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Soldat für sieben Tage – Die 61. InfoDVag

Flensburg, 17.10.2011, Crew der 61. InfoDVag.
Stillgestanden! Ausrichten! Augen geradeaus! Für die meisten der 28 Frauen und Männer, die vor der Freitreppe der Marineschule Mürwik (MSM) stehen, sind das ungewohnte Töne. In ihrem normalen Arbeitsleben hören sie solche Befehle eher selten, müssen sie auch nicht akkurat in Dreierreihen stehen und „frei geradeaus“ blicken. Doch normal wird diese vor ihnen liegende Woche ohnehin nicht, vielmehr spannend, bereichernd und manchmal eben auch ungewohnt fordernd. Einmal quer durch die Marine in sieben Tagen, lautet das Ziel der 61. Informationsveranstaltung der Marine für zivile Führungskräfte (InfoDVag) vom 8. bis 14. Oktober.

Die Crew der 61. InfoDVag vor der Freitreppe der Marineschule Mürwik.

Gruppenbild (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Ricarda Schonbrodt)Größere Abbildung anzeigen

Zum 61. Mal hat der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Axel Schimpf, Menschen eingeladen, die er als Botschafter gewinnen möchte, darunter Politiker, Juristen, Unternehmer, leitende Behördenmitarbeiter. Und Multiplikator wird am ehesten, wer die Marine von innen kennen lernt, vom Uboot bis zum Flugzeug. Das wiederum funktioniert am besten, wenn man selbst Teil des Systems wird. Und so befördert der Projektoffizier, Korvettenkapitän Thomas Schwartz, an diesem zweiten Nachmittag der InfoDVag 28 Zivilisten zum Oberleutnant zur See der Reserve.

Nach dem „Bummel“ durch die Kleiderkammer und einem Crash-Kurs in Sachen Formaldienst haben sich die fünf weiblichen und 23 männlichen Kurzzeit-Offiziere künftig auch an gewisse Pflichten zu halten: Die Jacke muss zugeknöpft sein, die Krawatte gerade, die Mütze sowieso, der Gang aufrecht. Für die Zivilisten in Uniform ist das zunächst gar nicht so einfach: Schon drei Schritt im Voraus zu erkennen, welcher Dienstgrad einem da entgegen eilt und wer überhaupt zuerst die Hand zur Stirn führt. Gelegenheit zum Üben haben sie schon am Abend, beim ersten uniformierten Landgang.


Eine Aufnahme der Seeseite der Marineschule Mürwik.

Marineschule Mürwik (Quelle: ©2011 Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Viele Eindrücke

Am Sonntagmorgen beginnt dann die „Druckbetankung“, wie Kapitän zur See Joachim Schmidt-Skipiol ankündigt. Der stellvertretende MSM-Kommandeur erklärt der Gruppe zunächst, was die Marine überhaupt macht, mit welchen Mitteln, und was sie damit für die Sicherheit der Wirtschaftsnation Deutschland leistet.

Wie die Schule künftige Führungskräfte der Marine auf diese vielfältigen und komplexen Aufgaben vorbereitet, schildert Fregattenkapitän Axel Herbst, Kommandeur der Lehrgruppe A. Erste Blicke in die Praxis bekommen die InfoDVag-Teilnehmer anschließend in der Ausbildungsanlage für Nautische Schiffsführung, einem der modernsten Schiffssimulatoren in Europa.

In Kabinen, die Schiffsbrücken nachempfunden sind, sitzen angehende Kommandanten mit ihren Teams, um für die Realität zu trainieren. Und die wird auf den Bildschirmen so echt dargestellt, dass sich mancher Ausbilder nach Feierabend schon mal eine Fahrt gönnt, um die Sehnsucht nach der See zu stillen.

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Auf die Truppenfahne haben die Teilnehmer, für eine Woche, gelobt der Bundesrepublik Treu zu Dienen.

Die Truppenfahne (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Ricarda Schonbrodt)Größere Abbildung anzeigen

„…der Bundesrepublik treu zu dienen…“

Nach zwei weiteren Vorträgen steuert die 61. InfoDvag auf den ersten Höhepunkt zu: Das feierliche Gelöbnis in der Aula. Auf die Truppenfahne geloben die 28 Oberleutnants, zumindest für eine Woche „…der Bundesrepublik treu zu dienen…“. Für Soldaten bedeutet dieses Versprechen auch, gegebenenfalls monatelang im Ausland zu dienen. Im Flottenkommando in Glücksburg erfährt die Crew 61“, dass derzeit knapp 900 Marine-Angehörige im Einsatz sind, vor der Küste des Libanon, im Mittelmeer, im Golf von Aden; selbst in Afghanistan stellen zum Beispiel die Marineschutzkräfte Personal.

