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Kein Job wie jeder andere
Blog über die Ausbildung zum Avioniker

Im Marinefliegergeschwader 3 gab es noch nie weibliche Avioniker für den Seefernaufklärer P-3C „Orion“. Jennifer Hubert und Tessa Masch wollen das ändern. Deshalb befinden sich die beiden Bootsmannanwärterinnen in der „Zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung“ zur Fluggeräte-Elektronikerin. In einem Blog teilen sie ihre Erlebnisse in der 21-monatigen Ausbildung bei Airbus Helicopters in Kassel und bringen Licht ins Dunkel um die zivil anerkannte Ausbildung bei der Bundeswehr.


03.01.2018: Bravo Zulu und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

Zwei Marinesoldatinnen, in Ausgehuniform, stehen mit ihrem Abschlusszeugnis vor dem Bauch haltend in einem Raum vor dem Heckrotor eines Helikopters.
Die frischgebackenen Fluggeräteelektronikerinnen nach 21 Monaten Ausbildung (Quelle: 2018 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach zahlreichen alten Prüfungen und dem Aufarbeiten sämtlicher Themen der letzten 20 Monate war der Tag der theoretischen Prüfung gekommen.

Die Prüfung begann morgens mit dem Teil WiSo (Wirtschafts- und Sozialkunde). Für das Bearbeiten hatten wir 60 Minuten Zeit. Hier wurden Multiple Choice sowie frei zu beantwortende Fragen gestellt.

Nach diesem Teil hatten wir 15 Minuten Pause. Weiter ging es dann mit der Systemanalyse. Hier hatten wir insgesamt 120 Minuten Zeit für die beiden Abschnitte dieses Testes. Einmal wieder Multiple Choice und einmal frei zu beantwortende Fragen. Anschließend gab es wieder eine 15 minütige Pause. Als letztes schrieben wir die Funktionsanalyse ebenfalls in 120 Minuten für Teil A und B.

Wie für solche Prüfungen üblich waren wir entsprechend aufgeregt und wirklich froh als wir die letzten Prüfungsbögen abgegeben hatten.

In der nächsten Woche hatten wir Zeit uns auf das Fachgespräch und somit auf unsere mündliche Prüfung vorzubereiten. Neben diesem freien Lernen wurden wir noch in mehreren Modulen, die uns bis dato fehlten, geschult.

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen wurde unsere mündliche Prüfung angesetzt. Jeder bekam eine Uhrzeit für seine Prüfung genannt und musste samt seiner schriftlichen Ausarbeitung vor den Prüfungsausschuss treten. Uns beiden war die Nervosität vor diesem Gespräch ins Gesicht geschrieben. Aber unsere Ausbilder beruhigten uns mit der Aussage: „Wenn man vor seiner Prüfung nicht aufgeregt ist, hat man etwas falsch gemacht.“

So gingen wir mit sämtlichen vorgestellten Szenarien in das „Interview“. Am Ende war alles doch nicht so schlimm wie erwartet.

Das Thema der Prüfung wurde eingehend hinterfragt. Erleichtert kamen wir aus unseren Gesprächen und bekamen direkt unsere erreichte Prozentzahlmitgeteilt.

Nach unseren Abschlussprüfungen schrieben wir noch drei Modulprüfungen für unsere CAT A Lizenz, eine Freigabeberechtigungen für luftfahrttechnisches Fachpersonal.

Und schon war der Tag unserer Abreise gekommen. Neben der militärischen Ausschleusung, also Laufzettel abarbeiten, Stuben abgeben, Lehrgangszeugnis empfangen und so weiter, gab es eine kleine Zeugnisübergabenrunde bei Airbus.

Hier kamen Ausbildungsleiter, Ausbilder, Berufsförderungsdienst-Verantwortliche und militärische Vorgesetzte zusammen, um uns unsere Zeugnisse sowie die Prüfungsergebnisse bekannt zu geben.

Unseren Ausbildern übergaben wir hier kleine Geschenkkörbe mit Spezialitäten die ein jeder aus seiner Heimat mitgebracht hatte. Anbei war noch ein aufgenommenes Gruppenfoto. Mit diesen Körben und ein paar warmen Worten bedankten wir uns für die lehrreiche und doch auch lustige und schöne Zeit in Kassel und bei Airbus.

Nach Kaffee, Kuchen und letzten Gesprächen verabschiedeten wir uns von unseren Ausbildern, die 21 Monate ihr Bestes gegeben haben uns auf die Prüfungen und den Beruf eines Fluggeräteelektronikers vorzubereiten.

Jetzt verteilen wir uns wieder landesweit auf Lehrgänge oder in unsere zukünftigen Dienstorte. Nach 21 Monaten zusammen leben, lernen und lachen war es dann doch ein komisches Gefühl.

Und so fuhren wir mit einem lächelnden und einem weinenden Auge vom Hof und drehten zum Abschied noch eine Runde durch die Anlage. So schnell vergehen dann doch fast zwei Jahre. Rückblickend war es eine lehrreiche, teilweise anstrengende, aber auch schöne Zeit in Kassel. Wir fahren mit einem Gesellenbrief, neuen Eindrücken und Erfahrungen und sind nun Fluggeräteelektronikerinnen.

Im Januar geht es bei uns in Plön für drei Monate weiter, hier werden wir den Lehrgang Bootsmann Teil 2 absolvieren.

Mit den letzten Worten bedanken wir uns bei allen Mitlesern, dem Redaktionsteam in Nordholz sowie Berlin und für die Möglichkeit diesen Blog schreiben zu können.

Um es kurz zu sagen: Bravo Zulu und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

22.11.2017: Das Ende naht!

Zwei Frauen sitzen am Schreibtisch und lernen.
Anlässlich der bevorstehenden Abschlussprüfung wird nochmal alles wiederholt (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Der Countdown läuft und der Tag bis zu unserer Abschlussprüfung rückt immer näher. Zurzeit stecken wir in unserer Prüfungsvorbereitung. In dieser "heißen" Phase haben wir Zeit uns auf unsere Abschlussprüfung vorzubereiten - eigenständig und individuell. Jeder für sich oder in kleinen Gruppen werden alte Prüfungen gelöst, besprochen und Unklarheiten beseitigt. Selbstständiges Lernen sozusagen.

Neben der Vorbereitung auf die theoretische Prüfung legen wir unsere praktische Arbeit ab. Hierzu hat jeder Auszubildende einen betrieblichen Auftrag ausgewählt und diesen unter Aufsicht eines Prüfers ausgeführt. Ein betrieblicher Auftrag ist z.B. die Überprüfung bestimmter Anzeigen, der Wechsel eines bestimmten Sensors oder Bauteils. Dieser Auftrag ist die Grundlage für unser Fachgespräch, welches ebenfalls Teil der Abschlussprüfung ist. Hierzu fertigen wir eine sogenannte Dokumentation an, diese ist vergleichbar mit einem umfangreichen Aufsatz über unseren betrieblichen Auftrag. In dieser Dokumentation sind allgemeine Infos über das Fluggerät, Arbeitsschutz, dem Arbeitsplan selbst und Anhänge mit wichtigen Dokumenten, wie Aus- und Einbaulisten und Abbildungen beigefügt. Jeder Auszubildende fertigt diese Dokumentation eigenverantwortlich und individuell auf seinen Auftrag angepasst an. Diese liegen während des Fachgesprächs den Prüfern vor. Sie dient zur Information und als Nachweis der durchgeführten Arbeit. Die Abgabe muss bis zu einem bestimmten Datum erfolgen.

Anfang Dezember steht uns die theoretische Abschlussprüfung bevor und Mitte Dezember dann das Fachgespräch. Wir melden uns in ca. einem Monat, nach hoffentlich bestandener Prüfung, wieder mit unserem voraussichtlich letzten und abschließenden Blogeintrag. Für alle die mitlesen, drückt uns doch die Daumen!

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05.10.2017: File sending...

Zwei Soldsatinnen in Flecktarn beugen sich über ein technisches Gerät auf einem weißen Tisch. Das Gerät ist mit mehreren kabeln verbunden. Vor ihnen liegt ein Ordner mit Tabellen und Erklärungen.
Die angehenden Avionikerinnen sind hoch konzentriert (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach ein paar Wochen Theorieunterricht, einigen Tests und unseren ersten Präsentationen zu dem Modul Instandhaltung, wurde uns die besondere Sprache und Vorgehensweise des Programmierens beigebracht.

