Mathematik kann doch Spaß machen
Eckernförde, 30.07.2012.
Glauben heißt nicht wissen. So könnte man die Ausganssituation von Alena Decker beschreiben. Die 18-Jährige möchte nach dem Abitur zur Marine. Ein Praktikum im 1. Ubootgeschwader sollte ihre eigenen Vorstellungen überprüfen. Am Ende wurde sie in ihrem Wunsch bekräftigt.

Ich bin Alena Decker, 18 Jahre alt und werde 2013 mein Abitur machen. Mein bisheriges Bild von der Marine war vor allem durch die Medien sowie die spannenden Geschichten meines Opas geprägt. Ein dreiwöchiges Praktikum beim 1. Ubootgeschwader in Eckernförde gab mir die Möglichkeit, einen direkten Einblick in den Berufsalltag von Marinesoldaten zu bekommen. Mein Bild von der Marine hat sich nach dieser Zeit völlig verändert.
Warum ich die ganze Mühe auf mich nehmen wollte - und das auch noch freiwillig in den Sommerferien? Mein zielstrebiger Wunsch ist es, bei der Bundeswehr ein Studium zu absolvieren. Dazu müsste ich mich für mindestens 13 Jahren verpflichten. Also möchte ich schon genau wissen, in welcher Institution ich einen gravierenden Lebensabschnitt verbringen würde. Was eignet sich also zu diesem Vorhaben mehr, als ein Praktikum zu absolvieren?
Wie eine große Familie
Ein Praktikum bei der Marine hatte ich mir zuerst ganz anders vorgestellt: Zum Beispiel, dass man jeden Morgen um 6 Uhr zum Frühsport antritt. Doch der befürchtete Weckruf blieb aus. Stattdessen gab es ein „Angetreten zur Musterung“ - auch nicht um 6 Uhr, sondern zur schulalltagserprobten Uhrzeit 7.30 Uhr. Anstatt eines harschen militärischen Umgangstons traf ich auf eine völlig tiefenentspannte Besatzung, die mich sofort mit viel Engagement in den Ubootalltag integrierte.
Ich wurde ständig in neue Aufgabenbereiche eingewiesen und lernte somit schnell alle Tätigkeitsbereiche eines Ubootfahrers kennen. Diese Eindrücke sollten mein Bild eines Ubootfahrer grundlegend ändern. Die Besatzung wirkte auf mich sofort wie eine große Familie: Gesellig, lustig, fürsorglich. Einen „einsamen Seebären“ suchte ich bei der Besatzung „DELTA“ dagegen vergeblich.
Von Tampen bis Sonar

Ich lernte Wörter und Dinge, die ich vorher noch nie in meinem Leben gehört hatte: Von „Einschiffen“ (die Mitnahme bordfremden Personals) über „Tampen“ (Tau) bis zur Navigation war alles mit dabei. Ich durfte sogar Uboot fahren, wenn auch nur im Simulator. Im Laufe des Praktikums lernte ich sämtliche technische Geräte an Bord kennen.
Die ganzen Abkürzungen waren zuerst noch völlig unverständlich, doch nach den Erklärungen eines Fachmanns ergaben sie schnell Sinn: So war die SONAR-Anlage (Sound Navigation and Ranging) nach drei Wochen kein merkwürdiges Gerät mehr, welches sinnlose Kurven anzeigt, sondern ein wichtiges System zur Erkennung von anderen Schiffen. Dazu kam noch diese zunächst mittelalterliche Rechenweise mit einem Rechenschieber, die ebenso zur Lagebestimmung genutzt wird. Für mich erschlossen sich plötzlich ganz neue Wege, Mathematik zu nutzen. Diese Vorgehensweise war wieder ein Beweis dafür, dass Mathe doch Spaß machen kann.
Unterwegs mit „U 32“

Das absolute Highlight meines Praktikums war jedoch die Fahrt mit dem Uboot „U 32“ vom Marinearsenal in Kiel zum Marinehafen in Eckernförde. Trotz meiner geringen bis gar nicht vorhandenen Kenntnisse über Uboote durfte ich auf der Brücke den tollen Ausblick genießen und auf dem Deck hautnah miterleben, wie ein Uboot an der Pier anlegt. Während des ganzen Vorgangs blies der Wind so stark, dass ich Mühe hatte, mich auf dem Deck zu halten. Dennoch war das Gefühl unbeschreiblich: Man fühlt sich ein wenig wie Kate Winslet aus Titanic - zwar ohne Reling und Leonardo DiCaprio, aber doch mit einem riesigen Freiheitsgefühl.
Als Zivilistin mit 18 Jahren kann ich mit Stolz sagen, dass ich eine der wenigen Personen bin, die mit einem Uboot im militärischen Dienst zur See gefahren ist. Mir hat es sehr gut gefallen, was nicht zuletzt an der Uboot-Besatzung lag. Das Praktikum hat mich auf jeden Fall meiner Entscheidung einen großen Schritt näher gebracht, eines Tages Wachoffizier bei der Marine zu werden, und wer weiß, vielleicht sehe ich die eine oder andere Person in meiner eventuell bevorstehenden Karriere wieder.


