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Athletische Seemänner mit viel Selbstdisziplin

Eckernförde, 15.05.2012, Bundeswehr „aktuell“.
Der Maritime Fünfkampf ist rein militärisch, anspruchsvoll, komplex und lebt von seiner Vielseitigkeit: laufen, tauchen, schwimmen, rudern, klettern, springen, balancieren und schießen. In Eckernförde trainieren Leistungssportler der Sportfördergruppe der Marine für ihre Wettkämpfe.

Leiter Stabsbootsmann Lars Apitz (li.) sowie Trainer und Weltmeister Hauptbootsmann Matthias Wesemann (h.re.) mit allen Angehörgigen der nördlichsten Sportfördergruppe.
Das aktuelle Team in Eckernförde (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Wer erinnert sich nicht an das gehasste Zirkeltraining im Schulsportunterricht. Der Wechsel der verschiedenen Übungen mit nur kurzen Pausen erschöpft und macht so gar keinen Spaß. Gut, wer dieses Training hinter sich lassen kann. Für Leistungssportler steht das Zirkeltraining jedoch immer wieder auf dem Programm – besonders die Schnellkraft soll damit trainiert werden. Für die Maritimen Fünfkämpfer ist dieses Training besonders umfangreich, denn ihre rein militärische Sportart ist extrem vielseitig: Sie laufen, tauchen, schwimmen, rudern, klettern, springen, balancieren und schießen.

Bereits 1953 rief die italienische Marine diesen Mehrkampf ins Leben. Sie suchten damit die besten Seemänner. Mit den Disziplinen Hindernisbahn, Lebensrettungsschwimmen, Hindernisschwimmen, Seemannschaft und dem Amphibischen Geländelauf sollten die seemännischen, soldatischen sowie die allgemein physischen und geistigen Anforderungen des Marinesoldaten abgebildet werden. 1968 nahmen erstmals Bundeswehrsoldaten an dem Wettkampf im Rahmen des Internationalen Militärsportartverbands (CISM) teil.

Es waren Soldaten der Kampfschwimmerkompanie, die sich dann in den Niederlanden international mit Militärs aus den USA, Argentinien, Brasilien, Italien, Norwegen oder Schweden gemessen haben. Große Erfolge konnten die Soldaten zum damaligen Zeitpunkt noch nicht verbuchen – zu speziell sind die einzelnen Disziplinen, die ausreichend Training auf extra gestalteten Hindernisbahnen erfordern. Als 1994 die Sportförderung innerhalb der Bundeswehr neu strukturiert wurde, wurden neben den olympischen Sportarten auch die ausschließlich militärischen Sportarten wie das Fallschirmspringen, der Militärische Fünfkampf und eben der Maritime Fünfkampf in die Förderung eingeschlossen.

Die Siegermannschaft aus Eckernförde.
Die Siegermannschaft während der Siegerehrung (Quelle: © 2009 Bundeswehr / Ann- Kathrin Fischer)Größere Abbildung anzeigen

Große Erfolge

Im Oktober 1994 öffnete dann die Sportfördergruppe Eckernförde erstmals ihre Türen. Zwischen Kampfschwimmern, Minentauchern und Marineschutzkräften ist sie bis heute die einzige Sportfördergruppe der Marine und ausschließlich Ausbildungszentrum für die Maritimen Fünfkämpfer. Dieser Startschuss war der Beginn einer Erfolgsgeschichte, und 2003 holten die deutschen Soldaten in der Mannschaftswertung erstmals den Weltmeistertitel – danach noch vier weitere Male.

Auch in der Einzelwertung hat die Sportfördergruppe einen der erfolgreichsten Maritimen Fünfkämpfer hervorgebracht: Hauptbootsmann Matthias Wesemann. Wesemann ist zweifacher Weltmeister und amtierender Military World Games-Sieger von Rio 2011. Seit neun Jahren ist der 30-Jährige Sportsoldat.

