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Warum Umwege auch geradezu ins Ziel steuern

Parow, 08.03.2016.
Robert Hertel kann keinen geradlinigen Karriereweg in der Bundeswehr vorweisen. Sein Werdegang zeigt, dass man auch unübliche Wege beschreiten kann, um eine verantwortungsvolle Position einnehmen zu können. Heute ist er Ausbilder und gleichzeitig Zugführer in der 8. Inspektion der Marinetechnikschule. Zudem ist er stellvertretender Inspektionsfeldwebel, etwas ganz besonderes auf seinem jungen militärischen Weg.

Der Ausbilder erklärt den Rekruten die Bauteile des Maschinengewehrs.

Der Ausbilder erklärt den Rekruten das Maschinengewehr (Quelle: 2016 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Was Robert Hertel so besonders macht, ist sein Werdegang beim Militär bis zum heutigen Tage. Am 1. Oktober 2004 stieg er als Grundwehrdienstleistender für 9 Monate in die Bundeswehr ein. Er legte seinen Grundstein im 3. Panzerartilleriebataillon 425 in Lenitz. Für das Heer geboren und das Leben genießen – draußen und im Dreck. Das waren die Vorstellungen des jungen Hertels. Doch dann musste er gehen, eine Verlängerung war nicht vorgesehen. Sein Antrag wurde abgelehnt.

Neustart bei der Marine

Gruppenfüher der eingesetzten Gruppe, Oberbootsmann Robert Hertel verarbeitet das geschehene am Lagerfeuer.

Das Geschehene verarbeitet sich bestens am Lagerfeuer (Quelle: 2016 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Die Hoffnung in die Bundeswehr zurückzukehren, verließ ihn aber nie. Also sprach er ein weiteres Mal mit dem damaligen Kreiswehrersatzamt in Berlin. Doch das Angebot dort stimmte nicht mit seinen Wünschen für seine militärische Karriere überein. Später versuchte er es noch einmal mit einer Bewerbung bei der Karriereberatung in Wilhelmshaven. Die Hoffnung war groß, bei der Marine einen interessanten und fordernden Job zu finden. Hier lernte er aber nur die fahrende Marine kennen. Nur ewig auf See sein, dass war irgendwie auch nicht das Richtige. Ein Freund berichtete Robert Hertel von den Marineschutzkräften, die in Eckernförde stationiert sind. Infanterie – Marine – einsatzorientiert! Genau das Richtige für ihn!

Am 1. April 2008 war es dann soweit. Seine zweite Etappe bei der Bundeswehr startete. Robert Hertel durfte erneut die Grundausbildung besuchen, dieses Mal fand sie in Plön statt. Drei Monate später wurde er zu den Marineschutzkräften nach Eckernförde versetzt. Er wurde Zeitsoldat und auf vier Jahre verpflichtet. Aber die Optionen auf mehr ließen ihn hoffen. Es folgten viele Übungsplatzaufenthalte und die Einsatzvorbereitung für seinen ersten Einsatz im Juni 2009. UNIFIL – erst als Teammitglied in der „Harbour-Protection“, dann geändert als „Mobile-Protection-Team“ auf dem Tender „Rhein“. Im September 2010 folgte schon der nächste Einsatz: Atalanta auf der Fregatte „Köln“. 2011 ergriff er die ihm gebotene Chance und stellte den Antrag auf die Verlängerung seiner Dienstzeit auf acht Jahre.

Dass so ein Leben bei der Marine nicht langweilig werden würde, merkte Hertel kurz darauf. Anfang 2012 bewarb er sich für die Bootsmann-Laufbahn und der damit verbundenen Weiterverpflichtung. Es folgten einige Ausbildungsabschnitte und Weiterbildungen, um ihn auf seinen nächsten Karriereabschnitt in der Portepee-Laufbahn vorzubereiten.

Wer Karriere machen möchte, muss gewillt sein, den Standort zu wechseln

Portepeeunteroffizier, Oberbootsmann Robert Hertel im Portrait.

Portepeeunteroffizier, Oberbootsmann Robert Hertel (Quelle: 2016 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Ab September 2013 gehörte Robert Hertel zur Marinetechnikschule in Parow. Frisch und motiviert kam er in seine neue Einheit. Mit Beginn des neuen Jahres (2014) wurde er Gruppenführer in der Grundausbildung der Marinetechnikschule. Hier konnte er seine infanteristische Vorausbildung in der Ausbildung der Rekruten umsetzen. Seinen Job machte Oberbootsmann Hertel sogar so gut, dass er bereits ein Jahr später als stellvertretender Zugführer und sogar als stellvertretender Inspektionsfeldwebel eingesetzt wurde. Eignung – Leistung – Befähigung! – Oberbootsmann Hertel zeigte Herz und Potential. So wundert es nicht, dass seine steile Karriere voranschritt. Bereits seit Juli 2015 ist Robert Hertel Zugführer. Für die Wahrnehmung seiner zusätzlichen Aufgaben fehlt ihm offiziell aber noch die sogenannte Spießausbildung. Aber auch diese ist bereits für 2016 vorgeplant. Bis dahin ist er weiterhin ein gern gesehener Ansprechpartner für Vorgesetzte und ein Vorbild für unterstellte Soldaten.

