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Spezialisten für das Durchsuchen von Schiffen

Eckernförde, 23.01.2012.
Es ist früh am Morgen, 50 Seemeilen (92,6 Kilometer) vor der Küste Somalias. Der Hubschrauber der Fregatte KÖLN steigt auf, um ein verdächtiges Fahrzeug aufzuklären. Dabei fällt auf, dass die Insassen einer Dhau hektisch Gegenstände außenbords werfen. Ins Visier geraten war das Boot der Fregatte wegen seiner an Oberdeck verstauten Benzinfässer, die in diesen Gefilden ein verdächtiges Anzeichen für Piraten sind. Alarm an Bord: Das Boardingsicherungsteam (BST) mit elf Soldaten besteigt das Speedboot der Fregatte, legt ab und nähert sich der verdächtigen Dhau.

Portrait eines Boardingsoldaten, im Hintergrund mehrere Soldaten beim Fast Roping aus einem SEA LYNX Hubschrauber.

Portrait eines Boardingsoldaten (Quelle: © Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Die Boardingsicherungssoldaten aus Eckernförde klettern mit Hilfe einer Leiter die Bordwand hoch. Dabei werden sie von zwei Scharfschützen auf der KÖLN und durch die sich im Speedboot befindenden Soldaten gesichert. Auf den Befehl des BST German Navy Boarding Team, show me your hands! heben die der „Piraterie verdächtigten Personen“ eingeschüchtert die Arme in die Luft.

Nachdem sie auf Waffen untersucht worden sind, befiehlt der Teamführer die Durchsuchung und Dokumentation der Dhau. Zu Tage treten ein Satelliten-Telefon, drei Mobiltelefone und reichlich Munition für Schnellfeuergewehre AK 47, die offenbar vorher ins Wasser geworfen worden sind.


Wie werden die Soldaten auf diese anspruchvollen Aufgaben vorbereitet?

Speedboot der Fregatte KARLSRUHE mit Boardingteam beim Längsseitsgehen an einer Dhau.

Boarding einer Dhau (Quelle: © Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Rückblick: Die Aufstellung der Boardingkompanie

Die Deutsche Marine ist heutzutage weltweit im Einsatz und muss sich dort auf eine Vielzahl von Gegebenheiten einstellen, die mit den klassischen Szenarien des Kalten Krieges nichts mehr gemein haben. Hierzu zählen auch das Durchsuchen und die Kontrolle von zivilen Handelsschiffen im Rahmen von Embargo- oder Anti-Piraterie-Operationen in weit entfernten Regionen.

Um für diese neuen Aufgaben gewappnet zu sein, wurde im Jahr 2003 die Boardingkompanie der SEK M aufgestellt. Seither haben die etwa 100 Männer und Frauen dieser Kompanie, überwiegend Mannschaftsdienstgrade, als Boardingsicherungsteams an allen Einsätzen der Deutschen Marine teilgenommen – bei der Seeraumüberwachung des Mittelmeers Operation ACTIVE ENDEAVOUR (OAE), der Anti-Terror Operation ENDURING FREEDOM (OEF) oder beim UNIFIL-Einsatz vor der Küste des Libanon und seit Dezember 2008 an der EU-geführten Anti-Piraterie-Mission ATALANTA.

Das Aufgabenspektrum Boarding hat sich in den zurückliegenden Jahren stark gewandelt und umfasst heute sowohl die Untersuchung von zivilen Handelsschiffen im Rahmen der oben genannten Embargo-Operationen, als auch das Aufstoppen, Kontrollieren und etwaige Festsetzen von „piraterieverdächtigen Personen“.

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Die Boarding-Einsatzausbildung

Ein Boardingsoldat beim Fast Roping aus einem SEA LYNX Hubschrauber.

Boardingsoldat beim Fast Roping (Quelle: © Bundeswehr / Boardingkompanie)Größere Abbildung anzeigen

Um die anspruchsvollen Aufgaben erfüllen zu können, durchlaufen alle eingesetzten Boardingsicherungssoldaten zunächst eine umfangreiche, etwa sechsmonatige Ausbildung. Erst danach können sie als Mitglied eines Teams an Bord eines Schiffes der Marine eingesetzt werden. Der Weg dorthin ist somit für einen Mannschaftssoldaten vergleichsweise lang und erfordert von allen, die sich dieser Herausforderung stellen, ein überdurchschnittliches Maß an körperlicher Leistungsfähigkeit und den unbedingten Willen.

Zu Beginn ihrer Boardingausbildung durchlaufen die Soldaten das vierwöchige Boarding-Basic-Training, eine Grundausbildung, bei der erste Fertigkeiten wie das Verbringen per Helikopter durch Fast-Roping („Abseilen“) und erweiterte Schießausbildungsinhalte vermittelt werden. Nachdem erfolgreichen Abschluss dieses Ausbildungsabschnitts werden die Anwärter in die Boardingkompanie versetzt, wo sie die „Boardingeinsatzausbildung“ absolvieren.

In den folgenden Monaten werden die Soldaten in der waffenlosen Selbstverteidigung geschult. Sie absolvieren eine umfangreiche Schießausbildung, speziell im Bereich von engen Räumen und auf Schiffen. Sie erlernen das Verbringen im Rahmen von Boardingoperationen mit Hilfe von Speedbooten und Hubschraubern. Des Weiteren müssen die Männer und Frauen eine intensive Taktikausbildung sowie Grundlagen der Einsatzregeln und das verhältnismäßige Anwenden von Gewalt verinnerlichen, um im späteren Einsatz allen Herausforderungen eigenständig gewachsen zu sein.

Zu den schon beschriebenen Ausbildungsinhalten kommt eine permanente Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, um auch hier die nötige Grundlage für den fordernden Einsatz auch unter klimatisch widrigsten Umständen zu bewältigen.


Boardingsoldaten trainieren auf einem eigenen Trainingsparcour.

Boardingsoldaten beim Training (Quelle: © Bundeswehr / Boardingkompanie)Größere Abbildung anzeigen


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Stand vom: 27.11.13 | Autor: 


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