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Für mich ist es eine Ehre, Teil des Militärs zu sein.“ Im Gespräch mit …

Parow, 29.08.2016.
… Leutnant zur See Fawzy Boutros, Soldat der libanesischen Marine.
Boutros ist für drei Jahre zur Deutschen Marine beordert, um seine marinefachliche Ausbildung hier zu intensivieren und zu spezialisieren.

Leutnant zur See Boutros, Soldat der libanesischen Marine.

Vor Stolz strahlend, Leutnant zur See Boutros (Quelle: 2016 Bundeswehr / Nicole Kubsch)Größere Abbildung anzeigen

Wie kamen Sie zur Ausbildung in der Deutschen Marine?

Ich stamme aus Beirut, der Hauptstadt des Libanon. Die Soldaten daheim prägen überall unser Umfeld. So war es nur selbstverständlich für mich nach meinem Abitur, das ich auf Libanesisch und Französisch abgelegt habe, mich für diesen Weg zu entscheiden. Inzwischen wohne ich auch in Fayadieh, der sogenannten Hauptstadt des Militärs. Dort liegt auch das Verteidigungsministerium unseres Landes.

Für mich ist es eine Ehre, Teil des Militärs zu sein. Die Ausbildung ist langwierig und sehr abwechslungsreich. Ursprünglich wollte ich Pilot werden. Dann wurde ich zunächst in das Heer eingesteuert. Die normale Offizierausbildung bei uns dauert etwa drei Jahre. In den ersten beiden Jahren findet die allgemeine Ausbildung statt. Erst danach – im Rahmen der Bestenauslese – erfolgen die Spezialisierungen und damit die Zugehörigkeit.

Schon kurz vor Ende meines ersten Jahres in der Ausbildung gab es ein Sichtungsverfahren, wer für die Marine geeignet wäre. Ich habe mich beworben und nach meinen erfolgreich abgelegten Prüfungen durfte ich zusammen mit wenigen anderen Kameraden zur Marine wechseln. Recht zügig erreichte mich dann auch die Information, dass ich für eine weiterführende Ausbildung in Deutschland ausgewählt wurde. Bis dahin nahm ich noch zusätzlich an Sprachkursen teil. Und wann immer zwischendurch Urlaub oder Unterrichtspausen waren, habe ich auf den maritimen Einheiten der libanesischen Flotte Praktika absolviert. Im Januar 2015 flog ich nach Deutschland und darf seitdem hier die weitere maritime Ausbildung erfahren.

Was sind die Unterschiede zwischen der libanesischen Marine und der Deutschen Marine?

Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass sich die libanesische Marine erst im Aufbau befindet. Noch sind wir auf internationale Unterstützung für die Ausbildung unserer Leute angewiesen. Die Offizieranwärter absolvieren Praktika im Ausland und durchlaufen unterschiedlichste Ausbildungen. Daher müssen unsere Offiziere ein sehr großes und allgemeines Wissen sowie Verständnis für alle Arbeitsbereiche an Bord haben. In der Deutschen Marine sind die Offiziere sehr speziell auf einen Abschnitt an Bord bzw. auf die Klassen der Boote und Schiffe geschult. Das macht allerdings auch Sinn, da es deutlich mehr seegehende Einheiten in der Deutschen Marine gibt als bei uns.

Wie lang wird es dauern, bis Sie Ihre komplette Offizierausbildung abgeschlossen haben?

Bisher wurde ich etwa 15 Monate im Libanon ausgebildet, drei komplette Jahre werde ich zur Ausbildung in Deutschland verbringen und dann folgen noch einmal sechs Monate im Libanon. Also werde ich dann insgesamt fast fünf Jahre intensive Ausbildung genossen haben. Ausgemalt habe ich mir das nicht so lang. Aber ich bin immer noch sehr zufrieden und glücklich mit meiner Entscheidung.

Was ist Ihre Motivation?

Ich möchte immer zu den Besten gehören. Entsprechend gebe ich alles für bestmögliche Leistungen. Für mich ist es eine Ehre beim Militär zu sein und noch mehr, dass ich zu dem kleinen Kreis der Auserwählten gehöre, die die Chance bekommen, so eine vielseitige und interessante Ausbildung durchlaufen zu dürfen. Das war nicht immer leicht und besonders in der sprachlichen Ausbildung mit hohen Anforderungen verbunden, aber ich habe es bis hierhin geschafft.

Wo liegen die Unterschiede zwischen der libanesischen und der deutschen Offizierausbildung?

