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Auslandseinsatz ist längst gelebte Normalität

In See, 15.08.2012, Bundeswehr „aktuell“.
Die Bordhubschrauber vom Typ „Sea Lynx“ sind das erweiterte Auge oder der verlängerte Arm der Fregatten. Ihre Schnelligkeit und Reichweite ist besonders in der Anti-Piraterie-Mission Atalanta gefordert. Für die erfahrenen Hubschrauberbesatzungen und Techniker vom Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ aus Nordholz ist der Einsatz am Horn von Afrika längst zur Normalität geworden.

Der „Sea Lynx“ bei seinem Landeanflug auf das Flugdeck der Fregatte „Lübeck“.
Herausforderung für den Piloten (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Rückblick, März 2012: Irgendwo am Kap der Guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas. Ein „Sea Lynx“ Hubschrauber taucht am Horizont auf und nähert sich zügig einer deutschen Fregatte. Am hinteren Teil des Schiffes setzt der Hubschrauber zu einem Landemanöver an – zurück an seiner militärischen Basis, die die Fregatte für mehrere Monate nun schon bildet.

Für die Soldaten vom Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ aus Nordholz gehört die Teilnahme an Auslandseinsätzen der Bundeswehr längst zum Alltag - insbesondere im Anti-Piraterie-Einsatz Atalanta am Horn von Afrika, als Bestandteil einer Fregatte. Und wenn ein solcher Einsatz abgeschlossen ist, unterstützen die Hubschrauberbesatzungen bei Bedarf auch den Rücktransit.

Der Hubschrauber „Sea Lynx“ startet seinen Flug und hebt von der Fregatte „Lübeck“ ab.
Konzentration beim Start auf See (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Eingespieltes Team

Im Fall der Fregatte „Lübeck“ - gerade den Atalanta-Einsatz beendet - ist dies die Teilnahme an einem multinationalen Seemanöver. Die „Sea Lynx“-Besatzungen - auf Boarding-Operationen spezialisiert - trainieren hierbei unter anderem Verfahren wie Fastroping und Winchen, sprich das Absetzen und Aufnehmen von Soldaten aus dem in der Luft stehenden Hubschrauber über ein Seil.

Kapitänleutnant Alexander von Schledorn steht vor dem Hangar der „Lübeck“ und hat seine Techniker im Blick. Er selbst ist der Luftfahrzeugtechnische Offizier (LTO) des Schiffes und damit für die Einsatzbereitschaft der Hubschrauber verantwortlich.

Die Lasher lösen die Haltegurte (Lashings) des Hubschraubers und koppeln nach dem Triebwerksstart die Bordstromversorgung ab.
Die Lasher lösen die Haltegurte (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Ein weiterer Start der „Sea Lynx“ steht kurz bevor. Vor dem Hangartor hat der Flugdecksoffizier (FDO), Hauptbootsmann Markus Voigt, Position bezogen. Je zwei Soldaten, die so genannten Lasher, stehen rechts und links von Voigt und warten auf das Zeichen zum Vorgehen an den Hubschrauber. „Die Lasher lösen die Haltegurte (Lashings) des Hubschraubers und koppeln nach dem Triebwerksstart die Bordstromversorgung ab“, erklärt von Schledorn.

Der „Sea Lynx“ könne zwar auch über die Bordbatterie gestartet werden, nur sei diese anschließend unter Umständen leer und stünde für ein eventuell erforderliches Notverfahren dann nicht mehr zur Verfügung.

Keine Zeit zu verlieren: Während das erste Boarding-Halbteam das Flugdeck sichert, gleitet das zweite per Fast-Roping aus dem Hubschrauber.
Keine Zeit zu verlieren (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert )Größere Abbildung anzeigen

Alles geht blitzschnell

Mit großem Getöse hebt der Helikopter ab und fliegt einer anderen Fregatte entgegen – für das Bodenpersonal stellt sich nun ein kurzer Moment der Ruhe ein. Rund eine Viertelstunde später heißt es wieder „zum Flugbetrieb auf Station“, die Rückkehr des Hubschraubers ist angekündigt. Kurz darauf ist auch schon das typische Geräusch der Rotorbätter zu hören und der „Sea Lynx“ erscheint backbordseitig der „Lübeck“, zieht kurz Richtung Steuerbord und steht über dem Flugdeck in der Luft.

Nun geht alles ganz schnell. Aus der bereits geöffneten Seitentür fällt ein tiefschwarzes dickes Seil nach unten. Dieses wirkt so schwer, als ob es wie eine feste Stange in der Luft steht. Nacheinander rutschen fünf Boardingsoldaten an ihm herunter und beziehen Sicherungsposition. Das Seil wird wieder eingezogen und der „Sea Lynx“ dreht sofort ab – der gesamte Vorgang läuft scheinbar in Sekundenschnelle ab und hat in der Realität auch nicht mehr als drei Minuten gedauert. Kurz darauf kommt die zweite Welle der „Boarder“ auf dieselbe Weise an Bord der „Lübeck“.

