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Unter fremden Sternen ... Der erste Teil

Mombasa, 09.11.2010, Bernd Schwendel (Radio Andernach).
Radio Andernach ist der ständige Begleiter unserer Truppen in den Auslandseinsätzen. Ob in Afghanistan, oder in den Balkanländern: Radio Andernach informiert mit aktuellen Nachrichten, interessanten Reportagen und spielt gute Musik für die Soldaten. Hauptmann Bernd Schwendel, Reporter von Radio Andernach, begab sich in fremde Gewässer. Für zwei Wochen fuhr er auf der Fregatte SCHLESWIG HOLSTEIN im ATALANTA-Einsatz mit. In seinem Bericht schildert er eindrücklich seine Erfahrungen von der Ankunft in Mombasa bis zu den ungewohnten Bedingungen an Bord.

Fregatte SCHLESWIG-HOLSTEIN in See während des ATALANTA Einsatzes.

Fregatte SCHLESWIG-HOLSTEIN in See (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Björn Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Die Flugzeugtür wird geöffnet, die helle Neun-Uhr-Morgensonne leuchtet in noch sattem Gelb vom weiß-blauen Himmel in die Kabine und eine schwere, feuchte Luftschwade verdrängt im Nu die trockene, kühle Klimaanlagenatmosphäre. Endlich angekommen! Nein, nicht in München, sondern in Mombasa, der zweitgrößten Stadt Kenias, mit dem wichtigsten Hafen des ostafrikanischen Landes.

Nach achteinhalb Stunden Flug durch die Nacht werden wir Passagiere von einer lächelnden Mitarbeiterin des Flughafens zum Terminal begleitet, deren strahlend weiße Zähne fast ebenso aus ihrem freundlichen, dunklen Gesicht leuchten, wie die morgendliche Sonne vom Himmel.

Dann eineinhalb Stunden Anstehen vor dem Einreiseschalter. Nach Vorlage meines Reisepasses, meines Truppenausweises, meines NATO-Marschbefehls und der ausführlichen Erklärung, warum ich mit einem One Way Ticket ins Land komme, klebt der skeptische kenianische Immigration Officer endlich das benötigte Einreisevisum in meinen Pass. Kaum zu fassen: Ich bin in Afrika!


Auf dem Weg zur Fregatte

Hauptmann Bernd Schwendel (re.) und Kapitänleutnant Stefan Paulsen sind auf der Fregatte SCHLESWIG-HOLSTEIN angekommen.

Auf der Fregatte angekommen (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Yvonne Knoll)Größere Abbildung anzeigen

Ab jetzt läuft alles wie am Schnürchen. Viele Kenianer, meist Kleinbusfahrer verschiedener Hotels und Reiseveranstalter, stehen am Terminal, halten Schilder mit Namen in die Höhe, warten auf die Passagiere, die sie in deren Urlaubsunterkünfte bringen sollen. Da lese ich auch schon FGS SCHLESWIG-HOLSTEIN“ auf dem Schild eines freudig lächelnden Afrikaners. Es ist der Hafenagent der Deutschen Marine. Meine Mitreisenden – Kapitänleutnant Stefan Paulsen, Redakteur von marine.de, sowie die Fotografin Obermaat Yvonne Knoll vom Marinefliegergeschwader 3 – finden sich auch schnell ein und wir fahren vom Flughafen durch die bunte, belebte Stadt zum Hafen.

Da liegt es nun an der Pier, das große, graue Schiff. Die Fregatte SCHLESWIG-HOLSTEIN, mein Arbeits-, Wohn- und Lebensbereich für die nächsten zwei Wochen. Sie ist 134 Meter lang, 16,5 Meter breit, hat 6,5 Meter Tiefgang. Ein schwimmender Häuserblock, quasi.

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Hauptmann meldet sich an Bord!

Hauptmann Bernd Schwendel moderiert live für die Besatzung der Fregatte SCHLESWIG-HOLSTEIN.

