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Einhundert Tage im Einsatz – die EMDEN am Horn von Afrika

Fregatte EMDEN (in See), 28.04.2006, Steven Wernecke (Außenstelle Djibouti).
Mitte April, Ostern. Die Tage werden immer heißer, es ist fast windstill, ein Tag, an dem man das klimatisierte Innere des Schiffes nur ungern verlässt. Es dauert nur wenige Minuten, und die Kleidung ist durchgeschwitzt. Dennoch herrscht reger Betrieb.

Die Fregatte EMDEN empfängt Kraftstoff von einem japanischen Versorger
Die Fregatte EMDEN empfängt Kraftstoff von einem japanischen Versorger (Quelle: © 2006 Bundeswehr / Jan Giesecke)Größere Abbildung anzeigen

Die Fregatte EMDEN führt heute, am Ostermontag, planmäßig ihr neuntes Seeversorgungsmanöver – kurz RAS genannt – durch. Dieses Mal findet es mit einem japanischen Versorger statt.

Jeder Soldat kennt seinen Platz. Präzise Kommandos schallen über Deck der Fregatte. Nach wenigen Minuten werden die ersten Leinen übergeben, dicke Haltetrossen und schließlich die Kraftstoffschläuche folgen. Keine halbe Stunde später fließt bereits der Dieselkraftstoff aus dem Bauch des riesigen Versorgers über ein ausgeklügeltes Schlauch- und Kupplungssystem in die Bunker der EMDEN.

Unterschiede zwischen Japanern und Deutschen scheint es dabei nicht zu geben. Beide Besatzungen agieren absolut professionell und arbeiten routiniert und eingespielt zusammen. Am Ende des knapp zweistündigen Manövers hat die Fregatte mehrere hundert Kubikmeter Kraftstoff übernommen.

Traditionell wird am Ende des Manövers ein Musikstück über die Außenlautsprecher des Schiffes gespielt – auf der EMDEN ist es das Lied Rawhide aus dem Film Blues Brothers. Die EMDEN nimmt unter den Klängen der Musik zügig Fahrt auf und lässt den Versorger hinter sich.

Auf beiden Seiten wird zum Abschied – und nach getaner Arbeit – herzlich gewinkt. Kaum sind die letzten Takte verklungen, beginnt das Aufklaren. Erst wenn alles sauber und ordentlich ist, verlassen die Soldaten das Oberdeck.

Schnell eine verdiente Dusche, dann gibt es Kaffee und Kuchen in den Messen. Schließlich ist heute Ostermontag. Die Gedanken schweifen ab zu den Lieben daheim. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht, denn das Schiff hat einen Auftrag.


Das Boardingteam ist auf dem Weg, ein arabisches Handelsschiff zu überprüfen
Das Boardingteam ist auf dem Weg, ein arabisches Handelsschiff zu überprüfen (Quelle: © 2006 Bundeswehr / Jan Giesecke)Größere Abbildung anzeigen

Und das bedeutet, dass der regionale Schiffsverkehr in diesem Seegebiet weiterhin aufgeklärt und untersucht wird. Dabei werden die hier typischen arabischen Schiffe, die Dhaus, nach Schiffsnamen, Herkunftsland und -hafen, Reiseziel und –zweck, Art der Ladung und der Zusammensetzung der Crew gefragt.

Bestehen Zweifel an den Aussagen, oder handelt es sich um ein gesuchtes oder bisher unbekanntes Fahrzeug, wird der Kapitän gefragt, ob er etwas gegen einen Besuch – in diesem Fall unseres Boardingteams – einzuwenden hat.

Die Antwort eines jeden rechtschaffenen Schiffsführers lautet: „Nein, gegen einen Besuch habe ich nichts einzuwenden“. Bisher wurde das Ersuchen, an Bord zu kommen, der Fregatte EMDEN gegenüber noch niemals verweigert. Diesen Vorgang nennt man Approaching.

Das Boardingteam wird mit dem schnellen Beiboot der EMDEN, dem Speedboot, auf die befragte Dhau gebracht. Zahlreiche Fotos werden aufgenommen. Zur gleichen Zeit ist das Boardingteam an Bord der Dhau damit beschäftigt, die Crew und die Passagiere zu identifizieren und zu fotografieren.

Dieses ist eine erfolgreiche Methode, Personen zu ermitteln, die sich unter verschiedenen Identitäten zu erkennen geben. Die Kontrolle von Ladung und Schiffspapieren (soweit vorhanden) übernehmen andere Mitglieder des Teams. Insgesamt kann so ein Approach, je nach Schiffsgröße, mehrere Stunden dauern.


Die Fregatte EMDEN im Einsatz - Am Horn von Afrika kontrolliert sie die Gewässer und sichert die Seewege
Die Fregatte EMDEN im Einsatz - Am Horn von Afrika kontrolliert sie die Gewässer und sichert die Seewege (Quelle: © 2006 Bundeswehr / Jan Giesecke)Größere Abbildung anzeigen

Von Seiten der amerikanischen Streitkräfte, aber auch der anderen Koalitionsmitglieder, wird der deutsche Beitrag immer wieder ausdrücklich gewürdigt. Deutschland gilt als zuverlässiger Partner, die Fregatte EMDEN genießt wegen ihres Engagements ein sehr hohes Ansehen.

Es zahlt sich aus, wenn ein Schiff zusätzliche Aufgaben übernimmt. So hatte die Fregatte EMDEN – als einziges Schiff seit Beginn der Operation im Jahr 2002 – sechs Approaches an nur einem Tag gefahren. Auch die Gesamtzahl dieser Einsätze, über 50 in den ersten hundert Tagen, spricht für das Engagement der EMDEN und ihrer Besatzung.

Die ersten drei Einsatzmonate sind nun bewältigt, und die Männer und Frauen der EMDEN können nun zu Ostern mit neuem Elan in die zweite Halbzeit des Einsatzes gehen. Denn hinter der Besatzung liegen zehn Tage Erholung in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten - dem so genannten Liberty Port für die deutsche Fregatte.

Wieder in See, wollen die Soldaten denn auch den Erfolgen der ersten hundert Einsatztage weitere hinzufügen. Das Ergebnis dieses Einsatzes ist ein hochaktuelles Lagebild über die Personen- und Warenströme im gesamten Überwachungsgebiet und auch über die Lage im vom Bürgerkrieg zerrütteten Somalia. Deutsche Schiffe tragen hierzu ohne Unterbrechung seit 2002 bei und leisten somit ihren Beitrag zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus.

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Stand vom: 07.08.12 | Autor: 


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