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Minenräumdrohne SEEHUND - Erste große Inspektion nach 30 Jahren

Kiel, 11.01.2012.
Seit den 1980er Jahren nutzt die Deutsche Marine zum Räumen von Seeminen sogenannte SEEHUNDE. Dies sind fernlenkbare Magnetspulen mit Akustikbojen, die die Signatur von großen Schiffen simulieren können. Um diese Magnetspulen hat man jeweils einen Schiffskörper gebaut und ihnen das schiffsähnliche Erscheinungsbild gegeben. Die Deutsche Marine verfügt über insgesamt 18 dieser auch Hohlstäbe genannten SEEHUNDE. Bis zu vier dieser Minenräumdrohnen können gleichzeitig von Hohlstab-Lenkbooten der ENSDORF-Klasse ferngelenkt eingesetzt werden. Beheimatet sind alle Einheiten dieses Waffensystems im 5. Minensuchgeschwader in Kiel.

Eine Minenräumdrohne SEEHUND wird mit einem Kran aus dem Wasser gehoben.

SEEHUND am Haken (Quelle: © 2012 Bundeswehr / 5. Minensuchgeschwader)Größere Abbildung anzeigen

Nach rund 30 Jahren Dienstzeit sind die SEEHUNDE erstmals in der großen Instandsetzung. Dazu wurden sie im Marinearsenal Kiel auf die Pier gehievt und komplett zerlegt. Bei einem Rundgang über das Werftgelände hörte man immer wieder das anerkennende Wort der Schiffbauer: „So eine gute Schiffbau- und Stahlqualität findet man heute nur noch sehr selten.“

So wurden die SEEHUNDE zunächst in ihre Einzelteile zerlegt; die Bug- und die Hecksektion können an dafür vorgesehenen Trennstellen in einem großen Stück einfach abgeschraubt werden. Auch der Schottelantrieb ist so konfiguriert, dass man ihn einfach nach oben mit dem Kran aus dem Bootskörper herausziehen kann.


Zwei Männer schweißen gebogene Metallprofile an den Kesselkörper der Minenräumdrohne SEEHUND.

Schweißarbeiten an der Minenräumdrohne SEEHUND (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Thomas Lerdo)Größere Abbildung anzeigen

Die einzigartige „Seehundwickelmaschine“

Kopfzerbrechen bereitete dann allerdings die Aufgabe, wie man die Magnetspulen neu wickeln könnte. So wurde die weltweit einzigartige „Seehundwickelmaschine“ reaktiviert; eine besondere Konstruktion, die es ermöglicht, die erforderlichen rund zehn Kilometer Kupferkabel um den Kesselkörper zu wickeln. Hierzu gibt es im Marinearsenal Kiel spezielle Fundamente, auf denen die Wickelmaschine aufgebaut wird. Doch zuvor wurde der Kesselkörper selbst aufwändig gesandstrahlt und einige Metallprofile wurden neu aufgeschweißt. So liegt der SEEHUND in der Werfthalle und ist im Grunde gar nicht mehr als ein Schiff oder Boot zu erkennen. Aber es wird klar, dass das Herzstück nichts Anderes als eine große Stahlröhre ist. Nicht zuletzt daher rührt die Bezeichnung „Hohlstab“.

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Eine technische Zeichung des Kesselkörpers von einem SEEHUND.

Technische Zeichung des Kesselkörpers (Quelle: © 2012 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

100 Tonnen schwerer SEEHUND

Nachdem die Magnetspulen neu gewickelt wurden, wird der Stahlkörper wieder zusammengesetzt. Zwischen der hölzernen Außenhaut (um die magnetischen Felder nicht zu verfälschen) und den Magnetspulen müssen noch isolierende Dämmstoffe eingebracht werden, damit der rund 100 Tonnen schwere SEEHUND nicht allzu tief im Wasser liegt. Anschließend wird der Antrieb wieder eingesetzt und mit dem Aufbau des Oberdecks erhält der Hohlstab wieder sein schiffsähnliches Aussehen. Nach abschließenden Vermessungen werden die SEEHUNDE der Marine wieder für viele Jahre zur Verfügung stehen.

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Eine Minenräumdrohne SEEHUND in Fahrt.

Minenräumdrohne SEEHUND (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Ann-Kathrin Fischer)Größere Abbildung anzeigen

Robuste Drohne

Die SEEHUNDE sind besonders robust gebaut worden, damit sie Seeminen auch im Nahbereich räumen können, das heißt, ihre Signatur bringt eine Mine unmittelbar zur Detonation. So ist ein SEEHUND im Einsatzfall natürlich ungeheuren Kräften und Beschleunigungen ausgesetzt. Hier liegt auch der Grund, weshalb sie als Drohnen, also unbemannt, eingesetzt werden.

Dies alles wurde bereits 1991 im Ernstfall vor Kuwait quasi live erfahren, als ein deutscher Minenabwehrverband half, die durch die Iraker dort gelegten Minenfelder zu beseitigen. So gelang es den SEEHUNDEN, Minen in einem Gebiet zu räumen, das bereits durch Minenjagdboote als minenfrei gemeldet wurde. Beobachtungen zeigten, dass diese Drohnen mehrere Minendetonationen auch im Nahbereich tatsächlich überstanden. Diese SEEHUNDE befinden sich noch heute ohne Einschränkungen im Dienst der Marine.

Bei Verlegefahrten beziehungsweise auf dem Transit in den Einsatz werden die rund zehn Knoten (18 km/h) schnellen SEEHUNDE von nur zwei Mann gefahren, einem erfahrenen Unteroffizier und einem Mannschaftsdienstgrad. Im Einsatz werden die dann unbemannten SEEHUNDE per Fernlenkung gesteuert.

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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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