Jeder Auszubildende bekam einen eigenen Laptop, eine Arbeitsplatine und verschiedenen Eingabe- und Ausgabeteile wie zum Beispiel Taster, LEDs und LCD Display, mit denen das Programmierte visuell dargestellt werden kann.

Anfangs wurden wir in das Programm eingeführt. Zunächst erläuterte man uns die Benutzeroberfläche. Im weiteren Verlauf wurden Schaltflächen und Hintergrundabläufe, sowie die Bedeutungen von bestimmten Bedienflächen erklärt, die durch simple Aufgabenstellungen visualisiert wurden.

Nachdem wir uns mit dem Programm vertraut gemacht haben und einfachste Systeme programmieren konnten, gingen wir tiefer in die Materie und die zu programmierenden Systeme wurden komplexer.

In unserem Fall sollte ein kleiner Elektromotor von einer Fahrwerkssimulation programmiert werden, sodass bei einer Schalterbetätigung das Fahrwerk, ein- oder ausfährt und dies entsprechend über ein LCD Display angezeigt wird.

Damit die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine funktioniert, müssen Befehle (die sogenannten Icons) in einer richtigen Reihenfolge auf die Hauptplatine übertragen werden. Diese Hauptplatine speichert die Befehle und Abläufe und gibt sie an die Ein- und Ausgabeports weiter. Hinter diesen Icons bzw. Symbolen verbergen sich vorgeschriebene Abläufe. In der Computersprache wird dies grafisch als ein sogenanntes Flussdiagramm dargestellt.

Dies kann man sich so vorstellen:

Wenn wir Menschen miteinander kommunizieren, ist es wichtig, dass wir die Grammatik und den Satzbau beachten. Tun wir das nicht, kann die Kommunikation gestört sein und der Gegenüber versteht uns nicht. Dieses einfache Prinzip steckt auch hinter dem Programmieren.

Zeigt das LCD Display den gewünschten Text „Ausfahren“ oder „Einfahren“ nicht an oder der Motor läuft nicht an, geht es an die Fehlersuche.

Für uns war es eine neue und interessante Erfahrung ein an dem PC aufgebautes System in die „Wirklichkeit“ zu übertragen und visuell und haptisch darstellen zu können.

Wir sind gespannt auf weitere Funktionen und noch tiefere Einblicke in das programmieren. In diesem Sinne: In process ...

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17.08.2017: Ein Hauch Abschlussprüfung

Zwei Soldatinnen in der Kabine eines Luftfahrzeugs. Eine hält ein Kabel zurück und die andere schraubt an der Stelle wo das Kabel hängt.
Mit Teamwork lässt es sich besser Arbeiten und Lernen (Quelle: 2017 Bundeswehr / Pierre Lorke)Größere Abbildung anzeigen

Nach unserem dreiwöchigen Sommerurlaub und weiteren vier Wochen Ausbildung melden wir uns wieder zurück! Und es gibt direkt etwas zu berichten: wir wurden von Maaten zu Obermaaten befördert. Ein absolut motivierender Start in den Endspurt, denn die Abschlussprüfung rückt unaufhörlich näher. Wie nah sie uns bevor steht, haben wir in den letzten zwei Wochen Ausbildung zu spüren bekommen.

Nach zwei Wochen theoretischem Unterricht ging es für uns wieder in die Werft. Hier wartete ein ausschlaggebendes Ereignis auf uns - die Themenfestlegung für unsere Abschlussprüfung. Wir bekamen eine Liste mit Themenvorschlägen und jeder konnte sich ein ihm liegendes Thema aussuchen, welches er in seiner Prüfung behandeln wird.

Unsere Abschlussprüfung wird aus einem schriftlichen und einem praktischen Teil bestehen. Der praktische Teil besteht aus einem betrieblichem Arbeitsauftrag und einem Fachgespräch. Ein betrieblicher Arbeitsauftrag ist eine Arbeit, die an dem betroffenen Luftfahrzeug vorgenommen werden muss, wie z.B. die Überprüfung der Kraftstoffanlage. Hier wird eine Situation simuliert, in der die Kraftstoffanlage überprüft werden muss, z.B. im Rahmen einer routinemäßigen Wartung. Diesen Auftrag müssen wir dann vorbereiten, durchführen, nachbereiten, dokumentieren und letztendlich durch einen Prüfer abnehmen lassen. Dieser Ablauf wird benotet. Später in der Einheit bekommen wir ebenfalls einen Arbeitsauftrag, um diesen abzuarbeiten. Von daher ist unsere Abschlussprüfung sehr praxisnah und vorbereitend auf unsere spätere Tätigkeit als Avioniker.

Das Fachgespräch dreht sich dann rundum den ausgewählten Arbeitsauftrag, aber auch allgemeine und oder fachliche Fragen können gestellt werden. Man sollte sich also nicht nur auf sein Thema fixieren, sondern auch alle Komponenten, welche auf die betreffende Anlage einwirken, mit einbeziehen. Um es an dem Beispiel der Überprüfung der Kraftstoffanlage deutlich zu machen: Woher erhält die Anlage ihre Stromversorgung? Wie funktioniert und arbeitet die Kraftstoffvorratsanzeige? Welche besonderen Sicherheitsbestimmungen sind zu beachten bei dieser Überprüfung (Brandschutz, Arbeitsschutz, etc.) und vieles mehr. Wir merken, jetzt wird es langsam ernst. Und alles bisher Gelernte fügt sich mehr und mehr zu einem Gesamtbild.

Wir werden also die noch kommenden Wochen in der Werft dazu nutzen, uns in unser Thema hineinzufinden und alles immer weiter zu verinnerlichen, um bestmöglich auf die Abschlussprüfung vorbereitet zu sein. Es sind zwar noch etwas über drei Monate, aber früh übt sich!

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03.07.2017: WiSo vs. OP

Zwei Marinesoldatinnen in Flecktarn arbeiten jeweils an einem Schraubstock während ein Kameremann am rechten Bildrand steht und ihre Arbeit filmt.
Die zwei angehenden Avionikerinnen hochkonzentriert bei der handwerklichen Ausbildung (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach unserer praktischen Zeit in der Werft kamen wieder einige Wochen Theorie auf uns zu. Unter anderem vertieften wir das Fach der Operationsverstärker (OP) weiter und schrieben hierzu dann auch eine Klausur. Danach kamen wir in den Genuss der Wirtschafts- und Sozialkunde (WiSo). Hier wurden rechtliche Gebiete der Arbeits- und Ausbildungswelt, Fort- und Weiterbildung aufgegriffen. Themengebiete wie z.B. Arbeits- und Ausbildungsverträge, Arbeitsschutzgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz oder Ausbildungsverordnungen wurden intensiv durchgenommen und besprochen. Denn auch dieses Fach ist ein Prüfungsfach, welches uns bei unserer Abschlussprüfung erwartet.

Zwischenzeitlich waren wir als freiwillige auf dem Hessentag in Rüsselsheim und vertraten dort mit zwei weiteren Kameraden unsere Bundeswehrfachschule und unseren Ausbildungsbetrieb Airbus. Hier kamen tolle Gespräche mit Interessierten zustande und es lockerte unseren Ausbildungsalltag ein wenig auf. Ein weiteres Highlight war unser kurzer Besuch in Berlin bei der Redaktion der Bundeswehr. Zu der Veröffentlichung des Videos über unsere Ausbildung stellten wir uns den Fragen der User auf Facebook in einem Q&A (Question and Answer). Auch hier war es sehr interessant und eine schöne Abwechslung. Nach diesen ereignis- und lehrreichen Wochen geht es für uns nun in den Sommerurlaub. Wir freuen uns auf ein paar Wochen Erholung und Beisammensein mit unseren Liebsten. Hier werden wir wieder Kraft und neue Energie tanken für den Endspurt unserer Ausbildung, denn nach unserem Urlaub entscheiden wir uns für unsere praktischen Prüfungsthemen. Es wird also wieder spannend.

