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Leise Geräusche – wichtige Erkenntnisse

Insel Fehmarn, 05.09.2012.
Ein Über- oder Unterwasserfahrzeug, welches von der östlichen Ostsee in die Nordsee möchte, muss fast zwangsläufig den Fehmarnbelt befahren. An dieser 18 Kilometer breiten Meerenge zwischen der deutschen Insel Fehmarn und dem dänischen Lolland werden jährlich bis zu 60.000 Schiffsbewegungen registriert. Die Tendenz ist weiterhin steigend.

Soldaten arbeiten an der Radarkonsole.

Elektronische und akustische Aufklärung (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Ann-Kathrin Fischer)Größere Abbildung anzeigen

Kein Wunder, dass schon die Kaiserliche Marine im Jahr 1908 mit der Beobachtung des Schiffsverkehrs begonnen hat. Das Hauptaugenmerk lag schon damals auf der Sammlung von militärischen Informationen. Deshalb wurde in Marienleuchte, an der engsten Stelle des Fehmarnbelts, eine Marinesignalstelle eingerichtet.

Von der rein optischen Beobachtung ging man in den 1960er Jahren zur elektronischen und akustischen Aufklärung über. Dazu wurden in der Vergangenheit verschiedene hydroakustische Anlagen sowie etliche Kilometer Seekabel auf dem Grund der Meerenge verlegt.

Im Zeitalter des Kalten Krieges wurden die Fahrzeuge der Warschauer-Pakt-Staaten vermessen und aufgeklärt. „Die Antennen mussten mit Handrädern ausgerichtet werden, heute erfolgt alles automatisch“, erklärt Stabsbootsmann a.D. Norbert Merkle. Die verschiedenen Geräusche kann nur ein Fachmann genau zuordnen. Wenn zum Beispiel der Dampfeisbrecher „Stettin“ die Anlagen durchfährt, steht die komplette Wache interessiert am Lautsprecher. „Das hört sich an wie ein Gewitter unter Wasser“, sagt Merkle.

Erkennung von Fahrzeugen anhand akustischen und elektromagnetischen Signaturen.

Marinesoldat bedient Radarkonsole (Quelle: © 2012 Bundeswehr / Ann-Kathrin Fischer)Größere Abbildung anzeigen

Identifizieren und Wiedererkennen

Der Warschauer Pakt ist zwar Geschichte, doch in der heutigen Zeit ist die Anlage in Marienleuchte wichtiger denn je: In der globalisierten Welt können gut aufbereitete Datenpakete mit elektronischen und akustischen „Fingerabdrücken“ überlebenswichtig für die deutschen und für verbündete Seestreitkräfte werden. Überall auf der Welt gibt es neue Konfliktherde und damit potentiell interessante Kriegs- und Zivilschiffe. Ein Fahrzeug, welches beispielsweise in Marienleuchte vermessen wurde, kann im Mittelmeer oder im persischen Golf anhand der akustischen und elektromagnetischen Signatur wiedererkannt werden.

Diese Erkenntnis kann auf einem Uboot, einem Flottendienstboot, einer Fregatte oder in einer Operationszentrale an Land sehr wichtig sein, um dann entsprechende Schlüsse zu ziehen. So wird ein voll beladenes Handelsschiff, das auf See Ladung übernommen hat und Richtung Libanon unterwegs ist, für deutsche UNIFIL-Einheiten etwa von großem Interesse sein.

Bedeutung steigt

Die Komplexität der Marineunterwasserortungsstelle erfordert für die Bedienung als auch für die Wartung und Instandsetzung qualifiziertes Personal. Ungefähr 60 Soldaten und Zivilangestellte sind am Standort Marienleuchte tätig. Vier Wachen mit jeweils zwei Unteroffizieren und drei Mannschaftsdienstgraden bedienen die Anlagen im Schichtdienstbetrieb an sieben Tagen in der Woche.

Im Wartungsbereich werden die Unterwasser- und Überwasserortungsanlagen sowie das Fernmeldegerät gewartet und bei Bedarf instandgesetzt. Die Bedeutung der Datenerfassung durch die Marineunterwasserortungsstelle wird künftig durch die weltweiten Konfliktherde weiter zunehmen.

Tonaufnahme einer Fregatte

Bild einer NVA Koni-Fregatte.

Fregatte der Koni-Klasse (Quelle: © 2012 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen


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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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