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Es ist wirklich ganz einfach, sich dafür registrieren zu lassen.“ Im Gespräch mit …

... Oberleutnant zur See Sebastian Hoder. Der Marineoffizier rettet als Stammzellenspender einer israelischen Mutter das Leben. Er berichtet, wie es zu der Spende und zum anschließenden Treffen zwischen ihm und der jungen Frau kam.

Portraitbild von Oberleutnant zur See Sebastian Hoder.

Stammzellspender Sebastian Hoder (Quelle: 2016 Bundeswehr / Jonas Weber)Größere Abbildung anzeigen

Immer wieder werden wir in den Medien dazu aufgerufen, uns als Spender zu registrieren. Wie kam es, dass Sie im Knochenmarkspenderregister aufgenommen worden sind?

Während meines Studiums an der Universität der Bundeswehr in München wurden wir alle regelmäßig zum Blutspenden aufgerufen. Hier war dann auch ein Vertreter der Stefan-Morsch-Stiftung anwesend, der fragte, ob ich mich nicht auch in der Stammzellkartei registrieren lassen möchte. Ich war gleich einverstanden und dachte mir, wenn meine Zellen irgendwann einmal zufällig passen, kann ich so diesem Menschen helfen zu überleben.

Wie erfolgte dann die Registrierung?

Das war ganz einfach. Ich habe die Einverständniserklärung unterzeichnet und während des Blutspendens wurde mir dann einfach ein weiteres Röhrchen Blut abgenommen. Es ist wirklich ganz einfach, sich dafür registrieren zu lassen.

Knapp 6 Monate später erhielten Sie dann die Nachricht, dass Sie als passender Spender für Stammzellen ausgewählt worden sind. Wie ging es dann weiter?

Ja, da erhielt ich einen Anruf von der Stiftung und wurde gefragt, ob ich noch immer bereit bin Stammzellen zu spenden. Was ich natürlich gleich bejahte. Zur Vorbereitung auf die Spende musste ich mir dann täglich eine Spritze in den Bauch geben. Das Mittel hat die Stammzellproduktion im Knochenmark angeregt. Knapp drei Monate nach dem Anruf der Stiftung, im Januar 2012, fand ich mich dann im DRK Ulm ein. Hier wurden mir dann an dem einen Arm am Handrücken und am anderen in der Ellenbeuge Zugänge gelegt. Über die Ellenbeuge wurde mir das Blut abgenommen, das dann durch einen Filter lief, in dem die Stammzellen herausgefiltert wurden. Anschließend lief das gefilterte Blut dann wieder in den Handrücken zurück. Das Ganze hat 5 Stunden gedauert – das ist relativ kurz. Der Arzt hat mir das damit erklärt, dass es sich bei dem Empfänger um eine Frau handelt. Später, als ich dann eine Einverständniserklärung unterzeichnen sollte, dass meine Zellen eingefroren werden, erwähnte der Arzt auch Israel. So wusste ich schon damals, dass die Empfängerin eine Israelin ist.

Wie ging es dann für Sie weiter – wie kam es zum Treffen mit der jungen Frau?

Da es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass alle Daten in den ersten drei Jahren anonym zu halten sind, habe ich erst einmal nichts weiter gehört oder erfahren. Meistens gingen meine Gedanken an die Spende zurück, wenn ich beispielsweise in den sozialen Netzwerken einen Aufruf zum Registrieren gesehen habe, um einem Kind oder Bekannten zu helfen, die an Leukämie erkrankt sind. Da habe ich darüber nachgedacht, ob sie die Krankheit überlebt hat. Ich hab mir dann aber gesagt, dass wenn sie es überlebt hat und sie mich kennen lernen möchte, die Kontaktanfrage von ihr ausgehen wird. Was dann letztendlich ja auch so war.

Sie haben dann irgendwann eine Facebook-Nachricht aus Israel von einer jungen Frau erhalten. Wussten Sie sofort, dass es sich um die Patienten handelt?

Ich wurde bereits vorab von der Stiftung über die Kontaktanfrage der Empfängerin informiert. Ich habe dann meine Daten weitergegeben und wusste, dass eine Nachricht kommen würde. Allerdings habe ich nicht damit gerechnet, dass es über Facebook passiert.

Mit welchen Worten hat sich die Frau gemeldet?

Ich denke, das beschreibt am besten der Auszug aus dem Chat:

„Larisa: Hi. Are you from germany-berlin?
Me: Hi, yes i am Larisa: So you are my donor ?! 😉
Me: I guess^^ i was a donor at least
Larisa: Wow! Cool! First of all-THANK YOU so much!!! Thanks to you , Im alive today“!!!

Was haben Sie da gedacht?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut, dass es ihr gut geht. Es war auch sehr interessant sie zu sehen, wenn auch nur bei Facebook. Ich hatte ja keine Ahnung was für eine Person am anderen Ende der Spende gestanden hat und von daher war es schon sehr besonders, auch wegen der riesigen Dankbarkeit.

Sie haben sich dann eine Weile regelmäßig geschrieben. Bis Larisa Sie in Ihr Land eingeladen hat. Haben Sie der Reise sofort zugestimmt?

Ja, nachdem wir ein paar Wochen geschrieben hatten, hat sie mich eingeladen sie zu besuchen und ihre Familie kennenzulernen. Da mir von Freunden schon häufig beschrieben wurde, wie toll Israel ist, habe ich auch nicht lange gezögert und die Einladung angenommen. Und im Juni 2016 habe ich Larisa, ihren Mann und ihre 6-jährige Tochter dann für eine Woche besucht. Wir haben versucht so viel wie möglich in der einen Woche zu sehen. Neben Haifa (wo Larisa wohnt) und Tel Aviv/Yaffa, waren wir in Jerusalem, am Toten Meer und bei den Grotten von Rosh HaNikra. Ich habe wirklich eine Menge gesehen und das Tote Meer ist echt eine besondere Erfahrung. Und auch die Familie von Larisa habe ich kennen gelernt was ein wirklich sehr schönes Erlebnis war. Auch wenn ein paar Sprachhürden überwunden werden mussten.

Nach all diesen Erlebnissen, was würden Sie uns, unseren Soldaten und unseren Lesern gerne mitteilen?

Ich denke, dass jeder, der als Soldat bei der Bundeswehr ist, Menschen in Not helfen möchte, wenn er die Gelegenheit dazu hat. Mit einer Stammzellspende kann man das sehr direkt und hilft einem Menschen in wirklich größter Not und als gesunder Mensch muss man dafür nicht besonders viel tun. Die paar Stunden still sitzen und die wenigen kleinen Spritzen die man sich selber gibt, sind es auf jeden Fall wert. Denn damit kann man jemandem das Leben retten und sogar wie ich eine Blutsschwester und sehr eng verbundene Freundin bekommen.


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Stand vom: 25.08.16 | Autor: 


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