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Onlinetagebuch: Meine Grundausbildung bei der Marine

Collage: Matrose Lena Wieland vor der Inspektion und Buch-Icon
Matrose Wieland vor der Inspektion (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen
Parow, 21.11.2013.

Lena Wieland ist 25 und hat sich für den Freiwilligen Wehrdienst bei der Marine entschieden. Ihr bisheriger Job im Krankenhaus hat ihr nicht mehr gereicht, sie wollte etwas Neues. Im Oktober trat sie ihre Grundausbildung an der Marinetechnikschule an und berichtet fortlaufend im Onlinetagebuch über ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen.


1. Beitrag - Mein Abenteuer Marine beginnt

Die letzten Tage im September vergingen mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite konnte ich es kaum erwarten, dass das Abenteuer beginnt. Raus aus dem Alltag, neue Menschen kennenlernen und dann endlich zur See fahren. Auf der anderen Seite lasse ich meine Familie und Freunde zurück.

Ich gebe zu, ich bin eher schlecht vorbereitet zum Dienstantritt gefahren. Zum einen lag es daran, dass ich wenig Informationen vom Karrierecenter erhalten hatte. Zum anderen habe ich mich auch nicht selber um die Informationen bemüht. Einen ersten Eindruck von der Marine konnte ich bei einem zweieinhalbwöchigen Praktikum im April auf der Fregatte „Sachsen“ sammeln. Diese Erfahrungen waren im Nachhinein sehr gut und ich hatte nahezu alle wichtigen Dinge dabei.

Zum Dienstantritt durften wir in der ersten Klasse in der Bahn fahren. Es ist mal ganz nett, dieses Privileg nutzen zu dürfen. Der Zug füllte sich nach und nach mit Rekruten. Also war ich schon mal nicht alleine, das beruhigte ein bisschen. In Stralsund stiegen lauter junge Leute aus, die das Ziel Parow, Strelasund-Kaserne hatten. Erkennbar an einer großen Sporttasche und einem Rucksack. An einem Bürgersteig neben dem Bahnhofsgebäude sammelten sich mehrere hundert Rekruten, die nach und nach abgeholt wurden. Durch das lange Warten kam man ins Gespräch. Endlich kam ein Bus, in dem ich auch einen Platz fand. Wir wurden einfach eingeladen und in der Kaserne wieder abgesetzt. Während der Fahrt hat kaum einer gesprochen. Ich musste zur XI. Inspektion. Dort sind die 11-er und 31-er untergebracht. Verwendungsreihe 11 = Decksdienst. Verwendungsreihe 31 = Waffentechnik. Als erstes ging es zum „Einchecken“. Auch wenn man nicht genau wusste, was wie richtig gemacht oder gesagt wird, wenn es falsch war, wurde man direkt angebrüllt. Das Erste, was wir lernten, war als Antwort „jawohl“ zu sagen und quatschen, plaudern etc. ist verboten.

Ich musste ganz oft unterschreiben, habe Zettel bekommen, wurde viel gefragt und habe eine Essenskarte bekommen. Ich wurde zur Stube 2 gesteckt. Die Kameradinnen, die dazu kamen, waren zum Glück alle sehr nett. Insgesamt waren wir zu sechst in zwei Dreierstuben. Wir sollten dann unseren „Bock“ bauen. Bett heißt bei der Marine nämlich Bock. Fertig wurden wir nicht, denn wir sollten draußen vor dem Gebäude antreten. Das wurde uns aber nicht freundlich gesagt, sondern wir wurden quasi aus unseren Stuben „herausgebrüllt“. Es ging zum Essen. Wenn man nicht in einer Formation Essen geht, wie zum Beispiel mit unserer Inspektion, nimmt sich der Ausbilder als letztes etwas zu essen. Wenn dieser fertig ist und aufsteht, müssen alle mit aufstehen. Egal, ob sie fertig sind oder nicht. Wirklich in Ruhe essen ist im normalen Dienstbetrieb kaum drin.

Nach dem Essen haben wir unsere Böcke zu Ende gebaut und mussten dann noch auf dem Dachboden antreten. Die ersten Sechs hatten schon mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Eine der wichtigsten Regeln bei der Marine: Ganz viel trinken. Wann immer Gelegenheit dazu besteht: trink! Der Umgangston von unseren Ausbildern war schon echt hart. Aber Marine ist kein Ferienlager und man kann nicht einfach machen, was man will. Das galt es erst einmal zu verstehen. Die erste Nacht hat wohl kaum einer entspannt verbracht. Geweckt wurden wir am nächsten Morgen um halb fünf oder sogar noch früher.

Das Wecken wurde mit jedem Morgen angenehmer. Teilweise wurden wir sogar so lieb wie zu Hause geweckt. Damit kamen einige dann aber auch nicht klar - man gewöhnt sich schnell an den rauen Ton, wenn man sich darauf einlässt und es akzeptiert.

Wichtig ist, dass man sich nicht über Maßnahmen oder Anweisungen der Ausbilder aufregt. Man kann es als Schikane bezeichnen und sich den ganzen Tag beschweren. Oder man nimmt es einfach hin und kann an vielem Gefallen finden. In der Gruppe zu marschieren sieht am Anfang wie ein absolutes Chaos aus. Mit Einhundertfünfzig Leuten ist es so oder so schwer im Gleichschritt zu gehen. Nach und nach klappt es aber immer besser. Ich gehöre zu den Kleinsten und habe das Schicksal, dass ich mit den großen Schritten der Vorausgehenden klarkommen muss. Also hat man manchmal das Gefühl fast im Spagat gehen zu müssen. Aber ich rege mich darüber nicht auf. Es ist wie Training und dass jedes Mal, wenn wir marschieren.

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2. Beitrag - Arzt-Check

Auch wenn alle schon in irgendeiner Form beim Arzt waren, müssen wir nochmal zum Truppen- und zum Zahnarzt. Mit 150 Mann kann so etwas richtig lange dauern. Man lernt in der Grundausbildung warten und stehen. Ich habe meinen Namen jetzt schon des Öfteren verflucht, denn natürlich gehen organisatorische Abläufe nach dem Alphabet. Beim Arzt gab es für einige Kameraden Enttäuschungen, da sie als borduntauglich eingestuft wurden. Ich bin zum Glück tauglich. Also kann es weitergehen.

