Minensuche in der Ostsee erfolgreich
In See, 05.06.2012.
Ungefähr die Fläche des Stadtzentrums einer Großstadt, genauer gesagt circa neun Quadratkilometer; soviel Meeresgrund hat das Minentauchereinsatzboot „Rottweil“ während der Operation „Open Spirit“ in estnischen Gewässern abgesucht. 15 alte Weltkriegsminen wurden durch Minentaucher aufgespürt und beseitigt.

Insgesamt 224 sogenannte „MILCOS“ (minenähnliche Kontakte) wurden per Sonar entdeckt. Minentaucher untersuchten anschließend jeden einzelnen Kontakt näher zur Identifizierung. Dabei stellten sich die „MILCOS“ unter anderem als 180 Steine, fünf Betonblöcke und zwei Wrackteile, aber vor allem auch als 15 Minen aus dem Zweiten Weltkrieg dar. Mit der anschließenden Sprengung dieser Minen endete die seit mehr als 70 Jahren von ihnen ausgehende dauernde Gefährdung für den Schiffsverkehr und die Fischerei.

Verband aus elf Nationen
Das Minentauchereinsatzboot „Rottweil“ war bis Ende Mai für gut 14 Tage Teil eines Verbandes zur Minenabwehr, der sich aus 16 Einheiten aus elf Nationen zusammensetzte. Eine der vier Einsatzgruppen (Task Unit) des Verbandes wurde durch die SNMCMG 1 (Standing NATO Mine Countermeasure Group 1) der NATO gestellt, zu der auch das deutsche Minenjagdboot „Homburg“, ein Schwesterboot der „Rottweil“, zählte.
Eine Besonderheit stellte die Task Unit 04 unter estnischer Führung dar. In dieser Teileinheit wurden Minentaucherteams aus verschiedenen Nationen zusammengezogen und in einem extra dafür errichteten Camp auf der Insel Saaremaa (Estland) untergebracht. Von dort aus wurden insbesondere die küstennahen Gewässer abgesucht. Als einzige deutsche und einzige schwimmende Plattform gehörte die „Rottweil“ zu dieser Task Unit.

Die „Rottweil“ schreibt Geschichte
Das Minentauchereinsatzboot „Rottweil“, einzigartig in der NATO, ist speziell für diesen Auftrag - das Absuchen von flachen, küstennahen Gewässern und die Beseitigung der identifizierten Kampfmittel - technisch und personell hervorragend ausgestattet.
So kommt neben der bordeigenen Sonaranlage auch ein sogenanntes AUV, ein autonomes Unterwasserfahrzeug bzw. eine autonome Unterwasserdrohne zum Einsatz. Diese Drohne namens „Remus“ sucht selbstständig das vorher einprogrammierte Unterwassergebiet ab und nimmt dabei Sonaraufnahmen vom Meeresboden auf. Was die Drohne nicht kann, ist eine eindeutige Identifizierung des jeweiligen Kontaktes. Dies ist anschließend Aufgabe der Minentaucher an Bord.

Um für die Absuche der großen Fläche südwestlich der Insel Muhu gerüstet zu sein, wurden zusätzlich zu den an Bord befindlichen zwölf deutschen Minentauchern weitere sechs kanadische Minentaucher der „Fleet Diving Unit Pacific“ eingeschifft. Hiermit hat die „Rottweil“ einen Beitrag zur Marinegeschichte geschrieben, denn erstmalig führten kanadische und deutsche Minentaucher gemeinsam eine Operation zur Kampfmittelbeseitigung an scharfen Minen durch.

Minen aus dem zweiten Weltkrieg
Während der elf Tage dauernden Kernoperation wurden mehr als 230 Tauchgänge absolviert. Die dabei gefundenen Minen waren in der Mehrzahl russische Ankertauminen, aber auch zwei deutsche Grundminen aus dem Zweiten Weltkrieg wurden identifiziert. Insbesondere die deutschen Grundminen waren in einem erstaunlich guten Zustand. Diese Tatsache unterstreicht die Dringlichkeit der Beseitigung dieser Minen, da von ihnen immer noch ein erhebliches Gefahrenpotential ausgeht.
Mitder Sprengung der letzten russischen Ankertaumine des Typs M 26 endete eine der bislang erfolgreichsten Operationen des Minentauchereinsatzbootes „Rottweil“.



