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„Hüllentausch“ bei UNIFIL – Besatzung auf fremdem Boot

Limassol, 07.02.2008, Pressestelle Limassol.
22.000 Seemeilen hat die ÜBERHERRN bereits im Einsatz für die Vereinten Nationen zurückgelegt – das entspricht einer Weltumrundung. Das Minenjagdboot aus dem 3. Minensuchgeschwader ist am 7. September 2007 aus dem Heimathafen Kiel ausgelaufen. Schon Ende des Monats patrouillierte das Boot im östlichen Mittelmeer und leistet dadurch einen wichtigen Beitrag gegen den Waffenschmuggel in den Libanon.

Die Besatzung der HERTEN auf ihrer ersten Fahrt mit der ÜBERHERRN
Die Besatzung der HERTEN auf ihrer ersten Fahrt mit der ÜBERHERRN (Quelle: © 2008 Bundeswehr / Pressestelle Limassol)Größere Abbildung anzeigen

Als die ÜBERHERRN am Abend des 5. Februar erneut den Hafen von Limassol auf Zypern in Richtung Einsatzgebiet libanesische Küste verlässt, bietet sich dem Betrachter ein gewohnter Anblick. Manöveranpfiff, die Leinen werden eingenommen, das Boot legt ab und passiert mit langsamer Fahrt die Molenköpfe.

Die Besatzung winkt noch einmal mit ihren Kopfbedeckungen in der Hand. Dann klaren sie das Oberdeck auf und treten unter Deck weg. Seeroutine. Doch etwas ist anders an diesem Tag. An Bord befindet sich nicht mehr die Besatzung der ÜBERHERRN, sondern die des Schwesterbootes HERTEN.

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Die Besatzung der HERTEN nimmt ihr Maskottchen mit an Bord der ÜBERHERRN
Die Besatzung der HERTEN nimmt ihr Maskottchen mit an Bord der ÜBERHERRN (Quelle: © 2008 Bundeswehr / Pressestelle Limassol)Größere Abbildung anzeigen

So HERTEN wie möglich

„Wir versuchen, es uns hier so HERTEN wie möglich zu machen“, sagt der HERTEN-Kommandant, Kapitänleutnant Michael S. Jede Besatzung baut über die Jahre hinweg eine enge Beziehung zu ihrem eigenen Boot auf, das vorübergehend wie ein zweites Zuhause wird.

An Bord der ÜBERHERRN schreitet die Besatzung der HERTEN deshalb sofort ans Werk. Die Wände werden mit Familienfotos „tapeziert“ und persönliche Mitbringsel bekommen ihren festen Platz auf und im Spind. „Wir versuchen, die Kammeraufteilung wieder so vorzunehmen, wie wir es von unserem eigenen Boot gewohnt sind“, sagt Hauptgefreiter Jan D.

Trotzdem ist es kein alltägliches Unterfangen, ein über mehrere Jahre vertrautes Boot für einige Monate einer fremden Besatzung zu überlassen. Schließlich hat man sein eigenes Boot immer gut gehegt und gepflegt. Für die Besatzungsmitglieder ist der Tausch fast wie bei einem Umzug. Kammern räumen, packen, sich von der vertrauten Bootsumgebung verabschieden und ein fremdes Boot beziehen.

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Auf der AUERBACH fährt nach dem Tausch die Besatzung der HAMELN
Auf der AUERBACH fährt nach dem Tausch die Besatzung der HAMELN (Quelle: © 2008 Bundeswehr / Pressestelle Limassol )Größere Abbildung anzeigen

Fremde Hülle - vertrauter Typ

Der Besatzungstausch im UNIFIL-Einsatz ist keine Premiere für die deutschen Minensucher, bereits 1991 wurde dieses Verfahren bei dem Marineeinsatz SÜDFLANKE durchgeführt. Neben der Besatzung der ÜBERHERRN wurde eine Woche vorher auch die Besatzung der AUERBACH mit den Soldaten der HAMELN ausgetauscht.


Die Besatzung der HERTEN auf ihrer ersten Fahrt mit der ÜBERHERRN
Die Besatzung der HERTEN auf ihrer ersten Fahrt mit der ÜBERHERRN (Quelle: © 2008 Bundeswehr / Pressestelle Limassol)Größere Abbildung anzeigen

Zwar müssen sich die Besatzungen schnell an eine fremde, für sie ungewohnte Hülle gewöhnen, dennoch bringt die Tauschaktion Vorteile. Die Marineeinheiten müssen nicht den etwa 7.000 Kilometer langen Weg nach Kiel zurücklegen. Das bedeutet zwei bis drei Wochen weniger Transitfahrt, jeweils für das scheidende und das neue Boot.

Zugleich werden Personal- und Materialkosten eingespart. Außerdem sind den Besatzungen die Boote nicht völlig fremd. Mit der Technik der typgleichen Boote sind sie bestens vertraut.

Aufgrund der identischen Bauweise kennt sich der Schiffstechnische Offizier Stefan P. mit der Antriebsanlage seines „neuen“ Bootes aus, aber auf manche Eigenarten der ÜBERHERRN muss er sich dennoch neu einstellen. „Beim Seeklarmachen der Maschine haben wir einen Schieber nur schwer gefunden, weil er sich unter einer anderen Bodenplatte befand“, berichtet der Leutnant zur See schmunzelnd. „Solche Handgriffe müssen sitzen. Gut, dass wir Personal der alten Besatzung aus jedem Bereich noch einige Tage an Bord haben, die uns auf die Sprünge helfen.“

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Der Kommandant findet einen Platz für seine Grubenlampe und das Steigerhäckel
Der Kommandant findet einen Platz für seine Grubenlampe und das Steigerhäckel (Quelle: © 2008 Bundeswehr / Pressestelle Limassol)Größere Abbildung anzeigen

Beziehung zum Boot

Der Kommandant der HERTEN ist zuversichtlich, dass auch die emotionale Übergabe problemlos verlaufen wird. „Spätestens nach der zweiten Einsatzfahrt hat die Besatzung eine Beziehung zum Boot aufgebaut“, sagt der Kapitänleutnant.

Er selber hat auch einige persönliche Dinge mitgebracht: In seiner neuen Kammer hängt er sein eigenes Steigerhäckel an die Wand. Dieser einen Meter lange hölzerne Stab stammt aus Europas ehemals größter Bergbaustadt Herten, der Patenstadt des Bootes. „Der sogenannte Steiger, die Aufsichtsperson im Bergbau, hat immer einen Steigerhäckel bei sich. Damit klopft er die Decke der Gruben ab, um zu prüfen, dass sie fest und sicher ist“, erklärt Kapitänleutnant Michael S. stolz.

Sein favorisiertes Mitbringsel ist aber die alte Grubenlampe, die er nun in seiner Kammer aufhängt. „Dieses Original war tatsächlich in Gebrauch. Ich habe sie am 29. September 2006 vom Vorsitzenden der Marinekameradschaft als Geschenk zur Kommandantenübergabe erhalten.“ Es ist ihm nicht schwergefallen, seine HERTEN einer anderen Besatzung zu übergeben. „Ich weiß ja, welchem Kommandanten ich sie gebe. Da habe ich überhaupt keine Bauchschmerzen!“

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Bilder


Stand vom: 07.04.11 | Autor: 

http://www.marine.de/portal/poc/marine?uri=ci%3Abw.mar.aktuelle.einsatze.unifil.aktuelles&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB070000000001%7C7BR9SQ133INFO