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3. Beitrag - Einkleidung

Collage: Rekruten sind vor ihrem Inspektionsgebäude auf dem Musterungsplatz angetreten und Buch-Icon.
Endlich in Uniform (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Was für ein Aufwand. Da das Ausmessen und Einkleiden bei uns Frauen etwas länger dauert, sollten zwischen zwei Frauen immer fünf Männer in die Reihe. Und da ich ziemlich weit hinten im Alphabet stehe, war ich dementsprechend ganz zuletzt dran. Die Einkleidung war für mich bis jetzt eine der anstrengendsten Sachen. Erst habe ich lange auf meiner Stube warten müssen, bis meine Gruppe dran war und dann musste ich dort nochmal zwei oder drei Stunden warten. Die Einkleidung selber hat auch nochmal eine Stunde gedauert.

An diesem Abend zog sich der Dienst bis kurz vor 22 Uhr. Mit fünf Frauen hatten wir dann eine halbe Stunde Zeit zu duschen. Das Nächste, was wir lernten war: Es gibt keine wirkliche Intimsphäre. Wenn du es noch irgendwie unter die Dusche schaffen willst, musst du darauf verzichten. Bei dem Stress gewöhnt man sich daran aber sehr schnell.

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4. Beitrag - Sport- und Theorieunterricht

Nach dem Frühstück ging es zum Sportplatz und wir mussten den Cooper-Test machen. In zwölf Minuten so weit wie möglich, mindestens aber zwei Kilometer laufen. Einige haben es locker geschafft, andere - und dazu gehörte ich auch - sehr knapp und andere aber auch gar nicht. Fest stand: Wir sind definitiv nicht die Fittesten. Also mehr Sport machen. Der Theorieunterricht ist für und mit ca. 140 Mann noch eine echte Herausforderung. Im Raum ist der Sauerstoff ruckzuck aufgebraucht und man wird unabhängig von Dozent und Thema sehr schnell müde.

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5. Beitrag - Lernen, lernen, lernen

Collage: Dienstgrade der Deutschen Marine auf einem Tisch und Buch-Icon.
Müssen gelernt werden: die Dienstgrade der Marine (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Wir lernen jetzt jeden Tag Neues. Es hat mit den Dienstgraden angefangen. Die muss man einfach so schnell wie möglich drauf haben, sonst blamiert man sich nur. Dann folgten Übungen auf dem Exerzierplatz. Im Gleichschritt gehen, Wendungen und Drehungen und schließlich der militärische Gruß. In den ersten anderthalb Wochen hatten wir noch „Welpenschutz“, ab nächste Woche soll es wohl richtig losgehen. Der Ton der Ausbilder ist aber schon wesentlich entspannter geworden. Solange sie sehen, dass man sich Mühe gibt und das tut, was sie sagen, reden sie ganz normal. Benimmt sich jemand daneben oder macht Mist, können sie aber auch wirklich böse werden.

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6. Beitrag - Wochenende

Nach der letzten Woche, die wirklich anstrengend war, haben wir das Wochenende richtig genossen. Einige sind nach Hause gefahren. Die, die hier geblieben sind, haben sich eine schöne Zeit in Stralsund und Umgebung gemacht. Feiern, bummeln, lecker essen gehen und ähnliches und vor allem ausschlafen!

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7. Beitrag - Impfen bei der Bundeswehr

Nach einem Theorieunterricht zum Thema Waffenkunde und dem Mittagessen ist unser Zug mit etwa vierzig Mann zum San-Zentrum gegangen. Die große Impfaktion war an der Reihe. Alle Impfpässe wurden im Vorfeld gesichtet und alle Impfungen, die noch fehlten, sollten wir heute bekommen. Insgesamt waren wir über vier Stunden dort. Also hieß es stehen, stehen, stehen! Ich hatte das große Glück, dass ich keine Impfungen brauchte, andere Kameraden wurden mehrmals gepiekst.

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8. Beitrag - Endlich Sport

Sport stand schon auf unserem Dienstplan, bisher hatten wir aber keine Gelegenheit dazu, weil es immer wieder andere Dinge gab, die scheinbar wichtiger waren. Heute endlich haben wir mit unserem Zug die ersten sportlichen Übungen gemacht. Sagen wir mal so, im Großen und Ganzen war unsere sportliche Leistung eher schlecht. Ich hatte an den beiden Tagen zuvor schon nach Dienstausscheiden Sport gemacht und daher schon gut Muskelkater im Körper. Und wenn beim Laufen in der Formation die großen Jungs dann Vollgas geben, haben wir „Zwerge“ hinten - so werden wir oft genannt - keine Chance mitzuhalten.

Es folgten Liegestütze, Situps und Kniebeugen. Wir haben alle unserem „Schweinehund“ guten Tag gesagt. Aber Übung macht ja den Meister. Und in ein paar Wochen sind wir dann hoffentlich schön fit. Zum Abschluss mussten wir über ein Stück Feld laufen. Bei vielen war die Luft schon raus, aber so langsam entwickelt sich bei uns so etwas wie Kameradschaft. Die Großen und Starken haben dann die Kleinen und Schwachen unterstützt. Nach dem Sport wurde ein Test über Dienstgradabzeichen geschrieben. Bei den Ergebnissen ist alles bei, von ganz schlecht bis sehr gut. Einige müssen sich endlich mal auf den Hintern hocken und lernen.

Nach dem Mittagessen kam nochmal Sport beziehungsweise eine Serie, also Liegestütz, Situps, Kniebeuge, etc. und es wurde wieder Marschieren geübt. Langsam geht es richtig los! Bisher war es eher das Schonprogramm. Die Meisten sind unter anderem hierhergekommen, um fit zu werden, daher ist uns das ganz recht.

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9. Beitrag - Nachtmarsch und Großreinschiff

Collage: Handfeger gehören zur Ausrüstung beim Putzen und Buch-Icon.
Sauberkeit gehört dazu (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Ich habe die ganze Nacht kaum geschlafen, weil wir geahnt haben, dass diese Nacht kürzer sein würde als die anderen. Und siehe da, um halb vier etwa wurden wir mit einer Sirene geweckt, mussten uns im Dunkeln blitzartig anziehen und mit komplettem Marschrucksack draußen antreten. Dann ging es im Dunkeln los und wir mussten marschieren. Unser Ausbilder war gar nicht zufrieden mit uns. Ich bin auch mit Schuld daran. Ich hatte mit meinem Muskelkater zu kämpfen und mal wieder mit den großen Schritten der Vorgänger. Zwischendurch musste mein Kamerad meinen Rucksack tragen, auch wenn ich eigentlich nicht wollte und lieber kürzere Schritte gemacht hätte, statt den halben Spagatschritten. Ich hoffe, dass mir der nächste Marsch ohne Muskelkater dann leichter fallen wird.