Auch sein Privatleben meistert Hertel im Schnelldurchlauf. Seine Ehefrau hat er 2014 in der Marinetechnikschule kennen und lieben gelernt. Sowohl mit Hochzeit als auch mit einem Kind sind sie 2015 gemeinsam durchgestartet. Für seine berufliche Karriere steht der Plan schon fest. Seine Frau ist ganz auf seiner Seite. Denn hinter jedem starken Mann steht eine noch viel stärkere Frau, die ihm den Rücken freihält.

Grundausbildung in der 8. Inspektion der Marinetechnikschule

Die Marschformation wird vom Oberbootsmann Robert Hertel gehalten.

In Marschformation an der Marinetechnikschule (Quelle: 2016 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Der Ablauf der Grundausbildung ist klar strukturiert. Die Rekruten reisen an und bekommen ihre Unterkünfte zugewiesen. In den ersten Tagen erfolgen die üblichen administrativen Angelegenheiten und gleichzeitig die ersten Erkundungen im Kasernenbereich. Das bedeutet also: Papierkram machen, Belehrungen genießen, an ersten Unterrichten teilnehmen und die medizinische Begutachtung durchlaufen. Die Rekruten machen Bekanntschaft mit dem Formaldienst und der Waffenausbildung. Es folgen die sanitätsdienstliche Ausbildung und schließlich auch die Grundlagenausbildung als Atemschutzgeräteträger, die sogenannte Feuerwehrausbildung für seegehendes Personal.

Da hohe Ansprüche an das Bestehen geknüpft sind, erlangt bisher nur etwa ein Drittel der Rekruten diese besonderen Fertigkeiten.

Interessierte Rekruten und die anderen

Im Gruppenrahmen besprechen sich die eingesetzten Soldaten mit dem Gruppenführer, Oberbootsmann Rober Hertel.

Die Rekruten besprechen sich mit dem Gruppenführer am Lagerfeuer (Quelle: 2016 Bundeswehr / Matthias Letzin)Größere Abbildung anzeigen

Manche Rekruten sind an der militärischen Ausbildung sehr interessiert und bringen sich auch gern für ihre Kameraden ein. Diese Leute streben bereits zu Beginn der Bundeswehr höhere Ziele an. Sie kommen auf die Ausbilder zu und berichten von ihren Plänen, die Laufbahnen von Unteroffizieren oder sogar von Offizieren anzustreben. Ob ein Neuzugang wirklich gut ist, kann der Ausbilder recht zügig einschätzen. Dann kann der Interessent zusätzlich gefördert werden und Zusatzaufgaben übernehmen. Gleichzeitig ist diese Kombination ein gutes Bindeglied zwischen dem Ausbildungspersonal und den Rekruten.

Natürlich ist nicht alles positiv in der Grundausbildung. „Erziehungsmissstände oder fehlende Disziplin, die in den Jahren des Aufwachsens zu Hause oftmals nur mäßig stattgefunden haben, können wir nur schwer in drei Monaten Grundausbildung vermitteln“, erklärte Oberbootsmann Hertel. Das betrifft natürlich nicht alle. Oftmals fühlen sich die Ausbilder als Ersatz für Mama und Papa, so Robert Hertel weiter: „Es ist durchaus anspruchsvoll den Rekruten den richtigen Weg aufzuzeigen.“ Das Verhältnis zwischen den Rekruten und den Ausbildern ist sehr gut. Was er den Rekruten anbietet und für sie umsetzt, das erwartet er in angemessener Art und Weise aber auch als Rückantwort. Und falls einer seiner Soldaten einmal ein Problem hat, welches er nicht allein lösen kann, dann geht dieser üblicher Weise zunächst zu seinem Gruppenführer und bittet dort um Hilfe. Manches Mal kann es aber auch sein, dass eine Unterstützung durch Hertel als Zugführer notwendig wird. Dann ist er da und hilft. „Er ist ein besonderer Mensch und vom Charakter her unbeschreiblich. Ich kann ihm vertrauen und er gibt mir das Gefühl von Sicherheit. Er kann mich überzeugen und mitreißen. Ich bin überzeugt von den Dingen, die er tut“, so einer der Rekruten von Oberbootsmann Hertel.


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Stand vom: 21.03.16 | Autor: 


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