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09.06.2017: Erst schreiben, dann schrauben

Ausbildung bei Airbus an den reellen Fluggeräten.
Ausbildung bei Airbus an den reellen Fluggeräten (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Und dann war der Tag endlich gekommen: Zum ersten Mal in unserer Ausbildung bei Airbus sollten wir an den echten Fluggeräten arbeiten. Unser Standort in Kassel besitzt eine eigene Werft mit vier Hubschraubern, einem kleinem Flächenflieger sowie einem Teil eines Airbus.

Der erste Tag hielt eine Menge Einweisungen für uns bereit, Sicherheitsbelehrungen, Arbeitsschutz, Einweisungen auf Werkzeuge und so weiter. Uns wurden die Werft und sämtliches Inventar gezeigt und erklärt. Unter anderem wurden uns die Werkzeugkisten und -wagen sowie die Vorschriften für die Luftfahrtgeräte gezeigt. Wir wurden in Gruppen zu je drei bis vier Auszubildenden eingeteilt.

Jede Gruppe erhielt einen Werkzeugwagen, für den der täglich wechselnde Teamführer verantwortlich war. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft haben, was das Fluggerät, die zugehörigen Vorschriften und unser Werkzeug anging, gab es die ersten Arbeitsaufträge. Diese simulierten Arbeitsaufträge wurden durch unsere Ausbilder an uns verteilt. Was uns schnell klar wurde, war: „Einfach drauf los schrauben“ ist nicht. Bevor überhaupt ein Werkzeug in die Hand genommen wurde, musste die Arbeit, noch bevor sie gemacht wurde, dokumentiert werden.

Ein solcher Arbeitsauftrag wird in etwa wie folgt abgearbeitet: Überblick über den Auftrag verschaffen, namentlich alle Arbeiter notieren, die an dem Fluggerät und diesem Auftrag arbeiten werden, inkl. deren Unterschriften, anschließend Vorschriften für die erforderten Arbeiten heraussuchen und bereit legen, dann jeden einzelnen Arbeitsschritt in der Dokumentation aufzeichnen, etc. Bevor es wirklich an das Arbeiten an dem Gerät ging, musste eine Menge Schreibarbeit geleistet werden.

Die Dokumentation ist das A und O. Sollte es aus tragischen Gründen zu einem Unfall oder einem Zwischenfall mit dem Luftfahrzeug kommen, ist genau nachzuvollziehen, wer, wann, welche Arbeit an dem Fluggerät ausgeführt hat. Denn für jede Arbeit an dem Luftfahrzeug gibt es eine Vorschrift, welche genau beschreibt und vorgibt, wie diese Arbeit zu machen ist. Diese muss eingehalten und schriftlich im Arbeitsauftrag festgehalten werden.

Anfänglich fiel es uns schwer, die richtigen Vorschriften für unsere Arbeit zu finden, aber mit der Zeit und weiteren Aufträgen fuchsten wir uns in die Materie ein. Das selbst Arbeiten und "Schrauben" am Luftfahrzeug war die Belohnung für die davor geleistete Schreibarbeit. Wie wir es auch schon aus unseren praktischen Erfahrungen in den Laboren her kannten, wurde auch hier die Werkzeugkontrolle ganz groß geschrieben. Vor und nach jeder Arbeit musste der Werkzeugwagen auf Vollständig- und Vollzähligkeit geprüft werden. So vergingen die Tage und wir bekamen einen Einblick davon, wie unsere Arbeit später im Stammverband aussehen wird.

Nach diesen ereignisreichen Wochen und mit noch mehr Erfahrung ging es wieder in den Theorieunterricht. Wir vertieften angebrochene Ausbildungsinhalte, wie den Operationsverstärker, und uns wurde die Wirtschaft- und Sozialkunde näher gebracht, die auch ein Teil unserer Abschlussprüfung sein wird. Jetzt steht das Pfingstwochenende vor der Tür und wir können ein langes Wochenende mit den Liebsten zuhause genießen.

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03.05.2017: Die Elektropneumatik und Drahtsicherung

Die Protagonistinnen beim Aufbau und Inbetriebnahme der Schaltungen.
Aufbau und Inbetriebnahme der Schaltungen (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach unserer erfolgreich absolvierten Abschlussprüfung Teil 1 kam nach und nach der Ausbildungsalltag wieder. Ein paar Wochen Theorie mit wieder neuen Unterrichtseinheiten warteten in den kommenden Tagen auf uns. So rückte das Arbeiten an den Luftfahrzeugen leider doch noch ein Stück weiter weg. Trotzdem sollte es doch noch ein bisschen praktisch werden, bevor der Osterurlaub ansteht.

Der nächste einwöchige Lehrgang war die Elektropneumatik und die Drahtsicherung. Unsere Klasse wurde in zwei Gruppen eingeteilt, sodass eine Hälfte den Ausbildungsunterricht in der Pneumatik genoss und die andere Hälfte die Drahtsicherung. Beide Teile fanden in unserem praktischen Ausbildungsgebäude statt.

Wir waren in dieser Woche in der Elektropneumatik-Gruppe. Nach den Grundlagen, Schaltbildern und anfänglichem Herantasten an die Pneumatik ging es darum, zunächst rein pneumatische und anschließend elektropneumatische Schaltungen nach Vorgabe aufzubauen und in Betrieb zu nehmen. Dazu bekam jeder Auszubildende einen eignen Aufbau, auf dem wir unterschiedliche Objekte der Pneumatik angeordnet und angeschlossen haben. Eine abschließende kleine Ausarbeitung bestand darin, einen Schaltplan zu zeichnen und den entsprechenden praktischen Aufbau anzufertigen.

Für uns war neben diesen neuen Themengebieten ein weiteres Highlight der Besuch eines Bundeswehr-Filmteams. Zwei Tage wurden wir in verschiedenen Stationen unserer Ausbildung begleitet, um mal einen ganz anderen Einblick in unsere Ausbildung geben zu können. Wir freuen uns schon sehr auf das Endprodukt und hoffen, so noch mehr Interessierte ansprechen zu können!

Aber nun ist es dann endlich soweit: Wir werden in den nächsten zwei Wochen unseren ersten Ausbildungsteil in der Werft absolvieren. Wir sind super gespannt darauf, was uns erwartet und ob sich sämtliche Kreise der theoretischen Ausbildungsinhalte schließen.

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24.03.2017: Die Abschlussprüfung Teil 1

Maat (Bootsmannanwärter) Jennifer Hubert beim löten eines Schaltkreises.
Maat (Bootsmannanwärter) Jennifer Hubert beim löten eines Schaltkreises (Quelle: 2017 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Lange ist der letzte Blogeintrag her und deshalb haben wir viel zu berichten, dieses Mal von unserer Abschlussprüfung 1 (AP1).

Als Vorbereitung auf unsere Prüfung dienten sechs Wochen intensiven Lernens -Vier Wochen praxis- und zwei Wochen theoriebezogen. In der praktischen Phase unserer Vorbereitung wiederholten wir alle relevanten Themengebiete, die uns bei unserer Prüfung abverlangt wurden. Zusätzlich durchliefen wir zwei Probeprüfungen, um ein Gefühl für Zeit, Aufwand und die allgemeine Prüfungssituation zu bekommen.

Die praktische Prüfung bestand aus zwei Teilen, der Vorarbeit und der abschließenden Verdrahtung am Prüfungstag. Die Vorarbeit musste zur Prüfung mitgebracht werden. In unserem Fall waren es verschiedene Anschlüsse, die unter Einhaltung der Vorgaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) angefertigt und hergestellt werden mussten. Diese Vorarbeit wurde als Teil der gesamten Prüfung bewertet. Erst am Prüfungstag wurde uns mitgeteilt, welche endgültige Funktion unser Aufbau haben wird. Dementsprechend musste verdrahtet und auch hier genauestens die Vorgaben der IHK eingehalten werden. Für diese Planung, Verdrahtung, anschließende Inbetriebnahme, mögliche Fehlersuche und -behebung und ein zwischenzeitliches Gespräch durch einen Prüfer hatten wir 6,5 Stunden Zeit.