Heute Nacht sind wir gerade einmal drei Kilometer gelaufen. Der nächste Marsch soll dann wohl schon gleich sechs Kilometer lang sein. Im Moment bekommen wir jeden Tag mehrmals von fast jedem Ausbilder eine Standpauke. Mal sind wir zu laut beim Essen, dann klappt das Marschieren nicht! Leider lassen aber immer noch Kameraden ihre Handys offen rumliegen oder schließen ihre Spinde nicht ab. Es wird jedes Mal gesagt und trotzdem begreifen es manche nicht. Das Problem ist, dass nicht die einzelnen Kameraden Ärger bekommen, sondern immer der ganze Zug den Anpfiff kassiert. So etwas frustriert die Kameraden, die sich bemühen und richtige Soldaten werden wollen. Hoffentlich ändert sich das jetzt endlich mal.

Theorieunterricht steht mittlerweile fast jeden Tag auf dem Dienstplan, so auch heute. Es kommen diverse schriftliche Tests auf uns zu, die teilweise auch über unsere militärische Zukunft entscheiden. Heute ist Donnerstag. Bei der Marine ist dies der Seemannssonntag. Es gibt Kuchen! Mein Lieblingstag bis jetzt. Nicht nur, weil morgen Freitag und damit Wochenende ist. Auch, weil es Kuchen gibt. Und heute ist Großreinschiff. Da wird nicht nur in der Marine, sondern in der gesamten Bundeswehr Großputz gemacht. Eigentlich finde ich ständiges Putzen ziemlich nervig. An das morgendliche Fegen und Bockbauen hat man sich schon gewöhnt, aber jetzt wird richtig gewischt und geputzt, bis alles blinkt und die Ausbilder nichts mehr zum Meckern finden. Wenn die Woche aber anstrengend und stressig war, freut man sich auf das Reinschiff. Man kann mal in Ruhe eine Tätigkeit ausüben, ohne, dass man in den nächsten zwei Minuten wieder rausgerufen wird. Also Zeit zum Durchatmen, was aber nicht Ausruhen bedeutet! Los geht’s, auf zum Reinschiff!

Collage: Matrose Wieland wischt den Fußboden und Buch-Icon.
Feudeln gehört zum Reinschiff (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

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10. Beitrag - Wachdienst

Mein Wochenende war leider sehr kurz, weil ich am Sonntagabend um 17 Uhr schon wieder in der Inspektion sein musste. Meine Wachgruppe hatte Wachdienst. In Zweistundenschichten mussten immer zwei Rekruten den Telefonposten und den Läuferposten besetzen. Der Läufer ist in unregelmäßigen Abständen eine Ronde um das Inspektionsgebäude und durch das Gebäude gegangen. Um 22 Uhr durften wir unsere Kameraden auf den Bock schicken und um 23 Uhr musste überall das Licht aus sein - Zapfenstreich.

Um kurz vor fünf stand die Gruppe wieder parat und wir haben die Kameraden geweckt. Je nach Schicht, die man erwischt hat, ist der nächste Tag sehr anstrengend. Erstmal hat man einen langen Tag hinter sich, dann wenig bis gar keinen Schlaf und es folgt der nächste lange Tag. Zum Glück sind wir sehr viele Kameraden, sodass wir nur in langen Abständen an der Reihe sind.

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11. Beitrag - Blutabnahme und Frühstück auf dem Deck

Alle Kameraden mussten ohne Frühstück zum Blutabnehmen. Um 9 Uhr knurrten unsere Mägen dann gewaltig. Endlich zurück in der Inspektion, haben wir Tische und Stühle aus den Stuben geholt und auf dem Deck, dem Flur, eine lange Tafel gebaut und gefrühstückt. Anschließend haben wir die ersten Versuche im Takeln unternommen. Man takelt Leinen und Tampen an den Enden, damit sie nicht auseinanderdröseln. Wieder mit Tischen und Stühlen in kleinen Gruppen haben wir auf dem Deck getakelt. Es war ein bisschen wie früher der Kunst- oder Textilunterricht. Takeln ist fast wie Meditation, außer, dass die Hände und Finger irgendwann wehtun, wenn man das Takelgarn richtig wickelt. Mir macht es jedenfalls Spaß!

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12. Beitrag - Nachtmarsch

Zunächst habe ich überhaupt nicht verstanden, was man um 3.30 Uhr von mir auf einmal wollte. Ich hatte endlich mal richtig gut geschlafen. Aber dann läuft schon fast ein Automatismus ab. Anziehen und Rucksack schnappen und draußen antreten. Das Gute bei diesem Marsch war, dass wir Frauen, speziell wir Kleinsten, ganz vorne laufen durften und somit auch das Tempo angegeben haben. Dieser Marsch war für mich wie ein Erfolgserlebnis, einmal nicht hinterherzuhängen. Wir sind fünf Kilometer gelaufen. Das Ziel war zusammen losgehen und zusammen ankommen. Dieses haben wir erreicht.

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13. Beitrag - Erster Kontakt mit Waffen

Collage: Rekrutin empängt ein G36 aus der Waffenkammer und Buch-Icon.
Waffenempfang für Matrose Wieland (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Bislang hatte ich, abgesehen von einem Tag, noch nie Kontakt zu echten Waffen. Nun war es soweit. Wir haben alle ein G36 in die Hand bekommen. Ein Gewehr für eine etwas größere Schussdistanz. Man glaubt es kaum, aber alleine vom Halten beziehungsweise Tragen mit einer Hand kann man Muskelkater bekommen. Wir haben als erstes die Sicherheitsprüfung gezeigt und erklärt bekommen und schließlich immer wieder geübt. Um später das Gewehr korrekt zu halten, braucht man extrem gute Rückenmuskulatur. Es ist super anstrengend. Also viel trainieren. Bei der zweiten Unterrichtseinheit haben wir alles wiederholt und das Teilladen des Gewehres gelernt.

