Als Heeresmann auf einem Schnellboot
Limassol, 13.02.2008, Thomas Brackmann (Y. Magazin).
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen oder schreiben. Letzteres gilt besonders für mich als Chefreporter des Y. Magazins der Bundeswehr. Ich komme viel in den Streitkräften rum, spreche sowohl mit dem Panzerschützen als auch mit dem General. Die Einsätze als gelernten Heeresmann bei der Marine sind dabei jedoch immer etwas Besonderes.

Marinegrundausbildung bereits absolviert
Ende Januar hieß es für mich: Mitfahrt auf einem Schnellboot vor dem Libanon. Die Story für unser Magazin sollte sich um den Kommandanten des Schnellbootes S 72 PUMA, Korvettenkapitän H. drehen.
Marinetechnisch war ich schon vorgebildet. Bereits im August 2007 heuerte ich als schreibender Passagier auf den Minenabwehreinheiten ENSDORF und KULMBACH an.
Dort lernte ich, was es bedeutet, wenn alle sechs Stunden die Wache aufzieht und dass der Kommandantenstuhl im Fahrstand „heilig“ ist. Ausdrücke wie Backen und Banken, Nock und Mittelwächter wurden mir geläufig.
Gute Vorbereitung für die Fahrt
Deshalb war ich gut für die Januarfahrt präpariert. Ich glaubte, dass das Schnellboot nur schneller die Transitstrecke in die Area of Maritime Operation (AMO) zurücklegen würde. Außerdem würde es auf der offenen Brücke etwas kühler und alles ein wenig enger werden. Die Geschichte über den Kommandanten für das Y.-Magazin: kein Problem.
Schnellbootwetter beim Auslaufen
30 Grad, glatte See, kein Wind – so war es im August auf dem Minenbock. Ende Januar das Gegenteil. 5 Grad, Hagelregen, zwei Meter hohe Wellen mit Restdünung und Kreuzsee - Schnellbootwetter.
Das Eis brechen
Zunächst sprach ich mit dem Kommandanten in seiner engen Kammer. Erstmal warm werden. Kennenlernphase. Schließlich sollte der Artikel sehr persönlich auf den PUMA-Chef zugeschnitten sein.
Mit Themen wie Innere Führung, Berufswahl, Ausbildung bei der Marine, Besonderheiten der Schnellboote und weitere Personalien war das Eis schnell gebrochen.

Die Seekrankheit führt ans Oberdeck
Mittlerweile nahm die Wellenhöhe zu, genauso wie mein Unwohlsein. Womit ich nicht gerechnet hatte trat ein: Seekrankheit.
Obwohl so etwas mitunter bei frischen Panzerfahrern auf dem Panzerübungsplatz Munster Nord auch auftritt, war es für mich ungewohnt. Kein Appetit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Magenkrämpfe waren alles typische Symptome der berüchtigten Seekrankheit.
Die Begleitung des Kommandanten auf seinem Weg durch das Boot gestaltete sich zunehmend schwieriger. Erstens schaukelte das Boot immer mehr, zudem befand ich mich immer öfter an Deck auf der offenen Brücke um Frischluft zu ergattern. Nur, dort war der Kommandant auch nicht immer, schließlich war er die meiste Zeit unter Deck arbeiten.
Humorvolle Führung an Bord
So machte ich aus der Not eine Tugend und nutzte die Frischluftzufuhr, um mit den Marinekameraden an Deck über den Kommandanten zu sprechen.
Dabei bestätigten sich meine ersten Eindrücke. Kommandant H. ist ein optimistischer Geselle, dabei menschlich dicht bei seinen Männern – vom Offizier bis zum Gasten. Mit Humor und der Inneren Führung hat er sein Boot fest im Griff.
Das muss das Boot abkönnen
Zwischendurch ließ ich mir die Dinge dann auch „durch den Kopf gehen“. Ich glaub´ es war nachts um 22.00 Uhr über die Backbord Reling. Zum Glück schlugen die Wellen sehr hoch, die Gischt schäumte, sodass das Boot schnell gereinigt wurde. Außerdem müsse das Boot das abkönnen, dachte ich.

Dank Zwieback und Tee wieder Spaß bei der Arbeit
Dauerhaft konnte ich das aber nicht. Keine Nahrungsaufnahme, um künftige Ereignisse dieser Art nicht zu wiederholen, dazu ständig das flaue Gefühl im Magen – keine idealen Arbeitsbedingungen. Für einen Beitrag über Seekrankheit aber erste Güte.
Deshalb stellte ich schnell die Ernährung auf Salzstangen, Zwieback, Tee und Medikamente um. Schon machte die Arbeit wieder Spaß. Selbst das ständige Ruckeln während der Freiwache in der Koje war erträglich.
Obwohl das Schlafen auf dem Kommandantenstuhl auf dem Fahrstand oder beim Schiffstechnischen Offizier (STO) im Leitstand auch nicht schlecht waren.
Nach drei Tagen war die Geschichte über den PUMA-Kommandaten im Kasten. Weitere Beiträge schlossen sich an. Immer mit enthalten: das familiäre Gefühl an Bord.
Trotz der kollegialen Lockerheit an Bord, arbeiten alle sehr professionell in ihren Funktionen. Von Mannschaftsdienstgrad bis zum Kommandanten.
