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Minenabwehr in der Ostsee: Manöver mit ernstem Extra

In See, 03.11.2017.
Die Minenjäger der Deutschen Marine haben die Ostsee wieder ein Stück sicherer gemacht. Denn jede Großübung hier bedeutet für sie auch immer, einen scharfen Einsatz zu fahren. Dieses Mal ging es Richtung Estland.

Ein graues Marineschiff kurz vor dem Anlegen an eine Hafenpier; auf der Pier selbst stehen Soldaten in Flecktarnanzügen Spalier und präsentieren ihr Gewehr.

Willkommen in Estland: Die Kieler Minenjäger legen in Tallinn an. (Quelle: 2017 Estnische Verteidigungsstreitkräfte / Karl Alfred Baumeister)Größere Abbildung anzeigen

Im Kieler Marinestützpunkt sah es im Oktober ziemlich leer aus. Denn mit den Minenjagdbooten „Datteln“, „Homburg“ und „Bad Bevensen“, dem Minentauchereinsatzboot „Bad Rappenau“ und den beiden Hohlstablenkbooten „Siegburg“ und „Pegnitz“ waren sechs von zwölf Minenabwehreinheiten der Deutschen Marine zusammen mit dem Tender „Mosel“ für drei Wochen ausgelaufen.

Seemännische Grundlagen verbessern, echte Minen beseitigen und Training im Verband – das waren die Ziele der zweiten großen, gemeinsamen Übung der Boote des 3. Minensuchgeschwaders in diesem Jahr. Längsseitsgehen in See oder Schleppmanöver standen auf dem Programm, außerdem taktische Fahrübungen im Verband. Alles, was ein Boot alleine nicht durchführen kann.

In ihrem sonstigen Ausbildungsprogramm haben die Besatzungen auf ihrem Boot vielleicht einmal einen ‚Spielpartner‘, sind aber alleine unterwegs“, erklärt Fregattenkapitän Martin Schwarz, Kommandeur des Geschwaders. „Wenn die Boote aber in NATO-Verbänden operieren, fahren sie nicht als Einzelfahrer. Deshalb ist es mir wichtig, dass wir schon vorher im Verband unterwegs sind und auch für die Partner im Verband mitdenken. Das erreichen wir nur durch gemeinsame Manöver.

Üben, was sich allein nicht üben lässt

Drei graue Marineschiffe fahren auf See von rechts nach links.

Seltener Anblick: Formationstraining des 3. Minensuchgeschwaders (Quelle: 2017 Bundeswehr / Heiko von Ditfurth)Größere Abbildung anzeigen

Für die Minenjäger ist jede Fahrt in der Ostsee aber auch immer Ernst, nicht nur Übung. Denn in der zweiten Woche des Manövers suchten sie scharfe Minen. Vor der estnischen Küste galt es, Altlasten zu finden und zu vernichten.

In der Ostsee liegen immer noch Minen, Torpedos, Bomben und Munition aus den beiden Weltkriegen und selbst aus dem Kalten Krieg. Wo genau, weiß man oft nicht. Sie sind möglicherweise versandet oder wurden von Fischernetzen verschleppt. Als sie gelegt wurden, gab es nicht die präzisen Navigationsmittel von heute. Kurz: Sie gefährden die Schifffahrt noch immer. Minenabwehreinheiten aus vielen Ländern – vor allem natürlich Ostseeanrainer selbst – suchen regelmäßig nach diesen Altlasten.

Eine große, orangefarbene Unterwasserdrohne wird vom einem Kranhaken gelassen und fällt ins Wasser.

Werkzeugkasten der Minenjäger: Neben dem Seefuchs kam auch die Drohne Pinguin in den Übungen zum Einsatz. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Heiko von Ditfurth)Größere Abbildung anzeigen

Die Kieler Minenjäger konnten zehn Minen vernichten und viele weitere Kontakte auf dem Meeresboden identifizieren. Fregattenkapitän Schwarz ist mit dem Ergebnis zufrieden. „Wegen der vielen gesprengten Minen sehe ich die Operation als vollen Erfolg“, sagt er. „Hinzu kommt, dass wir unsere Übung sehr gut kommunizieren konnten: Das Feedback der estnischen Marine war durchweg sehr positiv.

Dass die Bundeswehr mit den Partnern wie Estland im Ostseeraum eng zusammenarbeitet, gilt auch über diese Übung des 3. Minensuchgeschwaders hinaus. In den vergangenen zwei Jahren hat die Deutsche Marine etliche Kooperationen mit anderen Seestreitkräften in der Region angestoßen. Das sorgt für sichere Seewege – während deutsche Heeressoldaten bei der NATO Enhanced Forward Presence im Baltikum an Land stationiert sind.

