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10 Jahre Uboot Klasse 212 A – Der Weg vom lernenden Ubootgeschwader zur internationalen Kooperation

Eckernförde, 04.01.2016.
Korvettenkapitän Christian Moritz war von 2003 bis 2005 zweiter Wachoffizier auf dem Uboot „U 16“. Nach der Umschulung auf die neue Klasse 212 A gehörte er zur Erst- und Indienststellungsbesatzung von „U 34“. Von 2011 bis 2013 folgte die Verwendung als Kommandant der Besatzung „Delta“. Seit September 2014 ist er Leiter des Ausbildungszentrums Uboote. Damit hat Korvettenkapitän Moritz die 10 Jahre 212 A in unterschiedlichen Positionen miterlebt und mitgestaltet. Dieser Bericht soll einen kleinen Einblick in den Weg von den Uboot-Klassen U 206 A zu U 212 A geben.

Die Besatzung eines Ubootes an Oberdeck.

Die Heimat ist weit entfernt (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

„Dies ist ein wichtiger Tag für die Marine. Die Indienststellung der beiden ersten Uboote der Klasse 212 A stellt den Beginn einer neuen Ära der Uboot-Technologie dar“. Die Worte des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Peter Struck, bei seiner Rede anlässlich der Indienststellung der Uboote „U 31“ und „U 32“ im Jahr 2005 machen deutlich, dass das 1. Ubootgeschwader mit Übernahme der beiden Boote vor neuen Herausforderungen stand. Zukünftige Manöver und Einsätze mussten mit einem Waffensystem bestritten werden, welches man bis dahin zwar in den Funktionsnachweisen auf Herz und Nieren geprüft, aber mit dem man bis dahin noch keine operativen Erfahrungen gesammelt hatte. Für das Geschwader galt es, nach über 30 Jahren Erfahrung in der Nutzung der Uboote der Klasse 206 A, mit Beginn dieser neuen Ära neue taktische und operative Erfahrungen aufbauen zu müssen.

Quantensprung in die neue Technik

Die Einführung der Klasse 212 A bedeutete für das 1. Ubootgeschwader ein Quantensprung in nahezu allen Aspekten gegenüber den Booten der Klasse 206 A: außenluftunabhängiger Antrieb, stark verbesserte und neue Sensoren, verdoppelte Leistung des Effektors, verbesserte Geräuschsignaturen und eine Verbesserung der optischen Aufklärung. Ziel war es die Uboote U 212 A analog den 206 A einsetzen zu können, nämlich am Limit ihrer Fähigkeiten. Zu Beginn waren dabei die operativen Erfahrungen 206 A hilfreich, die man in das taktische Training im Ubootsimulator FüWES U 212 A am Ausbildungszentrum Uboote integriert hat. Des Weiteren haben die 206 A als „Arbeitspferde“ des Geschwaders wichtige Einsatzaufgaben übernommen und so den Besatzungen „U 31“ bis „U 34“ den „Rücken freigehalten“, weitere Erprobungen durchzuführen oder an Übungen teilzunehmen, um erste operative Erfahrungen mit dem System zu sammeln. Erste Übungen wurden dabei vornehmlich mit deutschen Einheiten gefahren, um die Boote in taktischen Szenarien kennenzulernen.

Das lernende Ubootgeschwader

Klasse 212 A und 206 A in der Werft nebeneinander.

Klasse 212 A und 206 A in der Werft nebeneinander (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Ein zentraler Schlüssel für eine erfolgreiche Umsetzung eines Kreislaufs war dabei zunächst eine detaillierte Auswertung der Übungen sicherzustellen. In den Anfängen haben dabei die Besatzungen ihre „Casual Exercises“ noch selbst in den operativen Pausen an Bord ausgewertet. Dieses Vorgehen ist aber vor allem bei komplexeren Manövern schnell an seine Grenzen geraten. Für größere Vorhaben wird daher seit dem „Westland-Deployment 2013“ jeweils ein Evaluationsteam zusammengestellt, um die Übungen live auszuwerten und schon während des Manövers erste Feedbacks an die Besatzungen zu senden. Die Besatzungen können so die Erkenntnisse direkt in das laufende Manöver integrieren.