Zudem haben wir das erste Mal die P8 in die Hand bekommen. Eine Pistole für den Nahkampfbereich, die wesentlich handlicher ist. Aber auch hier muss natürlich eine Sicherheitsprüfung durchgeführt werden. Für jemanden wie mich, ist das Thema Waffe etwas befremdlich. Es interessiert mich längst nicht so sehr, wie es andere interessiert. Aber es gehört nun mal zur Bundeswehr, zur Marine und definitiv zur Verwendungsreihe 11, dem Decksdienst, dazu. Also gut aufpassen und schön mitmachen!

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14. Beitrag - Ständige Tests und Untersuchungen

Heute war ein typischer Tag der Grundausbildung. Ich war zum Umtausch nichtpassender Ausrüstungsgegenstände, bin zum Ergometer-Test gefahren worden (Fahrradfahren mit Belastungs-EKG), habe einen Schwimmtest gemacht (200m unter sechs Minuten) und einen Test zum Thema Wachdienst geschrieben. Es gab außer dem Frühstück keinen Zeitpunkt, an dem unser Zug komplett war. Einige waren zusätzlich noch beim Augenarzt. Hauptsache unsere Ausbilder behalten den Überblick, wer wann wo gerade ist. Eines haben die meisten hier aber langsam begriffen: Auch wenn es für viele Tests einen zweiten Versuch gibt, man sollte immer schon beim ersten Versuch alles geben. Denn oft wird davon alles andere abhängig gemacht und man kommt mit den Untersuchungen nicht voran. Bis jetzt habe ich Glück und alles bestanden.

Noch eins: Sport ist super wichtig! Natürlich ist Mitdenken gefragt, aber in der Regel bekommt man fast alles gesagt, was zu tun ist und muss einfach nur körperlich fit sein. Wir machen zwar ab und zu eine Serie. Das heißt Liegestütze, Situps, Kniehocke oder was sich die Ausbilder noch so einfallen lassen. Aber das reicht noch lange nicht aus. Donnerstag ist bis jetzt immer noch mein Lieblingstag. Bald Wochenende, es gibt Kuchen und ich hätte nie gedacht, dass ich mich auf’s Putzen freuen würde. Man hat seine Ruhe und zumindest für ein bis zwei Stunden die Gewissheit, dass man nicht direkt wieder auf das Deck gerufen wird, antreten muss oder sonst eine Aufgabe bekommt.

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15. Beitrag - BFT, Schießausbildung und Knotenkunde

Collage: Matrose Wieland beim Binden von Knoten und Buch-Icon.
Weblein üben (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Diese Woche ist aufgrund des Feiertages am Donnerstag sehr kurz. Nennenswert ist eigentlich nur der Sporttest. Der BFT - Basis Fitness Test. Wir mussten möglichst lange an einer Reckstange hängen, 1.000 m laufen und einen Pendellauf machen. Die meisten haben recht gut abgeschnitten. Meine Leistung war nicht allzu gut, also steigerungsfähig. Allerdings steckt mir auch eine Erkältung in den Knochen und das schwächt. Gesund zu bleiben ist in so einer großen Menschenmenge schon echt eine Kunst. Alle hocken viel beieinander und irgendjemand hustet oder niest immer. Die gute Meeresluft hilft aber bestimmt den eigenen Abwehrkräften.

Uns wurde Blut abgenommen um unsere Blutgruppe zu bestimmen. Gleichzeitig konnte jeder der wollte, sich ein zusätzliches Röhrchen Blut abnehmen lassen. Dieses war gedacht zu Typisierung der Stammzellen. Eine wie ich finde sehr gute Sache. Leukämie kann im Prinzip jeden jederzeit treffen und wenn man mit einer inzwischen relativ einfachen Weise einem Menschen das Leben retten kann, sollte man das auch tun.

Wir haben relativ viel praktische Ausbildung in den Bereichen Schießlehre und Knotenkunde. Das könnte ich jeden Tag mehrere Stunden lang machen. Das Schießen ist, zumindest noch nicht, so mein Ding. Mit der Pistole P8 habe ich mich inzwischen etwas anfreunden können. Sie ist viel handlicher als das Gewehr G36. Mit meiner Körpergröße ist es einfach zu unhandlich. Aber Schießlehre gehört nun mal definitiv zur Grundausbildung dazu. Und auch später im Decksdienst sind wir diejenigen, die im Notfall schießen müssen. Also durchhalten und das Beste daraus machen. Nach und nach fallen einem die Bewegungsabläufe auch leichter und man bekommt nicht mehr so schnell Rückenschmerzen von der speziellen Stellung in der geschossen wird. Also eine Frage der Übung. So wie bei allem, was wir hier lernen. Von nix kommt nix!

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16. Beitrag - Sport der etwas anderen Art

Sport auf dem Flur. Angefangen mit Liegestütze über Bauchmuskeltraining und Situp-Kette bis hin zum Weiterreichen aller Kameraden über unsere Köpfe hinweg. Diese etwas andere Sporteinheit hat richtig viel Spaß gemacht. Die Situp-Kette fördert die Kameradschaft ungemein und gleichzeitig werden Arme und Bauch trainiert. Wir sitzen mit ausgestreckten Beinen Seite an Seite in einer Reihe und umarmen sozusagen die beiden Nachbarn. Alle zusammen, legen sich dann nach hinten und kommen auf ein Kommando gleichzeitig mit dem Oberkörper wieder nach oben. Anfangs ist es etwas kompliziert, doch man findet schnell einen gemeinsamen Rhythmus und dann sind Situps alles andere als öde!

In der nächsten großen Übung haben sich alle Kameraden hintereinander gesetzt. Nun wurde einer nach dem anderen von vorne über unsere Köpfe hinweg nach hinten durchgereicht. Egal wie schwer! Zur Sicherheit haben zwei Kameraden an der Seite gestützt. Gegen Ende der Übung war das Weiterreichen der Personen nicht mehr ganz so angenehm, da alle aufgrund der Anstrengung ein wenig ins Schwitzen kamen. Sogar die Fenster der angrenzenden Stuben waren leicht beschlagen. Trotzdem hat es insgesamt sehr viel Spaß gemacht und es wurden alle „transportiert“, inklusive unsere Ausbilder.

