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Ein Fall für Oskar

In See, 13.11.2017.
Es wurde Zeit. Endlich stellt sich der dienstälteste Marineangehörige einmal persönlich vor. Ein Portrait aus der Bundeswehr-Wochenzeitung „aktuell“.

Portraitaufnahme einer mannsgroßen, orangefarbenen Puppe ohne Gesicht

Gestatten: Oskar. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Kim Brakensiek)Größere Abbildung anzeigen

Ein ganz normaler Tag auf der „Bayern“. Plötzlich schrillt es durch die Lautsprechanlage: „Mann über Bord!“ Wer ist’s? Klar: Oskar. Der Tollpatsch ist schon wieder über Bord gegangen. „Das passiert dem ständig!“, nölt jeder.

Ist Oskar erstmal im Wasser, geht alles ganz schnell. Seine Kameraden müssen alles geben, um ihn wieder aus dem „Teich“ zu fischen. Sobald der Alarm ertönt, lässt die Brücke das Schiff eine halbe Schleife fahren, zurück zum Unfallort. Bootscrew und Taucher springen ins Speedboot, die Sanis halten warme Decken bereit.

Damit die Besatzung die Abläufe auch wirklich verinnerlicht, springt Oskar so oft ins kalte Nass, wie der Kommandant es möchte. Mindestens einmal alle zwei Tage und bis zu fünf Mal am Tag – abhängig davon, ob seine Kameraden es schaffen, ihn binnen sechs Minuten zu retten. Oskar selbst ist das egal: Er freut sich immer, wenn er baden gehen darf.

Oskar ist der dienstälteste Angehörige der Deutschen Marine. Schon auf allen ihren Schiffen und Booten ist er zur See gefahren. Überall besteht er darauf, an Oberdeck zu schlafen; auf einer Fregatte wie der „Bayern“ etwa da, wo auch das Versorgungsgeschirr lagert. „Das ist zwar nicht gut geheizt, aber ich bin immer an der frischen Luft“, meint Oskar. „Und die Raucherecke ist gleich nebenan.“

Ein Eingeborener aus Schlicktown

Geboren wurde die Wasserratte vor vielen Jahren im alten Marinearsenal in Wilhelmshaven. Dort verbrachte Oskar auch seine kurze Kindheit. Und hat seinen praktischen Arbeitsanzug bekommen: aus wasserfestem, orange lackiertem Segeltuch. „Von der Ferne sehe ich damit aus wie die Rettungswesten oder die Überlebensanzüge der Marine“, erklärt er.

Oskar und seine 141 Brüder sind nimmermüde Ausbilder, damit alle Marinesoldaten das Standard-Rettungsverfahren der Seefahrt fleißig üben. Denn im Ernstfall geht nicht Oskar über Bord, sondern eine Kameradin oder ein Kamerad aus Fleisch und Blut.

Aber allmählich hofft er auf den Ruhestand. „Den hab‘ ich mir verdient, weil ich schon so lange dabei bin“, meint er. Dann wird die nächste Generation seinen Dienstposten übernehmen. Oskar junior, sozusagen.

Fragen an Oskar
Was wäre Ihre berufliche Alternative?
Barkeeper auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik.
Was empfinden Sie als Ihre größte Leistung, was macht Sie stolz?
Dass ich helfe, Menschenleben zu retten.
Wie können Sie am besten entspannen?
Nach einer anstrengenden Übung: einfach nur abhängen.
Welches Talent besitzen Sie?
Ich bin ein unglaublich guter Schwimmer.
Welches Talent möchten Sie besitzen?
Ich würde gerne tauchen können.
Mit wem würden Sie gern einen Monat lang tauschen?
Ich bin schon so lange in der Marine, durfte aber noch nie eine Fregatte steuern. Einmal Kommandant sein wäre schön!
Welche Person bewundern Sie am meisten?
Robinson Crusoe.
Was können Sie überhaupt nicht leiden?
Wenn‘s zu lange dauert, bis ich aus dem Wasser gezogen werde, und mir langsam sehr kalt wird.
Wozu können Sie nicht „Nein“ sagen?
Zu einer „Mann über Bord“-Übung.
Was war das Verrückteste, was Sie jemals erlebt haben?
Einmal haben sie mich fast vergessen...


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Stand vom: 14.11.17 | Autor: 


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