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Inbetriebnahme – ein Allemannsmanöver auf dem EGV „Bonn“

Nach gut einem halben Jahr in der Werft stehen für Einsatzgruppenversorger „Bonn“ langsam alle Zeichen auf  Rückkehr in den Heimathafen Wilhelmshaven und den Beginn des Einsatzausbildungsprogramms.  Doch bevor sie wieder in See stechen kann sind noch einige Vorbereitungen nötig.

Ein großes graues Schiff im Trockendock in der Norderwerft bei untergehenden Sonne.
Die „Bonn“ im Trockendock in der Norderwerft (Quelle: 2018 Bundeswehr / Sherifa Kästner)Größere Abbildung anzeigen

Im August  2017 begann für den EGV eine planmäßige Instandsetzungsphase. Das bedeutet eine Rundumüberholung, da die „Bonn“ seit ihrer Indienststellung im Jahre 2013 mehrere Erprobungsfahrten, ein komplettes Einsatzausbildungsprogramm und die einsatzgleiche Verpflichtung in der Ägäis bei der Operation Sophia gefahren ist. Nach allem was von dem Schiff gefordert wurde und jede Anlage mehrere tausend Betriebsstunden auf der Uhr hat, hieß es 2017 ab in die Werft – befunden, reparieren, ausbauen, erneuern, instandsetzen.

Beginn der Werftphase

Ein graues Schiff bei Nacht in einem Dock in der Norderwerft.
Die „Bonn“ im Dock in der Norderwerft (Quelle: 2018 Norderwerft)Größere Abbildung anzeigen

Ende Juli sollte die „Bonn“ nach Hamburg in die Norderwerft. Da das Dock noch vom Schwesterschiff „Berlin“ belegt war, ging es stattdessen zu Blohm+Voss. Los ging es mit ersten Arbeiten an Maschine, Schiffsrumpf und den verschiedenen Anlagen. Im Oktober hieß es dann doch „Umparken“ und sie in das Dock der Norderwerft bringen.

Für die Besatzung war dies eine Zeit der Trennung. Ein Teil, vor allem die Schiffstechniker, betreuten die „Bonn“ vor Ort in Hamburg. Die übrige Besatzung war als „Standortgruppe“ in Wilhelmshaven untergebracht und arbeitete von dort aus.

Wieder ein Dienstort für alle

Die Besatzung des Einsatzgruppenversorgers „Bonn“ auf dem Flugdeck des gedockten Schiffes.
Die Besatzung des EGV „Bonn“ auf dem Flugdeck des Schiffes (Quelle: 2018 Bundeswehr / Janine Pape)Größere Abbildung anzeigen

Mittlerweile ist aus den zwei Dienstorten wieder einer geworden. Alle 170 Soldaten sind gemeinsam auf dem Werftgelände in einem Containerdorf untergebracht. Die Zusammenführung war notwendig, um das Schiff wieder in Betrieb nehmen zu können und die Besatzung für die kommenden Seefahrten auszubilden. Inbetriebnahme in diesem Fall bezeichnet den Wiedereinzug und das Einschalten der verschiedenen Anlagen an Bord. Alle Anlagen und Bauteile des 174 Meter langen Schiffes müssen in technisch einwandfreiem und funktionsfähigem Zustand sein. Sie werden nun Stück für Stück hochgefahren und erprobt. Die E-Diesel-Motoren werden wieder angelassen, die bordeigenen Klimaanlagen eingeschaltet und alle Lasten (Lagerräume bei der Marine) und Betriebsräume (Werkstätten und Büros) bezogen. Nun heißt es für die Besatzung ihr Schiff wieder in Beschlag zunehmen. Einziehen, einräumen, ausbilden und bald wieder Leinen los.

Einsatzausbildungsprogramm – die nächsten Schritte

Ein Soldat streicht ein graues Regalsystem.
Ein Soldat beim Pöhnen (Streichen) der Lasten (Quelle: 2018 Bundeswehr / Sherifa Kästner)Größere Abbildung anzeigen

Damit Schiff und Besatzung wieder „laufen lernen“ absolviert die „Bonn“ nach der Werft ein EAP, das Einsatzausbildungsprogramm der Marine. Dies umfasst verschiedene Etappen in denen Schiff und Besatzung alle Fähigkeiten wieder erlernen und festigen, die man für die Einsatzfähigkeit benötigt. Dazu gehören neben interner Ausbildung die Seeklarbesichtigung Hafen und See, ISEX (Individual Ship Exercise), BASIC-Training (Schadens- und Gefechtsausbildung in der Neustädter Bucht), GOST (German Operational Sea Training) und vieles mehr.

Belehrungen, Feuerlöschausbildung, Sanitätsausbildung oder operatives Training und Pauken der Navigationsgrundlagen – es ist einiges an Wissen aufzufrischen oder neu zu erlernen. „Nach längerer Seefahrtspause und einigen Personalwechseln steht die Ausbildung an oberster Stelle. Die nächsten Wochen durchlaufen wir neben der Inbetriebnahme ein forderndes Ausbildungsprogramm, um in allen Bereichen wieder die volle Einsatzfähigkeit zu erreichen“, sagte Fregattenkapitän Karsten Uwe Schlüter, der als Erster Offizier für die Ausbildung zuständig ist. Das Ziel ist klar: ein einsatzbereites Schiff mit einer gut ausgebildeten Besatzung.

Die Instandsetzung hat länger gedauert als geplant. Wichtig ist es jetzt, das Schiff wieder ins Wasser und in Fahrt zu bekommen. Die Besatzung hat bisher sehr gute Arbeit geleistet. Der Fokus richtet sich auf die Ausbildung und das Einsatzausbildungsprogramm. Der Zeitplan ist eng und risikobehaftet. Aber zusammen schaffen wir das!“, so Fregattenkapitän Markus Gansow, Kommandant der „Bonn“.

Info Box

Das Einsatzausbildungsprogramm (kurz EAP) ist ein Plan, der die Ausbildungen zum Erreichen der Einsatzfähigkeit beziehungsweise dem Erhalt der Einsatzfähigkeit regelt. Hierzu sind im EAP sowohl der zeitliche Ablauf als auch die einzelnen Übungen, Unterrichte und Seeperioden festgelegt.


Das EAP gliedert sich in die Basis-, beziehungsweise Hafenausbildung, die Seeausbildung und weiterführende Ausbildungen. Diese Ausbildungen schulen jede einzelne Aufgabe im inneren und äußeren Gefecht für jedes Besatzungsmitglied des ganzen Schiffes. Beispiele für das Innere Gefecht sind die Leckabwehr, Brandabwehr oder Flugbetrieb, für das äußere Gefecht werden Szenarien wie Flugkörperabwehr, U-Boot-Abwehr oder die Bekämpfung von anderen Schiffen geschult.


Als Abschlussprüfung des EAPs dient der GOST (German Operation Sea Training), die Einsatzzertifizierung in Kooperation mit der Britischen Marine in Plymouth. Während des GOST werden die im EAP erlernten Kompetenzen abgeprüft. Mit erfolgreichem Bestehen des GOST ist die Einsatzfähigkeit zertifiziert. Dies ist wie ein TÜV für Schiff und Besatzung.


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Stand vom: 22.03.18 | Autor: 


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