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Der Schmutz der großen Welt
Die P-3C „Orion“ bei der Wäsche

Nordholz, 14.11.2017.
Der Ubootjäger und Seefernaufklärer P-3C „Orion“ fliegt weltweite Einsätze. An ihm bleiben die Spuren der großen, weiten Welt haften. Deshalb heißt es regelmäßig: Waschtag! Doch bei der Flugzeugwäsche kommt keine Hightech-Waschstraße zum Einsatz. Während man in der Autowaschstraße am Schalter Komfortwäsche bestellt, sieht es bei der Flugzeugwäsche nicht so leicht aus. Viele helfende Hände sind notwendig, damit eines der größten Kampfflugzeuge der Bundeswehr vom Staub und Dreck befreit wird. Ein Knochenjob für die Putzkolonne.

Aus einer von oben Ansicht sieht man ein Flugzeug in einer Waschhalle.

Der Seefernaufklärer „Orion“ in der Waschhalle (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigen

Temperaturwechsel, Sonneneinstrahlung, Regen, Hagel und Schnee. Die grauen Flugzeuge der Marineflieger müssen einiges aushalten. „Rußpartikelablagerungen der Triebwerke und normale Umweltverschmutzung beanspruchen die Außenhaut und den Lack. Daher müssen die Seefernaufklärer regelmäßig gewaschen werden“, erklärt Oberbootsmann Florian Hübner. Er ist heute der verantwortliche Leitende. „Ich musste im Vorfeld einiges vorbereiten und dafür sorgen, dass alle notwendigen Waschutensilien und genügend Helfer heute in der Waschhalle parat stehen“, erzählt er.

Regenmantel gegen Nässe

Zwei junge Männer roter Spezialbekleidung und Schutzbrillen schrubben mit viel Schaum ein Flügel eines Flugzeuges.

Es wird geschrubbt bis das ganze Flugzeug wieder glänzt (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigen

Insgesamt sechzehn Marinefliegertechniker bilden die heutige Reinigungstruppe, die für neuen Glanz sorgt. „Die P-3C ‚Orion‘ ist das größte Kampflugzeug der Bundeswehr. Das ist eine große Fläche die geschrubbt werden muss“, sagt der Oberbootsmann. Kurz vor Waschbeginn teilt er die Gruppe ein und weist auf die Sicherheitsvorkehrungen hin. „Am Ende des Tages möchte ich ein sauberes Flugzeug haben“, erklärt er zum Schluss.

Doch vor der Wäsche, müssen die hochsensiblen Sensoren und Instrumente, wie Geschwindigkeits-, Temperatur- und Höhenmesser penibel abgeklebt werden, den sogenannten „Pre Wash“. „Das haben wir bereits einen Tag zuvor gemacht“, erläutert einer der Soldaten. Darüber hinaus ist das Fahrwerk mit einem „Nässeschutz“ ummantelt, damit die Reifen und die Bremsenanlage vor der Seife geschützt sind. „Das Reinigungsmittel besteht aus Lösemitteln und kann die empfindlichen Sensoren, Gummidichtungen, Schläuche von hydraulischen Anlagen, Reifen und Bremsscheiben angreifen oder beschädigen. Aus diesem Grund bekommt das Fahrwerk einen Regenmantel“, erklärt Hübner.

„Waschkolonne“ im Einsatz

Mit Hilfe einer Hebebühne wird das Höhenleitwerk eingeseift.

Einseifen in luftiger Höhe (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigen

Zu Beginn hat sich die „Waschkolonne“ ihre Gummistiefel angezogen und den Gummianzug übergestreift. Am hinteren Ende kommt die Hocharbeitsbühne zum Einsatz. „Ohne sie geht es nicht. Hiermit erreichen wir auch die höchsten Stellen“, erklärt Hauptbootsmann Heiko Everts. Das Rangieren der Gondel auf einer Höhe von bis zu zehn Metern erfordert größte Konzentration. „Eine Kollision mit dem Luftfahrzeug hätte fatale Folgen“, führt er weiter an.

Zeitgleich steht ein Zwei-Mann-Team auf den Tragflächen. Aus den meterlangen Schläuchen spritzt der weiße Reinigungsschaum und bleibt auf der grauen Außenhaut der „Orion“ haften. „Da läuft er - der Schmutz der großen weiten Welt“, scherzt einer der Soldaten, während er die glitschige Masse mit dem Schrubber verteilt. Auch die Fahrwerksschächte bleiben nicht verschont. „Hier sind viele kleine Ecken. Da muss mit dem Pinsel nachgeholfen werden, damit die Seife auch wirklich in jede Ecke kommt“, erklärt ein Soldat. Nach einer kurzen Zeit ist die „Orion“ in Schaum gehüllt. „Der Schaum muss ein wenig einwirken, damit sich der Dreck besser von der Oberfläche abwaschen lässt. Der Schmutz muss regelmäßig runter, damit er sich nicht in den Lack frisst. Wie beim Auto, das muss auch regelmäßig in die Waschanlage, damit der Lack geschmeidig bleibt“, erklärt Obermaat Steven Tomczok. Zum Schluss wird die Seife mit dem Hochdruckreiniger abgespült. Im wahrsten Sinne des Wortes eine schweißtreibende Arbeit für die Waschkolonne. „Die Schutzkleidung hält dicht. Es kommt nichts rein, und genauso wenig raus“, ruft einer.

Erstrahlt in neuem Glanz

Ein Mann steht mit einem Wasserschlauch unter einem Flugzeug und reinigt den Fahrwerkschacht.

Mit einem Hochdruckreiniger wird der Fahrwerkschacht ausgespült (Quelle: 2017 Bundeswehr / Sascha Jonack)Größere Abbildung anzeigen

Oberbootsmann Hübner läuft derweil um den Flieger herum und kontrolliert; ob alle Arbeiten richtig erledigt werden. Sieht er etwas, greift er ein. „Früher wurden die Flugzeuge alle 28 Tage gewaschen, da war die Waschhalle im Dauerbetrieb und wir hatten jede Woche zu tun“, sagt er.

Mittlerweile steht die Wäsche alle drei Monate auf dem Programm. Die Seefernaufklärer „Orion“ sind nicht nur Wind und Wetter ausgesetzt. Sie fliegen oftmals wenige Meter über der Meeresoberfläche, sodass sich winzige Salzkristalle auf der Zelle absetzen. Diese sind aggressiv und können die Lackschichten beschädigen.

Hier machen wir nur die „kleine Wäsche“. Wenn die „Orion“ in eine große Instandsetzung geht, müssen wir tiefer reinigen. Dann wird sogar die Korrosionsschutzschicht mit abgetragen. Diese Schutzschicht verhindert unter anderem, dass der Dreck bis auf die untere Lackschicht vordringen kann.

Nach 12 Stunden ist es vollbracht und die „Orion“ ist wieder blitzeblank.


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Stand vom: 15.11.17 | Autor: 


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