Startseite Bundeswehr

Sie sind hier: Startseite > Über uns > Berichte zu den Einheiten > Fregatten > Brandenburg-Klasse F 123 > Fregatte Bayern (F 217) > Berichte der Fregatte Bayern > Schneller Delphin 2017: Eine Übung der ganz besonderen Art

Schneller Delphin 2017: Eine Übung der ganz besonderen Art

In See, 01.09.2017.
Höchste Konzentration: Im Rahmen der Übung „Schneller Delphin 2017“ trainierten Einheiten der Deutschen Marine erstmalig die gemeinsame Rettung von verwundeten Kameraden nach einem Uboot-Unfall.

Zwei männliche Personen auf einem Kreigsschiff, einer davon hält eine gelbe Karte in der Hand, wo die Verwundungen des anderen vermerkt sind.

Die Verwundungsmuster sind auf sogenannten „Rollenkarten“ angegeben (Quelle: 2017 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Es liegt Spannung in der Luft. Bei strahlendem Sonnenschein, kaum Wind und wenig Wellengang fand in der Eckernförder Bucht die Übung „Schneller Delphin 2017“ statt. Viele verschiedene Einheiten der Deutschen Marine trainierten bei diesem Ereignis den Ernstfall: Die Rettung ihrer Kameraden aus einem verunglückten Uboot.

Unaufmerksamkeit kann Leben kosten

Zunächst jedoch herrscht an diesem Morgen das geschäftige Treiben noch nur im Bordinneren, so wie auf der Fregatte „Bayern“. Nach dem Auslaufen aus dem Marinestützpunkt Kiel konzentriert sich die Besatzung zunächst auf ihr Tagesgeschäft, doch lag bereits hier Anspannung in der Luft. Denn eins war allen bewusst: am heutigen Tag wird etwas passieren, was der gesamten Crew ein perfektes Zusammenspiel und absolute Einsatzbereitschaft abverlangen wird. Ruhiges und rationales Handeln in einer absoluten Extremsituation: das sollte beim „Schnellen Delphin 2017“ trainiert werden. Als Teil dieser Übung erreicht die „Bayern“ um 08:30 Uhr der Befehl, Kameraden eines verunfallten U-Bootes aufzunehmen.

Realistisches Üben

Bald schon beginnt die Übung an Tempo zuzulegen. Während sich die „Bayern“ dem Unglücksort nähert, werden die beiden „Boomeranger“, Schlauchboote mit einem Jet-Antrieb, für die Rettungsaktion vorbereitet. Immer mit an Bord: ein ausgebildeter Marinetaucher. Gleichzeitig wird im Ausguck bei der Brücke die Wasseroberfläche systematisch abgesucht. Nichts darf hier übersehen werden. Denn in einer realen Situation kann hier die kleinste Unaufmerksamkeit Leben kosten. Einige Minuten herrscht auf dem Schiff eine konzentrierte Stille, dann plötzlich wird die „Bayern“ fündig. In der Ferne ist eine orangene Rettungsinsel in Sicht. Einige Verletzte treiben im Wasser, nur geschützt durch ihren speziellen Rettungsanzug SPES Solandri. Wiederum andere konnten sich noch auf die Rettungsinsel retten. Doch alle haben eins gemeinsam: Sie mussten ihr Uboot aufgeben. Aufgrund eines Unfalls an Bord war es nicht mehr zu halten gewesen. Der Ausstieg über Wasser und eine Rettung durch die Kameraden des Verbandes wird nötig. Der Kommandant der Fregatte reagiert sofort: Einer der „Boomeranger“ wird zu Wasser gelassen und eilt den Verunfallten zu Hilfe. Auch das Sanitätspersonal macht sich bereit. Noch ist nicht bekannt, in welchem Zustand die Soldaten sind. Nur eins gibt das Szenario vor: Die Verunglückten sind schon zwei Stunden „gespielt“ im Wasser.

Ein Beiboot nähert sich einer Rettungssinsel auf See.

Rettung der Seemänner durch ein Speedboot. (Quelle: 2017 Bundeswehr / Steve Back)Größere Abbildung anzeigen

Nicht lange und das Speedboot kehrt mit den ersten beiden Verletzten zurück. Das Gesicht eines der Männer ist schmerzverzehrt und voller Ruß. Seine Muskeln zittern, die Arme hält er an den Oberkörper gepresst, während er vor Schmerzen stöhnt. „Es ist alles gut, du bist auf der „Bayern“ und in Sicherheit“, versuchen ihn die Kameraden an Oberdeck zu beruhigen. Der andere Verunfallte ist ansprechbar, er klagt über Atemnot und Schmerzen im Brustbereich. Schnell eilen die Sanitätskräfte herbei. Der Schiffsarzt und seine Sanitätshelfer lösen die Kameraden ab und überprüfen routiniert den Zustand der Verletzten. Der Schiffsarzt gibt schließlich den Befehl die Verunglückten in den Bauch des Schiffes zu verlegen. Dort können die schweren Brandverletzungen, sowie mögliche Rippenfrakturen versorgt werden. Und auch das Oberdeck muss frei bleiben. Denn es kommen noch mehr Verletzte mit dem Speedboot.

