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Deutsch-schwedische Kooperation: „Das Wasser, das uns trennt, verbindet uns“

Kiel, 10.11.2017.
Mit dem größten schwedischen Flottenbesuch in Deutschland bisher beginnt eine deutlich engere Zusammenarbeit der beiden Marinen. Die Grundlage dafür hat die Deutsche Marine vor zwei Jahren gelegt.

Die deutsche und schwedische Flagge wehen im Wind. Im Hintergrund ist die Silhouette eines grauen Schiffes zu erkennen.

Zwei aus der „Baltic Commanders‘ Conference“: Die Marinechefs von neun Ostseeanrainern haben vereinbart, enger zu kooperieren. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Björn Wilke/Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

This is not a vacation – das ist kein Urlaub“, betont Kapitän zur See Bengt Lundgren, Kommandeur der 3. Flottille der schwedischen Königlichen Flotte. Die Skandinavier sind mit sechs Schiffen und 250 Soldaten zu Gast in Kiel, bei der Einsatzflottille 1 – so viel schwedische Marinediplomatie wie noch nie in Deutschland.

Als die schwedischen Kriegsschiffe am Dienstag im Morgendunst auf der Innenförde auftauchen, erregen sie Aufmerksamkeit. Wie Raumschiffe sehen die zwei Tarnkappen-Korvetten „Härnösand“ und „Karlstad“ aus. Die 70 Meter langen Schiffe der „Visby“-Klasse sind für die Kriegsführung in engen Gewässern optimiert; sie lassen sich dank ihrer unkonventionellen Rumpfform von einem feindlichen Radar nur schwer orten. Wie die Korvetten der Deutschen Marine haben sie den See- und Landziel-Flugkörper RBS15 an Bord.

„Marine-Spektakel in der Ostsee“ ist in den Medien zu lesen. Der Grund dahinter ist ernster: Der Besuch steht im Zeichen einer neuen sicherheitspolitischen Lage in der Ostsee. Denn der RBS15-Flugkörper ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der schwedischen und der deutschen Marine. Lundgren und der Kieler Kommandeur, Flottillenadmiral Jan Christian Kaack, wollen sich als unmittelbare Nachbarn enger vernetzen.

Operationsgebiet Heimatmeer

Mehrere graue Schiffe haben in einem Hafen festgemacht. Einige liegen im Päckchen.

Zu Gast in Kiel: Die schwedische 3. Flottille hat sechs Schiffe geschickt. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Björn Wilke/Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Das Wasser, das uns trennt, verbindet uns“, sagte Kaack bei der Begrüßung des schwedischen Kommandeurs. „Wir haben gemeinsame Interessen: die Nutzung der Ostsee als Operationsgebiet und die sicheren Seewege in unser beider Heimatmeer. Es muss uns zu denken geben, wenn unsere Partner im Baltikum Befürchtungen hegen.“

Deshalb hatte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, im Frühjahr 2015 die Baltic Commanders‘ Conference ins Leben gerufen. In dem Gremium treffen sich die Marinebefehlshaber von neun Ostseeanrainern. Sie haben eine engere Kooperation vereinbart. „Die Marinechefs haben uns das Parkett bereitet“, erläutert Kaack. „Und auf diesem Parkett tanzen wir jetzt.“

Die richtige Standardfrage: „Wie läuft das bei euch?“

Um zu tanzen, braucht es Menschen und Musik. In diesem Fall: Marinesoldaten und Schiffe. Die Schweden sind Experten für Schärengewässer. Die zerklüfteten, von Felsen und Untiefen durchzogenen Fahrwasser sind typisch für die schwedische Küste. Wer schon einmal da war, kennt das aus Stockholm. Oder aus Karlskrona in Südschweden – wo die 3. Flottille stationiert ist.

Noch eine Gemeinsamkeit mit den Nachbarn aus dem Norden. Denn Admiral Kaacks Verband ist auf die Seekriegsführung in Randmeeren spezialisiert: Überall wo es flach und eng wird, kennen sich die Schiffe und Boote der Einsatzflottille 1 aus. Auch bringt die Kieler Einsatzflottille wiederum Erfahrung aus Missionen am Horn von Afrika, vor dem Libanon und im Mittelmer mit. Das bietet Perspektiven für einen Expertenaustausch. Lundgren ist überzeugt: „Die Zusammenarbeit kann in alle Bereiche unserer Marinen reichen. Das ist ein langfristiges Investment.“

Am Donnerstag machen die schwedischen Schiffe sich zusammen mit einer deutschen Korvette und zwei Minenjagdbooten am Donnerstag auf zu gemeinsamen Übungen in der Kieler Bucht. Vorher haben sich die Soldatinnen und Soldaten in Workshops im Hafen näher kennengelernt. Auch dem Ausbildungszentrum der deutschen Uboot-Fahrer in Eckernförde haben sie einen Besuch abgestattet. „Wir brauchen diese persönliche Ebene“, ist Admiral Kaack überzeugt. „Nur wenn wir die Menschen zusammenbringen, sind wir erfolgreich.“

Schulter an Schulter

Zwei Marineoffiziere stehen frontal zur Kamera und lächeln. Im Hintergrund ist ein Hafen mit mehreren Schiffen und Booten zu sehen.

