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Rettung geglückt!
Ein Stück Marinefliegergeschichte vor Verschrottung gerettet

Nordholz, 10.10.2017.
Es war ein steiniger Weg bis der Flugkörper „Kormoran“ in Nordholz empfangen werden konnte. Es ist „DAS Erinnerungsstück“ aus der Zeit, als deutsche Marineflieger in Decimomannu auf Sardinien den Waffeneinsatz geübt haben. Nachdem der Militärflugplatzes geschlossen wurde, gab es für das Andenken nur zwei Optionen: Verschrottung oder Rettung. Stabsbootsmann Klemke und Obermaat der Reserve Wittenberg haben alle Hebel in Bewegung gesetzt und sich für die Rettung entschieden.

Eine Marinesoldat in erster Geige, eine zivile Angestellte und zwei Männer in grauer Fliegerjacke stehen um ein Ehrenmal in Form eines Torpedos herum.

Ein Stück Marinefliegergeschichte gerettet, der der Flugkörper „Kormoran“ in Nordholz (Quelle: Bundeswehr / Maylin Wied)Größere Abbildung anzeigen

Der Militärflugplatz in Decimomannu auf Sardinien – bei den Marinefliegern besser bekannt als „DECI“ - galt für viele Soldaten des Marinefliegergeschwaders (MFG 1 und 2) als „kleines Zuhause“. Von 1967 bis 2004 haben besonders Tornadopiloten der Marine den „Scharfen Schuss“ und den Luftkampf auf der Air Weapons Training Installation geübt.

„Viele haben dort gearbeitet und können reichlich Geschichten erzählen“, sagt Kapitän zur See Broder Nielsen, Chef des Stabes im Marinefliegerkommando in Nordholz. Als Waffensystemoffizier, saß er einst selbst im Cockpit und kann sich an die schöne Zeit auf Sardinien erinnern.

Abschied nehmen

Nach Ende des kalten Krieges wurde die Marine umstrukturiert, und das Ende der Jetgeschwader der Marine eingeläutet. Künftig sollte die Luftwaffe die maritimen Aufgaben übernehmen. 2004 verlegte ein letztes Kommando des MFG 2 nach DECI. Und dann hieß es Abschied nehmen.

Der Stachel saß tief und wir wollten sicherstellen, dass wir Marineflieger in Erinnerung bleiben“, erklärt Reservist Carsten Bruno Johannes Wittenberg. Gemeinsam beschlossen die Letzten Kontingentangehörigen einen „Kormoran“ Flugkörper mit der Aufschrift: „Über aller Welt Gewässer, sind die Marienflieger besser“ aufzustellen. „Mit dieser Geste wollten wir in erster Linie unsere Freundschaft und Verbundenheit zur italienischen Luftwaffe und der Bevölkerung zeigen. Mit dem Spruch sollten die Kameraden der Luftwaffe aber auch täglich daran erinnert werden, welche großen Fußstapfen wir hinterlassen haben“, erzählt Wittenberg mit einem kleinen Schmunzeln weiter.

Eine Verschrottung kommt nicht in Frage

Nach weiteren elf Jahren wurde die Zusammenarbeit zwischen den Deutschen und dem italienischen Luftwaffenstützpunkt in DECI beendet. „Mit diesem Ende kam die schlechte Nachricht“, erinnert sich Stabsbootsmann Torsten Klemke. Die über die Jahre gesammelten Erinnerungsstücke sollten entweder abgeholt oder verschrottet werden. Das galt auch für die „Kormoran“ der Marineflieger.

Stabsbootsmann Torsten Klemke und Obermaat der Reserve Wittenberg haben als leidenschaftliche Marineflieger keine Minute gezögert und die Rettung ihrer „Kormoran“ in die Wege geleitet. Die beiden kennen sich aus der Zeit als Wartungsmechaniker beim Marinefliegergeschwader 2. „Ich musste gar nicht lange überlegen. Für mich stand fest, wer nichts unternimmt, der kriegt auch nichts!“, erzählt Obermaat der Reserve Wittenberg.

Das Ziel vor Augen

Eine schwarze Erinnerungsplakette mit weißer Schrift, in deutsch und französisch, ist auf einem grauen Stein angebracht.

In ewiger Verbundenheit bleibt Ihr in unseren Herzen (Quelle: Bundeswehr / Maylin Wied)Größere Abbildung anzeigen

Von 1965 bis 2005 starteten täglich Jets vom Marinefliegergeschwader 2 in Tarp, Eggebek in den Himmel. Für die beiden alten Tarper stand fest, dass sollte auch die neue Heimat für die „Kormoran“ werden.

Während das schwere Geschütz auf Sardinien von Luftwaffensoldaten mit Eimer und Schaufel ausgegraben wurde, ging es im 2000 Kilometer entfernten Deutschland an die Organisation des Transports. Die „Kormoran“ sollte im Bauch einer Transall seine Reise in die Heimat antreten. „Mal eben ein Transportflugzeug nach DECI zu schicken, um das Exponat abzuholen ist nicht so einfach. Ich bin froh, dass wir von den Kameraden auf DECI tatkräftig unterstützt wurden.“, bringt es Stabsbootsmann Klemke auf den Punkt.

Die nächste Hiobsbotschaft

Im Sommer 2017 war alles eingetütet und es konnte losgehen. Dann kam die Hiobsbotschaft: „Auf dem ehemaligen Stützpunkt des Marinefliegergeschwader 2 ist mittlerweile eine neue Wohnsiedlung entstanden. Daher passt eine „Rakete“ nicht mehr wirklich in das Umfeld. Ich habe direkt in DECI angerufen, um den Transport zu stoppen“, erinnert sich Stabsbootsmann Klemke.

Nach der Schrecksekunde stand fest, die endgültige Ruhestätte wird Nordholz. Mitte September war es soweit. Kapitän zur See Broder Nielsen konnte den Flugkörper an das Aeronauticum übergeben. „Wir freuen uns sehr darüber, wenn wir solche Erinnerungsstücke bekommen. Solche Exponate sind von großer Bedeutung, weil viele Geschichten dahinter stecken. Unser Job ist es, diese Geschichten zu bewahren. Es ist ein wichtiges Erinnerungsstück, mit denen sich die Marineflieger identifizieren können“, betont Dr. Anja Dörfer, wissenschaftliche Leiterin des Aeronauticums.

Der Aufwand hat sich gelohnt

Verschiedene Kampfflugzeuge des Typs „Tornado“ stehen nebeneinader aufgereiht.

„Tornados“ auf dem Rollfeld (Quelle: Bundeswehr / Ingo Bicker)Größere Abbildung anzeigen

Wir freuen uns, dass am Ende ein Stück Marinefliegergeschichte gerettet werden konnte. Viele fleißige Helfer haben mit viel Engagement und Handarbeit dem Flugkörper zu neuem Glanz verholfen. Wir denken, dass unsere „Kormoran“ in der jetzigen Heimat aller Marineflieger gut aufgehoben ist“, betonen die beiden „Retter“ Wittenberg und Klemke.


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Stand vom: 16.10.17 | Autor: 


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