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17. Beitrag - Vorbereitung für die Vereidigung

Collage: Die Rekruten sind auf dem Alten Markt in Stralsund angetreten und Buch-Icon.
Gelöbnisaufstellung (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Die ganze Woche war nahezu komplett vom Thema Vereidigung geprägt. Angefangen mit einem Abstecher in der Kleiderkammer, um die letzten fehlenden Teile zu unserer „Ausgeh“-Uniform, der sogenannten Ersten Geige, zu bekommen. Wir Frauen hatten bislang immer noch keine Schuhe erhalten. Natürlich gab es dann auch nicht für alle die passenden Schuhe. Für mich gab es schließlich Schuhe mit Absatz. Die Freude hielt sich absolut in Grenzen. Erstens trage ich so gut wie nie hohe Schuhe und zweitens war die Vorstellung damit auf Kopfsteinpflaster zu marschieren nicht so toll. Aber eine Alternative gab es nicht, also „Augen zu und durch“.

Weiter ging es mit diversen Anproben und Vervollständigung der Ersten Geige. In der Mütze musste ein Band mit der Aufschrift „Marinetechnikschule“ eingefädelt werden. Ein speziell gebundener Knoten aus einem Dreiecktuch musste mit dem Oberteil verbunden werden. Sogar der Schal muss auf eine bestimmte Art und Weise gelegt werden. Man kann sagen, dass wir aussehen wie Donald Duck oder wie kleine Kinder, die früher im Matrosenoutfit gekleidet wurden. Aber ich mag die Erste Geige sehr. Sie hat so viel Tradition in sich und steht nun mal für die Seefahrt. Übrigens, wenn man Fotos macht, kann man machen was man will, es sieht einfach immer gut aus.

Natürlich blieb es nicht nur beim Anprobieren der Ersten Geige. Auch der Ablauf der Vereidigung wurde oft geübt. Die Fahnenabordnung und die Fackelträger hatten im Vorfeld schon diverse Proben. Am Montag und Dienstag wurde dann die Zeremonie mit allen Beteiligten geübt. Dick angezogen, haben wir uns zunächst mit der zehnten Inspektion getroffen. Etwa 350 Rekruten wurden der Größe nach sortiert und solange umgestellt, bis ein einigermaßen vernünftiges Bild entstand. Dann ging es gruppenweise zum Exerzierplatz. Der ein oder andere hatte bei den Proben schon Probleme mit dem Kreislauf. Deswegen gab es Tipps, wie man sich bewegen kann, ohne dass Zuschauer etwas bemerken. Nach der zweiten Probe waren unsere Ausbilder weitestgehend zufrieden und der große Tag konnte kommen. Da unsere Familien am Tag der Vereidigung unsere Kaserne besuchen konnten, musste natürlich alles picobello sauber sein. Dafür hieß es putzen, fegen, wischen und polieren. Die Spinde wurden auf Vordermann gebracht.

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18. Beitrag - Tag der Vereidigung

Collage: Die Gelöbnisaufstellung steht auf dem Alten Markt in Stralsund und Buch-Icon.
Antreten zum Gelöbnis (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem Frühstück hieß es noch mal schnell Besen schwingen und dann tauschten wir auch schon die grüne Kleidung gegen die Erste Geige. Ab neun Uhr wurden die ersten Familien und Freunde über das Gelände geführt. Es wurden garantiert weit über hundert Fotos geschossen. Man fühlt sich aber auch einfach besonders in dieser Uniform! Zum Mittagessen gab es Erbseneintopf mit Würstchen. Die Kunst lag darin, sich nicht zu bekleckern. Nach und nach sind schließlich alle mit oder ohne Anhang nach Stralsund gefahren. Ich habe mit ein paar wenigen Kameraden den ökumenischen Gottesdienst besucht, der anlässlich der Vereidigung gehalten wurde. In der Kirche war es leider sehr kalt, sogar kälter als draußen. Kurz bevor wir uns alle treffen und aufstellen sollten, wurden nochmal alle verfügbaren Toiletten besetzt. Und dann wurde es langsam ernst. Die Aufregung nahm zu und mischte sich mit Freude.

Endlich war es soweit, um kurz vor 16 Uhr sind wir auf den Platz marschiert. Zum Glück recht langsam, sodass ich mit meinen Schuhen ganz gut mitkam. Es war ein tolles Gefühl. Die ganzen Familien und Zuschauer waren alle wegen uns dort auf dem Alten Markt. Die Kulisse war super. Je dunkler es wurde, umso mehr kamen die Fackeln zur Geltung. Der andere Vorteil vom Dunkelwerden war, dass man zumindest die Beine leichter bewegen konnte, ohne dass es auffiel. Die Reden, die gehalten wurden, waren zum Glück nicht übermäßig lang und man freute sich über jeden Befehl „Stillgestanden“ und „Rührt Euch“, denn sie hießen Bewegung. Große Momente waren der Einzug der Fahne und natürlich das Gelöbnis selber.

Als das Musikkorps zu spielen anfing und die Fahne auf den Platz getragen wurde, habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Beim Gelöbnis hat unser Gesprochenes richtig an den Häuserwänden zurückgeschallt. Nochmal Gänsehaut. Beim Singen der Nationalhymne haben wir uns nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Gefühlt ist sie nicht mal an der gegenüberliegenden Hauswand angekommen. Nach der Vereidigung war aber noch nicht Schluss, denn die Patenschaft der Hansestadt Stralsund für die Marinetechnikschule wurde bekannt gegeben. Natürlich verbunden mit Reden. Also mussten wir noch ein wenig länger aushalten. Meine Fußspitzen habe ich kaum noch gespürt und mein Körper zitterte inzwischen vor Kälte, aber die Strapazen haben sich am Ende gelohnt. Es war ein rundum toller Tag. Ach ja von uns ist nur eine einzige Kameradin umgekippt. Bei 346 Rekruten ein absolut guter Schnitt. Nach der Veranstaltung haben sich alle in unterschiedliche Richtungen verteilt. Abendessen, nach Hause, ins Hotel oder in die Kaserne. Wir sind nun alle vereidigt. (Anm. d. Red.: Freiwillig Wehrdienstleistende legen ihr Gelöbnis ab, Soldaten auf Zeit werden vereidigt).

