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Europäische Verteidigung: Praxistest bei der Deutschen Marine

Rostock, 20.10.2017.

Die militärische Zusammenarbeit in Europa nimmt immer konkretere Formen an. Die Bundesregierung hat am 18. Oktober Eckpunkte zur Beteiligung Deutschlands an der sogenannten Ständigen Strukturierten Zusammenarbeit in der EU beschlossen.

Das Logo der German Maritime Forces.
Das Logo der German Maritime Forces (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die Ständige Strukturierte Zusammenarbeit ermöglicht es einer Reihe von Mitgliedsstaaten der EU, auch bei Einsätzen im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik besonders eng zu kooperieren. Internationale Kooperation allerdings lebt die Deutsche Marine als „Bündnismarine“ schon seit Jahrzehnten.

Die deutschen Seestreitkräfte haben viele verschiedene Projekte mit europäischen Partnermarinen auf den Weg gebracht. Alle können sie auch als Grundlage für künftige gemeinsame europäische Rüstungsvorhaben dienen – denn hier arbeiten die Fachleute für Sicherheit und Verteidigung auf der praktischen Ebene bereits immer enger zusammen.

Das Spektrum reicht von der umfassenden deutsch-niederländischen Kooperation bei amphibischen Operationen und der Marineinfanterie bis zur Rolle der Deutschen Marine als Ausbilder für die slowakische Militärpolizei im Boarding – dem Entern und Durchsuchen verdächtiger Schiffe. Bilaterale Vorhaben im Überblick.

Niederlande

Im Vordergrund stehen vier Soldaten mit verschränkten Armen. Im Hintergrund mehrere Militärfahrzeuge und ein Marineschiff.
(v.l.n.r) Commander Arjen van Gelder, Flottillenadmiral Jan Christian Kaack, Commodore Jan Hubert Hulsker, Fregattenkapitän Axel Meißel (Quelle: 2017 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Am 4. Februar 2016 haben Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre niederländische Amtskollegin Jeanine Hennis-Plasschaert einen „Letter of Intent“ zum Ausbau der maritimen Zusammenarbeit unterzeichnet. Die Vertiefung der deutsch-niederländischen Marinekooperation konzentriert sich im Kern zunächst auf die gemeinsame Nutzung des Unterstützungsschiffs „Karel Doorman“ und die operative Integration des deutschen Seebataillons in die Niederländische Marine. Beide Seestreitkräfte verfolgen das Ziel, ein gemeinsames Portfolio amphibischer Fähigkeiten zu entwickeln.

Am Anfang der Umsetzung stehen der gegenseitige Personalaustausch, gemeinsame Ausbildung sowie bi- und multinationale Übungen. Ziel dessen ist, Abläufe und Verfahren zu standardisieren und zu harmonisieren, Übungen und Einsatzplanungen zu koordinieren, um künftig jederzeit Seite an Seite in Manövern oder Einsätzen operieren zu können.

Nachdem die erste Übung mit Teilen des Seebataillons und der „Karel Doorman“ im März 2016 unter deutscher Federführung stattfand, erfolgte die zweite Übung im November 2016 unter niederländischer Führung. Die gemeinsame operative Anfangsbefähigung haben deutsche und niederländische Marineinfanterie im September 2017 erreicht.

Norwegen

Eine blonde Frau schaut zu einem Marinesoldaten, während im Hintergrund technische Geräte zu sehen sind.
Die Verteidigunsministerin in Eckernförde (Quelle: 2017 Bundeswehr / Jane Schmidt)Größere Abbildung anzeigen

Der NATO-Partner Norwegen hat im Februar 2017 entschieden, beim Hochtechnologie-Schwerpunkt „Uboote“ strategisch mit Deutschland zusammenzuarbeiten. Dazu gehört die Absicht, die gleichen Boote zu bauen wie die Bundeswehr und im gesamten Lebenszyklus der neuen Einheiten eng zu kooperieren – von der gemeinsamen Ausbildung bis zum Ersatzteilmanagement.

Die Königliche Norwegische Marine wird jetzt zusammen mit der Deutschen Marine voraussichtlich ab 2019 die Klasse 212A weiterentwickeln und sechs neue Uboote bauen lassen: vier für Norwegen, zwei für Deutschland. Ab Mitte der 2020er Jahre rechnet man mit ihrer Indienststellung.
Gemeinsam mit Norwegen will Deutschland unter Nutzung verfügbarer Technologien auch eine neue Generation von Flugkörpern entwickeln, um langfristig soll die Fähigkeit zum Kampf gegen See- und Landziele auf große Entfernungen sicherzustellen.

Die langfristig angelegte, vertiefte Zusammenarbeit der beiden Marinen soll sich neben den Bereichen Uboote und Lenkflugkörper – und den damit verbundenen angrenzenden Feldern Logistik, Ausbildung und Verfahrensentwicklung – auch auf eine intensivierte Zusammenarbeit in weiteren Bereichen erstrecken – zum Beispiel eine künftige Seeminenabwehr und neue Langstrecken-Aufklärungsflugzeuge.

