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„Banger, Banger!“ – Minendetonation bei „Schneller Delphin 2016“

Eckernförde, 01.09.2016.
Ruhige See, strahlender Sonnenschein und kaum ein Wölkchen am Himmel – eine Seefahrt hat ihren ganz eigenen Reiz. Doch die Besatzungen der Deutschen Marine müssen ebenso auf extreme Situationen vorbereitet sein. Das bedeutet auch den Umgang mit Schwerverwundeten und dem Ausfall von einem großen Teil der Besatzung. Die Übung „Schneller Delphin“ versetzte am 30. August die Soldaten der „Pegnitz“, „Siegburg“ und „Schleswig-Holstein“ in ein komplexes Übungsszenario, das im Einsatz als reale Gefahr bestehen kann.

Zwei der Ersthelfer an Bord führen an dem Verletzten die Erstmaßnahmen durch.

Erstmaßnahmen bei Erstkontakt werden durchgeführt (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Hintergrund des Übungsszenerios ist der fiktive Staat Tefau, der im Ostseeraum liegt und durch innere Unruhen „zerfressen“ ist. Mehrmals wurden Aufstände der Bevölkerung von der Regierung brutal niedergeschlagen, was von den Vereinten Nationen stark kritisiert wird. Es dauert nicht lange, bis sich eine Gruppe von Separatisten herausbildet und Städte unter ihre Kontrolle bringen. Um gegen die Regierung von Tefau weiter vorzugehen, unterstützen die fiktiven Nachbarstaaten Jumus und Serka die Separatisten. Jedoch existiert auch eine regierungsfreundliche Gruppe von Paramilitärs, welche sich den Aufständischen entgegenstellt – eine gefährliche Situation für das Hohlstablenkboot „Pegnitz“, das sich unter Kontrolle der Separatisten befindet, denn das Gebiet um die Eckernförder Bucht wurde von den Paramilitärs mit Seeminen versehen.

Eine Übung, keine „Könnung“

Die Fregatte „Schleswig-Holstein“ und „Seehunde“ unterstützen die „Pegnitz“.

Die Fregatte „Schleswig-Holstein“ und „Seehunde“ vor Eckernförde (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Der Abend vor der Übung: Fachkräfte des Marinesanitätsdienstes im Marinekommando und der Flottillen sowie Ausbilder des Einsatzausbildungszentrums Schadensabwehr der Marine gehen noch einmal die anstehende Übung durch. Jeder von ihnen hat sich schon mehrere Wochen auf die Übung vorbereitet. Sie werden die Entscheidungen und Handlungen der Besatzungen beurteilen. Insgesamt zwei Boote und ein Schiff der Deutschen Marine werden am „Schnellen Delphin“ teilnehmen: die Hohlstablenkboote „Pegnitz“ und „Siegburg“ und die Fregatte „Schleswig- Holstein“. Unterstützt wird die Übung zusätzlich von Bordhubschraubern vom Typ „Sea Lynx“.

Den Soldaten des Marinesanitätsdienstes ist eines besonders wichtig: noch bestehende Defizite der Besatzungen zu erkennen und zu beseitigen. Nur stetige Verbesserung kann den Kameraden auf den Booten und Schiffen bei gefährlichen Situationen absolute Handlungssicherheit verschaffen. „Ich erwarte, dass wir in einem Verband eine Schadensabwehrübung durchführen, in der zunächst die sanitätsdienstliche Versorgung im Vordergrund steht. Daneben soll aber auch gleichrangig das Management bei einem Schadensereignis in See geübt werden - und zwar mit der Unterstützung von Hubschraubern und allen sich bietenden Kräften“, so Flottenarzt Dr. Wolfgang Toepfer über seine Erwartungen an die Übung.

Das nicht alles auf Anhieb hundertprozentig funktioniert, ist den Fachkräften vom Marinesanitätsdienst völlig klar und wurde auch bei der Vorbereitung einkalkuliert. „Schneller Delphin stellt eben eine Übung dar und keine perfekt inszenierte Aufführung“, so die Übungsleitende, Oberstabsarzt Marei Bender. „Die Kameraden sollen nicht denken, dass sie von uns benotet werden, sondern sollen sich mit einem großen Handlungsfreiraum den Aufgaben widmen.“ Neben dem Grundkonzept des Szenarios hat die Übungsleitung auch einige „Überraschungen“ für die Crews eingeplant.

„Banger, Banger!“

Die Lagedarsteller werden für das Übungsszenario vorbereitet.

Die Lagedarsteller werden für das Übungsszenario vorbereitet (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Es ist 7:00 Uhr am Tag des Übungsszenarios: Das Hohlstablenkboot „Pegnitz“ tastet sich vorsichtig durch die Eckernförder Bucht. Begleitet wird es von zwei „Seehunden“ (unbemannte Drohnen zur Minenabwehr) und der „Siegburg“. Alle Besatzungsmitglieder sind auf Gefechtsstation, denn es heißt: „Air warning yellow, surface warning red.“ Das bedeutet eine Bedrohung durch einen möglichen Angriff aus der Luft und Überwasserkräfte.

