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Mit der ROTTWEIL im Einsatzverband (1)

In See, 28.07.2010, Lars Rohde (Redaktion Marine).
Seit 17 Jahren befindet sich die ROTTWEIL im Dienst der Marine. Das Boot mit seiner 40-köpfigen Besatzung zählt zu den Spezalisierten Einsatzkräften der Marine (SEK M). Mit zehn ausgebildeten Minentauchern an Bord und dazugehörigem Spezialgerät ist die Einheit bestens zur Minenräumung geeignet. Heute lief die ROTTWEIL vom Marinestützpunkt in Kiel aus, um nach dem verdienten Urlaub wieder an dem SNMCMG1-Verband teilzunehmen. Das weitere Einsatzprogramm führt das Boot nun nach Gdynia/Polen. In Auszügen können Sie in einem zweiteiligen Rückblick hier lesen, wie der Einsatz des Bootes im Auftrag der Allianz vor der kurzen Urlaubsunterbrechung ausgesehen hat.

Eine Minensprengung während des Minensucheinsatzes vor Den Helder.
Explosionskraft einer Mine (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Lukas Wernicke)Größere Abbildung anzeigen

Die ROTTWEIL verlässt den Marinestützpunkt in Kiel, um an einem der vier Ständigen Einsatzverbände der NATO teilzunehmen. Geplante Häfen in den kommenden Wochen sind beispielsweise Aalborg, Den Helder, Le Havre, Cherbourg und Hamburg. Im Verband der Standing NATO Mine Countermeasure Group 1 (SNMCMG1) geht es nach Cherbourg (Frankreich). Zusammen mit Belgiern, Türken, Franzosen und Engländern war die ROTTWEIL auf dem Weg im Englischen Kanal auf Minenjagd. Bei der Minenjagd befindet sich das Boot im Gefechtszustand. Während dieser Zeit ist die Operationseinsatzzentrale (OPZ) das „Hirn“ des Minenjagdbootes. Mithilfe moderner Technik ist die OPZ auf die bevorstehenden Aufgaben vorbereitet.

Beginn des Transits

Nach dem Einlaufen in Cherbourg wurde der folgende Vormittag bereits wieder zur Vorbereitung für das Auslaufen genutzt. Arbeiten wie Reinschiff standen an. Nach dem Säubern des Bootes fand die Kraftstoffübernahme statt. Gut eineinhalb Stunden dauerte es, bis die Kraftstoffreserven aufgefüllt waren. Doch bevor die Kraftstoffübernahme beginnen konnte, mussten einige Voraussetzungen erfüllt sein:

Zunächst muss die richtige Kupplung, ein Verbindungsstück zwischen Schlauch und Boot, angebracht werden und eine Probe vom Diesel auf die entsprechende Qualität untersucht werden. Nach kurzer Zeit wird nochmals eine Probe zur Qualitätssicherung geprüft. Zu guter Letzt wird der Ölbestand aufgefüllt. Anschließend galt es, das Boot seeklar zu machen. Alles was nicht fest verzurrt oder verpackt ist, kann schließlich bei Seegang über Bord gehen oder beim Verrutschen zu Verletzungen führen.

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Die HMS WALNEY der Royal Navy beteiligte sich an der Minenjagd im SNMCMG1 Verband.
Internationale Beteiligung (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Lukas Wernicke )Größere Abbildung anzeigen

Zurück zur Heimat

Zusammen mit dem britischen Minenjäger HMS (Her Majesty’s Ship) WALNEY ging es am Folgetag nach Hamburg. Nach der Musterung durch den I WO kam der Befehl: „Leinen los“ und reges Treiben an Bord begann. Das zivile Hafenpersonal machte die letzten Taue vom Schwimmsteg los. Hart Steuerbord, das Heck schwenkt aus und das Wendemanöver im kleinen Hafenbecken begann. Die übrigen Fender wurden eingeholt und seefest verstaut. Mit lautem Signal verabschiedete sich das Minentauchereinsatzboot ROTTWEIL von Cherbourg. Das akustische Signal dient jedoch nicht nur zur Verabschiedung. Es ist vielmehr ein Achtungszeichen, dass andere Verkehrsteilnehmer am Seeverkehr darüber informiert, dass eine Einheit den Hafen verlässt.

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Eine Bootsglocke mit der Gravur: MiTaEinsBoot ROTTWEIL 1993.
Bootsglocke der ROTTWEIL (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Lukas Wernicke)Größere Abbildung anzeigen

Fahrt im Nebel

Kaum ist der sichere Hafen verlassen, geht es auch schon in die offene See. Wenig später findet sich die ROTTWEIL in einer kontinuierlich stärker werdenden Nebellandschaft wieder. Die Sichtweite beträgt aufgrund des dichten Nebels nur rund 400 Meter und verschlechtert sich weiter. Unter diesen Umständen ist es besonders wichtig, regelmäßig Signale zu geben, damit mögliche Kollisionen verhindert werden. Der Sicherheit der Besatzungen gebührt die höchste Aufmerksamkeit.