Live-Moderation auf der SCHLESWIG-HOLSTEIN (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Yvonne Knoll)Größere Abbildung anzeigen

Mit Betreten des Flugdecks fühle ich mich wie bei Ankunft in der Grundausbildung vor 25 Jahren. Alles ist neu für mich. Wir Neuankömmlinge könnten zuerst in die O-Messe, dort sollen wir uns erst mal beim II SVO melden, danach beim IO, sagt der Wachposten. Aahh ja, alles klar! Eine Abkürzung jagt die nächste. Der II. Schiffsversorgungsoffizier (II SVO) nimmt uns auf, erklärt uns die ersten Wege und Anlaufstellen auf dem Schiff, der I. Offizier (IO) begrüßt uns offiziell an Bord.

Alles ist neu. Alles ist anders. Die Abkürzungen, die Schleusendisziplin – die Außentür immer erst öffnen, wenn die Innentür geschlossen ist, weil im Schiff ein Überdruck herrscht! – die engen Niedergänge, also die Treppenhäuser zwischen den vielen Decks, die alle gleich aussehen. Aber irgendwie finden wir den Weg zur Wäschelast, in der wir unser Kojenzeug empfangen.

Meine Kammer liegt im Abschnitt VII des Hauptdecks. Oberbootsmann Sebastian Ralf und Hauptbootsmann Tommy Schmidt nehmen mich herzlich in ihrem knapp zehn Quadratmeter großen Vier-Mann-Quartier auf. Jetzt bin ich angekommen. Umziehen in Tropen-Flecktarn – fertig.

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Eine tolle Truppe

Versorgungsmanöver zwischen der Fregatte SCHLESWIG-HOLSTEIN und dem Betriebsstofftanker RÖHN. Hauptmann Bernd Schwendel ist live dabei.

Versorgungsmanöver auf hoher See (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Yvonne Knoll)Größere Abbildung anzeigen

Gespannt, minütlich neue Eindrücke sammelnd und voller Tatendrang erkunde ich das Schiff. Ich lerne wortwörtlich „laufend“ dazu. Betrete ich die Brücke, muss ich „Hauptmann Schwendel auf Brücke!“ in den Raum rufen, bei Verlassen wieder „Hauptmann Schwendel von Brücke!“. Entsprechend, wenn ich den Leitstand oder die Operationszentrale betrete.

Aber überall erlebe ich das gleiche: Herzliche Aufnahme und Kameradschaft von der ersten Minute an! Jeder an Bord ist sehr freundlich, hilfsbereit und hat immer ein Lächeln für mich. Besonders, wenn ich mal wieder eine Abkürzung nicht verstehe. Eine tolle Truppe! Das ist mein erster Eindruck von der Besatzung, der sich im Laufe der Mission voll bestätigen wird.

Dann, meine erste Nacht in See. Ich liege in der oberen Koje, das Schiff wiegt mich sanft von links nach rechts und wieder nach links. Unaufhörlich. Ich weiß gar nicht in welche Position ich mich legen soll, um einschlafen und natürlich nicht aus der Koje fallen zu können. Eine Art stabile Seitenlage stellt sich als zweckmäßig heraus. Aber daran gewöhne ich mich schnell.

Morgens ist sogar das Wecken relativ schön: „Reise, Reise, aufstehen!“, schallt es, zuerst leise, dann nur etwas an Lautstärke ansteigend, durch die Lautsprecheranlage in die Kammern und Decks. Dies ist viel schöner als das meist gebrüllte „Kompanie aufstehen!“ beim Heer, das nicht selten durch scheppernde Mülleimer oder Trillerpfeifen verstärkt wird. Danach gehe ich nicht zum Frühstück, sondern es geht zum „Backen und Banken“, was aber inhaltlich dasselbe ist. Nach jedem Auslaufen beginnt der „Rollendienst“. Hier haben die Soldaten ihre Funktionen auf den Gefechtsstationen bei verschiedenen „Rollen“ zu üben, wie „Mann über Bord“ oder dem Bekämpfen von Feuern an Bord, bis sie diese drillmäßig beherrschen.

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Stand vom: 27.11.13 | Autor: 


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