„Nun ist die erste große Hürde geschafft“
Eckernförde, 05.05.2010, Lars Rohde (Redaktion Marine).
Nach harten und entbehrungsreichen vier Monaten war es für die Minentaucheranwärter soweit: Am 5. Mai standen der große Abschlussmarsch sowie das Abschlussschwimmen auf dem Plan. Zehn der ursprünglich 20 Anwärter hielten bis zu diesem Ausbildungsabschnitt durch. Eine Quote, die nur selten so gut ausfällt.

Pünktlich um 7:35 Uhr stehen die angehenden Minentaucher mit Kampfausrüstung vor der Schwimmhalle im Marinestützpunkt Eckernförde bereit. Der letzte Abschnitt der viermonatigen Spezialisierten Grundausbildung hat somit begonnen. Mit dem zwölf Kilometer Marsch fängt die Abschlussübung an. Ein Fernsehteam von „Kabel eins“
ist die ganze Zeit dabei.
Der Marsch, der mehr einem Lauf gleicht, verlagerte sich schnell in die hügelige Landschaft im Umkreis Eckernförde. Eine Besonderheit während des Marsches ist das Tragen von Baumstämmen auf eine bestimmte Distanz. Die zehnköpfige Gruppe wurde schon vor der Prüfung in zwei Teams aufgeteilt. Die Minentaucher Hauptbootsmann André H. und Oberbootsmann Thomas N. fungieren als Gruppenleiter und überwachen die Leistungen der Anwärter. Sie sind während des gesamten „Marsches“
dabei.

Einmal durch die Hölle und zurück
Neben dem Tragen von Baumstämmen steht nun die Überquerung von unwegsamem Gelände auf dem Plan. „Laufformation einnehmen, Minenfeld voraus, durch das Ausweichgelände!“
Zackige Kommandos und eine schnelle und korrekte Umsetzung zählen zum Standardprogramm der Minentaucher. Um das fiktive Minenfeld zu umgehen, müssen die angehenden Minentaucher zuerst durch ein sumpfiges Gebiet und dann durch einen weiteren Tümpel, der ihnen wortwörtlich „bis zum Halse stand“
.
Mit völlig durchnässter Kleidung laufen sie die letzten Kilometer. Kurz vor Ende des Marsches müssen die Minentaucheranwärter letztmalig durch einen Sumpf. Während sie sich den Weg durch den Morast bahnten, rief der Hauptbootsmann: „Fliegeralarm, alle in Deckung!“
Dabei ist es egal wo man sich befindet. Die Hauptsache ist in Deckung zu gehen, um seine Kameraden und sich selbst nicht zu verraten.
Zu guter Letzt gab es noch ein Szenario mit zwei Verletzten. Ein Soldat hat eine schwere Kopfverletzung und ein zweiter ein gebrochenes Bein. Es ist nun an den übrigen Anwärtern ihre zwei Verletzten Kameraden als Ersthelfer richtig zu versorgen. Für denjenigen mit der Kopfverletzung bauen die Soldaten eine behelfsmäßige Trage aus zwei Ästen und einer Feldbluse und das „gebrochene Bein“
wird mit einem Stock geschient. Auch die letzten Meter können so mit den verletzten Kameraden gemeistert werden.
Zehn Kilometer vom Marinestützpunkt entfernt, machen sich die Minentaucheranwärter nach dem Marsch für das Abschlussschwimmen bereit.

Die kühle Ostsee lindert die Schmerzen
Eine halbe Stunde Pause zwischen dem Marsch und dem Abschlussschwimmen muss reichen, damit sich die zukünftigen Minentaucher ausruhen und für das Schwimmen vorbereiten können. Der eine oder andere Energieriegel wird noch gegessen und um 11:30 befinden sich alle Anwärter im Wasser. Der schwarze Nass-Neoprenanzug ist eines der typischen Erkennungsmerkmale der Minentaucher.
In Fünferformation schwimmen die beiden Teams in Richtung Eckernförder Hafen. Unter ständiger Aufsicht von ihren Ausbildern, die mit Speedbooten schnell von einer Gruppe zur anderen fahren können, werden die angehenden Minentaucher an ihre physische Leistungsgrenze geführt. Nach vier Stunden kommen alle im Marinestützpunkt Eckernförde an. Ein besonderes Highlight bietet sich ihnen auf den letzten Metern, denn diese wurden von einem Feuerwerk begleitet.
„Nun ist die erste große Hürde geschafft“
, gratulierte der stellvertretende Kompaniechef, Oberleutnant zur See Oliver Grandt. Bis zum tragen des begehrten Tätigkeitsabzeichens und bis sie im Einsatz als maritimer Kampfmittelbeseitiger fungieren können, warten noch einige Lehrgänge auf die Anwärter. „Aber das sind eher die kleineren Hürden“
, sagt Grandt.

Die stille Elite der Marine
Als Kampfmittelbeseitiger im maritimen Umfeld sind sie einzigartig innerhalb der Bundeswehr. Sie tragen zum Schutz der Streitkräfte und Zivilpersonen im Auslandseinsatz bei. Der Minentaucher muss deshalb körperlich und geistig vollkommen fit und einsatzfähig sein. Er muss teamfähig sein, um ein verlässlicher Kamerad unter Wasser und an Land zu sein. Diszipliniert, um seinen Auftrag sicher durchzuführen. Willensstark, um Belastungen auch bei widrigsten Bedingungen zu ertragen. Der Minentaucher ist mutig und besonnen, um in der Gefahr zu bestehen. „Nec Aspera terrent“
– „Widrigkeiten schrecken nicht“
ist ihr Leitsatz.
Die Ausbildung zum Minentaucher bietet körperlich und geistig belastbaren Soldaten eine höchst anspruchsvolle und interessante Ausbildung mit guten Zukunftschancen. Da zurzeit von rund 120 vorgesehenen Dienstposten nur knapp 30 besetzt sind, haben Bewerber aktuell gute Chancen eine Ausbildungsmöglichkeit in dieser Verwendungsreihe zu erlangen.
Für eine Ausbildung zum Minentaucher kann sich sowohl jeder Soldat der Bundeswehr, als auch ungediente deutsche Staatsbürger bewerben. Voraussetzung ist die körperliche Eignung sowie ein mittlerer Bildungsabschluss.
Bilder
Augen zu und durch (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Björn Wilke)
Größere Abbildung anzeigenKein Rucksack wird nass (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Björn Wilke)
Größere Abbildung anzeigenBereit für die letzte Übung (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Björn Wilke)
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