Ein straffer Zeitansatz, welchen wir durch unsere Probeprüfung jedoch gut einteilen konnten. Es war uns jederzeit möglich, auf den Flur zu gehen, etwas zu essen oder zu trinken, so konnte jeder von uns seine Zeiten selbst einteilen. Nachdem wir den aufregenden Tag der praktischen Prüfung hinter uns hatten, ging es gleich am nächsten Tag los mit der Vorbereitung auf den schriftlichen Teil.

Dafür waren zwei Wochen angesetzt. In diesen zwei Wochen wiederholten wir aus jedem Themengebiet Inhalte. Denn in der theoretischen Prüfung konnte alles, was wir bisher gelernt hatten, dran kommen. Auch hier simulierten wir zahlreiche Prüfungen, um wieder ein Gefühl für diese Situation der Prüfung zu bekommen.

Der theoretische Teil bestand aus acht frei zu beantwortenden Fragestellungen und 23 Multiple-Choice Fragen mit je fünf Antwortmöglichkeiten, aus denen immer nur eine richtig war. Für diese Prüfung hatten wir 1,5 Stunden Zeit, auch ein sehr knappes Zeitfenster, wie uns bewusst wurde. Und es wurden wirklich alle bisherigen Lerninhalte abgedeckt; unter anderem dabei waren Englisch, Luftfahrtkunde, Digitaltechnik, Human Factors (menschliche Einflussfaktoren in mechanischen Systemen) und viele weitere.

Die Gesamtnote der AP1 ergibt sich aus 50% der praktischen und 50% der theoretischen Note. In vier bis fünf Wochen erhalten wir unsere Ergebnisse. Aber wir sind zuversichtlich, dass ein jeder von uns bestanden hat.

Nach dieser Prüfung merkte man uns die Erleichterung stark an. Die erste Hürde zu unserem Gesellenbrief haben wir gemeistert. Jetzt erwarten uns neue Lerninhalte und neue Stufen der Ausbildung, denn nicht mehr lange und es geht an das wahrhaftige Luftfahrtgerät.

Was wir dort alles erleben und lernen, erzählen wir in unserem nächsten Eintrag.

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07.02.2017: Prüfungsvorbereitung

Kurz nach dem Jahreswechsel starten wir direkt durch. Um auf unsere Abschlussprüfung Teil 1 im März bestens vorbereitet zu sein, werden wir sechs Wochen lang darauf vorbereitet. Vier Wochen Praxis und zwei Wochen Theorie stehen uns bevor. Damit wir uns voll und ganz auf unsere anstehende Prüfung vorbereiten können, melden wir uns danach wieder und berichten über diese Phase unserer Ausbildung.

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19.12.2016: 1 und 1 gleich 1

Die zwei angehenden Avionkerinen beim Arbeiten an einem Schaltkreis.
Praxisnahes Arbeiten an einem Schaltkreis (Quelle: 2016 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Die erste Erkenntnis, die uns ereilte: Jetzt wird alles anders! Bisher rechneten wir mit akribisch kleinen Zahlen und schier unendlich langen Nachkommastellen, um einen möglichst genauen Wert zu ermitteln. Diese Werte wendeten wir in komplexen Formeln an, um einen genauen Betrag berechnen zu können. Und nun sollte alles, an das wir bisher glaubten und angewandt haben, komplett auf den Kopf gestellt werden.

Die Rede ist von der Digitaltechnik! Hier bestehen zunächst sämtliche Werte und Annahmen aus Nullen und Einsen. Eins und Eins ergibt Eins. Keine leichte Erkenntnis nach den ganzen mathematischen Jahren in der Schule. Die anfängliche Verwirrung verstrich aber schnell von Unterrichtseinheit zu Unterrichtseinheit. Die Digitaltechnik nahm mehr und mehr Gestalt an und wurde letztlich mehr als logisch.

Doch eine weitere kleine Hürde erwartete uns dennoch: eine von vielen Modulprüfungen und zwar in dem Modul „Kolben- und Propellertriebwerke“. Diese Modulprüfungen werden von der IHK gestellt und die Unterschiede zwischen den Tests von Airbus und diesen Prüfungen waren immens. Nicht nur die Fragen sind anders. Auch die prozentuale Notengrenze von 75 Prozent muss mindestens erreicht werden, ansonsten gilt das Modul als nicht bestanden. In diesem Fall muss das Modul nach einer gewissen Zeit wiederholt und neu geschrieben werden. Aber so hatten wir eine Möglichkeit, ein bisschen Abschlussprüfungsluft zu schnuppern.

Des Weiteren vertieften wir die Analogtechnik noch weiter, diesmal aber mit einem neuen Ausbilder. Hier lernten wir auch wieder ein neues Bauteil der Analogtechnik kennen, den OP. Natürlich hat dieser nichts mit Krankenhaus- oder Arztbesuchen zu tun. Es handelt sich um einen Operationsverstärker, der als Bauteil in einer Schaltung dient. Eine Woche lang behandelten wir dieses Bauteil erst theoretisch und dann mit einem festigenden Praxisanteil. Unser neuer Ausbilder ging in dieser Zeit auf alle Fragen, Probleme und noch nicht verstandenen Teile des Unterrichts ein, sodass wir am Ende der Woche einen Test über dieses Thema schreiben konnten.

Noch zwei Wochen stehen nun zwischen uns und dem Weihnachtsurlaub. In diesen zwei Wochen absolvieren wir einen Kabel- und Steckerlehrgang in unserem Praxisgebäude. Dieser Lehrgang besteht aus Theorie und Praxis und bringt uns dem Arbeiten an einem Luftfahrzeug noch näher. Wir lernen neue Werkzeuge kennen, welche speziell in der Luftfahrt zugelassen sind und mit denen wir an und in Luftfahrzeugen arbeiten dürfen. Ein weiteres großes Thema in diesem Lehrgang ist das Arbeiten nach Vorschriften. Für jede Arbeit gibt es eine spezielle Vorschrift, die genau beschreibt, was, womit und wie bearbeitet wird. Es ist sehr wichtig sich immer an diese Vorschriften zu halten und sie stets bei allen Arbeiten am Luftfahrzeug bei sich zu haben.

Die Weihnachtsstimmung wurde durch unsere Standortsweihnachtsfeier noch ein wenig mehr eingeleitet. Hier fand ein Gottesdienst mit anschließendem Grillen und besinnlichem Beisammensein statt. Nicht nur wir Soldaten, auch die Ausbilder und Angestellten von Airbus gesellten sich zu dieser Feier. Es war eine sehr lockere Atmosphäre und eine schöne Einleitung der Weihnachtszeit. Zum Jahresabschluss veranstalten wir in der letzten Woche eine hörsaalinterne Weihnachtsfeier mit unseren Ausbildern. Schon jetzt freuen wir uns sehr auf unsere Liebsten daheim und darauf, mit ihnen das sehr lehrreiche Jahr abzuschließen. Allen anderen wünschen wir vorzeitig ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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23.11.2016: Zusatzfunktion: Rauchzeichen

Zeichnung von Schaltungsplänen.
Zeichnung von Schaltungsplänen (Quelle: 2016 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach dem gemischten Unterricht sollten wir nun zwei Wochen Praxis genießen dürfen.
Wir machten uns wieder an die Realisierung vorgegebener Schaltungspläne. In dieser praktischen Phase sollten wir erstmals in Berührung mit der Digital-Technik kommen.
Bausteine, zum Beispiel das IC (integrierter Schaltkreis), wurden auf den Platinen verbaut. Bevor wir aber mit der praktischen Umsetzung beginnen sollten, führte man uns an den Aufbau, die Funktion und die Art und Weise der Verbauung heran. Eine theoretische Einführung gab uns mehr Sicherheit und das nötige Fachwissen im Umgang mit diesem neuen Bauteil.

Die neue Schaltung sollte eine Feuerwarnanlage simulieren. Zwei Sensoren, die bei Erhöhung der Temperatur hochohmiger (Kaltleiter) werden, stellten jeweils ein Triebwerk dar. Zweck der Schaltung war es, durch die Erhöhung der Temperatur am Sensor einen Brand im Triebwerk zu simulieren. Diese Temperaturerhöhung veranschaulichten wir mittels zwei LEDs, eine für das linke und eine für das rechte Triebwerk.