Der Ausbildungsbeginn beim Heer bedeutet, dass der Schwerpunkt in der physischen Belastung liegt. Natürlich werden ebenso die geistigen Leistungen abgefragt, rücken allerdings anfangs in die zweite Reihe. Bei der Deutschen Marine sind die geistigen und mentalen Stärken gefragt. Es gibt ein breit gefächertes Ausbildungsprogramm für Navigation, Recht, Führungslehre und dergleichen. Das ist viel Kopfarbeit.

Wie sind Sie von ihren deutschen Kameraden empfangen worden?

Grundsätzlich war der Empfang sehr gut. Am Anfang gab es schon einige sprachliche Komplikationen. Es gibt so viele Fachbegriffe, die ich lernen musste. Die Kameraden und auch die Ausbilder haben große Rücksicht auf die Soldaten anderer Nationen genommen und beim Verständnis der Begrifflichkeiten geholfen.

An der Marineschule Mürwik (MSM) bekam ich während des Lehrgangs meine schlechteste Benotung überhaupt bis dahin. In einem Test erreichte ich nur die Note 2,8 – allein aufgrund der Sprachbarriere. Das änderte sich bald. Den größten Erfolg hatte ich sprachlich auf der „Gorch Fock“. Plötzlich ging alles nur noch auf Deutsch. Inzwischen denke und träume ich auch auf Deutsch. Zurück in der MSM konnte ich meine Ausbildung dort als Lehrgangsbester mit 1,5 abschließen.

Wie funktioniert das Kontakthalten in die Heimat?

Anfangs hatten wir beinahe täglich telefonischen Kontakt. Nach etwa zwei Monaten wurde mir klar, dass ich mich auf die Arbeit und meine Ausbildung konzentrieren muss. Derzeit telefoniere ich etwa ein bis zwei Mal im Monat mit meiner Familie. Jetzt kann ich aber auch viel mehr erzählen, wenn wir miteinander sprechen. Wir reden nicht mehr viel über Wetter und Essen, sondern eher über die Dinge, die ich erleben durfte. Ich berichte auch von den Reisen, die ich in meiner Freizeit unternommen habe.

Verbringen Sie im Urlaub Zeit mit der Familie im Libanon?

Zu Anfang habe ich das gemacht und es war auch sehr schön. Aber ich möchte das jetzt nicht, da ich alle Chancen nutzen möchte, Europa kennen zu lernen. Es ist so spannend, fremde Kulturen und Sprachen zu erleben. Jetzt bin ich hier und habe die Möglichkeit, in meinem Urlaub die umliegenden Länder zu bereisen. Dazu werde ich kaum eine Gelegenheit haben, wenn ich in den Libanon zurückkehre. Dort warten Familie und Freunde auf mich, dort werde ich bleiben.

Mein Vater kann meine Einstellung nachvollziehen, meine Mutter sieht es etwas anders. Und für die drei Jahre hier in Deutschland habe ich so etwas wie eine „Ersatzfamilie“ gefunden. Ich habe einen Kameraden, mit dem ich mich sehr gut verstehe. Wenn wir nicht gerade gemeinsam auf Tour sind, dann bin ich gern gesehener Gast in seiner Familie.

Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Bis Ende 2017 werde ich meine Ausbildung in Deutschland abschließen. Ich möchte auch weiterhin der Beste in den Ausbildungen sein. Neben den erforderlichen Lehrgängen nutze ich auch die Zeit und versuche, weitere interessante Lehrgänge zu besuchen. Wenn es der Zeitplan hergibt, lasse ich gern auch einen Urlaub zurückstellen, um eher einen weiterführenden Lehrgang zur Spezialisierung zu bekommen. Mein Ehrgeiz ist ungebrochen. Ich möchte so viel lernen, wie es nur geht. Final möchte ich mir ein großes militärisches Allgemeinwissen erarbeiten.

Wie geht Ihr Karriereweg im libanesischen Militär anschließend weiter?

Das weiß ich noch nicht. Das entscheiden andere anhand meiner Qualifikationen. Bis dahin versuche ich, in der Infanterie einen tieferen Einstieg zu finden. Gern möchte ich alle Chancen ergreifen, auf internationaler Ebene zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln. Natürlich ist das Ziel, irgendwann einmal Admiral bei uns in der libanesischen Marine zu werden. Generell vertrete ich den Leitspruch der libanesischen Armee, der ebenfalls auf meinem Barett zu lesen ist: „Loyalität, Opfer und Ehre!“


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Stand vom: 02.09.16 | Autor: 


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