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Ein Tauchgang der besonderen Art

Wurster Nordseeküste, 13.12.2017.

Der Seefernaufklärer und Uboot-Jäger P-3C „Orion“ fliegt weltweite Einsätze. Die Piloten müssen sich dabei auf alle wichtigen Anzeigeninstrumente im Cockpit verlassen können. Zeigt die Kraftstoffanzeige nicht zuverlässig an, haben die Piloten ein Problem, da die Reichweite nicht mehr berechnet werden kann. Aufgrund einer solchen Fehleranzeige hieß es für einen Mechaniker: Abtauchen in die „Orion“ Tanks.

Ein weißes Flugzeug mit vier Propellern steht an einem Gerüst in einer großen Halle.
Die P3-C „Orion“ steht zur Wartung im Hangar bereit (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Das ist ähnlich wie beim Auto, geht etwas kaputt, muss es repariert werden. Inspektionen und Reparaturmaßnahmen am Flugzeugtank sind nicht mal eben auf die Schnelle erledigt.  „Hier steigt ein Mensch ins Innere der Tanks, wo zuvor mehrere tausend Liter Kerosin gespeichert waren. Wir müssen letztlich viele Vorbereitungen treffen, sodass der Einstieg möglich ist“, erklärt Hauptbootsmann Sven Heidtmann.

Er ist der Dockleiter und für die Sicherheit und Durchführung der Tankinstandsetzung verantwortlich. „Ich bin unter anderem für die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften zuständig. Darüber hinaus muss ich alle Arbeiten koordinieren und den Gesamtablauf im Auge behalten und somit die korrekte Durchführung gewährleisten“, fasst er zusammen.  Läuft etwas schief steht er als Meister in der Verantwortung.

Eine gute Vorbereitung ist das A und O

Ein Mann zieht einem anderen Mann ein Atemschutzgerät an.
Kurz vor dem Eintauchen in den Tank einer P-3C „Orion“ mit einem Atemschutzgerät (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack/Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Im Rahmen der Vorbereitungsmaßnahmen wird auch die Fliegerhorst Feuerwehr und der Sanitätsdienst einbezogen. „Wir sind für die Rettung und Bergung zuständig, falls der Mechaniker im Inneren ohnmächtig wird“, erklärt ein Feuerwehrmann.

Des Weiteren muss ein Arbeitsfolgeplan erstellt werden. „Diese Arbeitspläne sind die Grundlage für größere Instandsetzungsarbeiten. Hier werden alle Arbeitsschritte  im Detail festgehalten“, erklärt Portepeeunteroffizier Heidtmann.

Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen, kann die eigentliche Arbeit beginnen. Im ersten Schritt werden die Tanks geleert. Anschließend werden die verbleibenden Restmengen Kraftstoff per Schwerkraft aus den Tanks geholt, um die verbleibende Menge so gering wie möglich zu halten. Nachdem der Tank geöffnet wurde, werden unter Atemschutz die Reste des Kraftstoffes per Hand ausgewischt. Zuletzt wird über riesige Schläuche frische Luft in die Kraftstoffkammer geblasen, bis die untere Explosionsgrenze erreicht ist.  „Die untere Explosionsgrenze ist dann erreicht, wenn das Luft-Gasgemisch in der Luft so gering ist, das diese sich nicht mehr entzünden kann und annähernd der Umgebungsluft entspricht. Dann  kann man auch ohne Atemschutzmaske arbeiten“, erklärt einer der Soldaten.

Explosimeter – immer den richtigen Riecher

Es ist ein Hangar zu sehen, in dem ein schwarzer Schlauch im Mittelpunkt liegt.
Entsprechende Schläuche sorgen für die ausreichende Luftversorgung (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack/Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Muss jemand in den Tank „abtauchen“, wird immer ein Explosimeter im Arbeitsumfeld und im Tank positioniert. Das Explosimeter misst das vorherrschende Luft-Gasgemisch und ist mit seiner feinen „Nase“ eine wichtige Schutzvorkehrung. Alle 30 Sekunden ertönt ein kurzer Signalton, der signalisiert, dass eine  Messung durchgeführt wird. Sollte ein ständiger Alarmton ertönen, ist Gefahr im Verzug. „Dann sollte der Kamerad im Tank unverzüglich seine Atemschutzmaske aufsetzen und schnellstmöglich den Tankinnenraum verlassen“, so Hauptbootsmann Heidtmann.

Tauchgang beginnt

Mechaniker steigt durch eine Miniluke in die Tanks eines Marineflugzeugs ein.
Kein Platz für Platzangst - der Mechaniker zwengt sich durch eine kleine Luke in den Tank hinein (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack/Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Der Weg in die Tragfläche führt durch eine 60 mal 45 Zentimeter große Luke. Im Tank sind vielen Querverstrebungen, Leitungen und die Deckenhöhe ist nur wenige Zentimeter hoch.  „Klaustrophobie sollte man hier nicht haben. Drinnen angekommen muss man sich im engsten Raum bewegen und seine Arbeiten verrichten“, erklärt Hauptbootsmann Heiko Everts kurz vor dem Einstieg.

Vorher macht er sich ein Bild und überlegt wie er vorgeht.  „Es ist eng und man muss sich im wahrsten Sinne um die Ecke wieseln, damit man sein Ziel erreicht. Hierbei muss man drauf achten, dass man sich nicht überschätzt und beim Durchrobben nicht verkrampft. Denn dann hat man ein Problem“, erklärt der Hauptbootsmann weiter.

Spezielle Berufskleidung

Ein Mann ist in einen Flugzeugtank abgestiegen, während ein weiterer ihn absichert.
Sicherungspersonal hält permanenten Kontakt zum Mechaniker und reicht auch Material nach (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack/Presse- und Informationszentrum Marine)Größere Abbildung anzeigen

Während des „Tauchgangs“ tragen die Mechaniker knallorangefarbene, feuerfeste Overalls mit Bergeschlaufen. „Unsere Schutzkleidung ist antistatisch. Dadurch können keine Funken durch eventuelle Reibungen entstehen“, erklärt Everts.

Während ein Mechaniker im Tragflächeninneren arbeitet, sitzt ein Sicherungsposten stets am Einstiegsloch und hält ständigen Kontakt zum Kameraden. „Nur so kann in einer  Notsituationen sofortige Hilfe geleistet werden“, betont der Sicherungsposten Hauptbootsmann Michael Kolb. Zwei weitere Soldaten sind als Retter eingeteilt. Sollte es zum Ernstfall kommen, rücken sie mit Sauerstoffgerät und Erste Hilfe Ausstattung an. „Im Ernstfall muss die Rettungskette funktionieren“.

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Stand vom: 19.12.17 | Autor: 


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