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Schiffstageblog: Mit dem „Main“ im Nordatlantik

Die Sicht auf den Bug des Tenders „Main“. Das Wetter ist windig und die Wellen schlagen gegen den Bug des Schiffes.

Die „Main“ stampft durch die Nordsee (Quelle Bundeswehr / Andreas Halbing)Größere Abbildung anzeigen

Eckernförde, 02.08.2017.
Am Ende des NATO-Manövers „Dynamic Mongoose“ vor Island stößt das Unterstützungsschiff des 1. Uboot-Geschwaders, der Tender „Main“, zum „U32“. Im persönlichen Schiffstagebuch haben die Marinesoldaten ihre Seefahrtserlebnisse festgehalten. Ein Blog.

03.07.2017: Helo-Rolle

Ein mittelgroßer Helikopter im Schwebflug mit ausgefahrenem Fahrwerk und geöffneter Seitentür.

Der Sikorsky S-92 der norwegischen Hubschrauber-Airline „Bristow“. (Quelle: Bundeswehr / Christian Meyer)Größere Abbildung anzeigen

Das Übungs-Feuer auf dem Tender „Main“ ist kaum gelöscht, da geht auf der Brücke ein Anruf über Sprechfunk ein. Der Kommandant selbst wechselt einige Worte mit dem Anrufer, dann gibt er den Befehl: „Rolle Helikopterbetrieb auslösen!“ Noch weiß niemand, was genau kommt, aber alle kennen den Rollenplan: Der Erste Wachoffizier zieht eine Checkliste hervor und kontrolliert die einzelnen Vorbereitungen. Rollen: Das sind quasi die unterschiedlichen Aufgabenverteilungen für alle Crewmitglieder in unterschiedlichen Situationen – im Gefecht, im Sturm, bei Feuer an Bord und so weiter.

Der Kommandant unterrichtet währenddessen seine Besatzung über die neue Lage: Piloten müssen wie Marinesoldaten der „Main“ regelmäßig den Ernstfall proben. Nur wenige Seemeilen entfernt auf einer Ölplattform stationiert, hat nun eine Crew der norwegischen Helikopter-Airline „Bristow“ um die Erlaubnis gebeten, das deutsche Schiff in ihre eigene Übung einzubeziehen. Diese Erlaubnis hat der „Kommo“ gerne erteilt – schließlich bietet sich die Gelegenheit nicht alle Tage, einen echten Helikopterbetrieb zu trainieren.

40 Minuten hat die Besatzung, dann wird der Hubschrauber da sein. Nun muss es schnell, aber auch sorgfältig gehen – man möchte den Norwegern einen professionellen Empfang bereiten.

Pünktlich gibt der Ausguck die Meldung: „Helikopter optisch auf vier Uhr!“ Während der Erste Wachoffizier noch mit dem Piloten über Funk spricht, steht dieser auch schon nur wenige Meter hinter dem Heck der „Main“ und wirbelt das Wasser auf. Der große Sikorsky S-92 brummt majestätisch und bewegt sich langsam über das Flugdeck.

Eine Person in gelbem Schutzanzug seilt sich auf ein Flugdeck am Heck eines Schiffes ab. Unter stehen Soldaten, die sie sichern.

Für den Ernstfall: Das Abseilen aus eine schwebenden Helikopter auf ein fahrendes Schiff will geübt sein (Quelle: Bundeswehr / Christian Meyer)Größere Abbildung anzeigen

Aus der Seitentür des Helikopters lässt der Bordmechaniker nun eine Leine hinab, das Flugpersonal der „Main“ nimmt sie an. Die Verbindung zwischen Schiff und Hubschrauber ist hergestellt; wie per Funk vereinbart, lässt sich nun einer der Norweger am Verbindungsseil herunter. Auf dem Flugdeck angekommen wird der Mann im Fliegeranzug herzlich begrüßt – es ist der Copilot der Sikorsky.

Auch der Kommandant lässt es sich nicht nehmen, mit dem Kurzzeitgast ein paar Worte zu wechseln und ihm als Souvenir ein Wappenschild der „Main“ zu schenken. Währenddessen holt der Hubschrauber die Leine ein, um einen großen Kreis über dem Schiff zu fliegen.