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19. Beitrag - 12 Km-Marsch

Collage: Marschieren mit kompletter Ausrüstung und Buch-Icon.
Bildbeispiel: Grundausbildung beim Marsch (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Am Mittwochmorgen hatte ich in Rostock einen Termin beim Augenarzt in der Kaserne. Zusammen mit anderen Kameraden bin ich mit einem Bus gefahren worden. Eine gute Gelegenheit, ein kleinwenig die Augen zuzumachen. Der Test später beim Arzt verlief gut. Meine Augen sind in Ordnung. Wir wurden getestet im Hinblick auf Höhentauglichkeit. Mittags durften wir in der Kaserne in Warnemünde verpflegen. Das Essen dort war sehr lecker! Wir waren richtig begeistert. Auf der Rückfahrt konnten wir noch einmal Augenpflege betreiben. Mit den Kameraden aus meiner Inspektion haben wir spekuliert, was uns erwartet, wenn wir zurück in Parow sind. Wir sollten es sofort erfahren.

Nach und nach kamen unsere Kameraden mit Marschgepäck aus dem Gebäude. Der 12 Kilometer-Marsch stand also bevor. Für uns hieß es umziehen und Rucksack so zu packen, dass er 15 Kilogramm auf die Waage bringt. Das Wetter: Nieselregen oder auch mal ein bisschen dickere Tropfen; Wind und ganz viel grau. Dann ging es auch schon los. Jeder konnte sein eigenes Tempo gehen. Die Ersten sind direkt losgestürmt. Ich war natürlich fast die Letzte, was im Nachhinein aber gar nicht so schlecht war. Ich gehörte zu denen, die am wenigsten Umwege gelaufen sind. Die Strecke sollte mit Pfeilen beschildert sein.

Anfangs hingen keine Schilder, die für uns von Bedeutung waren. Stattdessen gab es eine Reihe von Pfeilen auf dem Boden, die dort schon sehr lange existierten. Von diesen Pfeilen haben sich alle verwirren lassen. Bis ich an den entscheidenden Stellen ankam, kamen mir die Falschabgebogenen schon wieder entgegen und ich konnte direkt richtig gehen. Die ersten der Falschabbieger haben nicht umgedreht und sind eine völlig andere Strecke marschiert. Für die Hochmotivierten war die fehlende Beschilderung frustrierend, da sie die Strecke eigentlich in einer sehr guten Zeit laufen wollten und nun sogar teilweise später im Ziel ankamen als die Langsamen wie ich zum Beispiel.

Auch wenn die Kleidung durch den Regen immer nasser und kälter wurde und es bald sehr dunkel wurde, hat der Marsch viel Spaß gemacht. Die Strecke war abwechslungsreich. Bei sechs Kilometer gab es eine Teestation und wer wollte, durfte sich stärken. Auch wenn nicht alle im gleichen oder richtigen Ziel ankamen, haben doch schließlich alle die Inspektion wieder erreicht. Dort brannten auf dem Hof schon zwei kleine gemütliche Feuer, der Grill wurde vorbereitet und Getränke standen bereit. Wir durften duschen, die Sachen zum Trocknen aufhängen und neue Kleidung anlegen. Nach einer kurzen Ansprache durch unseren Inspektionschef gab es ein gemeinsames Anstoßen mit Glühwein, Bier und nicht-alkoholischen Getränken. Gegessen wurde an langen „Tafeln“ auf unseren Fluren.

Man kam untereinander ins Gespräch, konnte auch mal in lockerer Weise mit den Ausbildern reden oder sich am Feuer wärmen. Es war ein sehr netter Abend. Viele hätten sich so etwas schon zu einem früheren Zeitpunkt gewünscht, weil es die Kameradschaft fördert. Und die Meisten würden eine Wiederholung sehr begrüßen. Geschlafen haben wohl die Meisten sehr gut nach diesem Tag. Auch weil davon auszugehen war, dass diesmal kein Nachtalarm kommen würde.

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20. Beitrag - Knoten, Spleißen und Prüfungen

Collage: Ein Tampen befestigt an einem Poller, und Buch-Icon.
Seemännische Ausbildung (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Unser späteres Aufgabengebiet umfasst unter anderem den Umgang mit dicken und dünnen Leinen, je nach Größe werden sie Tampen, Trosse, Seil usw. genannt. Wir lernen Knoten, mit denen wir Leinen verbinden oder Gegenstände befestigen können. Für die wichtigsten Knoten mussten wir in dieser Woche eine Prüfung ablegen. Man kann Leinen oder Tampen aber auch anders miteinander verbinden als zu knoten. Die Technik nennt man dann Zusammenspleißen. Man kann auch eine Schlaufe - ein sogenanntes Auge - an ein Seilende spleißen oder das Ende so spleißen, dass es nicht mehr aufgehen kann. Hat man die Technik erst einmal verstanden, macht es viel Spaß.

Man kann ganze Vormittage mit dieser Tätigkeit verbringen. Wir sitzen dann alle auf einem Flur in zwei Reihen und takeln und spleißen. Das Takelgarn, Feuerzeuge zum abschließenden Verkleben der Seilenden und Klebeband werden ständig durch die Reihen gereicht. Immer wieder werden Pflaster benötigt, weil wir uns dummerweise mit unseren Messern ungeschickt anstellen. Ich habe auch schon das ein oder andere Pflaster benötigt. Nach dem Werkeln sieht der Flur immer wieder wie ein Schlachtfeld aus, weil überall Seil-, Garn- und Klebebandreste herumliegen. Also heißt es Besenschwingen. Unsere Kunstwerke werden von Mal zu Mal schöner.

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21. Beitrag - Der erste Kontakt zu einem Kriegsschiff

Collage: Das Minensuchboot „Frauenlob“ im Hafen der Marinetechnikschule Parow, und Buch-Icon.
Minensuchboot „Frauenlob“ (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Am Diensttag war es endlich so weit. Wir sind auf dem ausgemusterten Minensuchboot „Frauenlob“ in unserem Hafen gewesen. Nach einem kurzen Rundgang und dem Wurfleinenwerfen-Üben haben wir zwei unserer späteren Aufgaben in der Praxis geprobt. Eine davon ist „Ausguck gehen“. Zusätzlich zu den „elektronischen Augen“ wie Navigationsgerät, Radar und anderen Geräten an Bord halten zusätzlich Soldaten Ausguck. Sie müssen alles melden, was sie im, auf und unter Wasser erkennen. Die Meldung von Objekten an die Brücke haben wir geübt. Desweiteren haben wir eine Schlauchleitung zum Feuerlöschen aufgebaut. Auch dies gehört später zu unseren Aufgaben. Noch läuft alles ziemlich unkoordiniert ab. Aber woher soll man das auch schon können. Übung macht den Meister.