Der „Sea Lynx“ wird bei der Landung auf der Fregatte „Lübeck“ durch den Flugdecksoffizier eingewiesen.
Flugdecksoffizier im Einsatz (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Als Bindeglied zwischen Flugdeck und Brücke des Schiffes agiert bei jeglichen Flugeinsätzen einer der so genannten Hubschrauber-Ortungsmeister (HOM). In einem Seitenteil des Flugdecks hat dieser eine eigene Arbeitskammer, den Flugleitstand. „Der HOM ist sozusagen das Auge für die Brücke“, erklärt der Kapitänleutnant. Denn anders als bei neueren Fregattenklassen hat die „Lübeck“ keine Kamera am Flugdeck. Als Fly Coordinator hält der HOM Kontakt zur Hubschrauberbesatzung und gibt dem Flugdecksoffizier auch die notwendigen Informationen zum jeweiligen Flugmanöver.

Der „Sea Lynx“ wird wie auf der Formel-1-Rennstrecke vollgetankt.
Boxenstopp (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Wie beim Boxenstop

Nachdem die Übung kurz darauf beendet ist, beginnt für von Schledorn und seine Soldaten die eigentliche Arbeit. Schon unterwegs hatten die Piloten an den Flugleitstand gemeldet, dass ein Fehler in der Flugregelanlage angezeigt wird. „Doch erst einmal betanken wir den ‚Vogel‘“, sagt Voigt und schon bewegt sich der große Tankstutzen zur Tanköffnung. Rund 300 Kilogramm (ca. 375 Liter) Flugkraftstoff werden in „Boxenstopp- Manier“ dem „Sea Lynx“ verabreicht, beobachtet von dem Hauptbootsmann. „In meinem Job ist man immer an der frischen Luft“, unterstreicht Voigt die Motivation, die die Arbeit des FDO so reizvoll macht.

Per Hydraulikteststand: Fehlersuche bei ausgeschaltetem Triebwerk.
Überprüfen der Flugregelanlage (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Die „Sea Lynx“ sind schon seit mehr als 20 Jahren in Betrieb und können die erfahrenen Mechaniker nur noch selten überraschen. Zu ausgereift ist mittlerweile die Fehlerdokumentation. Und während die Techniker das Luftfahrzeug wieder einsatzklar machen, bleibt den Piloten ein wenig Zeit zum Entspannen.

„Der Einsatz gegen die Piraterie ist schon eine anspruchsvolle und fordernde Aufgabe für jeden Flieger“, erklärt Kapitänleutnant Alexander Bozdog. In der Vergangenheit war es immer nur um reine Aufklärungsarbeit aus der Luft gegangen, beispielweise das Überwachen von Schmugglern. Doch heute habe man bei den Boarding-Operationen auch direkten Kontakt mit potenziellen Piraten, und hierbei könne man nie wirklich voraussehen, wie diese reagieren, sagt der gebürtige Rumäne.

Hinzu kommt, dass der Hubschrauber bei den Aufnahme- und Absetzmanövern immer eine Zeit lang über dem Schiff „steht“ und damit ein gutes Ziel abgibt. Viele Faktoren, die im Einsatz – neben den ganzen technischen Routineprozessen – beachtet werden müssten und den Hubschraubercrews und den Technikern immer alles abverlangten.

Die Besatzung des „Sea Lynx“ steigt in den einsatzklaren Hubschrauber.
Der Einsatz beginnt (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Andrea Bienert)Größere Abbildung anzeigen

„Einfach ein Traumjob“

Ein Eindruck, den auch der zweite Pilot des Teams nur unterstreichen kann. Oberleutnant zur See Stephan Eisele erinnert sich noch gut an seinen Atalanta-Einsatz im Jahr 2010: „Ich war noch keine Woche vor Ort und schon verfolgten wir eine Dhau, ein so genanntes Piraten-Mutterschiff. Wir mussten das Schiff mit Warnschüssen zum Aufstoppen zwingen“, erinnert sich der 29-Jährige. Für Eisele ein sehr prägender Einsatz, denn kurz davor hatte der gebürtige Schwabe erst die Ausbildung zum Flugzeugführer beendet. „Das nennt man dann im wahrsten Sinne des Wortes wohl Freischwimmen“, sagt Eisele mit einem Augenzwinkern.

Doch man merkt ihm den Ernst der Lage beim Nacherzählen der Situation noch immer an. Es schaffe Sicherheit in den einzelnen Verfahren, betont er. Denn Ziel sei das Beherrschen der einzelnen Flug- und Einsatzmanöver – auch drillmäßig, denn dieses sorge immer für eine hohe Konzentration und minimiere das Risiko für jegliche Ausfälle.

Doch trotz hohem Einsatzaufkommen mit teilweise langen Abwesenheitszeiten von zuhause ist der Beruf des Marinefliegers für beide Piloten einer der attraktivsten Aufgaben bei den Streitkräften: „Ich bin lange zum Piloten ausgebildet worden, und die Aufgabe ist sehr abwechslungsreich und macht großen Spaß – Pilot ist einfach ein Traumjob“, sagt Bozdog. Und Eisele kann das mit einem heftigen Kopfnicken nur bestätigen.


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Stand vom: 11.12.12 | Autor: 


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