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Ohne ihr „Gütesiegel“ fliegt nichts

Wurster Nordseeküste, 07.11.2017.
Acht Seefernaufklärer P-3C „Orion“ haben die Marineflieger seit 2006 auf dem Marinefliegerstützpunkt stehen. Triebwerke, Landeklappen, Fahrwerk, Hydraulikanlagen und viele weitere Komponenten sind im Flugzeug verbaut und verschleißen jeden Tag ein Stück mehr. Damit sie stets funktionieren werden die Flugzeuge alltäglich von den Fachleuten inspiziert, gewartet und instandgesetzt. Jede noch so kleine Wartung, Instandsetzung oder Austausch bedeutet auch „Papierkrieg“. Denn alles muss in der Lebenslaufakte schriftlich dokumentiert sein. Dort ist die komplette Lebensgeschichte des Flugzeuges aufgezeigt. Vergleichbar mit einem Inspektionsheft, ist jede noch so kleine Instandsetzungsmaßnahme nachvollziehbar.

Ein männlicher Soldat im weißem Hemd sitzt an einem Schreibtisch. Einige Akten stehen auf dem Schreibtisch.

Aktenpflege gehört zu seinem Soldatenalltag (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigen

Jedes Flugzeug hat seine eigene Lebenslaufakte. Allgemeine Luftfahrzeugdaten, Verkehrszulassungsschein, Wartungsaufzeichnungen bis hin zu Testprotokollen – eine Flugzeugakte hat mehrere hundert Seiten und umfasst zirka zwölf dicke Ordner. „Anhand der Lebensakte kann jederzeit nachvollzogen werden, wann welches Bauteil eingebaut wurde und wann eine Überprüfung fällig ist“, erklärt Oberbootsmann Kubisz.

Prüfstelle der besonderen Art

Ist alles abgeschlossen bekommen Oberbootsmann Markus Kubisz und Angestellter Frank Jopp die Akten auf den Tisch. Als „administrative Qualitätssicherer“ prüfen sie, ob alles korrekt durchgeführt und dokumentiert ist. Flugsicherheit hat auch in der Bundeswehr und somit auf dem Fliegerhorst oberste Priorität.

Die Kontrollmechanismen sind weitaus umfangreicher ausgeprägt als in der zivilen Luftfahrt, da es sich um fliegende Waffensysteme handelt. Die korrekte administrative und technische Qualitätssicherung ist lebenswichtig. Werden Unstimmigkeiten festgestellt, handeln sie. Bei gravierenden Missständen können sie auch den Flugbetrieb auf dem Marinefliegerstützpunkt stilllegen.

Vor einigen Jahren wurde im Rahmen einer Überprüfung eine unklare Datenlage im elektronischen Betriebsführungssystem festgestellt. Dieser Fehler führte dazu, dass der Flugbetrieb der P-3C „Orion“-Flotte eingestellt werden musste. „Kein leichter Schritt, aber erforderlich. Der Fehler musste zuerst behoben werden“, hebt Angestellter Frank Jopp hervor.

Die Spinne im Netz

Eine Zivilperson und eine Person in weißer Marineuniform sitzen vor einem Computer und besprechen einen Listenvorgang.

Gemeinsam werden Problemfelder erfolgreich diskutiert (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigen

Der Zivilist ist ein Mann der ersten Stunden und hat das L-Akten Büro mit aufgebaut. Seit 2006 sitzt er dort im Stab der Technischen Gruppe. Die übernommen Unterlagen der Niederländer waren alle auf Niederländisch und die gesamte Papierlage musste aufgearbeitet werden. „Dies bedeutete, dass alle Lebenslaufakten auf deutsches Vorschriftenniveau umgestellt werden mussten. Es waren Hunderte von Akten, die ins deutsche Überführt wurden“, erzählt er. Er ist eine Koryphäe und kennt sich bestens aus. Im Laufe der Jahre hat er sich bestens vernetzt und hält den engen Draht zu den Werkstätten, Vorgesetzten, anderen Dienststellen und Firmen. „Das ist wichtig, nur so kann man seinen Job erledigen“, erzählt er.

Oberbootsmann Kubisz ist noch frisch im Geschäft und wird vom Erfahrungsträger Jopp ausgebildet. „Das ist Arbeiten mit Ausbildung“, sagt der Portepeeunteroffizier mit einem Schmunzeln. Nach dem die Papierlage und das Betriebsführungssystem durch die Mitarbeiter der Lebenslaufakte überprüft wurde und keine Diskrepanzen festgestellt wurden, können die Maschinen zu ihrem nächsten Einsatz abheben. Für die beiden im L-Akten Büro gilt: Ohne ihr „Gütesiegel“ fliegt nichts.


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Stand vom: 07.11.17 | Autor: Sascha Jonack


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