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Waffensysteme: „Wahrschau – Torpedoluftschuss“

In See, 27.03.2017.
Obermaat Martin Bauer fährt schon jahrelang zur See. Unter Leitung des Artilleriewaffenmeisters kümmert er sich zusammen mit seinem „Arigasten“ auch um die Torpedos an Bord. Wir schauen den Soldaten der Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ dabei über die Schulter.

Obermaat Bauer auf der Rrchtten Seite und Hauptgefreiter Greca links neben ihm auf der Mecklenburg-Vorpommern.

Obermaat Bauer (rechts) und Hauptgefreiter Greca (links) (Quelle: 2016 Bundeswehr / Jule Peltzer)Größere Abbildung anzeigen

Alle Fregatten der Deutschen Marine verschießen Torpedos. Entweder indirekt vom Bordhubschrauber, oder auch direkt von Bord aus. Dazu befindet sich über der Wasserlinie back- und steuerbords der Schiffe je eine Torpedokammer, ausgestattet mit jeweils zwei Torpedorohren. Auf der „Mecklenburg-Vorpommern“ sind dafür der Artilleriewaffenunteroffizier Obermaat Martin Bauer und Hauptgefreiter Nico Greca verantwortlich. Sie gehören zum Hauptabschnitts 300 „Führungsmittel und Waffentechnik“.

Die Arbeit erfordert Präzision, Konzentration, ein eingespieltes Team und den sicheren Umgang mit der Krananlage. Die sogenannte „Katze“ hilft dabei die 200 Kilo schweren „Aale“ von ihrem Lagerplatz zum Torpedorohr zu befördern. Die Strecke ist kurz, trotzdem kommt es auf den letzten Zentimetern auf die Muskelkraft der Männer an. Zusammen mit ihrem Artilleriewaffenmeister, Oberbootsmann Heiko Möller, schaffen sie eine Torpedobeladung in 15 bis 20 Minuten. Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Das Beladen aber schnell und gleichzeitig sicher durchzuführen, dient auch dem Eigenschutz.

Neun 200 Kilogramm schwere Torpedos in der Torpedokammer.

Sehr beeidruckend: die 200 Kilogramm schweren „Aale“ (Quelle: 2016 Bundeswehr / Jule Peltzer)Größere Abbildung anzeigen

Lange Vorbereitung für einen kurzen Knall

Beim „German Operational Sea Training“ in Südengland, der umfassenden und wohl wichtigsten Team-System-Ausbildung für die deutschen Fregatten, werden die einzelnen Schritte des Beladens auf Zeit trainiert. Dazu gibt es realistische Übungstorpedos. Aber auch bei anderen Übungen lernen die Artilleristen den Umgang mit den Torpedos unter Belastung mit Erschwernis.

Heute feuert Obermaat Bauer einen Schuss direkt aus der Torpedokammer ab. Eher die Seltenheit. Im Normalfall ist die Operationszentrale (OPZ) für das eigentliche Abfeuern zuständig. „Man muss aber auch mal Eventualitäten einspielen, wie in diesem Fall“, erklärt Bauer. „Wenn eine Spannung abfällt oder ein Luftdruck nicht stimmt, so dass die OPZ nicht feuern kann, dann können wir den Torpedo trotzdem zu Wasser bringen.“

Der Kran zum Transport von Torpedos im Einsatz.

Die sogenannte „Katze“ im Einsatz (Quelle: 2016 Bundeswehr / Jule Peltzer)Größere Abbildung anzeigen

Nachdem sie das Rohr simuliert beladen haben, schließen die Soldaten ein Zusatzgerät, den „Testkoffer“, an das Torpedorohr an. Bauer kann nun die Daten, die sonst die OPZ in die Waffe einspeist, manuell eingeben. Dann folgt der „scharfe“ Abschuss. Das Bodenstück füllt sich mit Druckluft, über die Schiffslautsprecheranlage ertönt die Warnung: „Wahrschau – Torpedoluftschuss!“ Dann: ein kurzer, dumpfer Knall – die Druckluft wird durch das Torpedorohr außenbords gedrückt.

Ein mulmiges Gefühl bekommt Obermaat Bauer beim Anblick der mit einem 50-Kilo-Hochexplosiv-Sprengkopf ausgerüsteten, zweieinhalb Meter langen Gefechtstorpedos nicht mehr.

Die Torpedorohre von außen, von hier aus schießen die Torpedos ins Wassser.

Die Torpedorohre von außen, von hier aus schießen die Geschosse ins Wassser (Quelle: 2016 Bundeswehr / Jule Peltzer)Größere Abbildung anzeigen

Spezialisten und Individualisten zugleich

Hauptgefreiter Greca hat erst letztes Jahr bei der Schießübung im norwegischen Nordpolarmeer das erste Mal den Umgang mit dem Unterwasserwaffensystem live erlebt: „Für mich war das eine neue Erfahrung. Sehr spannend und interessant!“

Der junge Soldat kommt aus Essen und leistet seinen freiwilligen Wehrdienst bei der Marine. Zu seinen Aufgaben gehören vor allem Materialwartungsarbeiten. Er ist nicht nur für die Reinigung und Pflege der Handwaffen und schweren Maschinengewehre an Bord verantwortlich, er stellt auch sicher, dass es an den Torpedos keine Materialschäden gibt. Das funktioniert so: Der Boden der Torpedokammer zum Beispiel ist weiß gestrichen. „Der Kraftstoff der Torpedos ist rot gefärbt. Sollte welcher auslaufen, erkennt man das sofort an den Flecken“, erklärt Greca. Er überprüft täglich die Räume mit einer ausführlichen Sichtkontrolle.

Zum Aufgabenbereich der Waffenmechaniker gehören noch eine Menge anderer Systeme. Unter anderem die 76-mm-Kanone, die „Marineleichtgeschütze“ oder die Täuschkörperanlage. Für jedes System haben die Soldatinnen und Soldaten auf Fachlehrgängen eine modulare Ausbildung erhalten. Die Fregatten sind in diesem Fall die komplexesten Einheiten der Marine. „Ich bin vier Jahre als Mannschafter auf einer Fregatte zur See gefahren“, erzählt Obermaat Bauer „Dann kam ich für drei Monate auf ein Minenjagdboot. Das war um einiges überschaubarer. Nach meinen Lehrgängen bin ich glücklicherweise wieder auf eine Fregatte gekommen. Hier gefällt‘s mir am besten.“


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Stand vom: 28.03.17 | Autor: 


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