Nachdem wir die Schaltung praktisch umgesetzt hatten, folgte die Inbetriebnahme auf Prüfungsniveau. Als Verantwortlicher für die Schaltung bekamen wir ein Protokoll. Unter den kritischen Augen unseres Ausbilders gingen wir Schritt für Schritt durch den Ablauf der Inbetriebnahme und dokumentierten sie in diesem Protokoll. Nachdem die Schaltung in Betrieb genommen wurde, folgte ein situatives Fachgespräch mit Messaufgaben. Die Leistungen hielt der Prüfer in einem Prüfungsprotokoll fest, aus dem sich später unter Berücksichtigung weiterer Kriterien eine Gesamtnote bildete.

Funktionierte die Schaltung, folgte eine Änderung. Die LED für das linke Triebwerk sollte bei einem Signal für ein ausgebrochenes Feuer nicht nur leuchten, sondern auch blinken. Dementsprechend mussten wir die Platine mit neuen Bauteilen bestücken und auch die Rundbundverdrahtung erhielt eine Leitung als Ergänzung in einer anderen Farbe. Die Umsetzung dieser Funktion war nicht vorgegeben, deshalb zeigte sich, dass es nicht nur eine Lösung für diese Änderung gab. Unsere Platinen wiesen die unterschiedlichsten Bestückungen auf und auch die ergänzte Leitung wurde unterschiedlich verlegt.

Uns wurde bewusst, welcher Aufwand mit einer einfachen Funktionsänderung verbunden war. So wurde die Platine durch die zu ergänzenden Bauteile zunehmend unübersichtlich. Dies führte es dazu, dass bei der Inbetriebnahme einer Schaltung die LED einmal aufleuchtete und dann ihren Betrieb mit Rauchzeichen einstellte. Das Rauchen der LED war keinesfalls eine Zusatzfunktion, sondern ein Zeichen dafür, dass sie überlastet wurde. Die anschließende Fehlersuche ergab einen Bestückungsfehler auf der Platine. Diesen behoben wir, indem wir die defekte LED austauschten. Die nochmalige Inbetriebnahme erfolgte ohne weitere Probleme. Auch dieser Fehler hatte einen hohen Lerneffekt, da die Fehlersuche und das Korrigieren der Schaltung in Eigenregie vorgenommen wurden.

Diese zwei Wochen Praxis lockerten uns ein wenig auf, sodass wir in der kommenden Woche mit Wissensdurst in die Digital-Technik einsteigen können. Was uns dort erwartet - wir werden euch weiter berichten.

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25.10.2016: Theoretische Praxis

Die Auszubildenden führen eine praktische Steckübung durch.
Praktische Steckübung (Quelle: 2016 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Um ausreichend Abwechslung in den Lernalltag zu bringen, standen zwei Wochen Praxis auf dem Stundenplan.

Wir näherten uns in diesen Wochen der Kabelbaumfertigung, der Steckerbestückung sowie der Verlegung der Kabelbäume im Luftfahrzeug noch etwas weiter an. Bevor wir an die komplexeren Schaltungen herangingen, frischten wir unser Erlerntes mit Hilfe verschiedener Vorübungen auf. Dazu gehört zum Beispiel das Löten, welches wir mit dem Anfertigen von Modellfluggeräten wiederholten. Natürlich fertigten wir ein Modell der P-3C „Orion“ an. Als nächstes wurden verschiedene Schaltungssysteme, z.B. Reihen-, Kreuz- und Relaisschaltungen, an den praktischen Steckplätzen aufgefrischt und vertieft.

Jetzt waren wir gewappnet für die kommenden Aufgaben. Wir verlegten geringere Leiterquerschnitte, schlossen Relais, sowie Schalter und Taster an. Die Funktion der Schaltung war vorgegeben, die Verlegung und Realisierung wurde uns überlassen. Nach dem der Ausbilder die von uns angefertigten Skizzen des Aufbaus abgesegnet hatte, fertigten wir einen Plan mit der konkreten Leitungsverlegung an. Nach diesem arbeiteten wir uns durch die Schaltung. Die Inbetriebnahme dieser erfolgte unter der Aufsicht und Anleitung unseres Ausbilders. Um uns erste Einblicke in eine Prüfungssituation zu geben, wurden uns zu unseren Schaltungen, aber auch allgemeine Fragen gestellt. Dieses Verfahren erwartet uns auch in unserer Abschlussprüfung eins und zwei.

Glätten der Lötstellen an den Modellfluggeräten.
Glätten der Lötstellen an den Modellfluggeräten (Quelle: 2016 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Anschließend folgten zwei Wochen theoretische Praxis. Eine Mischung aus theoretischem Unterricht mit praktischen Übungen im Labor. Eines der abgesprochenen Fachbereiche waren die elektrischen Maschinen. Hier wurden wir an die elektrischen Motoren und Generatoren herangeführt. Zunächst wurde uns ihre Funktion und Anwendung näher gebracht, um anschließend in den Laboren mit unseren Erkenntnissen praktische Messübungen durchzuführen. Ein sehr gelungenes Zusammenspiel von Theorie und Praxis , welches den erlernten Stoff noch besser festigt und anschaulicher macht.

Die Funktion und Anwendung eines Oszilloskops (Gerät zum Messen von den physikalischen Größen Spannung und Zeit) war ein weiterer Bestandteil dieser zwei Wochen. Dadurch, dass AIRBUS großen Wert auf die fachlich korrekte Ausbildung legt, gab es genug Oszilloskope, sodass jeder Auszubildende eines bedienen konnte. Es war toll, dass der Unterricht nicht theoretisch blieb, sondern wir jede Funktion, jeden Bedienschalter und dessen Auswirkung Schritt für Schritt nachvollziehen und selbst anwenden konnten. Das selbstständige Arbeiten machte es uns leichter, das Gerät zu verstehen und es später sogar selbstständig zu bedienen.

Unser Resümee nach etwas mehr als sechs Monaten hier in Kassel: Wir verlassen langsam aber sicher die Grundlagen und nähern uns an die Kernsache unserer Ausbildung - dem Luftfahrzeug. In den bisherigen sechs Monaten wurden uns die Grundfertigkeiten aus vielen verschiedenen Bereichen der Elektrotechnik vermittelt, auf welche wir nun weiteres Fachwissen aufbauen und Verknüpfungen zwischen den einzelnen Lehrfächern erkennen.

Ein wichtiger Termin in den kommenden zwei Wochen wird unsere Prognose sein. Hier eröffnet AIRBUS unserem Chef und Spieß unsere bisher geleisteten Noten. Daraufhin haben wir ein Gespräch, in dem uns mitgeteilt wird, ob wir weiterhin hier ausgebildet werden und ob die bisherigen Leistungen den Vorgaben und Vorstellungen der Bundeswehr entsprechen. Wir sind schon sehr gespannt auf das, was uns dort erwartet.

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04.10.2016: Vom Kleinen zum Großen

Zwei junge Soldatinnen sitzen in einem Unterrichtsraum.
Das Erlernte wird in kleinen Übungen gefestigt (Quelle: 2016 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach unserem erholsamen Sommerurlaub sollten wir gleich wieder voll durchstarten. Laut Ausbildungsplan lagen drei Wochen theoretischer Unterricht vor uns.

Wir schlossen die Grundlagen der Elektrotechnik ab und gingen nun ein Stück tiefer in die Materie, genannt: Analog-Technik. Anschauliche, kurze und praktische Übungen, schlossen den Kreis zwischen neu erlangten Fachwissen und der Praxis.

Ein auch zu behandelndes Thema in dieser Theoriephase war der Aufbau und die Funktion eines Kolbentriebwerkes. Natürlich dachte sich jeder Auszubildende als erstes: Elektronik und Kolbentriebwerke, wie und warum hängt das sinnvoll zusammen? Die erste Erkenntnis: gar nicht. Aber auch das Verständnis über die Funktion und Wirkung eines mechanischen Bauteils trägt zum Gesamtverständnis der Funktion eines Fluggerätes bei. Ein guter Elektroniker für Fluggeräte beschränkt sein Wissen nicht nur auf die technisch elektronische Ebene, sondern auch auf die Zusammenwirkung aller Bauteile eines Luftfahrzeugs. So wurden wir an den Aufbau und die Wirkung eines Kolbenmotors mit Hilfe der uns allen bekannten Pkw- Motoren herangeführt. Auch hier wieder: vom kleinen zum großen. Unser Ausbilder für dieses Fach legte viel Wert auf das Verstehen der Zusammenwirkung eines Motors und nicht nur auf das stumpfe auswendig lernen einzelner Bauteile und Begriffe. Durch viele praktische Beispiele und Anwendungen fiel es uns leicht dieses Ziel zu erreichen.