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22. Beitrag - ASG-Ausbildung

Collage: ASG-Ausbildung in einem simulierten Schiffsrumpf, und Buch-Icon.
ASG-Ausbildung (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Sechs von 120. Das war die Anzahl der Glücklichen, die an diesem Tag die Atemschutzgeräteträgerprüfung bestehen durften. Von unserer gesamten Inspektion haben nur wenige die Borddienstverwendungsfähigkeit 1, also überhaupt die Voraussetzung um am Lehrgang teilnehmen zu können. Ein Großteil derer wiederum ist Brillenträger. Um unter Atemschutz gehen zu dürfen, müssen diese spezielle Maskenbrillen tragen. Also Einsätze, die in den Atemschutzmasken eingesetzt werden. Leider sind diese Maskenbrillen nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt worden, sodass nur ein kleiner Teil von Rekruten überhaupt an dieser Ausbildung teilnehmen konnte.

Vormittags haben wir zunächst unsere Fitness unter Beweis stellen müssen. 18 Meter auf unserer Endlosleiter, 280 Meter auf dem Laufband mit fünf Grad Steigung und 21 Hammerschläge/-züge à 15 Kilogramm mussten vollbracht werden. Anschließend ging es durch einen Drahtkäfig. Rauf und runter um Ecken, durch Engstellen und durch eine schmale Röhre. Diesmal war meine Körpergröße endlich mal von Vorteil! Ich kam sehr gut durch die Engstellen hindurch, während die großen Kerle sich oftmals durchzwängen mussten. Nach einer kurzen Verschnaufpause mussten wir ein zweites Mal durch diese Käfig-Strecke. Diesmal aber im Dunkeln mit Nebel, Tonband-Krach, der eingespielt wurde. All dies geschah mit angeschlossenem Atemschutzgerät. Auch wenn es sehr anstrengend und erst einmal ungewohnt ist, macht es sehr viel Spaß. Da ich bereits seit einigen Jahren Atemschutzgeräteträger bin, war es für mich nicht mehr so neu. Aber man lernt nie aus und Spaß macht es sowieso immer wieder aufs Neue. Am Nachmittag stand eine praktische Einsatzübung auf dem Übungsschiff auf dem Plan. Dazu haben wir alle richtige Brandschutzkleidung erhalten. In zwei Trupps mussten wir dann nacheinander im Schiffsinneren ein imaginäres Feuer bekämpfen. Ich bin gespannt auf die weiteren Einsatzübungen später an Bord.

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23. Beitrag - Vorbereitungen für´s Schießen

Immer öfter üben wir die Handhabung mit den Waffen P8 und G36. Ab Freitag üben wir dann am Schießsimulator. Ich bin gespannt, wie es wird. Heute haben wir mit Übungsmunition geübt und am Ende fehlte eine Patrone. Und da der Verlust einer einzelnen Patrone einen riesen Papierkrieg nach sich ziehen würde, hieß es suchen. Und wie? Alle Mann auf die Knie und in einer Kette vorwärts kriechen und absuchen. Wir haben uns schon angefangen gegenseitig zu beschuldigen. Zuletzt stellte sich heraus, dass unser Hauptbootsmann aus der Gruppe noch im Besitz der fehlenden Patrone war. Dieses Mal traf uns nicht die Schuld. Alles war da, also alles gut!

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24. Beitrag - Im Schießsimulator

Drei Tage haben wir in unserem Schießsimulator diverse Übungen mit Gewehr G36 und der Pistole P8 geschossen. Der Simulator stellt nahezu alle Gegebenheiten einer echten Schießbahn sehr realitätsnah dar.

Die ersten Übungen waren noch relativ einfach. Nach und nach wurden die Entfernungen zum Ziel kleiner und die Trefferfläche begrenzter. Hier hat sich gezeigt, wer die Waffen korrekt hält und wer eine gute Körperhaltung hat. Unser Ausbilder war mit meiner Gruppe sehr zufrieden.

Am Ende der drei Tage hat jeder alle Übungen erfolgreich absolviert. Den meisten hat es sehr viel Spaß gemacht. Selbst mir. Und das, obwohl das Gebiet ja nicht gerade mein liebstes ist. So doof hab ich mich auch gar nicht angestellt. Wir sind durch unsere Ausbilder jedenfalls sehr gut ausgebildet worden.

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25. Beitrag - Knoten- und Spleißen-Prüfung

Collage: Lena Wieland wird geprüft, ob sie die notwenigen Knoten beherrscht.
Konzentration bei der Prüfung (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Diese Woche durften zum Glück noch mal eine größere Gruppe Rekruten an der Atemschutzgeräteträger-Ausbildung teilnehmen und alle haben diese erfolgreich abgeschlossen. Für alle anderen aus meinem Zug hieß es die Prüfung im Spleißen abzulegen.

In den letzten Wochen haben wir immer wieder mehrere Stunden auf den Fluren verbracht und gespleißt. Also Leinen miteinander verbunden oder an ein Ende einer Schlaufe hineingemacht. Nach einer Stunde „basteln“ war die Prüfung vorbei. Nun mussten noch diverse Knoten gemacht und Leinen um Festpunkte gelegt werden.

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26. Beitrag - Stuben- und Spindkontrolle

Die letzte Spindkontrolle lag schon lange zurück und der ein oder andere hatte sicherlich gedacht, dass es so kurz vor Ende keine Kontrolle mehr geben würde. Oh doch. Unangekündigt. Die Ausbilder haben nach dem Rundgang geradezu gekocht vor Wut. Bei einigen Spinden waren Kleinigkeiten zu verbessern, bei anderen sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Dies zog natürlich eine gehörige Standpauke nach sich. Im Anschluss mussten alle Spinde leer geräumt werden. Außerdem wurden die Stuben aufgeräumt.