Altlasten vor Estland

Drei Marineoffiziere in dunkelblauer Uniform und ein Zivilist im grauen Anzug mit Krawatte stehen auf der Brücke eines Marineschiffes.

Marinediplomatie: In Tallinn traf Fregattenkapitän Schwarz (r.) den estnischen Marinekommandeur Kapitän zur See Jüri Saska (M.r.) und den deutschen Botschafter Christoph Eichhorn ( … (Quelle: 2017 Bundeswehr / Heiko von Ditfurth)Größere Abbildung anzeigen

Vier Boote verbrachten drei Tage, um das Gebiet am Eingang des Finnischen Meerbusens vor Paldiski abzusuchen – nur gut 50 Kilometer westlich von der estnischen Hauptstadt Tallinn. Während die Minenjagdboote „Homburg“ und „Datteln“ den Meeresboden mit ihrem Sonar absuchten, sprengten die Hohlstablenkboote „Pegnitz“ und „Siegburg“ erkannte Minen mit Hilfe ihrer Drohnen vom Typ Seefuchs. Am Ende hatte die „Pegnitz“ alleine sieben Minen vernichtet.

Auf der „Homburg“ konnte Oberleutnant zur See Johannes B. seine ersten Erfahrungen in der Minenjagd sammeln. Er ist einer von elf Wachoffizieren, die neu zum Geschwader gestoßen sind und ihre theoretisch-taktische Ausbildung in die Tat umsetzen sollen. „Das Beste war der Einsatz der Seefuchs-Drohne und die Minensprengung. Als Einsatzleiter konnte ich hier schon meine ersten Erfahrungen sammeln und war unter anderem als Sicherheitsoffizier auf der Brücke eingesetzt – bin also richtig eingebunden worden“, berichtet der Oberleutnant.

Zwei graue Minenjagdboote fahren in See mit nur wenigen Metern Abstand nebeneinander; auf beiden Decks stehen Marinesoldaten mit Schutzhelmen und spannen eine Leine von Boot zu Boot.

Zentimeterarbeit: Kommen sich zwei Minenjagdboote so nahe, etwa um ein Schleppmanöver vorzubereiten, müssen die Crews scharf aufpassen. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Heiko von Ditfurth)Größere Abbildung anzeigen

Nach einem Wochenende in Tallinn ging es für den Verband zurück nach Kiel. Eingekeilt zwischen zwei Tiefdruckgebieten mussten die Besatzungen mit Wellengang um drei Meter kämpfen – das ist gehörig für die etwa 54 Meter langen Boote.

Am Ende konnte aber auch das noch für seemännische Manöver genutzt werden. Damit war garantiert, dass neuen Soldatinnen und Soldaten des Geschwaders allmählich Seebeine wachsen.

Den Spaß im Ernst finden

Zwei Marineoffiziere mit weißen Dienstmützen sprechen von zwei Minenjagdbooten zueinander; ihre beiden Boote liegen auf See direkt nebeneinander.

In der Ruhe liegt die Kraft: Ein Längsseitsgehen in See nutzen zwei Kommandanten für ein kurzes Kollegengespräch. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Heiko von Ditfurth)Größere Abbildung anzeigen

So auch für Obermaat Jule M. Die gelernte Fachinformatikerin war erst kurz zuvor auf das Minenjagdboot „Datteln“ gekommen. Die IT-Systemtechnikerin ist verantwortlich dafür, dass die Rechner auf dem Boot rund laufen. Im Prinzip dasselbe, was ein ITler an Land auch macht –mit dem wesentlichen Unterschied aber, dass sie morgens nicht ins Büro, sondern eine Uniform anzieht und an Bord geht.

Es gefällt mir sehr gut, und ich würde sagen, ich bin verliebt in die Seefahrt“, ist sie nach ihren ersten Wochen auf See sicher. „Ich wusste vorher in etwa, was mich erwartet. Einige Kameraden hatten mir schon Informationen zum Leben an Bord mitgegeben.

Neben ihren Aufgaben im Bereich der IT an Bord bedient sie auch die Sonaranlage in der Operationszentrale. Das ist das Herz des Bootes. Eine tolle Erfahrung, wie sie findet: „Das war für mich etwas völlig Neues, trotzdem hat es mir sehr viel Spaß gemacht – gerade das Aufspüren von Minen.

Am 3. November haben die Boote wieder in ihrem Heimathafen festgemacht. Geschwaderkommandeur Schwarz zieht ein positives Fazit: „Man sieht bei so einer Übung immer eine Steigerung der Leistung bei allen teilnehmenden Einheiten. Die Besatzungen bauen ihre Erfahrungen aus, wachsen zusammen und entwickeln sich weiter. Weshalb wir weiter an solchen Übungen festhalten werden.


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Stand vom: 03.11.17 | Autor: 


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