Währenddessen werden zehn Lagedarsteller für die Übung „Schneller Delphin“ auf der „Pegnitz“ vorbereitet. Sie sind ebenfalls Besatzungsmitglieder und sollen in den nächsten Stunden ihre Kameraden etwas ins Schwitzen bringen. Ihnen werden offene Brüche „zugefügt“ sowie Kopfverletzungen und Blutergüsse geschminkt: eine gelungene Arbeit, welche dem Szenario noch das „i-Tüpfelchen“ aufsetzt. Anschließend werden die „Verletzten“ auf verschiedenen Stationen im Boot verteilt.

Die „Pegnitz“ durchbricht weiter die Wellen. Plötzlich Erleichterung auf dem Hohlstablenkboot – die Informationen über die Seeminen waren eine Finte, um den Verband am Auslaufen zu hindern. Die Besatzung geht ihren täglichen Aufgaben an Bord nach. Doch wenige Minuten später die große Wende: Auf das Kommando „Banger, Banger!“ von der Übungsleitung wird die Explosion einer Seemine simuliert. Durch die Lautsprecheranlage wird die Crew über den Treffer durch die Seemine informiert. Zehn Besatzungsmitglieder liegen „verletzt“ am Boden, wodurch die sonst 35-köpfige Mannschaft gewaltig geschwächt wird. Das Szenario ist eingeläutet.

Air warning red!

Der Bordhubschrauber „Sea Lynx“ ist bereit für das Abwinchen.

Der Bordhubschrauber „Sea Lynx“ ist bereit für das Abwinchen (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Wie im „scharfen“ Einsatz reagiert die übrige Besatzung blitzschnell. Der Sanitätsmeister arbeitet sich systematisch im Boot vor und leitet die Erstversorgung der Verletzten ein. Jetzt kommen auch die schauspielerischen Fähigkeiten der Lagedarsteller zum Vorschein. Es wird um Hilfe gerufen und großer Schmerz gemimt.

Aber auch der Schaden am Boot durch die Seemine muss überprüft werden. Und dann inmitten der ganzen Hektik noch eine Steigerung: „Air warning red. Ich wiederhole: Air warning red!“. Über dem Verband kreist ein „Sea Lynx“, welcher einen Angriff aus der Luft simuliert. Auf der Brücke der „Pegnitz“ wird Verstärkung durch die Fregatte „Schleswig-Holstein“ angefordert. Die Verwundeten werden auf das Achterdeck des Bootes gebracht und der Schwere der Verletzungen nach in drei Gruppen kategorisiert.

Nach der Rücksprache mit der Fregatte „Schleswig-Holstein“ und der Schilderung der Verletzungsmuster wird eines klar: die verwundeten Kameraden müssen schnellstens von Bord und aufs Festland zur Behandlung gebracht werden.

Sanitätsunterstützung von der Fregatte „Schleswig-Holstein“ trifft ein.

Sanitätsunterstützung von der Fregatte „Schleswig-Holstein“ (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Hilfe naht

Schon bald erreicht die Fregatte „Schleswig-Holstein“ den Havaristen und sichert den Luftraum für den Verband. Aber auch ein Speedboot mit einem Unterstützungstrupp wird von der Fregatte entsandt. Die Enge des Bootes und der Ausfall von zehn Kameraden haben die restlichen Besatzungsmitglieder der „Pegnitz“ vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Doch durch die schnellen Entscheidungen der Führung und das routinierte Agieren aller an Bord kann die Situation letztlich unter Kontrolle gebracht werden. Zudem wurden keine unbeherrschbaren Schäden am Boot festgestellt.

Jetzt gilt es die, Schwerstverwundeten von Bord zu bekommen. Zwei Besatzungsmitglieder werden per Winsch-Verfahren auf den Bordhubschrauber der Fregatte „Schleswig-Holstein“ und so außer Gefahr gebracht. Anschließend geht das Hohlstablenkboot „Siegburg“ längsseits der „Pegnitz“, damit die restlichen verletzten Kameraden abtransportiert werden können. Nach Abschluss des Übungsszenarios zeigt sich der Sanitätsmeister der „Pegnitz“ zufrieden und sichtlich erleichtert: „Ich glaube, wir haben mit den uns zur Verfügung gestellten Hilfsmitteln das Bestmögliche geleistet. Sich um zehn Verletzte auf so engem Raum zu kümmern, war nicht ganz einfach, aber ich denke, wir haben die Situation gut gemeistert.

Übung erfolgreich beendet

Oberstabsarzt Bender zieht nach „Schneller Delphin“ ein positives Resümee: „Hauptziel der Übung war es zu sehen, wie der Verband gemeinsam agiert. Führungsentscheidungen mussten schnell herbeigeführt werden, es musste eine Zusammenarbeit innerhalb des Verbandes stattfinden und die Kommunikation musste abgestimmt erfolgen. Neben diesen Hauptaufgaben musste auch die konkrete Verwundetenversorgung adäquat durchgeführt werden. Alles wurde von den Besatzungen gut umgesetzt - daran weiter arbeiten und verbessern kann man immer.“


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Stand vom: 08.09.16 | Autor: 


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