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Marine-ITler: Nerds, die zur See fahren

In See, 30.08.2017.
Auch ein Marineschiff braucht perfekt funktionierende Informationstechnik. Auf einem Einsatzgruppenversorger sorgen fünf Fachleute dafür, dass streng geheime Rechnernetze genauso sicher laufen, wie E-Mails von zuhause zuverlässig ankommen.

Totale eines großen, grauen Marine-Versorgungsschiffs in ruhiger See, gesehen von vorne.

Einsatzgruppenversorger „Bonn“ (Quelle: 2016 Bundeswehr / Thomas Twardy)Größere Abbildung anzeigen

Oberleutnant zur See Timo Schlimgen ist der Informationstechnikoffizier der „Bonn“. Er ist der Chef der ITler des Einsatzgruppenversorgers der Deutschen Marine. Seine kleine Truppe besteht aus vier Unteroffizieren: zwei Bootsleute, im Marinejargon „Meister“ genannt, und zwei Maaten. Zusammen sind sie die Teileinheit 350 „Informationstechnik“ der 167-köpfigen Besatzung.

Die IT-Infrastruktur der „Bonn“ ist vergleichbar mit der einer größeren Firma. Es gibt an Bord des 174 Meter langen Schiffes ein bordeigenes Rechenzentrum, verschiedene Netzwerke – verschlüsselte und unverschlüsselte – mit festen und mobilen Komponenten. Besonders sind die IT-Soldaten für die Vernetzung der verschiedenen Anlagen der Führungsmittel- und der Waffentechnik miteinander verantwortlich: Hierzu gehören die Navigations-, Radar- und Funkanlagen sowie die automatisierten Waffenstationen, die das große Versorgungsschiff zur Selbstverteidigung besitzt. Erst im Zusammenspiel machen diese Systeme die Technik des Schiffes zu einem funktionierenden Ganzen.

Schlimgen und sein Team gehören zu den „stillen Helden“ an Bord. Solange alles reibungslos läuft, bemerkt man sie kaum. Aber sobald ein Besatzungsmitglied ein Problem mit dem Computer, dem E-Mail-Verkehr oder einem Netzwerk hat, ruft er oder sie einen der IT-Soldaten, um den Fehler zu beheben.

Zwei Marinesoldaten im blauen Arbeitsanzug auf der Brücke eines Schiffes; einer von beiden ist über ein Laptop auf einem Tisch gebeugt, der andere zeigt auf den Bildschirm.

Oberleutnant Schlimgen als IT-Berater: Die meisten Probleme sind schnell geklärt, aber der Teufel steckt im Detail. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Janine Pape)Größere Abbildung anzeigen

Das Beste an diesem Job ist die Abwechslung: einerseits den Kameraden bei kleinen IT-Wehwehchen zu helfen, andererseits aber auch anspruchsvolle Aufgaben zu bewältigen“, erzählt Hauptbootsmann Oliver Schmidt. Er hatte sein Fachabitur mit Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten in der Tasche, als 2004 er als Wehrpflichtiger zur Marine kam. Weil auch damals schon IT-Personal in der Truppe gerne gesehen war, wurde ihm angeboten Zeitsoldat zu werden.

Nach zwei Jahren als Obermaat erhielt der ambitionierte Marinesoldat die Möglichkeit, Bootsmann zu werden. Zuerst war Schmidt an Land im IT-Systembereich der Bundeswehr tätig; 2016 rief dann die Seefahrt und, inzwischen zum Hauptbootsmann befördert, ging er als sogenannter Erster Informationstechnikmeister auf die „Bonn“.

Wer schon eine Ausbildung hat, bekommt einen höheren Dienstgrad

Als vorgebildeter Informationstechniker hat man bei der Marine sehr gute Karriere-Chancen. In den letzten Jahren ist Bedarf an solchem Fachpersonal stetig gestiegen. Die wohl wichtigste Voraussetzung ist zunächst einmal technisches Verständnis. Eine abgeschlossene IT-Vorausbildung erhöht obendrein die Chance, gleich mit einem höheren Dienstgrad als nur als Matrose einzusteigen. Aber auch die Bundeswehr bietet eine Berufsausbildung in diesem Bereich an.