Schulterschluss: Kapitän zur See Bengt Lundgren (l.) und Flottillenadmiral Jan Christian Kaack (Quelle: 2017 Bunndeswehr / Björn Wilke)Größere Abbildung anzeigen

So sieht das auch Fregattenkapitän Martin Schwarz, der das deutsche 3. Minensuchgeschwader kommandiert. Der Stabsoffizier war selbst Kommandant und ist verantwortlich für die Operationen der zwölf deutschen Minenabwehrboote. Sein Geschwader ist erst vergangene Woche von einem dreiwöchigen Manöver vor Schweden und Estland zurückgekehrt. Heute am Donnerstag beobachtet er das gemeinsame Training von Bord der „Datteln“ aus. Von schwedischer Seite beteiligt sich die „Vinga“, auch ein Minenjagdboot, und die „Sturkö“, ein Minentauchereinsatzboot.

Schwarz erklärt: „Nur wer gemeinsam übt, hat auch im Einsatz das gleiche Mindset.“ Seit 2016 lädt der Geschwaderkommandeur alle Partner aus dem Kreis der Baltic Commanders‘ Conference zu seinen, eigentlich nationalen, Übungen ein.

Mit den Schweden hat er gleich vereinbart, dass die Kieler Minenjäger im Frühjahr ein Manöver auch in schwedischen Gewässern abhalten. Drei schwedische Boote sollen zu der Task Group stoßen, auch Dänemark ist eingeladen. Schwarz: „Ich rechne damit, dass wir neun oder zehn Boote werden, dazu zwei Tender als Stabs- und Führungsschiffe.“ Auch darüber hinaus sieht Schwarz Möglichkeiten: „Wir haben Schweden angeboten, Soldaten in den Führungsstab des NATO-Minenabwehrverbands im Mittelmeer zu entsenden.“ Die Deutsche Marine übernimmt im Juli 2018 die Führung dieser Minenflottille.

Und wir wollen dauernd Personal austauschen“, ergänzt Schwarz. „Zum Beispiel kann ein junger deutscher Offizier Erfahrungen in Schweden sammeln und wir laden einen schwedischen Sonarmeister zu uns ein.“ Damit ist umrissen, was gemeint ist, wenn von einem „Schulterschluss in der Ostsee“ die Rede ist. „Ganz klar“, sagt er, „von jetzt an werden wir die Schweden hier öfter sehen. Und auch wir werden uns in Schweden öfter blicken lassen.“

Baltic Commanders‘ Conference
Die Baltic Commanders‘ Conference ist eine Zusammenkunft der Marinebefehlshaber aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Deutschland. Das Tagungsformat wurde 2015 von der Deutschen Marine begründet; es fand zuletzt im März 2017 in Kopenhagen statt.
Die Konferenz dient dazu, konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu identifizieren, und rückt die Landes- und Bündnisverteidigung in der Ostsee in den Fokus. Sie ergänzt damit die Kooperation der Ostseeanrainer, die schon in militärischen Verbänden der NATO oder der EU gemeinsam üben und operieren. Nicht alle Ostseeanrainer aber sind Mitglied in beiden Bündnissen.
Einsatzflottille 1
Zur Einsatzflottille 1 gehören vier Geschwader mit 37 Schiffen und Booten, das Seebataillon, das Kommando Spezialkräfte der Deutschen Marine sowie die drei Marinestützpunkte Kiel, Eckernförde und Warnemünde. Das Aufgabenspektrum der Flottille ist die Seekriegsführung in Randmeeren: Das reicht von der Bekämpfung von Landzielen, der Seeraumüberwachung, dem Mineneinsatz und der Minenabwehr, über die bewaffnete Kontrolle von Schiffen und dem Begleitschutz für andere Kriegs- und Handelsschiffe bis hin zur Uboot-Jagd, dem Einsatz von Spezialkräften und der Unterstützung von Evakuierungen.


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Stand vom: 14.11.17 | Autor: 


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