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Deutsch-Kroatische Tauchausbildung: Immer auf Nummer Sicher

Eckernförde, 15.08.2017.
Minentaucher des Seebataillons aus Eckernförde haben gemeinsam mit der kroatischen Marine geübt. Der riskante Job verlangt höchste Konzentration auf die eigene Sicherheit und die der Kameraden.

Ein Taucher im schwarzen Tauchanzug und mit Maske, von oben gesehen schwebt in blau leuchtendem Wasser und blickt nach oben.

Zwangspause: Stopp auf sechs Meter zur Dekompression nach einem Tieftauchgang (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Um 03.00 Uhr, zu einer Uhrzeit, zu der die meisten sich noch einmal im Bett umdrehen, haben sich zwölf Soldaten vom Marinestützpunkt Eckernförde auf den Weg gemacht. Ziel ihrer rund 1.800 Kilometer langen Reise ist Kroatien. Gemeinsam mit kroatischen Minentauchern sollten sie Unterwasser-Suchverfahren im küstennahen Flachwasser, aber auch das Tieftauchen trainieren.

Die Arbeit von Minentauchern ist keine leichte, ungefährliche: Den Meeresboden nach Kampfmitteln abzusuchen, wie zum Beispiel nach Minen, Bomben oder Torpedos, ist eine Mischung aus Teamleistung und Einzelfähigkeiten. Da kein Tauchgang dem anderen gleicht, müssen Wissen und Können jederzeit abrufbereit sein. Für die Minentaucher des Seebataillons aus Eckernförde bedeutet das: üben, üben, üben.

Üben, üben, üben und über den Tellerrand schauen

Um die eigenen Methoden mit einem „Blick über den Tellerrand“ zu verbessern, sind gemeinsame Tauchgänge und Ausbildungen mit anderen Nationen unabdingbar. So auch für zehn Eckernförder Tauchspezialisten, die mit einem Tauchmedizinischen Assistenten und einem sogenannten Kampfmittelabwehrbootsmann für zehn Tage mit kroatischen Kameraden an der Mittelmeerküste gemeinsam „auf Tiefe“ gegangen sind.

Nach der Ankunft, dem Ausladen und Vorbereiten des Materials, ging es für die Eckernförder Taucher in die erste Unterrichtung: „Diese Briefings beinhalten alle notwendigen Informationen für den anstehenden Tauchgang wie Auftrag, Tauchtiefe, Wetter, Wasserbedingungen und so weiter“, erklärt der Chef der Minentaucherkompanie des Seebataillons, Korvettenkapitän Dennis Leukert. „Intensiv behandeln wir auch die Abläufe und Verfahren bei möglichen Tauchunfällen.“ Gleich im Anschluss folgt daher das Sicherheitsbriefing durch den Taucherarztgehilfen.

Danach das „Klarmachen“ auf dem Programm: Die Taucher überprüfen ihr Gerät anhand einer Checkliste, legen es an und kontrollieren es dann nach dem „Vier-Augen-Prinzip“ noch einmal. Als erster gemeinsamer Tauchgang ist ein „Very Shallow Water Diving“ geplant, also das Tauchen im Flachwasser. Bei diesem Verfahren sucht man bei einer Tauchtiefe von drei bis sieben Metern zum Beispiel vor einem Strand nach versteckten Ladungen, Blindgängern oder ähnlichem.

Ein Speedboot mit Soldaten an Bord fährt vor einem amphibischen Schiff.

Das deutsche Tauchteam vor dem Landungsschiff „Krka“ (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Eine der größten Gefahren für Taucher ist der Tiefenrausch, der bei Tauchtiefen um die 30 Meter auftreten kann, oder die Taucherkrankheit, hervorgerufen durch zu schnelles Auftauchen. Um für alle Fälle vorbereitet zu sein, stand vor dem ersten Tauchgang noch ein Termin im militärischen Teil des Krankenhauses in Split für die Minentaucher auf dem Programm. Dort konnten die Deutschen die Taucherdruckkammer in Augenschein nehmen und das deutsch-kroatische Team konnte mit den Taucherärzten vor Ort alle eventuellen Notfallmaßnahmen besprechen. „Auch wenn es bei den heute anstehenden Tauchgängen in keine großen Tiefen geht, steht die Sicherheit immer an erster Stelle“, erklärt einer der Taucher die einheitliche Auffassung aller.

Die kroatische Marine, speziell die Minentaucher, haben seit längerem schon ein großes Interesse an einer sehr intensiven Zusammenarbeit mit uns“, erklärt der Kommandeur des Seebataillons, Fregattenkapitän Axel Meißel. „Das Ziel der kroatischen Minentaucher ist es, sich durch gemeinsame Übungen und Erfahrungsaustausch auf NATO-Standard weiter zu qualifizieren und somit für gemeinsame Einsätze oder Übungen vorzubereiten.“

Den NATO-Standard über Teamausbildung mit den Deutschen erreichen

Ein taktisches Fazit zieht der Kompaniechef: „Internationale Tauchmanöver bringen immer Verbesserungen für die eigenen Vorgehensweisen“, meint Dennis Leukert. „Minentaucher haben überall vergleichbare Aufgaben und das Tauchen als Passion verbindet sie alle. So haben wir kaum Berührungsängste, sondern sofort Gemeinsamkeiten.“ Die sollen sich künftig mit der Ausbildung kroatischer Minentaucher an der deutschen Unterwasserdrohne „Remus“ noch vertiefen.

Ein Highlight stand für die Tauchprofils aus Eckernförde noch am Ende ihrer Übung auf dem Programm: Auf Einladung der kroatischen Marine-Tauchschule konnten die Soldaten an Bord des Landungsschiffes „Krka“ den Tauchgängen zu einem amerikanischen Bomberwrack aus dem Zweiten Weltkrieg beiwohnen – einer B-24 Liberator, die in 40 Metern Tiefe vor der Insel Vis liegt. Hier hatte die „Defense POW/MIA Accounting Agency“, das amerikanische Gegenstück zur deutschen Kriegsgräberfürsorge, die sterblichen Überreste dreier Soldaten geborgen, um sie in der Heimat beisetzen zu können.

Das Wrack eines alten Flugzeuges auf dem Meeresgrund.

Das Wrack der B-24 „Liberator“ (Quelle: US Embassy Zagreb)Größere Abbildung anzeigen

Das Flugzeug befand sich auf dem Rückflug von einem Einsatz über Deutschland, als es hier vor der kroatischen Küste notwassern musste und dabei verunglückte“, berichtete einer der Eckernförder. „Das ist schon sehr beeindruckend, gerade vor dem Hintergrund, dass man sich damals als Feinde gegenüber stand und sich nun gemeinsam als Freunde bei so einer Aktion unterstützt.“


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Stand vom: 21.08.17 | Autor: 


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