Ein weiteres, überaus wichtiges Thema, war eine umfangreiche Sicherheitsunterweisung durch unseren Klassenlehrer. Hier wurde uns noch einmal eindringlich vor Augen geführt, welche Verantwortung ein Elektroniker, nicht nur für sein eigenes, sondern auch für das Leben dritter trägt. Alles aufgebaut um die fünf Sicherheitsregeln. Diese bestimmen das sichere Arbeiten eines Facharbeiters an elektronischen Bauteilen. Für diese Belehrung unterschrieben wir und verpflichteten uns somit dazu, immer ein besonderes Augenmerk darauf zu legen.

Nach diesen sehr lehreichen und auch anstrengenden Wochen freuen wir uns auf ein paar Woche praktischen Unterricht, um hier auch wieder das erlernte in praktischen Übungen umsetzten zu können. Was uns die Wochen erwartet, wir werden es berichten.

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25.08.2016: Heißes Teil: Lötkolben und Co.

Die beiden Auszubildenden Maaten (BA) nehmen Lötarbeiten vor.
Die beiden Maaten (BA) probieren sich am Lötkolben (Quelle: 2016 Bundeswehr / Löwenstein)Größere Abbildung anzeigen

Bevor es für uns in den lang ersehnten Sommerurlaub zu unseren Liebsten nach Hause ging, stand noch ordentlich Praxis und Theorie auf dem Plan. Nach drei Wochen „groberer Mechanik“ stand das Perfektionieren der Rundbundverdrahtung an. Hier wurden uns durch unseren Klassenlehrer neue Techniken näher gebracht, um noch effektiver arbeiten zu können. Effektiver vor allem im Sinne von hoher Sicherheit und Genauigkeit der Verlegung aber auch mit Blick auf das Zeitmanagement. Bei unseren Prüfungen wird neben der exakten Ausführung, der sauberen Arbeit und das Einhalten der Sicherheitsstandards auch die benötigte Zeit berücksichtigt. Es ging daher vor allem darum, saubere Arbeiten unter Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen und unter zeitlicher Vorgabe abzuliefern. Mit den von unserem Klassenlehrer aufgezeigten Techniken waren schnelle Lernerfolge erkennbar und wir stellten selbst den Unterschied zu unseren vorherigen Arbeiten - mit nun deutlich positiver Verbesserung - fest.

Schnell sollten wir dann ein völlig neues Themengebiet „beackern“ - das Löten. Der Einstieg erfolgte, wie bei allen praktischen Arbeiten, über die Theorie. Hier wurde uns eine Einführung in den Lötkolben an sich und in den Vorgang des Lötens gegeben. Allgemeines wurde besprochen, wie zum Beispiel der Aufbau eines Lötkolbens, die vorhandene Temperatur an der Lötspitze sowie die richtige Vorgehensweise bei einem Lötvorgang.

Wir waren nun bereit für unser erstes Löten. Nachdem wir uns mit der Lötstation und den neuen Materialien vertraut gemacht haben und erste eigene Lötversuche durchgeführt hatten, zeigte unser Klassenlehrer uns die richtige Vorgehensweise. Und siehe da, die Lötstellen wurden genauer und sauberer. So arbeiteten wir uns von einfachen Arbeiten zu immer komplexeren Aufgaben vor.

Nach knapp zwei Wochen Lernphase ging es an das Löten von Platinen. Auf diese brachten wir Leiterbrücken und Widerstände an. Das war die abschließende Arbeit für unseren Lötlehrgang. Rückblickend war es eine sehr komplexe und herausfordernde Zeit, in der wir durch unseren Klassenlehrer immer wieder professionell motiviert und aufgelockert wurden.

An die doch sehr lange praktische Phase des Unterrichts knüpfte nun der theoretische Teil der Elektrotechnik an sowie ein neuer Block, die sog. „Human Factors“, also die menschlichen Faktoren. Dieser Block mit anschließender Prüfung verdeutlichte uns Fehler, die durch die menschliche Hand während des Arbeitsprozesses stattfinden können. In erster Linie galt es aber zu hinterfragen, was zu diesen Fehlern geführt hatte und wie diese in Zukunft vermindert oder sogar vermieden werden können. Natürlich macht jeder Mensch Fehler (wie sagt der Volksmund: „Irren ist menschlich!“), deshalb sollte dieser Lehrgang uns für solche Fehler sensibilisieren und uns über die zu ihnen führenden Prozesse aufklären.

Und dann war er da, der Sommerurlaub! Wir packten unsere sieben Sachen, verließen Kassel und fuhren zu unseren Liebsten nach Hause. Im Gepäck wieder viele neue Eindrücke und Geschichten.

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12.07.2016: Das Haarnetz 2.0

Die beiden Auszubildenden stehen nebeneinander an am Bohrer mit einer Schirmmütze von Airbus auf dem Kopf.
Die beiden Auszubildenden mit dem Haarnetz 2.0 (Quelle: 2016 Bundeswehr / Nils Fronzek)Größere Abbildung anzeigen

Unser neuer Arbeitsplatz für die nächsten drei Wochen war die hauseigene Werkstatt der Airbus Helicopters Training Academy. In der ersten Woche unseres Lehrgangs fand hier ein Teil der Meisterprüfungen statt und wir durften gleich als Probanden zur Verfügung stehen.

Unsere Klasse wurde gesplittet und für uns, als erste Gruppe, hieß es von Montag bis Mittwoch unsere angehenden Meister als Auszubildende zu unterstützten. Für uns als angehende Fluggeräteelektroniker war es eine tolle Chance einen Einblick in die Arbeit und Prüfung eines Meisters zu bekommen.

Ab Donnerstag ging es dann richtig los. Jedem Auszubildenden wurde eine Werkbank mit zugehörigem Werkzeug zugeteilt und auch hier war von Anfang an das „A und O“ die Werkzeugkontrolle. Vor und nach Dienst wurde eine Vollzähligkeits- und Vollständigkeitskontrolle gemacht, für dessen Richtigkeit man in dem Werkzeugkontrollblatt unterschrieb. Durch unseren Ausbilder wurden stichprobenartige Kontrollen der Werkzeugfächer auf Sauberkeit, Ordnung und korrektes Ausfüllen der Kontrollblätter durchgeführt.

Auf einer Werkbank steht ein selbstgebautes Spiel aus Metall.
Vier-Gewinnt mal selbst gebaut und ganz aus Metall (Quelle: 2016 Bundeswehr )Größere Abbildung anzeigen

Unsere Aufgabe für die nächsten Wochen war es, ein Vier-Gewinnt-Spiel anzufertigen. Uns wurden so sämtliche Metallbearbeitungsverfahren, wie zum Beispiel sägen, feilen, bohren, nieten und entgraten, näher gebracht. Jeder Arbeitsschritt wurde durch den Ausbilder erklärt, vorgemacht und anschließend von uns an einem Probestück geübt. An den Maschinen wurden wir dann in Handhabung, Bedienung und Maßnahmen der Arbeitssicherheit eingewiesen. So hieß es an den Drehmaschinen: Schutzbrille und für uns Frauen mit langen Haaren, Haarnetz tragen. Unser Haarnetz beschränkte sich auf eine Kopfbedeckung von Airbus, von uns liebevoll Haarnetz 2.0 genannt. Ebenso war das Tragen von Schmuck wie Ketten, Armbanduhren und Ringen in der gesamten Werkstatt nicht erlaubt. Auf die Sicherheit wurde hier sehr viel wert gelegt, sodass wir nach drei Wochen Handarbeit, mit wieder neuen Eindrücken und Erfahrungen, unversehrt die Werkstatt wieder verließen.

