Was macht eigentlich eine Zukunftsplanerin?
Köln, 05.04.2012.
Zugegeben: Personalführung klingt zunächst nach einer nicht besonders spannenden Aufgabe. Man stellt sich Soldaten hinter großen Schreibtischen vor, auf denen sich Akten über Akten meterhoch stapeln. Tagein, tagaus die gleichen Abläufe. Kaum zu glauben, dass es Leute gibt, denen die Personalbearbeitung Spaß macht.

Mit einem souveränen Lächeln steckt Kapitänleutnant Anna Prehn die gängigen Klischees über ihren Job weg. Die junge Marinesoldatin ist seit April 2011 Personalführerin im Personalamt der Bundeswehr in Köln. Die Dienststelle gehört zum neuen Organisationsbereich Personal.
Im Personalamt werden die Karrieren von über 40.000 Offizieren und Offizieranwärtern aller Teilstreitkräfte entwickelt. Die Abteilung III ist für Offiziere der Marine zuständig. Hier hat Frau „Kaleu“
Prehn ihren Arbeitsplatz. Zusammen mit ihren beiden Kameraden ist sie für die Zukunftsplanung von circa 1.200 Marineoffizieren verantwortlich.
Viele Aufgaben jenseits des Schreibtisches
Jedes Jahr beginnen neue Offizieranwärter ihren Dienst bei der Marine; andere beenden ihr Studium und stellen sich ihren ersten Führungsaufgaben in der Truppe; wieder andere verlassen die Bundeswehr nach einigen Jahren, wenn sie nicht als Berufssoldaten übernommen werden wollen oder können. Es befindet sich also viel in Bewegung.
Anna Prehn hat als Personalführerin die Aufgabe, frei werdende Dienstposten der Marine bis zur Ebene Kapitänleutnant nachzubesetzen. In ihre Zuständigkeit fallen alle Offiziere des Truppendienstes im Status Soldat auf Zeit. Das beginnt nach Abschluss von Studium und Ausbildung mit der ersten Verwendung und endet mit der Verpflichtungszeit als Soldat auf Zeit oder der Vorstellung von Offizieren, die Berufssoldat werden wollen, vor einem Auswahlgremium.
Wer jedoch meint, als Personalführer würde man rigide vom Schreibtisch herrschen, der irrt sich gewaltig: Einen nicht unerheblichen Teil der Dienstzeit ist Kapitänleutnant Prehn mit ihrem Team nämlich bundesweit unterwegs und führt Gespräche mit Soldaten, deren Familienangehörigen und Partnern und natürlich Vorgesetzten.
Jedem Einzelnen gerecht werden

An den beiden Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München spricht sie beispielsweise mit jungen Marineoffizieren, die kurz vor ihrem Abschluss stehen, über deren Zukunftswünsche: Wachoffizier oder Minentaucher? Fregatte oder Uboot? Kiel oder Wilhelmshaven? Die Marine bietet viele interessante Tätigkeitsbereiche für junge Führungskräfte.
Die Erfahrungen aus den Gesprächen nimmt die leidenschaftliche Volleyballspielerin mit nach Köln. Sie muss dann schauen, ob sich die Wünsche mit dem Personalbedarf der Marine in Einklang bringen lassen. Der Spagat ist nicht immer leicht. Es wird diskutiert, telefoniert und recherchiert. Da können die Tage schon mal länger werden. Dennoch betont Anna Prehn: „Mein persönliches Ziel ist es, jedem Einzelnen bestmöglich gerecht zu werden.“
Einblick in die eigene Personalakte
Hat man als Personalführer eigentlich einen Einblick in seine eigene Personalakte? „Jeder Offizier darf Einsicht in seine Grundakte nehmen. Hier im Büro arbeiten wir mit einem kleinen Auszug daraus. Meine Akte ist zwar noch hier, aber ich führe mich natürlich nicht selbst. Weil ich mittlerweile Berufsoffizier bin, machen das andere Kameraden aus meiner Abteilung.“
In ihrer Akte findet man neben Beurteilungen und Zeugnissen auch einen fast zehn Jahre alten Wunschzettel: Auf die Frage hin, was sie nach ihrem Studium machen wolle, kreuzte Anna Prehn – damals noch Oberfähnrich zur See - die Minenstreitkräfte an. „Ich wollte nach dem Studium eine interessante und vielfältige Aufgabe und möglichst schnell Verantwortung übernehmen.“
Und genauso kam es auch: Nach ihrem Sportstudium an der Universität der Bundeswehr in München fuhr die gebürtige Mecklenburgerin zuerst auf dem Minenjagdboot „Bad Bevensen“, dann auf dem Hohlstablenkboot „Auerbach/Oberpfalz“ drei Jahre als Wachoffizier zur See.
Der erste weibliche Kommandant eines Minenjagdbootes?

Dass sie einmal Personalführerin werden würde, hätte Anna Prehn nicht gedacht. Als sie im UNIFIL-Einsatz war, fragte man sie, ob sie sich vorstellen könne, im Personalamt der Bundeswehr zu arbeiten. Da war sie erstmal „Baff“
, wie sie heute sagt. Schließlich war das ein „wahnsinniger Schritt“
. Doch sie hat zwei klare Ziele: Sie möchte sowohl Kommandant als auch Mutter werden. „Da muss man Prioritäten setzen.“
Die Entscheidung fiel ausgerechnet im Personalgespräch. – Solche, wie sie Anna Prehn nun selbst führt. Nachdem sie Berufssoldatin (BS) geworden ist, ist Kaleu Prehn durch ihre derzeitige Tätigkeit auch an der Entscheidung beteiligt, welcher Marineoffizier zum BS übernommen wird.
Bis 2013 wird Kapitänleutnant Anna Prehn noch viele Personal- und Auswahlgespräche führen. Danach geht es zurück an die Küste. Ehe sie irgendwann vielleicht ein Minenjagdboot als Kommandant übernehmen darf, muss sie noch einige Lehrgänge absolvieren. Diese Entscheidung treffen aber u.a. wieder ihre Kameraden aus der Abteilung III des Personalamtes der Bundeswehr.
