Was macht eigentlich eine Schiffsärztin?
Fregatte „Augsburg“, 17.05.2011, Sascha Jonack (Presse- und Informationszentrum Marine).
Der Arzt an Bord von Marineschiffen stellt die medizinische Versorgung sicher. Dabei ist der Verantwortungsbereich des Schiffsarztes wesentlich größer als in einer „normalen“
Klinik. „Als Schiffsärztin werde ich mit Aufgaben konfrontiert, mit denen ein Arzt in einer Klinik nur selten zu tun hat“
, erklärt Stabsarzt Dr. Julia Würfl ihre Tätigkeit an Bord der Fregatte „Augsburg“.

Seit Oktober 2010 ist Stabsarzt Würfl Schiffärztin an Bord der Fregatte. Zu ihrem Aufgabenbereich gehören, neben allen Arten der medizinischen Grundversorgung, auch die Überwachung der Hygiene an Bord sowie betriebsärztliche Untersuchungen. Doch damit nicht genug: „Ich bin an Bord auch für die regelmäßige Sanitätsausbildung der Besatzungsangehörigen verantwortlich“
, fügt sie hinzu.
„Am Anfang war hier Vieles ungewohnt, aber nach etwa sechs Monaten hatte ich mich an Bord gut eingelebt und meine eigene Routine entwickelt“
, erklärt die 30-Jährige.
Grundausbildung bei gefühlten Minus 80 Grad
Julia Würfl hat aber nicht immer die Marineuniform getragen. Ihre Karriere bei der Bundeswehr begann am 1. Januar 2001 als Sanitätsoffizieranwärter. Da hieß es: Anrücken zur Grundausbildung in der Artilleriekaserne in Kempten im Allgäu; es folgte der militärische Grundschliff für alle Soldaten. Viele Unterrichtsfächer, wie beispielsweise „Rechte und Pflichten“,
standen auf dem Tagesplan. Neben Marschieren und Formaldienst bei eisiger Kälte, absolvierte sie auch bei winterlichen Witterungsbedingungen die Waffen- und Schießausbildung. „Keine leichte Aufgabe bei gefühlten Minus 80 Grad“
, erinnert sie sich.
Nach der Grundausbildung ging es zunächst in die Offizierausbildung an die Sanitätsakademie nach München, ehe sie wieder als Ausbilder in ihre Grundausbildungseinheit zurückkehrte. „Es war eine gute Erfahrung, mal auf der anderen Seite zu stehen“
, sagt Würfl heute.
Im Oktober 2001 begann ihr Studium an der Universität in Ulm. Nach erfolgreichem Examen im Fachbereich Humanmedizin begann sie im Dezember 2007 ihre erste klinische Verwendung als Assistenzärztin in der Dermatologie des Bundeswehrkrankenhauses in Ulm.
Heeresuniform gegen das blaue Tuch

Die Bundeswehr verlangt von allen Sanitätsoffizieren eine Truppenarztverwendung. In dieser Zeit sind sie dann als Hausarzt einer Einheit für die medizinische Behandlung und Betreuung eines Truppenteils an einem Bundeswehrstandort zuständig. „Ich wollte die Gelegenheit nutzen und die Welt nördlich der Donau kennenlernen“
, so die Stabsärztin. „Somit kam es, dass ich die Heeresuniform gegen das blaue Tuch getauscht habe.“
Doch bevor Sie als Schiffsärztin eingesetzt werden konnte, hieß es wieder einmal, die Schulbank zu drücken. Eine maritim-fachliche Ausbildung am Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine in Kronshagen musste zunächst absolviert werden. Hier wurde sie in sechs Monaten auf ihre zukünftige Tätigkeit als Schiffsärztin vorbereitet. In verschiedenen Ausbildungsabschnitten durchlief sie hier Schiffsarzt- sowie Taucher- und Fliegerarztlehrgang. Weitere Themen des Lehrgangs waren die Bereiche Tropenmedizin, Sonographie, Gynäkologie und Telemedizin. Die Ausbildung zum Rettungsmediziner ist dabei ebenfalls Pflicht. Zum Abschluss erhielt Würfl das Zertifikat „Maritime Medizin der Ärztekammer in Schleswig-Holstein“
. Dies berechtigt sie, als Schiffsarzt zu praktizieren.
Liebe zur Küste und bayrische Heimat
Die Fregatte „Augsburg“ pflegt eine gute Beziehung zu ihrer Patenstadt. Als gebürtige Augsburgerin hatte Stabsarzt Würfl die Nebenaufgabe als Patenschaftsoffizier gerne übernommen. Jetzt freut sie sich immer, wenn sie auf diesem Weg ihre alte Heimat wiedersieht und mit einer Delegation der Fregatte „Augsburg“ in die Patenstadt kommt. „Dass ich den Heimatdialekt spreche, ist oftmals eine große Hilfe“
, sagt sie.
Stabsärztin Dr. Julia Würfl wird voraussichtlich noch bis Oktober 2012 als Schiffsärztin auf an Bord bleiben. Im Anschluss strebt sie die Weiterbildung zum Facharzt im Bereich Dermatologie/Venerologie an.
Inzwischen fühlt sich die junge Ärztin an der Nordseeküste wohl. Sie mag die kühle Brise und die norddeutsche Herzlichkeit. „Ich kann mir durchaus vorstellen, an der Waterkant zu bleiben“
, gibt sie zu. „Trotz allem bleiben die bayrischen Berge immer meine Heimat“
, stellt Dr. Julia Würfl zum Abschluss klar.
