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Kap Hoorn in Sicht

In See (SSS GORCH FOCK), 17.01.2011, Achim Winkler (Presse- und Informationszentrum Marine, z.Z. GORCH FOCK).
Mit großer Spannung war sie von der gesamten 200-köpfigen Besatzung des Segelschulschiffes GORCH FOCK erwartet worden: Die Umrundung des legendären und berüchtigten Kap Hoorn, der südlichen Spitze des südamerikanischen Kontinents. Am Morgen des 14. Januars 2011 war es dann endlich soweit, als der Ausguck „Land in Sicht“ meldete - Kap Hoorn!

Die GORCH FOCK vor dem Kap Hoorn bei rauer See.

Das Kap Hoorn auf der chilenischen Felseninsel Isla Hornos (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Yvonne Knoll)Größere Abbildung anzeigen

Die vergangenen zwei Tage an Bord des Dreimasters waren relativ ungemütlich zugegangen. Nachdem das Schiff sich gegen starken Wind und immer schwerer werdenden Seegang unter Maschine aus der Magellan-Straße in den Pazifik hinausgekämpft hatte, konnten in der Nacht zum Mittwoch endlich wieder Segel gesetzt werden, um die letzten rund 400 Seemeilen bis Kap Hoorn in Angriff zu nehmen. Ein strammer Nord-West-Wind mit neun, in Spitzen gar elf Beaufort, versprach eine schnelle Reise.

Allerdings brachte dieser Sturm auch einen gewaltigen Seegang von sechs bis acht Metern Wellenhöhe mit sich, der nun aus achterlicher Richtung kam und das Schiff die nächsten beiden Tage schwer rollen ließ. Ausschläge des Krängungsmessers in Spitzen bis zu 30 Grad zu beiden Seiten waren keine Seltenheit. Manche Arbeiten an Bord waren wegen der heftigen Bewegungen im Schiff nicht mehr möglich.


Routinierter Ablauf

Soldaten beim Segelmanöver unter erschwerten Wetterbedingungen.

Segelmanöver unter erschwerten Wetterbedingungen (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Yvonne Knoll)Größere Abbildung anzeigen

Insgesamt zeigte sich aber, dass die Vorbereitungen für schweres Wetter Früchte getragen hatten. Es entstanden so gut wie keine Schäden. Auch das Reffen der beiden großen Untersegel ging routiniert und zügig vonstatten.

Die vor Weihnachten in Buenos Aires zur Besatzung gestoßenen 60 Mann Segelcrew sind mittlerweile gut in die jeweiligen Wachen integriert. Seebeine sind den Kameraden ebenfalls bereits gewachsen, nicht ein einziges Mitglied der Besatzung zeigte Ansätze von Seekrankheit. Lediglich das Essen an Bord wurde für manchen noch zum akrobatischen Kunststück.

Der entscheidende Freitag zeigte sich in wettertechnischer Hinsicht dann deutlich versöhnlicher. Die See war zwar immer noch grob, aber durchaus etwas ruhiger. Der Wind blies mit sieben Windstärken aus westlicher Richtung und der Bordmeteorologe stellte gute Sicht und gar den einen oder anderen Sonnenstrahl in Aussicht. Er sollte recht behalten. Auf eine Entfernung von über 20 Seemeilen kam der gut 400 Meter hohe Felsen des Kap Hoorns, insgesamt nur eine kleine Insel, in Sicht.

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Ein historischer Augenblick

Das Segelschulschiff GORCH FOCK auf See.

Die GORCH FOCK nach der Umrundung des Kap Hoorns (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Yvonne Knoll)Größere Abbildung anzeigen

Ein glücklicher Zufall wollte es, dass ungefähr eine Stunde später ein großer Tanker, die unter der Flagge der Marshall-Inseln fahrende NOEMI, des gleichen Weges kam.

Nach Kontaktaufnahme per Funk und dem Austausch einiger seemännischer Grüße wurden von diesem Schiff ein paar Fotos geschossen, die die GORCH FOCK vor dem Kap Hoorn zeigen. Diese wurden anschließend per Mail geschickt. Leider entstanden keine hochwertigen Bilder, aber dank moderner Kommunikationsmittel immerhin einmalige Beweismittel der Kap Hoorn-Umrundung...

Kurz vor 10:00 Uhr Ortszeit an diesem Freitagmorgen war es dann tatsächlich soweit. Unter Sturmbesegelung segelte die GORCH FOCK erstmalig in ihrer 52-jährigen Geschichte am Kap Hoorn vorbei - im Abstand von nur knapp einer Seemeile! Die günstige Windrichtung hatte diesen sehr nahen Passierabstand gefahrlos ermöglicht. Die gesamte Besatzung war an Deck und ließ sich diesen historischen Augenblick nicht entgehen

Insbesondere für den Kommandanten des Segelschulschiffes, Kapitän zur See Norbert Schatz, ein bewegender Moment, den er für sich selbst nur schwer in Worte zu fassen vermag. Er sieht ihn durchaus als Höhepunkt seiner bisherigen seemännischen Laufbahn, legt aber ausdrücklichen Wert darauf, dass dieser Moment nicht allein sein Verdienst ist sondern vielmehr der einer guten Besatzung, die mit ihrem guten Schiff hervorragende Arbeit geleistet hat.

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„Die südlichste Stadt der Welt“

Ausblick von der GORCH FOCK auf die Landschaft des Kap Hoorns.

Das legendäre Kap Hoorn (Quelle: © 2011 Bundeswehr / Yvonne Knoll)Größere Abbildung anzeigen

Nach der Vorbeifahrt am Kap kam die GORCH FOCK relativ schnell unter Landabdeckung und der Seegang wurde erheblich ruhiger. Bis zum Abend schlief dann sogar der Wind fast ein und das, als immer rau beschriebene Seegebiet zeigte sich von einer freundlicheren Seite. Gute Aussichten für den folgenden Hafenaufenthalt in Ushuaia, der zu Argentinien gehörigen südlichsten Stadt der Welt.

Hier werden Kraftstoff und Verpflegung nachgebunkert sowie der Besatzung zwei Tage Pause gegönnt, bevor es an die Weiterreise geht, die Schiff und Besatzung auf der pazifischen Seite Südamerikas wieder nach Norden führen wird. Am Anfang steht dabei die erneute Umrundung des Kap Hoorn, die diesmal in wettertechnischer Hinsicht grundsätzlich schwieriger ist und ein geschicktes nautisches und insbesondere meteorologisches Taktieren erfordern wird.

Mit jeder Seemeile nach Norden wird die GORCH FOCK ihrer Heimat wieder näher kommen. Das auf etwa 56 Grad südlicher Breite liegende Kap Hoorn stellt den am weitesten entfernten Punkt der gesamten Reise dar, rund 15.000 Kilometer Luftlinie vom Heimathafen Kiel entfernt. Zurückgelegt hat das Schiff seit Auslaufen aus Kiel am 20. August 2010 bereits rund 16.000 Seemeilen, was etwa 30.000 Kilometern entspricht - ziemlich genau 90 Prozent davon unter Segeln.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: 


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