Doch diesen Monat stand noch etwas Besonderes auf dem Plan: unsere Beförderung zum Maat (BA). Kaum zu glauben aber vor einem Jahr hat unsere Grundausbildung begonnen. Es ist atemberaubend was wir alles in nur einem Jahr Dienstzeit erlebt haben und welche Möglichkeiten sich uns boten. Jetzt dürfen wir voller Stolz den neuen Dienstgrad tragen. Es war für uns alle ein schöner Moment und ein tolles Gefühl eine Anerkennung in Form der Beförderung zu bekommen. Zusätzlich haben wir die Beförderung als kleinen Motivationsantrieb gesehen. Somit haben wir nun den Mannschaftsdienstgrad und auch unsere Matrosenuniform hinter uns gelassen. Wir freuen uns auf unsere neue erste Geige.

Nach den drei Wochen Mechanik geht nun der praktische Teil der Elektrotechnik weiter. Das nächste Thema heißt Rundbundverdrahtung. Vom Groben zum Feinen, aber auch den Spagat werden wir meistern.

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08.06.2016: Der Kurzschluss

Die Werkzeugkästen der Auszubildenden werden von den Ausbildern auf Vollzähligkeit geprüft.
Die Werkzeugkästen der Auszubildenden werden von den Ausbildern auf Vollzähligkeit geprüft (Quelle: 2016 Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Wenn uns der praktische Unterricht eines gelehrt hat, dann, dass man immer auf sein Werkzeug aufpassen sollte. In den praktischen Unterrichtseinheiten brauchen wir Zangen, Schraubendreher, Maßband, Multimeter. Diese Werkzeuge befinden sich in einem Werkzeugkoffer, für den jeder selbst verantwortlich ist.

Vor und nach der Arbeit wird der Koffer auf Vollständigkeit und auf Mängel an den Werkzeugen geprüft. Man führt ein sogenanntes Werkzeugkontrollblatt und unterschreibt für die Richtigkeit der Angaben. In den Unterrichtspausen ist der Arbeitsplatz ordentlich und sauber zu hinterlassen, das heißt auch, dass die Werkzeuge wieder in den Koffer geräumt und weggeschlossen werden. Da dieses Vorgehen für die Meisten von uns neu ist, kam es schnell mal vor, dass man im Eifer des Gefechts den Platz unaufgeräumt zurückließ.

Die Ausbilder legen hier viel Wert auf die Schulung der Eigenverantwortung. Werkzeug darf nicht einfach irgendwo ablegt oder liegen gelassen werden. So verschwindet dann mal schnell ein Werkzeug während der Pause. Ist dies doch mal der Fall, muss die gesamte Klasse auf dem Flur eine Werkzeugkontrolle durchführen, bis das fehlende Werkzeug und dessen Besitzer identifiziert sind.

Dieses Vorgehen ist aber keine Schikane, im Gegenteil, es soll uns sensibilisieren. Das Arbeiten an Fluggeräten ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Nur ein liegen gelassener Schraubendreher kann im schlimmsten Fall zum Absturz eines Luftfahrzeugs führen. Um ein sicheres Arbeiten und die volle Funktionsfähigkeit des Luftfahrzeuges gewährleisten zu können, lernen wir hier schon früh den korrekten Umgang mit Werkzeugen.

Aber auch die praktischen Wochen neigten sich allmählich dem Ende zu. Das folgende doch sehr theorielastige Thema wurde durch praktische Übungen aufgelockert und so lernten wir die Messtechnik kennen. Das Thema wurde theoretisch eingeleitet indem uns grundlegende Formeln sowie der Aufbau verschiedener Stromkreisformen näher gebracht wurden. Nachdem wir theoretisch alles berechnen konnten, überprüften wir diese Werte in der Realität: Stromkreise anschließen - Strom, Widerstände und Spannung überprüfen. Und der große „Aha-Effekt“: tatsächlich stimmten die Werte überein!

Natürlich gab es hier und da einige Fehler. Der größte anzunehmende Fehler: ein Kurzschluss. Plötzlich zeigte das Multimeter keinen Messwert mehr an, sondern das Wort „fuse". In jeder Elektronikerausbildung passiert das öfter, aber die Hersteller sorgten vor, indem man lediglich eine neue Sicherung in das Multimeter setzten muss.

Hier geht der Ausbilder zusammen mit den „Verursachern“ auf Fehlersuche. Wir sollen verstehen und nachvollziehen, wie es dazu kommen konnte. Jeder macht anfangs Fehler, darum sind wir auch in dieser Ausbildung, um zu lernen wie es richtig geht.

Ein weiteres Highlight der Wochen war das Kennenlernen unseres Klassenlehrers. Wir haben eine kleine Vorstellungsrunde gemacht und weitere Eckdaten zu dem Ablauf unserer Ausbildung bekommen.

Auch wenn wir hier voll mit der Ausbildung beschäftigt sind, verlieren wir nicht den Kontakt zu unserer Stammeinheit. Wir haben uns sehr über unser neues Staffelpatch gefreut und vor allem darüber, dass auch in der Ferne an uns als Kameraden und Teil der Einheit gedacht wird! Deshalb hier von uns ein großes Dankeschön an die MFG 3 Teileinheit Avionik P-3C!

Demnächst steht unser erster Werkstofflehrgang an. Drei Wochen lang werden uns Fertigkeiten, beispielsweise Sägen, Fräsen und Feilen, vermittelt. Hier heißt es für uns arbeiten in der hauseigenen Werkstatt mit uns noch unbekannten Werkzeugen und Maschinen. Wir sind schon sehr gespannt auf diese neue Herausforderung und blicken daher erwartungsvoll auf die nächsten Wochen.

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11.05.2016: Alles halb so wild

Die ersten Wochen sind vergangen und auch die ersten Leistungsnachweise sind schon geschrieben. Alles ging Schlag auf Schlag.

Die meiste Zeit verbrachten wir im Unterrichtsraum und haben Grundwissen vermittelt bekommen. Von Werkstoffkunde, über die einzelnen Bestandteile eines Flugzeugs und dazugehörige Fachbegriffe, bis hin zur Aerodynamik und der großen Frage: Wieso fliegt ein Flugzeug überhaupt?

Natürlich folgten auf abgeschlossene Themengebiete die unumgänglichen Tests. Gleich in den ersten Wochen wurde unser Wissenstand anhand von mehreren Prüfungen abgefragt und benotet. Dadurch bekamen wir die verkürzte Ausbildungszeit in vollem Umfang zu spüren. Aber es macht uns Spaß und das lässt das Lernen leichter von der Hand gehen.

Nach theoriereichen Wochen ging es dann endlich in die Werkstatt. Praxis stand auf dem Stundenplan. Was genau uns erwartete konnten wir nur erahnen. Aber es kam alles halb so wild. Auch hier wurden uns zunächst die Grundfertigkeiten vermittelt. Der Werkzeugkoffer und dessen Inhalt wurde uns näher gebracht, sowie die ersten Arbeiten an Leitungen. Hier konnten wir nun unsere Fingerfertigkeiten beweisen, verbessern und weiterentwickeln. Auf jeden Auszubildenden wurde individuell eingegangen, sodass wir alle auf dem gleichen Stand waren und an neue Übungen herangehen konnten.

Schnell zeigten sich erste Lernerfolge in unserer Klasse. Anfängliche Vorübungen wurden erfolgreich bei einer abschließenden Übung angewandt und Schaltkreise funktionierten. Auch nach den ersten Monaten überwiegt weiterhin deutlich der theoretische Teil unserer Ausbildung, doch die Praxis erhält stetig mehr Anteil.

Die Kamerad- und Hilfsbereitschaft in der Klasse ist ok, wir verstehen uns gut. Jedoch merken wir immer wieder, dass wir als Frauen hier in einer Männerdomäne etwas Besonderes sind. Aber darauf haben wir uns schon vor Beginn der Ausbildung eingestellt.

Das erste lange Wochenende rückte immer näher und über die paar zusätzlich freien Tagen waren wir nach den neu erlernten Fertigkeiten und geschriebenen Leistungsnachweisen mehr als froh.

Mit neuer Energie und freiem Kopf geht es nun in die nächsten Wochen.

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20.04.2016: Kassel, wir kommen!

