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Profis unter Wasser

Neustadt in Holstein, 04.10.2011, Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine.
Irgendeines Tages auf irgendeinem Marinestützpunkt passiert folgendes Szenario: Ein Boot ist beim Anlegemanöver. Eine Standardsituation, ein Routinemanöver. Aber heute ist etwas anders - eine kleine Unaufmerksamkeit, ein kurzer Griff daneben, die Festmacherleine landet im Wasser. Noch dazu so ungünstig, dass sie sich um den drehenden Propeller wickelt. Da können nur die Unterwasserprofis der Marine helfen. Ein Tauchereinsatz der Schwimmtaucher ist nun unumgänglich.

Ein Soldat taucht unter einer Fregatte.

Ungewohnte Ansicht (Quelle: © 2011 Bundeswehr / EAZS)Größere Abbildung anzeigen

Dies ist nur ein mögliches Szenario, für das die Schwimmtaucher an Bord der Schiffe und Boote der Deutschen Marine ausgebildet sind. Schwimmtaucher - so werden die Taucher in der Marine bezeichnet, die an der entsprechenden Tauchausbildung am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine (EAZS) in Neustadt/Holstein erfolgreich teilgenommen haben. Hier finden eine Vielzahl von Ausbildungen und Trainings statt, angefangen von Individual- über Teamausbildung bis hin zu Trainings für ganze Besatzungen an Bord ihrer Schiffe und Boote.

Körperliche Fitness ist Vorraussetzung

Mit dem Fachbereich Schiffstechnischer Taucherdienst und Uboot-Rettungsausbildung ist einer der wenigen anerkannten Tauchlehrbetriebe Deutschlands Teil dieser Institution. Die Schwimmtaucherausbildung bildet den Einstieg in die Taucherei in der Deutschen Marine, sozusagen die „taucher-fachliche Grundausbildung“. Die Lehrgangsteilnehmer, die hier zur Ausbildung erscheinen, umfassen alle Dienstgradgruppen, vom Mannschaftsdienstgrad bis hin zum Offizier. Sie haben alle vorab ihre ausreichende körperliche Fitness in einem Sporttest nachgewiesen und sind medizinisch durch das Schifffahrtsmedizinische Institut der Marine auf ihre Tauchtauglichkeit hin untersucht worden. Zurzeit ist die Mehrzahl männlich, nur vereinzelt gab es weibliche Lehrgangsteilnehmer.

Die Ausbildung zum Schwimmtaucher, in die auch die Ausbildung zum Marine-Rettungsschwimmer integriert ist, dauert acht Wochen und ist vom ersten Tag an herausfordernd, beginnend mit einer Überprüfung der körperlichen Fitness und dem Studium theoretischer Grundlagen in den Bereichen Tauchmedizin, Gerätekunde, Arbeitskunde und Vorschriftenkenntnis. Schon in der ersten Woche wird dann das erste Mal das dienstliche Tauchgerät in der Rettungs- und Taucherübungshalle auf einer Tiefe bis max. 5,8 m geschultert und die Maske aufgesetzt.

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Ausbildung in der Taucherübungshalle

Mehrere Taucher üben in einem Schwimmbad.

Taucherausbildung (Quelle: © 2011 Bundeswehr / EAZS)Größere Abbildung anzeigen

Das in der Marine eingesetzte Tauchgerät wurde beginnend im Jahr 2008 eingeführt. Es besteht im Groben aus zwei 6,8 l-Composite-Druckflaschen mit 300 bar Nenn-Fülldruck, einem entsprechenden Druckminderer mit Reserve-Schalteinrichtung und einer Überdruck-Vollgesichtsmaske. Das Flaschenpaket wird mit einer Trageplatte an einem Wing-Jacket mit integrierten Gewichtstaschen befestigt.

In den ersten vier Wochen der praktischen Ausbildung in der Taucherübungshalle und im durch eine verstellbare Arbeitsplattform tiefenvariablen Tieftauchtopf liegen die Schwerpunkte in individuellen Sicherheitsübungen im Tauchen und mit dem Gerät bis zur Eigen- und Partnerrettung. Dabei kümmern sich immer mindestens fünf der über 20 Tauchausbilder um die maximal 25 Schüler. Hinzu kommt noch die Unterstützung durch das tauchmedizinische Personal, vom stets beim Tauchen anwesenden Taucherarzthelfer bis zum Taucherarzt, der grundsätzlich jederzeit (24/7) erreichbar ist und bei den Notaufstiegs-Übungen zur neurologischen Untersuchung persönlich vor Ort ist.