In absehbarer Zeit wird auch die neue Korvette MAGDEBURG für eine dieser Operationen auslaufen, um Waffenembargos zu überwachen oder Piraten zu bekämpfen. Nun hat sie vorübergehend bei der MSM festgemacht, um sich den Teilnehmern der 61. InfoDVag zu präsentieren. Ihr Kommandant, Korvettenkapitän Björn Baggesen, begrüßt die Gäste am Dienstagvormittag an Bord seines Schiffes. Dass die MAGDEBURG auch für den Kampf gegen Angriffe aus der Luft fit ist, zeigt seine 58-köpfige Besatzung anschließend in einer Manöver-Übung.

Wie sie im Ernstfall gegen Feuer und gegen Lecks vorgehen, trainieren Marinesoldaten regelmäßig im Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr in Neustadt/Holstein. Am Mittwochmorgen steht diese Übung also auch für die 28 Reserve-Oberleutnants auf dem Plan. Eine Hälfte beschäftigt sich mit Brandabwehr, die andere probt Seenotrettung im Wellenbad der Übungshalle. Nach einem Sprung vom Vier-Meter-Turm müssen die „Schwimmschüler“ im 30 Grad warmen Wasser eine Weste zu einem Ganzkörperanzug entfalten, der im Notfall Leben rettet – und schon beim Üben ziemlich viel Energie erfordert.

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Der Einsatzgruppenversorger BERLIN läuft wieder in Wilhelmshaven ein.

Auf den letzten Metern (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Ann-Katrin Hoffmann)Größere Abbildung anzeigen

An Land, zu Wasser und in der Luft

Nach dem Besuch beim Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz verlegt die Crew wieder aufs Wasser: In Wilhelmshaven wartet der Einsatzgruppenversorger BERLIN, der nicht nur Proviant, Betriebsmittel und Waffen transportiert, sondern auch eine Art schwimmendes Kreiskrankenhaus mit 41 Krankenbetten, zwei Operationssälen, Intensivstation, Zahnarztpraxis. Ohne dieses Marineeinsatzrettungszentrum, kurz MERZ, in Anspruch genommen zu haben, steigen die Oberleutnants schließlich von Bord des EGV aus in den Hubschrauber SEA KING und fliegen zurück nach „Hause“.

In der MSM haben sich Mitarbeiter der Bundeswehr-Lehrküche Plön schon seit anderthalb Tagen auf das Spitzenessen vorbereitet. Im festlich gedeckten Remter (Speisesaal) begrüßt Vizeadmiral Michael Mollenhauer, Stellvertreter Befehlshaber der Flotte, seine 28 Laien-Kameraden und einige Gäste zum finalen Höhepunkt der 61. InfoDVag. Kadetten, die als Kellner einspringen, und Betreuungs-Unteroffiziere, die für alle Pannen eine Lösung finden, sind ein weiterer Beweis dafür, wie perfekt die Bundeswehr im Organisieren ist.

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Die Crew des 61. InfoDVag bekommen ein vielseitiges Angebot geboten.

Viele Eindrücke bekommen (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Ricarda Schonbrodt)Größere Abbildung anzeigen

Der Mensch im Mittelpunkt

Dass es Zivilisten in dieser Welt von Befehl und Gehorsam bisweilen schwerfällt, zeigt sich am nächsten Morgen nach dem traditionellen Abschluss-Krabbenessen: Beim Auskleiden fehlt dann doch das eine oder andere geliehene dienstliche Kleidungsstück.

Was am Ende alle Reserve-Oberleutnante mitnehmen (dürfen), ist die Erkenntnis, dass stets die Menschen im Mittelpunkt stehen sollten, dass ihr Charakter genauso wichtig ist wie ihr professionelles Können, um sich als Team zu bewähren. Egal, ob in der Marine oder in der freien Wirtschaft. Egal, ob im Hosenanzug oder in Uniform.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: 


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