Diesen Weg hatte André Bertolt eingeschlagen, der zweite Hauptbootsmann in Schlimgens Teileinheit 350. Bertolt hatte sich direkt nach seinem Realschulabschluss 2009 als Bootsmannanwärter für zwölf Jahre verpflichtet. Die Seefahrt und die angebotene Ausbildung hatten ihn zur Marine gelockt. Er durchlief allerdings zuerst die Grundausbildung und dann wie alle angehenden Bootsleute die allgemeinen Unteroffizierslehrgänge, bevor er IT-Systemelektroniker wurde. Nach weiteren Fachlehrgängen kam er 2012 auf seinen Dienstposten als Zweiter Informationstechnikmeister auf die „Bonn“.

Bertolt weiß, dass es in der IT an Bord nicht nur um Hard- und Software geht. Was die IT-Sicherheit in der Bundeswehr betrifft, liegt die Kunst darin, alle Sicherheitsbestimmungen umzusetzen und dabei die Arbeitsfähigkeit gar nicht oder nur so gering wie möglich einzuschränken. „Jeder Einzelne muss organisatorisch dazu beitragen, und das fängt mit Zugangspasswörtern an“, sagt Bertolt. Das erklärt er allen Soldatinnen und Soldaten prägnant mit einem Zitat vom amerikanischen IT-Blogger Chris Pirillo: „Passwörter sind wie Unterwäsche. Du darfst sie keinen sehen lassen, musst sie regelmäßig wechseln und solltest sie nicht mit Fremden tauschen.“

Die Arbeit der ITler ist auf See ein 24-Stunden-Service: von leeren Druckerpatronen, die gewechselt werden müssen, über Softwareprobleme, die die Benutzer zur Verzweiflung bringen, bis hin zum komplexen Administrieren der Serverfarmen an Bord. Hinzu kommen für Schmidt und Bertolt die sonstigen regulären Pflichten eines Portepeeunteroffiziers wie etwa die Verantwortung fürs Material und das Anleiten der beiden IT-Maaten, die ihnen unterstellt sind.

Manchmal müssen die Allrounder auch an die frische Luft

Ein Marinesoldat im sandfarbenen Dienstanzug links im Bild sitzt vor einer großen Konsole mit mehreren Bildschirmen und Bedienknöpfen.

Schwimmendes Rechenzentrum: Die vielen einzelnen Anlagen und Systeme auf modernen Marineschiffen stützen sich auf eine komplexe IT. (Quelle: 2016 Bundeswehr / Thomas Twardy)Größere Abbildung anzeigen

Auch für die Lebensqualität der Crew der „Bonn“ sind die Informationstechnikmeister unabkömmlich. Schmidt und Bertolt administrieren das bordinterne Foto- und Zeitungsnetz genauso wie sie sich um die Funktionsfähigkeit des privaten E-Mail-Verkehrs kümmern. Die Kommunikation von hoher See aus mit Freunden und Familie zu Hause ist für alle an Bord enorm wichtig. Neben der IT-Arbeit haben die beiden Hauptbootsleute noch Nebenaufgaben.

Beim An- und Ablegen des Schiffes packen sie als Seeleute mit an und tragen gleichzeitig Verantwortung für die Sicherheit an Oberdeck. Nicht zuletzt im Gefecht arbeitet die Teileinheit 350 in der „Weapon Section Base“. Hier laufen im Gefecht Informationen zusammen, und die Verantwortlichen treffen wichtige Entscheidungen über die Priorisierung von Reparaturen bei Schäden und sie koordinieren die Instandsetzungstrupps. Damit sind Schlimgen und sein Team nicht nur nicht nur Experten in ihrem Fachgebiet, sondern an Bord echte Allrounder.


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Stand vom: 06.09.17 | Autor: 


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