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An Bord eines Taucherschulbootes

Ein Taucher steigt über eine Leiter aus dem Wasser.

Tauchgang beendet (Quelle: © 2011 Bundeswehr / EAZS)Größere Abbildung anzeigen

Dann geht es für die Tauchschüler in der zweiten Hälfte des Lehrgangs an Bord eines der zwei Taucherschulboote BALTRUM oder JUIST. Die Schiffe sind nicht die jüngsten, aber von ihren Besatzungen liebevoll in Schuss gehalten. Hier werden neben der Gewöhnung an das Tauchen mit Nass- und Trockentauchanzug vor allem marinespezifische Inhalte vermittelt. Dazu gehören Such- und Untersuchungsverfahren und -aufgaben bis hin zur Leckbekämpfung sowie handwerkliche Techniken und Fähigkeiten wie Sägen, Meißeln und der Umgang mit Bolzensetzgerät. Auch Nacht- und Null-Sicht-Tauchen steht auf dem Programm.

Wie schon im Tieftauchtopf an Land liegt dabei die maximale Tauchtiefe bei 31 m. Dazu verlegt das Taucherschulboot bis Fehmarn, denn eine solch tiefe Stelle findet sich in der sonst nur 10-20 m tiefen, lehrtechnisch aber besser geeigneten Neustädter Bucht mit ihren gemischt sandigen oder schlickigen Grundverhältnissen und auch dem einen oder anderen kleinen Wrack nicht.

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Das stolze Abzeichen der Schwimmtaucher

Im Schnitt bestehen 60-80% der angetretenen Lehrgangsteilnehmer am Ende die Ausbildung und tragen mit Stolz das Abzeichen der Schwimmtaucher an ihrer Uniform, den Schwertfisch. Daraus können sie auch für sich persönlich im Bereich der Sporttaucherei einen Nutzen ziehen, denn die fundierte und fordernde Ausbildung der Marine wird auch von der International Diving Association (IDA - internationaler Tauchsportverband) anerkannt.

Die Gründe für Nichtbestehen sind gemischt. Sie liegen zu Beginn meist in nicht ausreichender Fitness, und gehen über einfache Erkältungen (ohne möglichen Druckausgleich bedeutet das Verpassen von 2-3 Ausbildungstagen normalerweise das Aus für den laufenden Lehrgang – man bekommt aber in einem solchen Fall immer eine zweite Chance) bis hin zu eher seltenen Fällen, in denen psychologische Gründe eine Rolle spielen können.

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Möglichkeiten der Weiterbildung

Die Ausbildung zum Schwimmtaucher ist sozusagen die „Grundausbildung“ in der Taucherei in der Deutschen Marine. Aufbauend auf den in dieser Ausbildung erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten stehen interessierten und geeigneten Soldaten weitere Ausbildungen offen, so im schiffstechnischen Taucherdienst die Ausbildung zum Tauchereinsatzleiter (für Offiziere und Bootsleute) sowie zum Schiffs- (oder Helm-) Taucher. Diese Ausbildung endet im Allgemeinen mit dem Abschluss Geprüfter Taucher (Facharbeiterbrief). Geprüft wird dies in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lübeck. In der Marine werden diese dann vorrangig in den Tauchergruppen der Marinestützpunkte eingesetzt. Andere Lehrgangsteilnehmer setzen ihre weitere Ausbildung aber auch bei den Spezialisierten Einsatzkräften der Marine (SEK M) fort.

Die Taucherei in der Marine ist bei Weitem vielfältig. Eins aber haben alle Taucher gemeinsam: Die Ausbildung beginnt mit der Ausbildung zum Schwimmtaucher im Fachbereich Schiffstechnischer Taucherdienst und Uboot-Rettungsausbildung am Einsatzausbildungszentrum Schadensabwehr Marine in Neustadt.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: 


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