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Man ist sozusagen der Kommandant von diesem Gerät.“ Im Gespräch mit …

Kiel, 24.08.2016.
… Obermaat Jan Kirsten. Er ist „Kommandant“ auf einem „Seehund“, einem der kleinsten „Boote“ der Marine. „Seehunde“ sind sogenannte Hohlstäbe und im Grunde Drohnen. Sie werden gemeinsam mit Hohlstablenkbooten eingesetzt, um Minen zu bekämpfen und werden im normalen Seebetrieb von gerade mal zwei Besatzungsmitgliedern gefahren.

Obermaat Jan Kirsten auf dem Hohlstablenkboot Seehund.

Obermaat Jan Kirsten auf dem „Seehund“ (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Wie sind Sie zu dem Dienstposten gekommen?

Angefangen hat das damals 2007 mit meiner zweiten Grundausbildung. Ich war vorher vier Jahren beim Heer und bin nach einer Pause als Wiedereinsteiger zur Marine gekommen. Ich habe dann die Ausbildung zum Artilleristen genossen und wurde aufs Hohlstablenkboot „Hameln“ versetzt. Dort wurde ich dann zum Sperrwaffentechniker-Maat ausgebildet und dazu gehört eben auch das Fahren der „Seehunde“. Während der Ausbildung erwirbt man den Kraftbootführerschein, um diese Boote verantwortlich führen zu können. Als komplett ausgebildeter „Seehund“-Fahrer bekommt man dann einen der Seehunde zugeteilt, um den man sich kümmert und den man selbst instand hält. Inzwischen fahre ich die „Seehunde“ seit 2008.

Was zeichnet das System „Seehund“ besonders aus?

Die „Seehunde“ können Minen bekämpfen und sind trotz ihres Alters immer noch relativ modern. Wir können hier die Akustik von diversen Schiffsmotoren und -propellern und auch Magnetfelder in verschiedenen Stärken simulieren. Viele Minen reagieren auf solche Muster. Man kann also einer Mine die Signatur eines Frachters vorgaukeln und fährt dann die vorgegebenen Räumstrecken ab, um letztendlich eine dort vermutete Mine zur Detonation zu bringen – mit der richtigen Signatur natürlich. Dabei ist der „Seehund“ nicht besetzt, sondern als Drohne ferngesteuert.

Was sollte man für diesen Job mitbringen?

Obermaat Jan Kirsten bei der täglichen Nachjustierung.

Obermaat Jan Kirsten bei der täglichen Nachjustierung (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Man sollte schon ein technisches Verständnis haben und einen technischen Beruf gelernt haben. Gearbeitet wird immer zu zweit, also ein Techniker und ein 100er (also ein Soldat des seemännischen Dienstes). Und ich als 100er mache als gelernter Mechaniker die Maschine seeklar. Das gehört mit dazu. Ansonsten muss man Spaß an der Arbeit haben. Niemand steht daneben und sagt, was zu tun ist, es ist also viel Eigeninitiative gefragt. Man ist sozusagen der Kommandant von diesem Gerät. Es fühlt sich dann schon etwas freier an, wenn man zusammen mit der Führungsplattform, einem Hohlstablenkboot, rausfährt. Der Kommandant sagt uns zwar, was wir fahren sollen, aber bei der Fahrschulausbildung kriegen wir zum Beispiel ein Übungsgebiet zugewiesen, wo wir dann viele Freiheiten beim Ausführen der Befehle haben. Und es macht ja auch wirklich Spaß. Wenn man mit den richtigen Leuten zusammenfährt und ein gutes Team bildet, ist das schon echt was wert.

Was ist die größte Herausforderung bei so einer kleinen Besatzung?

Obermaat Jan Kirsten bei einem Manöver auf einem „Seehund“

Manöver auf einem „Seehund“ (Quelle: 2016 Bundeswehr / Björn Wilke)Größere Abbildung anzeigen

Es kommt darauf an. Je nach Wetterlage und Seegang ist es nicht ganz einfach mit dem „Seehund“ ein Manöver zu fahren oder in See an der Führungsplattform längsseits zu gehen, beispielsweise zum Tanken. Da kommt schon mal Stress auf. Das Boot bewegt sich relativ träge beim Lenken, da es einen Schottel-Antrieb hat. Das ist ein Propeller, der sich selbst dreht und kein Ruder hat. Man muss beide Aufgabengebiete abdecken können. Jeder von uns ist Seemann und Techniker zugleich und bekommt dafür auch die nötige Ausbildung. Man muss die Seekarte bearbeiten, man muss seinen Track einzeichnen, seine Position bestimmen und das Bordbuch schreiben können. Man muss sich aber auch maschinentechnisch auskennen und wissen, ob und wie zum Beispiel die C2-Anlage für die Fernsteuerung funktioniert. Es kann manchmal sein, dass das eine oder andere Gerät sich während der Fahrt aufhängt und nicht wieder hochfahren will. Dann kriegt man schon mal ein leichtes Stresslevel. Aber sonst, wenn alles wunderbar funktioniert, ist es auch ein sehr schönes Leben. Man kann dann auch in den Pausen seine eigene Musik anmachen und so, das ist schon ganz angenehm.

Können Sie uns von einem einprägsamen Erlebnis als „Seehund“-Fahrer erzählen?

Obermaat Jan Kirsten prüft den Ölstand des Motors.

Prüfen des Ölstandes (Quelle: 2016 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Mein prägendstes Erlebnis hatte ich während einer längeren Tour nach Hamburg und Amsterdam. Unterwegs haben wir in der Geltinger Bucht Fahrmanöver und Fahrschulausbildung absolviert. Es war schönes Wetter und total glatte See. In der Bucht lag unser Tender vor Anker und die „Pegnitz“, unser Hohlstablenkboot, lag längsseits und hatte vier Seehunde mit. Wir haben dann mit den „Seehunden“ unsere Ausbildung gemacht und lagen anschließend zu viert nebeneinander – im Päckchen, wie wir sagen. Dann haben wir Anker gelichtet und haben nicht einzeln, sondern mit diesem Viererpäckchen einfach an den Tender und die „Pegnitz“ angelegt. Alle wussten, dass wir kommen, aber erst hat uns das überhaupt keiner geglaubt. Auf dem Tender sagte ein Stabsbootsmann: „Ach Quatsch, das machen die nie.“ Und dann sind wir zu viert dort rangefahren, im strahlenden Sonnenschein. Alle standen oben auf dem großen Tender und holten ihre Handys heraus, um Fotos und Videos zu machen, weil es sowas bis dato noch nie gegeben hat.


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Stand vom: 02.09.16 | Autor: 


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