Polen

Der polnische und deutsche Inspekteur der Marine halten Grundsatzvereinbarung in den Händen und schauen in die Kamera.
Konteradmiral Mirosław Mordel, Inspekteur der Kriegsmarine der Republik Polen, und Vizeadmiral Andreas Krause, Inspekteur der Deutschen Marine nach der Unterzeichnung (Quelle: 2016 Bundeswehr / Michael Sühl)Größere Abbildung anzeigen

Seit Juni 2016 kontrollieren die polnische und die deutsche Marine gemeinsam die Operationen der Uboote beider Nationen: Die Inspekteure der deutschen und der polnischen Seestreitkräfte haben eine gemeinsame „Submarine Operating Authority“ eingerichtet. Die polnisch-deutsche Marinekooperation wird damit immer enger.

Auch wird die Deutsche Marine in einem nächsten Schritt mit Personalaustausch und der Einschiffung polnischen Marinesoldaten auf unseren Ubooten dazu beitragen, dass die Polnische Marine in der Übergangszeit zu einer neuen Generation von Uboote ihre Fähigkeit zur Unterwasserseekriegsführung erhalten kann.

Schweden

Der schwedische Fregattenkapitän  Johan Norlén (links) und Fregattenkapitän Sascha Zarthe begrüßen sich an Bord der „Ludwigshafen am Rhein“.
Der schwedische Fregattenkapitän Johan Norlén (links) und Fregattenkapitän Sascha Zarthe begrüßen sich an Bord der „Ludwigshafen am Rhein“ (Quelle: 2017 Bundeswehr / Hannes Borowsky)Größere Abbildung anzeigen

Die engere deutsch-schwedische Marinekooperation hat 2016 mit der „Baltic Commanders Conference“ am 8. und 9. März begonnen. Die versammelten Marinebefehlshaber der Ostseeanrainerstaaten, darunter Dänemark, Schweden, Polen und Deutschland kamen überein, ihre Zusammenarbeit ihrer Seestreitkräfte zu vertiefen.

Darauf aufbauend haben 2017 das deutsche 1. Korvettengeschwader aus Warnemünde und das 31. Korvettengeschwader der „Kungliga Flottan“, der schwedischen „Königlichen Flotte“, aus Karlskrona einen intensiven Austausch begonnen. Aber auch die Schwerpunktübung des Generalinspekteurs der Bundeswehr, das Manöver „Northern Coasts“, hat dieses Jahr der Gastgeber Schweden für die europäischen Partner ausgerichtet.

Ostseeraum

Ein Taucher im schwarzen Tauchanzug und mit Maske, von oben gesehen schwebt in blau leuchtendem Wasser und blickt nach oben.
Zwangspause: Stopp auf 50 Meter zur Dekompression nach einem Tieftauchgang (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Seit Herbst 2016 baut die Marine im Marinekommando Rostock den German Maritime Forces Staff (DEU MARFOR) auf. Er wird das Kernstück eines künftigen, im Bedarfsfall zu aktivierenden, multinationalen Hauptquartiers für maritime Operationen vor allem in der Ostsee werden.

Die deutsche Dienststelle mit multinationalem Anteil kann bei Bedarf personell deutlich aufwachsen – und wird dann zum sogenannten Baltic Maritime Component Command (BMCC). Besonders die Anrainerstaaten der Ostsee – Schweden, Polen, Dänemark, Finnland und die baltischen NATO-Partner – werden in den Betrieb des BMCC eingebunden.

Litauen, Slowakei, Kroatien, Estland

Nur im Team kann man funktionieren, jeder hat seine Aufgabe.
Nur im Team kann man funktionieren, jeder hat seine Aufgabe (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die Deutsche Marine unterstützt – gemäß „Framework Nations Concept“ der NATO – auch zum Beispiel Litauen, die Slowakei, Kroatien und Estland in vielen Einzelaspekten. Litauische und slowakische Soldaten haben 2017 beim Seebataillon in Eckernförde geübt, um anschließend im Mittelmeer bei der EUNAVFOR MED Operation Sophia auf deutschen Schiffen als Boardingspezialisten arbeiten zu können. Minentaucher auch aus Eckernförde haben gemeinsam mit der kroatischen Marine geübt. Und noch für den Spätherbst 2017 ist ein bilaterales Manöver der deutschen und estnischen Minenjagdboote geplant.

Weitere Hintergründe zum Thema
22.09.2017: Northern Coasts 2017: Käse und Sauerkraut verschmelzen
06.09.2017: Interview: „Ein ungemein wichtiges Ziel ist die Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung“
23.08.2017: Uboote, Infrastruktur, Norwegen: Doppeltermin in Eckernförde
15.08.2017: Deutsch-kroatische Tauchausbildung: Immer auf Nummer Sicher
26.06.2017: Operation Sophia: Pasiruošti abordažui – Klarmachen zum Boarding auf Litauisch
08.03.2017: Deutsch-schwedische Marinekooperation: Beginn einer Partnerschaft
11.07.2016: Polnische und Deutsche Marine beschließen Uboot-Kooperation


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Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


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