Es folgte Unterricht zum Thema Politische Bildung. Nach Dienstausscheiden haben wir ein kleines Zugfest gefeiert. Dies war sehr schön, weil man in gemütlicher Runde bei einem Bierchen oder Glühwein ungezwungen plaudern konnte. Auch mit unseren Ausbildern konnten wir gut reden und haben mancher Geschichte aus deren Seefahrerleben gelauscht.

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27. Beitrag - Rettungsschwimmwestenausbildung

Collage: Matrose Lena Wieland taucht nach einem Sprung ins Übungsbecken auf. Sie trainiert den Umgang mit der Rettungsweste
Ab ins kühle Nass (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Bei vielen Situationen tragen Soldaten auf den Marineschiffen Rettungsschwimmwesten. Zum Beispiel, wenn die Reling zum Flugbetrieb heruntergeklappt ist oder bei schwerer See. Die Schwimmwesten sind aber keine ganz normalen, sondern enthalten zusätzlich noch einen Kälteschutzanzug. Es gibt einige Bändel und Schlaufen an dieser Weste und man kann sie auf drei verschiedene Arten mit Luft füllen.

Weil man im Ernstfall keine Zeit mehr hat, sich mit der Funktionsweise dieser Schwimmweste zu beschäftigen, haben wir in unserer Rettungsübungshalle den Umgang geprobt. Zunächst mussten alle ihre Weste einpacken. Wer gefuddelt und den Stoff irgendwie zusammengeknuddelt hat, hatte später im Wasser umso mehr Probleme alles richtig anzuziehen.

Nachdem alle fertig waren, ist die erste Gruppe vom Sprungturm senkrecht ins Wasser gesprungen. Ein Teil der Weste hat sich noch unter Wasser mit Luft gefüllt. Normalerweise füllt sie sich komplett, unsere Übungswesten aber waren präpariert. Den zweiten Teil mussten wir durch Ziehen an zwei Bändeln mit Luft füllen. Von da an waren wir schon sehr stark in unserer Beweglichkeit eingeschränkt. Nun musste durch Ziehen an vier weiteren Bändeln der Kälteschutz aus seiner Hülle gezogen werden. Meine Weste war natürlich viel zu groß, sodass es viel Geschick erforderte, alles am richtigen Körperteil zu positionieren.

Am Ende haben alle im Wasser gehangen und wir sollten einen großen Kreis bilden. Mit der komplett angelegten Rettungsschwimmweste ist es deutlich schwieriger zu schwimmen. So hat es ewig gedauert, bis wir ein kreisförmiges, zusammenhängendes Gebilde geschaffen hatten. Im Schwimmbecken, bei relativ angenehmen Temperaturen, war es ganz okay mit der Weste. Den Ernstfall möchte ich aber trotzdem lieber nicht erleben.

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28. Beitrag - Schießen, Putzen, Aufräumen

Collage Matrose Wieland: P8 Schießen in der Grundausbildung und Buch-Icon.
Auf das Ziel konzentriert (Quelle: Bundeswehr / Archiv)Größere Abbildung anzeigen

Endspurt! Unsere letzten Tage der Grundausbildung sind gezählt. Geprägt sind sie vor allem durch die praktische Schießausbildung auf unserem Schießstand. Weil es dazu gehört, mussten wir mit unserem komplett bestückten Kampfrucksack zum Schießstand morgens erst einmal hin marschieren. Es wurde eine lange Mauer mit allen Rucksäcken gestapelt, die dann mit Planen abgedeckt wurde. Dann folgte vor jedem Beginn der Ausbildung eine Belehrung über das Schießen und wie jeder seinen Gehörschutz richtig ins Ohr drückt.

Wir wurden auf zwei verschiedene Schießstände aufgeteilt. Immer vier bzw. acht Mann konnten gleichzeitig schießen. An den ersten beiden Tagen mussten wir verschiedene Übungen mit der Pistole P8 und dem Gewehr G36 schießen. An den beiden letzten Tagen wurde nur noch mit dem Gewehr geschossen. Ich gebe zu, es hat insgesamt doch ziemlich viel Spaß gemacht. Ich habe alle Schießübungen direkt beim ersten Mal bestanden. Das baut auf und motiviert natürlich. Vor allem, wenn viele der Männer viele Übungen nachschießen mussten, also zwei oder drei Versuche brauchten. Bei so vielen Rekruten wie wir sind, kommt schnell eine große Anzahl an Schüssen zusammen.

Es gibt aus umwelttechnischen Gründen ein Limit für die Schusszahl, die pro Tag abgefeuert werden darf. Dies hatte zur Folge, dass wir zwar gut mit dem Schießen durchkamen, aber trotzdem immer schon vor Einbruch der Dunkelheit aufhören mussten. Ich hatte das große Glück, dass ich mit allen Übungen schon am Mittwoch durch war und somit am Donnerstag mit einigen anderen Kameraden in der warmen Inspektion bleiben konnte. Für den Rest hieß es noch einmal auf zur Schießbahn. Dadurch, dass man lange warten musste und es schon recht kalt war, bekam man schnell kalte Füße und auch kalte Finger. Als Abhilfe gab es Tee. Das Mittagessen, das mittags geliefert wurde und aus unserem Feldgeschirr gegessen wurde, war sogar richtig lecker. Wieder zurück in der Inspektion, gab es Essen in Form von Lunchpaketen. Die Gruppe, die Wachdienst am jeweiligen Abend hatte, musste die benutzen Gewehre reinigen. Alle, die nicht mit Schießen durften oder schon fertig waren, haben in der Inspektion Großreinschiff gemacht.

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Ende

Die ersten Taschen sind bereits gepackt und viele Fragen sich, wie sie mit vier bis fünf großen und schweren Taschen die Heimfahrt bewerkstelligen sollen. Unser Geschäftszimmer arbeitet seit Tagen auf Hochtouren. Versetzungen werden ausgestellt, Zeugnisse werden geschrieben und Akten verpackt.

Für mich geht es am 2. Januar 2014 nach Flensburg und am 3. Januar soll es nach Gran Canaria zum Segelschulschiff „Gorch Fock“ gehen. Wenn es wirklich so klappen sollte, wäre es einfach genial!

In diesem Sinne frohe Weihnachten und ein erfolgreiches Jahr 2014.

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Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


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