Aus Einsatzerfahrung wird Einsatzausbildung

Die Lehren aus der Nachauswertung werden entsprechend in der Ausbildung der Besatzungen umgesetzt. Durch die detaillierte Auswertung und neuen Erkenntnisse und Ideen, die auch während der Übungen im Simulator entstehen, wird der Weiterentwicklungsbedarf ermittelt und neue Taktiken erarbeitet. Diese werden zunächst im Simulator erprobt bevor sie das erste Mal in See genutzt werden, um den Zyklus an dieser Stelle von neuem zu starten. Damit gelingt es dem 1. Ubootgeschwader, sich an geänderte strategische Rahmenbedingungen und operative Vorgaben anzupassen.

Gemeinsame Weiterentwicklung

Die Weiterentwicklung in den verschiedenen Fähigkeitsbereichen konnte dabei natürlich nur in enger Zusammenarbeit mit allen Kräften des Geschwaders aber auch darüber hinaus durch marine- und bundeswehrweite Unterstützung gelingen. So waren neben den Ubooten unter anderem auch das Ausbildungszentrum Uboote, die Marineunterwasserortungsstelle, das Marinekommando und die Einsatzflottillen 1 und 2 an der Entwicklung neuer Taktiken und Verfahren beteiligt. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch das Taktische Seminar des 1. Ubootgeschwaders. Dieses bietet ein Forum für den nötigen Austausch und die konzentrierte Arbeit an neuen Taktiken an. In den Jahren 2014 und 2015 fand das Taktische Seminar außerdem unter internationaler Beteiligung statt, um Manöver mit anderen Nationen vorzubereiten.

Internationale Kooperation

Marinesoldaten verschiedener Nationen auf einem Uboot.

Enge Zusammenarbeit mit anderen Nationen (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Spätestens mit der Außerdienststellung der letzten sechs 206 A und einer insgesamt reduzierten Anzahl an Einheiten in der gesamten Marine, musste zur Weiterentwicklung taktischer Verfahren der Fokus von nationalen Übungen hin zur internationalen Kooperation gehen. Neben der selbstverständlich ständig stattfindenden Teilnahme an NATO-Übungen wurden durch das 1. Ubootgeschwader gezielt „Tactical Development Exercises“ mit anderen Nationen ausgeplant und in ihre Vorhaben integriert. So wurden während des „Westlant Deployment 2013“ an der Ostküste der USA gemeinsam mit der „US Navy“ wichtige Erkenntnisse in der dreidimensionalen U-Jagd gesammelt.

Diese Erkenntnisse wurden während des „MED-Deployments 2015“ von „U 33“ aufgenommen und gemeinsam mit der italienischen Marine während des Manövers „Smart Hunt 2015“ weiterentwickelt. Das Manöver Smart Hunt wurde dabei komplett unter der Führung und Verantwortung des 1. Ubootgeschwaders geplant und später in See durch den Kommandeur mit einem gemischten deutsch-italienischen Stab von der Fregatte „ITS Margottini“ aus geführt.

Ein gutes Beispiel für den Mehrwert der internationalen Kooperation ist auch die auf Lissabon abgestützte WO-Schülerfahrt „Atlantic Coach 2015“. Hier hat die Portugiesische Marine das 1. Ubootgeschwader mit Einheiten unterstützt und eine Überwassereinheit für die Sehrohrausbildung zur Verfügung gestellt, sowie mit dem Uboot „Tridente“ an der Übung teilgenommen. Somit konnte ein U-Jagd-Torpedoschießen in die WO-Schülerfahrt integriert und deutsche WO-Schüler erstmalig an Bord eines „fremden“ Ubootes ausgebildet werden.

Der Lernprozess geht weiter

Das Uboot verschwindet unter der Wasseroberfläche.

Uboot startet Tauchgang (Quelle: 2015 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Der Weg zu dem Stand, wie die Deutsche Marine Uboote 2015 einsetzt, war ein anspruchsvoller Lernprozess für das gesamte 1. Ubootgeschwader. Dabei gibt es auch jetzt noch Bereiche, in denen Prozesse weiter optimiert werden können. Trotzdem ist die Forderung des ehemaligen Bundesministers der Verteidigung, Dr. Peter Struck, die „Fähigkeiten dieser technologisch hochmodernen Uboote vollständig zu nutzen“, erreicht. Für die Jahre 2016 und 2017 sind bereits weitere Vorhaben vorgesehen, in denen Taktiken noch weiter verfeinert und verbessert werden sollen. Mit der Indienststellung der Boote des zweiten Loses und deren Innovationen beginnt aber ein neuer Lernprozess, der wiederum das ganze Geschwader fordern wird.


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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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