Jetzt rauscht die Maschine zum zweiten Mal heran, bezieht wieder Position über dem Flugdeck und winscht den Copiloten samt Andenken zurück an Bord. Als Abschiedsgruß dreht der Hubschrauber eine letzte Runde um das Schiff und passiert es dann im Tiefflug.

Nun sinkt der Stresslevel für Besatzung des Tenders wieder, die Stationen werden aufgeräumt und das Abendessen wird ausgegeben. In seiner Lautsprech-Ansage lobt der „1-WO“ auch im Namen des Kommandanten die Leistung der Besatzung. Die Freiwache kriecht erschöpft in ihre Kojen; die „Main“ steuert wieder mit geradem Kurs und hoher Fahrtstufe dem noch fernen Island entgegen. /Tom Heckel

02.07.2017: Feuer!

Strahlend blau schimmert die See unter der mittäglichen Sonne. Der Tender „Main“ gleitet durch die erstaunlich ruhige Nordsee auf seiner Fahrt nach Island. Es ist Sonntag.

Ein Lautsprechersignal zerreißt die Stille: „Zur Übung Feuer im Schiff, zur Übung Feuer im Schiff!“, hallt es aus allen Lautsprechern. Kontrollierte Aktivität bricht aus. Die Mitglieder der Besatzung begeben sich ohne Hektik, aber zügig auf ihre Brandabwehr-Stationen. Die meisten legen auf dem Weg schon ihren Gefechtsanzug an. Jeder Seemann ist auch Feuerwehrmann.

Auf den Stationen sammelt sich die Crew. Während noch Verschlüsse von Helmen und Schwimmwesten klacken, hallen die Namen des Stationspersonals durch die Gänge und werden mit markigen „Hier!“ bestätigt. Innerhalb von Minuten hat man so im Schiffstechnischen Leitstand – die als Feuerwehrzentrale des Schiffes dient – die Vollzähligkeit der Besatzung festgestellt: Niemand fehlt.

Nun folgen die ersten Befehle der Stationsleiter. Die „Rondentrupps“ mit je zwei Mann brechen auf, um Schäden zu registrieren und den Brandherd zu lokalisieren. In den Wohnräumen des Zwischendecks werden sie fündig: In einer Sechsmannkammer brennt es lichterloh. Durch die Meldung alarmiert, schickt der Leitstand einen zweiköpfigen „Angriffstrupp“ zum Brandherd.

Die Soldaten können dank ihrer Atemschutzgeräte zwar zum Brand vordringen, ihr Versuch, ihn mit Handfeuerlöschern im Keim zu ersticken, scheitert aber. Zur eigenen Sicherheit muss der Trupp sich aus der Gefahrenzone zurückziehen.

Als Reaktion auf diesen Fehlschlag befiehlt der Leitstand nun einen vollen „Brandbekämpfungstrupp“ mit sechs Leuten an den Brandherd. Die Soldaten dieses Trupps sind mit Ganzkörper-Feuerschutzanzügen ausgerüstet und führen alles nötige Gerät mit sich, um eine richtige Feuerlöschstrecke zu errichten: Eilig ziehen sie Schläuche durch die Gänge, kuppeln sie an den Wasseranschluss in ihrem Rücken und rücken nun dem Feuer – simuliert – mit Feuerlöschschaum zu Leibe. Währenddessen kühlen andere auf dem Oberdeck die betroffenen Räume von oben mit eiskaltem Seewasser.

Der massive Einsatz von Personal und Material zeigt alsbald Wirkung: Nach wenigen Minuten ist das Feuer mit vereinten Kräften gelöscht. Sauggebläse entfernen die giftigen Rauchgase, und der Leitstand überwacht die Temperaturen in den Räumen weiter, die vom Feuer betroffen waren. Kein unauffälliger Schwelbrand darf überstehen.

Endlich kommt für die in ihren Anzügen schwitzenden Soldaten das erlösende Signal: „Das Feuer ist gelöscht. Die Übung „Feuer im Schiff“ ist beendet! Aufklaren aller Stationen!“ Die Crew hat eine anstrengende halbe Stunde hinter sich – doch der Höhepunkt dieses Übungstages auf See soll noch kommen. /Tom Heckel


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Stand vom: 07.09.17 | Autor: 


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