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Abnahme von „U 36“ in vollem Gange

Eckernförde/Kristiansand, 12.03.2015.
Schnee, Glätte, Wind und vereinzelt Gewitter am Morgen. Nach über zwei Stunden Anreise fährt ein Bus mit Marinesoldaten durch das Tor von Thyssen Krupp Marine Systems (TKMS), um „U 36“ auslaufklar zu machen. Ziel ist die Überprüfung der Funktionsfähigkeit des Ubootes in Norwegen, da dort die nötige Wassertiefe gegeben ist.

„U 36“ im Schneegestöber Anfang Februar in der Werft.

„U 36“ Anfang Februar in der Werft (Quelle: 2015 Bundeswehr / Julia Ude)Größere Abbildung anzeigen

„U 36“ ist ein Uboot des 2. Los der Klasse 212 A. Es ist das letzte der sechs Uboote, die TKMS in Kiel für die Marine gebaut hat. Am 6. März 2013 hatte „U 36“ seinen ersten Kontakt mit dem Element Wasser. Zwei Monate später wurde es getauft. Ab diesem Zeitpunkt hieß es für TKMS, die Bundeswehr und die Marine, die „Röhre“ flott für die Indienststellung zu machen. Jede Anlage, jede Funktion, jedes Bauteil muss auf seine Funktion überprüft werden.

Unikat, kein Serienmodell

Ein Vertreter der Wehrtechnischen Dienststelle 71, Mitglied der Abnahmekommission, zog dabei einen Vergleich mit einem Serienfahrzeug. „Ein Uboot ist kein Serienmodell, sondern ein Unikat. Somit kann kein Test mit dem kompletten Modell stattfinden, sondern jedes Teil muss extra geprüft werden. Ein Uboot durchläuft eine Stückprüfung.“

Die Abnahmekommission sowie Teile von TKMS sind bei dieser Stückprüfung an Bord. Ziel des Funktionsnachweises ist es , die Vertragserfüllung zu prüfen.

Funktionsnachweis Hafen, Flachwasser und See

Bevor „U 36“ nach Norwegen fahren durfte, musste es mehrere Prüfungen bestehen. Nachdem das Boot im Hafen und an der Hafenpier getestet wurde, fand anschließend eine fast dreimonatige Prüfung im flachen Wasser der Eckernförder Bucht statt. Jede Anlage, wie Motoren, Radaranlagen, Navigationsanlagen und Kommunikationsanlagen, aber auch alltägliche Einrichtungen wie der Backofen, die Heizung oder die Sanitäranlagen wurden unter die Lupe genommen. Einige Anlagen funktionierten einwandfrei. Bei anderen hingegen mussten Reparaturen oder Einstellungen geändert werden. Am Ende wurde der Funktionsnachweis im Hafen und im flachen Wasser erfolgreich abgeschlossen. Somit hat „U 36“ die „Straßenzulassung“, die Erlaubnis zur sicheren Teilnahme am Seeverkehr auf den Weltmeeren, erhalten. Zudem hat das Uboot seitdem die Lizenz, bis auf Seerohrtiefe zu tauchen.

„U 36“ nach bestandenem Dichtigkeitsnachweis, kurz vorm Anlegen in Kristiansand.

„U 36“ nach bestandenem Dichtigkeitsnachweis (Quelle: 2015 Bundeswehr / Julia Ude)Größere Abbildung anzeigen