Im vergangenen Jahr hat er auch das Amt des Bundestrainers übernommen. Das Zirkeltraining absolviert er also selbst und hat dabei immer ein Auge auf seine Kameraden. „Das ist schon eine Doppelbelastung“, sagt er, „denn tagsüber trainiere ich voll mit, gebe Trainingstipps und am Abend erstelle ich meist noch die Trainingspläne.“

Die dritte Disziplin, von insgesamt zehn, ist der Sprung über das Fass.
1. Disziplin: Hindernisbahn (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Komplexe und Anspruchsvolle Sportart

Noch funktioniert diese Doppelbelastung. Der Vize-Titel bei der Teamwertung der World Games in Brasilien stellt das unter Beweis. Es ist dieser extreme Ehrgeiz von Wesemann, der ihn und das Team zu Bestleistungen bringt. Denn der Maritime Fünfkampf ist eine höchst komplexe und anspruchsvolle Sportart. Es beginnt mit dem Hindernislauf – dabei müssen Hürden wie Schwebebalken, zwei Meter hohe Tische oder ein Kletternetz überwunden werden. „Das ist für jeden Sportler eine absolute Herausforderung“, betont der Hauptbootsmann. „Denn an der ersten Hürde kann man bereits scheitern.“

Beim Lebensrettungsschwimmen gilt es unter anderem eine Rettungspuppe aus drei Meter Tiefe zu ertauchen und weitere 25 Meter zu bergen. „Und dann sind es schon kleine Fehler, die zu hohen Punktabzügen führen können: Wenn beispielsweise der Soldat nach dem beginnenden Eintauchen nach weniger als 15 Metern die Wasseroberfläche durchbricht“, beschreibt Wesemann hier die Herausforderung.

Beim anschließenden Seemannschaftswettkampf wird unter anderem gerudert und der Bootsmannstuhl – ein an ein Seil gebundenes Brett – mit eigener Körperkraft bezwungen. „Für viele unserer Sportler ist diese Disziplin ein absoluter Graus, gerade für Perfektionisten wie Bootsmann Jörg Porschhöfer und mich“, sagt Wesemann. In jedem Land wird beim Seemannschaftswettkampf mit anderen Materialien gearbeitet – es gibt nur „von – bis“-Bestimmungen und nicht immer ist das Gerät dann so, wie es sich die deutschen Soldaten wünschen. „Da heißt es dann kühlen Kopf bewahren“, so Wesemann.

Aus fünf Meter Tiefe wird eine orangefarbene Puppe, die vollständig mit Wasser gefüllt ist, an die Oberfläche geholt, um diese anschließend weitere 25 Meter abzubergen.
2. Disziplin: Lebensrettungsschwimmen (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Militärisch, Exklusiv, Exotisch

Beim anschließenden Hindernisschwimmen müssen Hürden durchtaucht und überwunden werden. „Einige Sportler gleiten dann wie Delphine durch das Wasser“, erklärt Wesemann die Faszination. Zum Ende des Wettkampfes wird es dann besonders spannend – beim Amphibischen Geländelauf, kann selbst der Führende alle Chancen verlieren. Diese Disziplin gleicht ein wenig einem sommerlichen Biathlon – es wird geschossen, gelaufen aber auch gepaddelt.

Jede Sekunde Vorsprung zählt zwei wertvolle Wettkampfpunkte. „Wenn dann die Waffe nicht funktioniert oder ein Paddel bricht, kommt man schnell in den Rückstand.“ Der Maritime Fünfkampf lebt von Kraft, Dynamik, Koordination, Schnelligkeit und Spannung. Doch er ist kein Breitensport – kein Fußball, kein Handball, keine Leichtathletik.

Der Sport ist rein militärisch, exklusiv, elitär, exotisch und das ist auch das Problem. „Es ist schwierig für uns, Nachwuchs zu gewinnen“, erklärt Stabsbootsmann Lars Apitz, Leiter der Sportfördergruppe Eckernförde. „Nahezu alle anderen Fördergruppen betreuen Sportler, die bereits als Spitzenathleten in die Bundeswehr eingetreten sind."

Biathletin Hauptfeldwebel Andrea Henkel, Diskuswerfer Stabsunteroffizier (FA) Robert Harting oder Bobpilot Oberfeldwebel Manuel Machata sind nur einige Beispiele hierfür. „Da unsere Sportart so komplex ist, dauert es bis zu zwei Jahre bis die Sportler auch wettkampfreif sind. Wir müssen die Diamanten also erst noch schleifen“, so Apitz.


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Stand vom: 07.08.12 | Autor: 


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