein paar freundliche Worte des „Chefs“
, dann wird das Schiff seeklar gemacht. Leinen und Taue werden ordentlich verlegt, alles was lose herumhängt und liegt, wird seefest verzurrt.
„Der Förster pirscht durch sein Revier“
. Alles ist ruhig und die neue Wache begibt sich an ihre Arbeitsplätze. Der Rest der Besatzung hat jetzt nicht frei. Da gilt es, einige kleinere Reparaturen zu erledigen und dem heutigen Fitness-Tag Beachtung zu schenken: Ganz auf bewusste Ernährung ausgelegt, hat der Smut ein Salatbuffet angerichtet. Doch hier und da runzelt einer die Stirn. „Bin ich denn ein Kaninchen?“
Ja, man kann es eben nicht allen Crewmitgliedern recht machen.
3. Tag in See, Nebel, aber ruhige See. Und wieder „pirscht der Förster durch sein Revier“
. Aber heute ist etwas anders. Irgendwas tut sich im Revier. Das gilt es, im Auge zu behalten. Die weitere Beobachtung zieht sich über den ganzen Tag. Ungewöhnliches tut sich. Neues? Man beobachtet und lauscht.
4. Tag in See, sie ist noch immer ruhig und der Nebel hält sich ebenso hartnäckig. Ein russisches Schiff ist nicht zu sehen. Aber auf den Messgeräten kann seine Position ausgemacht werden. An Bord der „Alster“ werden die Routinearbeiten durchgeführt. Auch Aus –und Weiterbildung steht auf dem Dienstplan. Heute liegt der Schwerpunkt auf der „Ersten Hilfe“
. Der Sanitätsunteroffizier bringt die Lebensrettungsmaßnahmen wieder in das Gedächtnis der Soldaten zurück.
Wochenendroutine ist angesagt. Für die Besatzung bedeutet das, endlich einmal ausschlafen. Keine störenden Durchsagen über die Lautsprecheranlage. Aber auch sonst ist etwas mehr Zeit als üblich vorhanden. Die, die nicht gerade die Seewache stellen, nutzen die Zeit, um sich im Fitnessraum bei körperlichen Kräften zu halten oder die Pfunde, an denen der Smut nicht ganz unschuldig ist, wieder von den Rippen zu bekommen.
Pfingstmontag. Wasser überall, auch von oben. Heute regnet es fast ununterbrochen. Wer nicht raus muss, bleibt im Boot. Allerdings muss der Rondengänger seinen Rundgang machen. „Bewaffnet“
mit Plotbrett und Stift macht sich der Soldat auf den Weg: Sind alle Leitungen noch dicht? Stimmen die Anzeigen? Ist generell alles in Ordnung?
Der ein oder andere Platz in den Messen bleibt zum Frühstück leer. Trotz Pille oder Pflaster hat das flaue Gefühl in der Magengegend so manchen veranlasst, das Frühstück ausfallen zu lassen. Im Gegenzug fällt das Frühstück von anderen in der Folge etwas üppiger aus. In der Nacht hat die Ostsee noch an „Zorn zugelegt“
. Die „Alster“ schaukelt doch recht kräftig von links nach rechts und von vorne nach hinten.
Die See ist erstaunlich ruhig. Langsam schiebt sich die Sonne Richtung Himmel. Für die „Alster“ beginnt der Transit in die lettische Hauptstadt Riga. Das heißt für die Besatzung, jetzt ist Großreinschiff angesagt. Schließlich will man sich den Gastgebern von seiner schönsten Seite präsentieren. Auf allen Stationen, in allen Winkeln wird gewischt. Messingschilder auf Hochglanz poliert.
Der Hafenaufenthalt ist eine gute Gelegenheit für die Besatzung, Land, Leute und Kultur von Lettland kennenzulernen und zu bewundern. Stadtführungen werden angeboten, wovon reger Gebrauch gemacht wird.
Um fünf Uhr ist die Danziger Bucht erreicht. Und tatsächlich, zwei russische Fregatten und ein Uboot werden ausgemacht. Also bleibt die „Alster“ noch ein wenig im Revier, lauscht, horcht und beobachtet.