Sicherheit steht an oberster Stelle

Die Sicherheit der Besatzung steht bei den Prüfungen immer an oberster Stelle. Erst als alle Anlagen an der Pier und im flachen Wasser einwandfrei funktioniert haben, bekam „U 36“ den Befehl den Funktionsnachweis See in Norwegen durchzuführen. Dabei sind sich der Kommandant, die Werft und die Abnahmekommission einig: die Besatzung steht an erster Stelle. Der Sonaroffizier, Oberleutnant zur See Sven Karwelies, welcher auch mit „U 35“ den Funktionsnachweis gefahren ist, verdeutlichte dies: „Das Auftreten von Fehlern führt zum sofortigen Abbruch des Tests. Bevor der Test erneut durchgeführt werden kann, muss das Gerät oder Bauteil instandgesetzt werden. Dies kann in Teilen auf See oder im Hafen erfolgen. In Kristiansand (Norwegen), nur eine Stunde vom tiefen Wasser entfernt, gibt es beispielsweise eine Außenstelle von TKMS, die vor Ort arbeiten kann, sodass wir nicht nach Deutschland zurückfahren müssen. Jedoch wenn dafür das Uboot ins Dock muss, müssen wir zurück nach Deutschland. Erst wenn alle Mängel abgestellt wurden, fahren wir wieder los.“

Das Begleit- und Sicherungsboot „Helmsand“ ist immer in der Nähe von „U 36“.

Das Begleit- und Sicherungsboot „Helmsand“ ist immer in der Nähe von „U 36“ (Quelle: 2015 Bundeswehr / Julia Ude)Größere Abbildung anzeigen

Dichtigkeitsnachweis früher

Für das Vorgängermodell der Klasse 206 gab es eine Art „Druckkammer“ für Uboote im Marinearsenal Kiel, in welches die Uboote gefahren sind. Durch eine Druckerhöhung wurde dort eine Tauchfahrt simuliert. Die Klasse 212 A ist jedoch größer und passt nicht in die „Druckkammer“ hinein, sodass der Dichtigkeitsnachweis für „U 36“ und die weiteren fünf Uboote der Klasse 212 A im tiefen Wasser durchgeführt werden musste. Zur Sicherung fuhr das Begleit- und Sicherungsboot der Wehrtechnischen Dienststelle, die „Helmsand“, mit.

Nach Erreichen des tiefen Wassers im Skagerrak ging „U 36“ in 50 m Schritten in die Tiefe. Den Ablauf der Prüfung beschrieb die Abnahmekommission wie folgt: „Erst wenn alle 300 Druckkörperdurchbrechungen des Ubootes einzeln auf Dichtigkeit geprüft wurden, geht das Uboot jeweils 50 m tiefer, bis die Betriebstauchtiefe des Bootes erreicht ist.“ Bei der Prüfung wurde regelmäßig Kontakt zum Begleit- und Sicherungsboot gehalten. Für einen Notfall ist das Sicherungsboot mit einem Team aus Tauchern und Sanitätspersonal, zu dem eine Taucherärztin zählt, besetzt.

„U 36“ macht an der Pier in Kristiansand fest.

„U 36“ macht an der Pier in Kristiansand fest (Quelle: 2015 Bundeswehr / Julia Ude)Größere Abbildung anzeigen

Bravo Zulu

Der Dichtigkeitsnachweis konnte positiv erbracht werden und dies zeitlich sogar schneller als geplant“, bedankte sich der Kommandant, Korvettenkapitän Schramma, während der Einlaufmusterung bei seiner Besatzung. Das Wetter spielt bei den Prüfungsfahrten eine große Rolle. „Wenn die Wetterbedingungen nicht mitspielen, bedeutet dies, dass keine Fahrt möglich ist, somit auch keine Tests. Dadurch tritt dann eine Verzögerung ein“, so ein Mitglied der Abnahmekommission.

Viel Arbeit in kurzer Zeit

In Norwegen angekommen, hat die Besatzung von „U 36“ einiges vor. Zuerst steht der schiffstechnische Bereich auf dem Prüfstand. Anschließend werden alle operativen Anlagen, wie das Sonar, geprüft. Eine akustische und elektromagnetische Vermessung folgt. Das Ziel ist für alle klar: schnellstmöglich alle sechs Uboote im Dienst der Marine zu haben.


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Stand vom: 23.06.16 | Autor: 


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