Die beiden Obergefreiten (OA) Jennifer Hubert und Tessa Masch sitzen das erste Mal im Theorieunterricht.
Erster Schritt: theoretische Ausbildung (Quelle: 2016 Bundeswehr / Mediendesign)Größere Abbildung anzeigen

Es war soweit: Am 4. April reisten wir in Kassel an. Zunächst anmelden im Stabsgebäude, danach hieß es erstmal warten. Die Personalakte wurde auf Vollständigkeit geprüft, Unterlagen mussten ausgefüllt werden und wir bekamen unsere Stubenschlüssel ausgehändigt. Dann durften wir uns endlich etwas „häuslich einrichten“, denn für fast zwei Jahre werden wir hier zu Hause sein. Dabei wurden wir vom Personal mit Rat und Tat unterstützt. Wir fühlten uns direkt wahr- und aufgenommen.

Für die erste Orientierung bekamen wir noch eine Karte der Liegenschaft mit, welche uns einen ersten Überblick über das Gelände verschaffen sollte. Tatsächlich war das Gelände ziemlich übersichtlich. Gleich den ersten Nachmittag nutzen wir um Kassel und seine Einkaufsmöglichkeiten zu erkunden. Unweit von unserem neuen „Zuhause“ befindet sich der Hauptbahnhof, zwei Fastfood-Ketten und ein Fitnesscenter. Auch die Innenstadt, mit zahlreichen Shoppingmöglichkeiten und diversen Lebensmittelmärkten, ist nur ein paar Fahrminuten entfernt. Der erste Tag neigte sich dem Ende zu und mit vielen Erkenntnissen, aber auch Erwartungen fanden wir den Weg auf unseren „Bock“.

Am nächsten Morgen fanden wir uns mit unseren neuen Kameraden in einem Besprechungsraum ein. Hier gab es die Einweisung für unsere kommende Zeit am Dienstort durch unseren Spieß: die Anwesenheit wurde überprüft, Unterrichts- und Dienstzeiten, Verhalten auf dem Gelände, die Hausordnung und alles was ein Soldat über seinen neuen Dienstort wissen sollte, wurde uns zugetragen. Ebenfalls wurden wir in zwei Klassen unterteilt: zum einen in die Gruppe der Fluggerätemechaniker und zum anderen in die Fluggeräteelektroniker. Des Weiteren begrüßte uns das Unternehmen AIRBUS durch den Ausbildungsleiter, sowie dessen Vertreter und unsere zugeteilten Klassenlehrer. Mit diesen erkundeten wir klassenweise unsere Ausbildungseinrichtungen.

Der Vormittag verstrich wie im Fluge und ehe wir uns versahen war auch schon die Mittagszeit angebrochen. In der Küche der Ausbildungseinrichtung wird noch wert auf frische und ausgewogene Ernährung gelegt, worauf der Leitende der Küche, liebevoll Lothar genannt, natürlich stolz ist und wie wir finden auch stolz sein kann. Das Küchenpersonal setzt Vorschläge und Wünsche sofort in die Tat um. Der einzelne Soldat steht hier im Vordergrund und das merkt man. Von uns an dieser Stelle ein großes Lob an die Organisation und die ständige Leistungsbereitschaft des Küchenpersonals!

Nach der Mittagspause ging es zurück in den Klassenraum und der erste Unterrichtsstoff wurde vermittelt. Von nun an waren wir mitten drin in unserer Zivilen Aus- und Weiterbildung, kurz ZAW. Ab Mitte der Woche pendelte sich der Tagesablauf der ZAW allmählich ein.

Obwohl wir uns in einer zivilen Ausbildungseinrichtung befinden, kann man ein Hauch Militär jeden Montag und Donnerstag spüren: An diesen Tagen findet ein Antreten vor dem Stabsgebäude statt. Hier erfahren wir alle wichtigen Änderungen und Endscheidungen durch unseren Spieß.

Und so neigte sich die erste Woche dem Ende und wir fuhren mit vielen Eindrücken in die Heimat, wo unsere Familien und Freunde schon sehnsüchtig auf uns und unsere Erzählungen warteten.

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Vorstellung: Vor dem Meister kommt erst der Geselle

Die beiden angehenden Fluggeräteelektronikerinnen.
Die beiden angehenden Fluggeräteelektronikerinnen (Quelle: 2016 Bundeswehr / Bilal Bektas)Größere Abbildung anzeigen

Am 1. Juli 2015 begannen Jennifer Hubert und Tessa Masch ihre allgemeine Grundausbildung (AGA) in der 7. Inspektion der Marineunteroffiziersschule in Plön. Hier stellten sie schnell fest, dass Grundausbildungsklischees Schnee von gestern sind. Denn nicht nur in die Büros, sondern auch in die AGA hat die 41-Stunden-Woche Einzug gehalten. „Ein Pilotprojekt. So durften alle Rekruten an jedem Wochenende, auch dem ersten nach Hause, wenn sie wollten“, berichten sie.

Nicht nur die beiden Soldatinnen, die sich seit ihrem Dienstantritt eine Stube teilten, haben sich in Plön gesucht und gefunden: „In der Grundausbildung ist unser ganzer Zug so eine Art Familie geworden“, schwärmen sie. „Wir haben alles zusammen gemacht. Auch nach Dienstschluss sind alle gemeinsam losgezogen, sodass ein extrem großer Zusammenhalt entstanden ist. Sogar für unsere Ausbilder war der Zusammenhalt unseres Zuges überdurchschnittlich groß“, erzählen sie weiter. Diesem ausgeprägten Gemeinschaftsgefühl ist es wohl auch geschuldet, dass selbst in den widrigsten Situationen die Frustration nicht wirklich Oberhand gewinnen konnte.

Einen Einblick in diese andere Welt, in der die beiden jetzt „dienen“, erhaschten ihre Familien bei der Vereidigung im August 2015. „Unsere Mütter haben sich gewundert, wie anders und ernsthaft wir uns in Uniform verhalten. Dass wir still stehen müssen und nicht begeistert zurückwinken können, war auch neu für sie“, berichten die beiden lachend. Aber die Familien konnten auch den Stolz erkennen, den die gesamte 7. Inspektion ausstrahlte. „Wir haben die Grundausbildung als Gruppe gemeistert und niemand war bei uns auf der Strecke geblieben!“, erklären sie zufrieden.

Nach der Grundausbildung stand für die angehenden Avionikerinnen ein einmonatiges Praktikum in ihrer späteren Einheit, der technischen Staffel beim Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“, an. Nach dem anfänglichen „Kulturschock“ stellten sie schnell fest, woran es lag, dass in der Grundausbildung erlernte militärische Gepflogenheiten hier fehl am Platz sind. „Die Avioniker sind eine sehr kleine Familie und die übrigen Techniker immer noch entfernt Verwandte“, erklären sie. Dadurch sprechen sich alle mit Vornamen an, unabhängig vom Dienstgrad. Obwohl sie hier eine völlig andere Marinewelt begrüßte, als in Plön, fühlten sich die beiden auch hier wieder sofort aufgenommen und willkommen. Während ihres Praktikums erhielten die beiden einen ersten Einblick in die Größe ihres neuen Standortes und konnten gespannt alle Starts und Landungen aus der Werft heraus beobachten.

Im November und Dezember 2015 stand der erste Teil des Bootsmannlehrgangs an. Hierzu kehrten die beiden nach Plön zurück, um erste Führungsqualifikationen zu erwerben.

Seit Januar 2016 befinden sie sich erneut im Marinefliegerstützpunkt Nordholz, um vor ihrer Zivielen Aus- und Weiterbildung (ZAW) bei der Airbus Helicopters Training Academie weitere Erfahrungen zu sammeln. Am 1. April war es dann soweit: Ihre zivile Ausbildung begann. Was sie dort erwartet? „Wir wissen, wann wir wo sein sollen, mehr nicht“, geben die beiden ein wenig enttäuscht zu. „Wir haben lange recherchiert und stundenlang Google gequält, um mehr Details über die ZAW zu finden, aber Fehlanzeige“, berichteten sie.

Genau hier soll ihr Blog zukünftig Abhilfe schaffen. So können sich Interessierte ein Bild von ihrem Ausbildungszweig als Fluggeräteelektroniker und auch dem Ablauf dieser ZAW machen.

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Stand vom: 03.01.18 | Autor: 


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