Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Im Gespräch mit... > Im Gespräch mit Fregattenkapitän Renè Hensel

„Ich bin ein Truppenmensch.“ Im Gespräch mit …

Parow, 20.12.2016.

... Fregattenkapitän René Hensel. Er ist Kommandeur der Grundausbildung an der Marinetechnikschule – und letzten Endes dafür verantwortlich, den Protagonisten der YouTube-Serie „Die Rekruten“ das Basiswissen für ihre Bundeswehrlaufbahn zu vermitteln.

Portraitaufnahme von Fregattenkapitän René Hensel, Kommandeur der Lehrgruppe C der Marinetechnikschule
Der Kommandeur der „Rekruten“: Fregattenkapitän René Hensel (Quelle: 2016 Bundeswehr / Nicole Kubsch)Größere Abbildung anzeigen

Herr Fregattenkapitän, was halten Sie von der Webserie „Die Rekruten“?

Ich bin sehr überrascht vom Erfolg der Serie – wie alle eigentlich. Kaum jemand hat vorher auch nur Vermutungen über die Reichweite gewagt. Als „älteres Semester“ war ich erst skeptisch, meine Altersgruppe hat zugegebenermaßen wohl eine andere Vorstellung davon, wie sich die Grundausbildung in den Medien darstellen lässt. Aber ich gehöre ja nicht zur Zielgruppe. Um Jugendliche angemessen anzusprechen, finde ich es richtig, neue, innovative Wege zu gehen. Und auch der Erfolg – gemessen an Klicks und Abonnenten auf YouTube – gibt der Serie Recht.

Die Medien haben bundesweit und mehrfach über die Serie berichtet. Wie haben Sie dieses große Interesse wahrgenommen?

Die Tragweite in den Medien hat mich ebenfalls sehr überrascht, ganz besonders international: Die Serie hat es nachrichtlich sogar in die „Washington Post“ geschafft. Aber sicher, auch unsere Verbündeten sehen sich die Clips an – auch sie werben ja um das richtige Personal für ihre Streitkräfte.

Drei Monate lang begleitet ein Filmteam „die Rekruten“. Wie beeinflussen die Kameras die Ausbildung?

Das Personal, das mir unterstellt ist, spürt schon eine zusätzliche Belastung. Der tägliche Dreh hat Einfluss auf die Arbeit der Ausbilder, aber das ist sicherlich normal. Niemand ist es gewohnt, alltäglich eine Kamera vor dem Gesicht zu haben. In der Grundausbildung erwartet jeder Druck, Drill und Geschwindigkeit. Die Situation mit den Kameras lässt die Ausbilder eher zurückhaltend handeln. Gleichzeitig beweisen sie aber auch Rückgrat – wohl kaum jemand hat mit den vielen Kommentaren, in positiver wie negativer Art, in den Social-Media-Kanälen gerechnet.

Trotzdem: Die Ausbildung wird wie geplant absolviert, gelegentlich sind einige Planänderungen notwendig. Die Rückmeldung, die ich von meinen Ausbildern bekomme, bestätigt das Format der Serie: Potentielle neue Rekruten können sich ein wahres Bild über die Zeit in der Grundausbildung machen.

Sie sind gut zehn Jahre zur See gefahren, zuletzt waren Sie auch Kommandant eines Minentauchereinsatzbootes. Was war das Besondere für Sie, danach an Land zu arbeiten?

Mit Menschen zu arbeiten, sie ein Stück weit prägen zu können und natürlich auch zu führen – das ist, warum ich Offizier geworden bin. Ich bin ein Truppenmensch, ich bin gerne der Führer vor Ort. Da ist es unerheblich, ob man Kommandant eines Bootes ist oder Kommandeur einer Lehrgruppe.

Leider ist man als Kommandeur allerdings immer mehr an den Schreibtisch gefesselt. Aber ich nehme mir die Zeit für die Dienstaufsicht und bin im Tagesdienst lieber bei meinen Soldaten. Da muss die Büroarbeit eben etwas hinten anstehen – auch wenn sie notwendig ist und gemacht werden muss.

Was ist Ihnen aus Ihrer bisherigen Dienstzeit besonders in Erinnerung geblieben?

Der Einsatz mit dem Minenjagdboot „Cuxhaven“ bei der „Operation Südflanke“ 1991 im Persischen Golf war für mich damals, noch als „Neuling“ in der Deutschen Marine, mit Sicherheit ein Schlüsselerlebnis. Die gesamte Zeit der Seefahrt bleibt für mich in positiver Erinnerung, natürlich mit der Spitze des Erreichbaren, einmal Kommandant gewesen zu sein. Überhaupt: Ich durfte viele Meere bereisen. Ich war von der Ostsee über die Nordsee, dem Atlantik mit der berüchtigten Biskaya, mit der Passage durch den Suezkanal bis hin zum Persischen Golf in vielen Seegebieten. Das war damals für einen Fahrer auf Minensuchbooten eine enorme Streckenleistung. Mir steckt das noch im Blut, es ist eine kleine Gemeinschaft, es herrschte ein nahezu familiäres Umfeld an Bord.

Der Dienstposten an Land, der mich am meisten geprägt hat, war meine Zeit als stellvertretender Kommandeur des Stabs- und Fernmeldebataillons im Einsatzführungskommando der Bundeswehr. Als bis dato nur Marineverwendungen gewohnter Offizier tauchte ich plötzlich in eine ganz neue Welt ein. Rückblickend hat mich das, zusammen mit meiner Zeit an der Marineunteroffizierschule, sehr gut auf meine jetzige Arbeit vorbereitet.

Fregattenkapitän René Hensel
absolvierte von 1984 bis 1988 die Offizierausbildung der Nationalen Volksmarine der DDR in Stralsund. Anschließend war er Wachoffizier auf einem Minensuchboot der „Condor II“-Klasse in Warnemünde. Mit der Übernahme in die Bundeswehr 1990 absolvierte er die notwendigen Lehrgänge, um anschließend wieder zur See fahren zu können. Er war unter anderem Wachoffizier im 7. Minensuchgeschwader in Neustadt und im 6. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Nach Abschluss seiner erweiterten Fachausbildung hatte er von 1998 bis 2002 das Kommando über das Minentauchereinsatzboot „Mühlhausen“ in Eckenförde.
Nach anschließenden Verwendungen im Marineamt in Rostock, an der Marineunteroffizierschule in Plön und dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Geltow ist er schließlich 2015 Kommandeur der Lehrgruppe C (Grundausbildung) an der Marinetechnikschule in Parow geworden.


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


http://www.marine.de/portal/poc/marine?uri=ci%3Abw.mar.aktuelle.imgespraechmit&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB070000000001%7CAGNBWD553DIBR