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Aus dem Lehrsaal in die Nock

Flensburg, 07.12.2011.
Auf dem Lehrplan der Offizieranwärter der Crew VII / 2011 steht nicht nur das Pauken in der Marineschule Mürwik. Vielmehr heißt es durch praktische Erfahrungen das Gelernte begreifen und vertiefen. Eine Woche auf einem Minenjagdboot hinterließ bei den angehenden Offizieren bleibende Eindrücke und einen ordentlichen Motivationsschub. Ein Erfahrungsbericht.

Die Offizieranwärter an Bord des Minenjagdbootes M 1067 BAD RAPPENAU.

Endlich zur See fahren (Quelle: © 2011 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Noch ganz unter dem Eindruck der infanteristischen Basisausbildung in Parow fanden wir, die Offizieranwärter (OA) des Hörsaals 33, uns Anfang November wieder in den wohlvertrauten Mauern der Marineschule ein. Bereit, unserer ersten durch und durch maritimen Herausforderung entschlossen und mit großem Enthusiasmus entgegenzutreten. "Endlich zur See fahren!", war es in sämtlichen Gesichtern zu lesen, während Sorgen um Seekrankheit, die Reichweite des deutschen Handynetzes und die Frage, wie wir wohl an Bord aufgenommen würden, ausgiebigst diskutiert wurden.

Auch wenn vielleicht nicht alle "Befürchtungen" bis zur Abfahrt nach Kiel beseitigt werden konnten, so wurden sie doch von der freudigen Erwartung geradezu überspült. Von Kameraden mit Vordienstzeit an Bord von Minenabwehreinheiten wussten wir, dass sowohl die Kameradschaft als auch das Erleben des Seegangs auf diesen Booten besonders ausgeprägt waren. Wie sollten wir also besser damit beginnen uns Seebeine wachsen zu lassen?
Geschäftiges Treiben erwartete uns bereits in Kiel. Fast schon surreal wirkte unsere "gestriegelte" Erscheinung inmitten arbeitend wuselnder Seefahrer. Sowie die Kameraden Stück für Stück ihren Booten zugeteilt wurden, klafften plötzlich Löcher in unserer kleinen Formation mitten auf der Pier und brach unser letzter Halt in der schulischen Welt des bisherigen Lehrgangs gleichermaßen weg.

Unsicheren Schrittes betraten wir die Stelling, lernten zügig unsere Unterkunft kennen (das sogenannte "Heldendeck"), legten den Bord- und Gefechtsanzug (BGA) an und realisierten kurz darauf, dass unsere erste richtige Seefahrt bereits begonnen hatte. Inmitten des allgemeinen Aufbruchs fiel die Begrüßung an Bord (hier: die BAD RAPPENAU) recht kurz, aber dennoch freundlich aus. Keine der "Befürchtungen" bestätigte sich: Keineswegs wurden wir wie "Landratten" behandelt oder aber wegen des Sterns (Anmerk. d. Red.: Erkennungszeichen für Offizieranwärter) auf unseren Schultern kritisch beäugt. Im Gegenteil: Von Anfang an bot man uns Hilfe bei jeder erdenklichen Frage, bei jedem sich eventuell stellenden Problem an. Daher stellte sich bereits zu Beginn das Gefühl ein, hier willkommen und ein Teil der familiären Verhältnisse dieser Mannschaft zu sein.


Zwischen Theorie und Praxis

Das Minenjagdboot BAD RAPPENAU auf See.

Minenjagdboot BAD RAPPENAU (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Björn Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Der Seegang des ersten Tages hielt sich zum Glück in Grenzen, so dass wir uns frei von Beschwerden an unsere „Heimat“ für die Woche gewöhnen konnten. Der eine oder andere OA wechselte zwar die Gesichtsfarbe von einem gesunden, durch die Kälte gekräftigtem Rosa zu einem fahlen Grünschimmer, doch insgesamt zeichnete sich der Hörsaal durch einen sehr geringen seekrankheitbedingten Ausfall aus. Schnell fanden wir uns in unseren Fahrwachen zurecht und konnten die uns zugedachten Aufgaben schnell, manchmal jedoch vielleicht etwas unorthodox, erfüllen. So wurden etwa bei den ersten Meldungen als frisch gebackenen Ausgucks die an der MSM erworbenen Kenntnisse der Kollisionsverhütungsregeln (KVR) "by the book" angewendet. Unterschiede zwischen Theorie und Praxis wurden nicht nur von uns als Teil der Erfahrung sondern auch von den Bootsbesatzungen als ihr Beitrag zu unserer Ausbildung angesehen und begrüßt.

