Was macht eigentlich ein Decksmeister?
In See, 27.07.2010, Lars Rohde (Redaktion Marine).
Disziplin, Ordnung und Sauberkeit - dies sind die grundlegenden Prinzipien, nach denen Bootsmann Marcel Ferlemann seine Arbeit als Decksmeister erledigt. An Bord des Minentauchereinsatzbootes ROTTWEIL ist er für alle der direkte Ansprechpartner, wenn es um Seemannschaft geht.

„Als 11er gehört man zu einer aussterbenden Art“
, sagt Bootsmann Marcel Ferlemann. In der Marine steht die Verwendungsreihe 11 für den seemännischen Dienst - seit den Anfängen die Basis der Seefahrt. Mit seinem Fachwissen fungiert der Decksmeister als Leiter der seemännischen Manöver in Zusammenarbeit mit der Brücke und dem fahrenden Wachoffizier. Dazu zählen u.a. Anlege-, Ablege- und Ankermanöver. Beim Anlegen befindet sich die Besatzung zum größten Teil an Deck, um beim Manöver zu unterstützen. Die sogenannten „Fender“
, große Hartgummiballons, werden von der Besatzung, mit Seilen befestigt, an der Anlegeseite heruntergelassen, damit die Bootsaußenwand nicht beschädigt wird. Beim Ablegen werden die Fender gleichzeitig, auf Kommando vom Decksmeister, eingeholt und seefest verstaut. Bei stürmischer See, mit mindestens vier Meter hohen Wellen, ist das Boot komplett in der Gewalt des Wassers. In der Seemannssprache wird bei starkem Wellengang von der sogenannten „Hacksee“
gesprochen. Gerade bei grober bis hoher See ist es unerlässlich, dass die gesamte Crew gut zusammenarbeitet.
Vielfältige Aufgaben
Die Ausbildung der Besatzung im allgemeinen seemännischen Handwerk ist hierfür die erforderliche Grundlage. Neben dem Beherrschen der eigenen Aufgaben während der Seefahrt, gehört beispielsweise auch die Knotenkunde, welche inzwischen in der Marine zu den „aussterbenden“
Fertigkeiten zählt, dazu. Die Leinenkontrolle zählt ebenso dazu. Der Decksmeister muss erkennen können, wann die Leinen verschlissen sind und diese dann auswechseln. Er ist außerdem für die Abschnitte 410 und 120 an Bord verantwortlich. Zum Abschnitt 410 gehören sämtliche Zusatzmaterialien wie Stiefel und Sonderbekleidung. Die Arbeitskleidung an Bord wird vom Decksmeister ausgegeben und bei der Ausschiffung bei ihm wieder abgegeben.
Verantwortung im Gefechtszustand
Bei der Schiffssicherung (Brandabwehr und Leckabwehr) ist der Decksmeister Leiter des Gruppenstandes. Die vorderen Speisesäle - sogenannte Messen, werden in einem solchen Falle zum Gruppenstand umfunktioniert. Der Leitstand, in dem die Schiffstechniker die Elektronik und die Maschinen des Bootes überwachen, wird im Falle eines Brandes oder eines Lecks zum Gefechtsstand, der mit dem Gruppenstand im ständigen Funkkontakt steht. Während der Minenjagd sind die Offiziere in der Regel in der Operationseinsatzzentrale (OPZ). Von dort und mithilfe modernster Technik werden die Minen aufgespürt. Parallel dazu befindet sich der Decksmeister auf der Brücke. Mit wachsamen Augen verfolgt er die Fahrtstrecke. So bleibt die Brücke nie unbesetzt und in Gefahrensituationen kann er das Boot auf einen anderen Kurs bringen lassen. Als rechte Hand des 1.Wachoffiziers (I WO) übernimmt der Decksmeister an Bord eine ähnliche Position wie der Spieß an einer Landdienststelle.

Immer aktiv
Im Hafen und auch auf See ist der Decksmeister außerdem für die Schiffspost zuständig. Bei Lack- und Farbproblemen im Bootsinnern oder auch im Außenbereich kommt Bootsmann Marcel Ferlemann wieder zum Einsatz. Egal ob es dabei um Ausbesserungen an der Stelling, Rehling oder auch den Türen - sogenannten Schotts - geht, Ferlemann ist zur Stelle. Außerdem kontrolliert er die Taue und deren richtige Handhabung durch die Besatzung. Das tägliche Reinschiff wird vom Decksmeister kontrolliert und geleitet. Bei ruhiger See oder auch wenn das Boot auf Reede liegt, wird es von außen gereinigt - das sogenannte Außenreinschiff – beispielsweise vergleichbar mit einer gründlichen Hausreinigung im Frühling. Nur mit dem Unterschied, dass sich das Boot auf dem Wasser weiter bewegt. Eine sinnvolle Arbeitsaufteilung ist deshalb unerlässlich. Auf See zu sein, heißt schließlich auch, rund um die Uhr zu arbeiten. „Zur Verwendungsreihe elf gehört Leidenschaft“
, fasst Ferlemann die Aufgaben im Decksdienst zusammen.
Voraussetzungen
Um als Decksmeister arbeiten zu können, müssen diverse Ausbildungsabschnitte durchlaufen werden. Als Unteroffizier sollte der Kraftbootführerschein erworben sein. Die Ausbildung zum Bootsmann findet an der Marineunteroffiziersschule in Plön statt. Dort lernen die Anwärter die militärischen Grundlagen. Sie werden in die Funktion als militärische Vorgesetzte eingewiesen, verbessern und erweitern ihre Schussfertigkeiten. Nach viel Theorie und anstrengenden Praxisphasen, folgt die sogenannte „F2“
– Ausbildung. Sie umfasst den Wachtmeisterlehrgang, einen Segelbootführerschein und die Ausbildung für die Schiffssicherung. Der Funkerlehrgang mit ROC (Restricted Operator’s Certificate) und GOC (General Operator’s Certificate) sollte außerdem absolviert werden.

Vom Leben auf See
Die Entscheidung für eine Verwendung an Bord, sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Lange Abwesenheiten von der Heimat und fordernde Einsätze gehören zum seemännischen Alltag. Deshalb zählt eine gehörige Portion Ehrgeiz und Leidenschaft dazu. Seefahrt macht aber auch Spaß und kann eine ganz persönliche Erfüllung sein. Erfahrungen werden gewonnen - im Umgang mit anderen Menschen als auch mit fremden Kulturen. Das Verhältnis an Bord, auf einander angewiesen zu sein, ist eine wertvolle individuelle Erfahrung. Die Bordgemeinschaft wird gestärkt. Die eigenen Bedürfnisse werden zurückgesteckt. Dafür erlebt man echte Kameradschaft auf See. Die „11er“
sind an Bord hierfür das beste Beispiel.
Bilder
Im Gespräch (Quelle: © 2010 Bundeswehr / Lukas Wernicke )
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