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Abschlussfahrt der „Ostseerocker“

Rostock, 02.08.2016.
Die Teilnahme an der Kieler Woche ist für einen Schnellbootfahrer immer ein außergewöhnlich schönes und freudiges Ereignis. Doch in diesem Jahr war auch etwas Wehmut dabei. Denn diese Kieler Woche wird die Letzte für die Schnellboote gewesen sein. Die „Ostseerocker“ nutzten daher die Möglichkeit, sich ein letztes Mal gebührend zu verabschieden.

Täuschkörperauswurf eines Schnellbootes auf See.

Täuschkörperauswurf eines Schnellbootes (Quelle: 2016 Deutscher Marine Blog / Helmut Harhaus)Größere Abbildung anzeigen

Der Morgen nach dem Einlaufen hielt gleich ein freudiges Ereignis für die Besatzung des Flugkörperschnellbootes S80 „Hyäne“ bereit. Diese erhielt in Anerkennung ihrer erbrachten Leistungen im Vorjahr den sogenannten Barbara-Preis. Eine Artillerieschießauszeichnung für das meiste und beste Schießen in der Einsatzflottille 1 (EF 1). Voller Stolz und Freude über die Würdigung der eigenen Leistungen, ließ die Besatzung ein dreifaches „Hurra“ durch den gesamten Marinestützpunkt Kiel erschallen.

Neben diversen Empfängen, Bootsführungen und medialen Terminen standen vor allem die letzten möglichen Besucherfahrten auf dem Plan der Besatzungen. Während des einwöchigen Aufenthaltes wurde, im Rahmen von fünf Ausfahrten, mehreren hundert Gästen ein letztes Mal die Faszination Schnellboot näher gebracht.

Die Freundschaft bleibt

In Formationsfahrt geht es für die „Ostseerocker“ voran.

In Formationsfahrt geht es voran (Quelle: 2016 Deutscher Marine Blog / Helmut Harhaus)Größere Abbildung anzeigen

Die Besatzungen nutzten den Aufenthalt in Kiel aber auch, um sich von ihren Kameraden zu verabschieden. So wurden intensive Bande der Freundschaft geknüpft und gemeinsam eine Besucherausfahrt bestritten. Dabei stellten die Besatzungen der Landungsboote unter Beweis, dass langsam fahren nicht gleichbedeutend ist mit langsam Denken oder Arbeiten, wie es der gemeine Schnellbootfahrer oft vermutet. Gleichzeitig erlebten sie das erste Mal in ihrer Seefahrerkarriere, dass eine offene Brücke bei 36 Knoten nicht nur atemberaubende Eindrücke, sondern ebenso einen gehörigen Sonnenbrand oder völlig durchnässte Kleidung hinterlassen kann.

Am Sonntag, dem 26. Juni verließen die Schnellboote und die beiden Tender „Elbe“ und „Donau“ den Marinestützpunkt Kiel, um in ihren Heimathafen Rostock-Warnemünde zurückzukehren. Für die siebenstündige Abschlussfahrt des Geschwaders wurden unter anderem viele ehemalige Schnellbootkommandanten sowie die vormaligen Kommandeure an Bord begrüßt.

„ALLÉE ALLÉE“

Während der Rückfahrt wurde noch einmal eine seltene Übung durchgeführt: Der scharfe Schuss vor den Bug sowie ein Alarmschießen. Im Anschluss hieß es für die Besatzungen und die jeweils vier Antriebsdieselmotoren aller Boote noch einmal „ALLÉE ALLÉE“ und damit die Heimreise mit über 36 Knoten. Am späten Nachmittag erreichte das 7. Schnellbootgeschwader den Seekanal vor Warnemünde. Glücklich über die Heimkehr, aber mit schwerem Herzen und einem Kloß im Hals liefen die Besatzungen in ihrem Heimatstützpunkt Warnemünde ein.

Stolzes und tränenreiches Ende einer Ära

Die Besatzung des Schnellbootes „Hyäne“ nach der Verleihung des Barbara-Preises im Marinestützpunkt Kiel während der Kieler Woche.

Die Besatzung des Schnellbootes „Hyäne“ nach der Verleihung des Barbara-Preises (Quelle: 2016 Bundeswehr / Andreas Wuttke)Größere Abbildung anzeigen

Am 3. Juli fand die Fahrenszeit der deutschen Schnellboote endgültig ein Ende. An diesem Sonntag stachen die Schnellboote das allerletzte Mal, zusammen mit ihren Familien, Freunden und Angehörigen, zu einer Abschlussfahrt in See. Im engsten Kreise demonstrierten die schnellen schlanken Boote beim „Postbeuteln“, „Wuppeln“ und Alarmschießen, dass sie bis zuletzt nichts an ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten eingebüßt haben. Ein letztes Mal standen alle Besatzungen stolz und erhobenen Hauptes zum Einlaufen auf ihren Manöverstationen. Letztmalig gab der Wachoffizier den Befehl „Feuer Aus“ zum Abstellen aller Antriebsdieselmotoren, womit nicht nur das schönste Geräusch verstummte, dass ein Schnellbootfahrer kennt, ebenso endete damit für viele Schnellbootkameraden unter Tränen ein prägender, anstrengender und erlebnisreicher Abschnitt ihres Lebens.

Mit dem letztmaligen Einlaufen wurden alle verbliebenen Flugkörperschnellboote der Klasse 143A offiziell und mit sofortiger Wirkung aus der Fahrbereitschaft genommen. Im November werden alle Boote im Rahmen einer Zeremonie außer Dienst gestellt. Bis dahin steht den Besatzungen noch die Aufgabe bevor, die Boote bis zum letzten Einzelteil „zu archivieren“. Dabei werden nicht nur Werkzeuge, Dokumente und Geräte, sondern damit auch jahrzehntelange Arbeit und Hingabe der Schnellbootbesatzungen dokumentiert. Da kann auch das Motto des 7. Schnellbootgeschwaders „Dont Worry Be Happy“ nicht über die Trauer und Tränen eines jeden Schnellbootfahrers hinwegtrösten.


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Stand vom: 08.08.16 | Autor: 


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