Unser Kommandant, Kapitänleutnant Isenberg, nahm sich abends Zeit für ein längeres Einführungsgespräch. Er machte uns bereits zu Beginn klar, dass wir vor allem zur tatkräftigen Unterstützung an Bord waren, auf der anderen Seite jedoch aufgefordert waren, Verwendungswünsche im Bordgefüge klar zu äußern. Im Laufe der Woche sollte sich zeigen, dass diesen Wünschen teils während der Fahrwachen, teils während der Freiwachen nachgekommen werden konnte. Von den üblichen Aufgaben der Fahrwache wie Ausguck, Rudergänger, Posten Rudermaschinenraum über Unterstützung der Navigation und Schifftechnik, bis hin zur Einweisung als Ankerposten, Decksdienst und der regen Einbindung bei Schadensabwehrübungen, wurden wir äußerst umfangreich und umfassend in die Teilbereiche des Bordlebens und -dienstes integriert.

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Denkwürdiger Anblick

Das Minenjagdboot BAD RAPPENAU und 2 weitere Schiffe die an SQUADEX teilgenommen haben liegen im Hafen.

Im Hafen festgemacht (Quelle: © 2011 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Besonders hervorzuheben war die Übung des "Mann-über-Bord–Manövers". Der Kommandant ermöglichte es den hier eingeschifften Kameraden, ein derartiges Manöver höchst selbst als Wachoffizier zu fahren. Ein manchmal geradezu denkwürdiger Anblick, wenn der "kommandierende" OA von der Backbord- in die Steuerbordnock wechselte, gefolgt von einem "Beraterstab" aus Wachoffizieren. Und auch hier wurde wieder einmal das an der Schule erworbene Wissen, nämlich über Williamson- und Guantanamo-Turn, um praxisnahe Ansätze ergänzt. Am Donnerstag dann legte die See zu und verlangte auch den Kameraden, die die Seekrankheit bereits besiegt wähnten, erneut einiges – bisweilen das Frühstück – ab.

Die Schiffe des Einsatzausbildungsverbandes, welcher uns allen noch bevorsteht, sind nicht annähernd so anfällig für das Wogen und Wiegen der Wellen wie ein Minenjagdboot. Zu lernen, unter erschwerten Bedingungen in den Schlaf zu finden, sich mit Ablenkung aktiv gegen wellengangbedingte Übelkeit zu wehren, unbeschadet durch die Decks zu stolpern und die Erkenntnis, wie verstärkend das Werk eines unruhigen Rudergängers auf das Rollen des Bootes wirken kann, sind daher als besonders wertvolle Erfahrungen dieser Fahrt zu werten.

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Kameradschaft auf See

Die Back des Minenjagdbootes BAD RAPPENAU.

Stählerner Koloss (Quelle: © 2011 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die kameradschaftliche Hilfe der Mannschaft ist auch in diesem Fall besonders hervorzuheben. Daher sahen wir mit einiger Wehmut dem Einlaufen in Göteborg entgegen. Obwohl erst vier Tage dabei, fühlten wir uns doch, als führen wir schon seit eh und je mit "unserem" Boot und seiner Besatzung zur See. Da darf es nicht weiter verwunderlich sein, dass der Landgang sich am ersten Abend in Schweden in klaren Grenzen hielt und der Schwerpunkt in der Kameradschaftspflege in den Messen an Bord – durchaus bis in die frühen Morgenstunden – lag. Weitere Offizieranwärter erhielten die Gelegenheit, als "Pantrys" auf dem Tender zum Erfolg des offiziellen Empfangs mit Attaché, Honorarkonsul und Vertretern Göteborgs beizutragen.

Der Abschied war für alle etwas bedrückend. Was bleibt, sind wertvolle, schöne Erinnerungen, gute Vorsätze und eine ganz neu geschürte Motivation, endlich Offizier der Deutschen Marine zu werden.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: 


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