Die „Rollen“ an Bord - die festgelegten Abläufe der Besatzung - werden bei einer Nebelfahrt der Situation entsprechend angepasst. So befinden sich zum Beispiel mehr Soldaten als Ausguck in der Backbord- und Steuerbordnock als üblich. Es gilt strickte Geräuschdisziplin, damit Signale anderer Schiffe gehört werden und dadurch deren Position festgestellt werden kann. Diese werden an die Brücke weitergegeben. Alle Räume unterhalb des Hauptdecks sind aus Sicherheitsgründen verschlossen. Falls es zu einem Leck kommt, wären so nur wenige Räume an Bord von dem Wassereinbruch betroffen. Des Weiteren sind Bereiche im Rumpf der Einheit während der ganzen Nebelfahrt geschlossen. Das Wetter auf See schlägt jedoch immer sehr schnell um, so dass die Fahrt durch den Nebel bald vorbei ist.

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Schweißtreibende Angelegenheit: Der Brandabwehrtrupp mit Atemschutz.
Brandabwehrtrupp mit Atemschutz (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Ann-Kathrin Fischer)Größere Abbildung anzeigen

Brandabwehrübungen auf hoher See

„Feuer an Bord“ - ein unverkennbar lautes Signal war im gesamten Boot zu hören. Die komplette Besatzung ist wie aufgescheucht. Doch jeder Handgriff sitzt. Schon nach kurzer Zeit sind alle auf ihrer Station. Alles läuft nach einem festen Schema: Der Angriffstrupp (AT) ist als erstes am Brandherd und leitet die ersten Maßnahmen gegen das Feuer ein. Kurze Zeit später trifft der Brandabwehrtrupp (BAT) ein. Der BAT legt zeitgleich zum Angriffstrupp seine ebenso umfangreiche Ausrüstung an und macht sich bereit, um den AT abzulösen. In der Regel wird der BAT durch einen Unteroffizier angeführt. Ein bis zwei Mannschafter unterstützen Ihn dabei.

Die Flammenschutzkleidung ist an Bord wie auch an Land nach der allgemein gültigen Feuerschutzverordnung festgelegt. Ein zweiter Brandabwehrtrupp steht als Sicherungsteam bereit. Ein Großteil der Löscharbeiten findet mit Meerwasser statt. Der wachhabende Schiffstechniker (WST) wird bei Feuer zum Einsatzleiter und koordiniert mit den übrigen Mannschaftern das Vorgehen. Zu guter letzt kommt der Kühlungstrupp, bestehend aus ein bis zwei Soldaten, und unterstützt den BAT, damit der Brand so schnell wie möglich gelöscht werden kann. Dazu wird das „Würfelverfahren“ angewendet. Der Kühlungstrupp dämmt das Feuer von allen Seiten ein. Die Brücke bleibt während der Löscharbeiten besetzt, damit jederzeit eine sichere Weiterfahrt gewährleistet ist.

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Das Ankerpersonal der Besatzung bereitet zusammen mit dem Decksmeister das Ankern vor.
„Klarmachen zum Ankern!“ (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Lukas Wernicke)Größere Abbildung anzeigen

Die letzten Stunden bis Hamburg

Kurz vor Hamburg gab die Brücke den Befehl zur Revierfahrt. Hierfür werden die Ausguckposten wieder verstärkt. Die Maschinen laufen nur noch mit geringer Kraft. Vorsicht und gegenseitige Rücksichtsnahme, wie im Straßenverkehr auch, haben hier hohe Priorität. Ebenso ist der Ruderraum zusätzlich besetzt. Falls bei „engen“ Manövern die Rudersteuerung auf der Brücke ausfallen sollte, kann im Ruderraum rechtzeitig reagiert werden und so eine mögliche Kollision verhindert werden.

Im gedrosselten Tempo wird die Fahrt bis zum Ankerpunkt fortgesetzt. Der Anker wird zu Wasser gelassen. Das Boot wartet auf einen Lotsen. Ein Lotse ist in der Seefahrt ein erfahrener Nautiker mit langjähriger Erfahrung, der die jeweiligen Gewässer so gut kennt, dass er Schiffe sicher durch Untiefen, vorbei an Hindernissen und dem übrigen Schiffsverkehr geleiten kann. Sie fungieren als Berater des Kommandanten. Am Vormittag des Folgetages legte das MiTaEinsBoot ROTTWEIL in Hamburg an den Landungsbrücken an. Doch die Fahrt ist damit noch nicht beendet. Weiter gehts nach Gedingen (Polen). Und von dort aus gehts weiter nach Tallin. Seemeilen im Auftrag der NATO.

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Bilder


Stand vom: 02.08.2010 | Autor:

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