Jede Hand wird gebraucht

Eine männliche Person wird innerhalb eines Kriegsschiffes abgeborgen.

Abbergung eines verwundeten Soldaten (Quelle: 2017 Bundeswehr / Caroline Lindner)Größere Abbildung anzeigen

Im Schiffsinneren geht es mit der Behandlung direkt weiter. Hier wurden die Aufenthaltsräume bereits im Vorhinein zu provisorischen Behandlungsräumen umfunktioniert. Sofort sieht man, wie professionell mit einem Massenanfall an Verletzten umgegangen wird. Medizinisches Gerät steht bereit, Berge von Decken wurden rangeschafft und literweise heißer Tee gekocht.

Eine Männliche Person legt bei einer weiteren männlichen Person eine Blutdruckmanschette am rechten Arm an.

Anlegen einer Blutdruckmanschette durch den Schiffskoch (Quelle: 2017 Bundeswehr / Caroline Lindner)Größere Abbildung anzeigen

All dies wird auch schon bald gebraucht: Nach und nach bringt der „Boomeranger“ weitere Verletzte an Bord, sodass die gewollte Stresssituation perfekt simuliert ist. Unter den strengen Blicken der Schiedsrichter des Marinesanitätsdienstes wird ein geretteter Soldat nach dem Anderen von der Crew der „Bayern“ behandelt. Dabei stehen vor allem die Köche an Bord in besonderer Verantwortung. Denn sie haben eine vertiefte Ersthelferausbildung um in solchen Extremsituationen den Schiffsarzt unterstützen zu können. Auch zeigt sich hier, wie wichtig eine eingeschworene Besatzung und gute Teamarbeit in solchen Extremsituationen ist.

Eine völlig neue Herausforderung

Zwei männlche Personen in einem Beiboot werden durch eine weibliche Person auf einem Schiff aufgenommen.

Eine Funktion des Rettungsanzugs ist, dass er sich im Notfall von innen mit Luft füllt und den Soldaten so vor dem auskühlen schützt (Quelle: 2017 Bundeswehr / Caroline Lindner)Größere Abbildung anzeigen

Noch nie in der Geschichte der Marine wurde ein Uboot-Unfall so realistisch und aufwendig geübt. Dabei stellte eine Übung dieser Art und mit diesem Szenario für alle an diesem Tag eine völlig neue Herausforderung dar. Vor allem das Aufnehmen der Kameraden aus dem Wasser stand hierbei im Vordergrund. Denn der spezielle Rettungsanzug der Uboot-Fahrer, der rote SPES Solandri, verändert die Möglichkeiten, wie die Kameraden aus dem Wasser gezogen werden können.

Neben der Bayern waren jedoch noch andere Einheiten der Deutschen Marine an der Übung beteiligt: Der Tender „Elbe“, die Hohlstablenkboote „Siegburg“ und „Pegnitz“, das Minenjagdboot „Datteln“ sowie ein Helikopter der Klasse „Sea KingMK41.

Ein Lob an alle Beteiligten

Die Übung „Schneller Delphin 2017“ endete schließlich am Nachmittag mit dem Einlaufen in Kiel. Gleich darauf wurde die Übung ausgewertet und der Tag resümiert. „Mit der Leistung der Besatzung bin ich sehr zufrieden“, bewertete der Kommandant der „Bayern“ Fregattenkapitän Marcus Brüggemeier den Tag. „Wir haben eine ähnliche Situation letztes Jahr beim Einsatz EU Atalanta gehabt, wo wir neunzig Personen mit aufgenommen haben und es war schön zu sehen, dass die Organisation reibungslos funktioniert hat und alles sicher und unter den Rahmenbedingungen kontrolliert abgelaufen ist.“ Und auch der Marinesanitätsdienst zeigte sich zufrieden. „Die Darstellung ist gut gelungen“, zog Flottenarzt Dr. Ulrich van Laak Bilanz. Er hatte die Übung konzipiert und unter der Führung des Admiralarztes Dr. Stephan Apel überwacht. Weitere Ärzte und Sanitäts-Meister aus der Flotte und vom Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine unterstützten die beiden dabei. „Generell kann man allen Beteiligten ein Lob aussprechen, was die Zusammenarbeit angeht“, fügte van Laak noch hinzu. „Gerade vor dem Hintergrund des noch nie Geübten ist es super gelaufen. Und vor allen Dingen -was der Sinn des „Schnellen Delphins“ grundsätzlich ist - auch zu zeigen, wo man Nachsteuern muss, um die Effizienz zu verbessern.“

Zufriedenheit am Ende

Die Übung „Schneller Delphin 2017“ stellte nicht nur die Besatzung der „Bayern“ vor völlig neue Herausforderungen. Auch auf den anderen Einheiten wurde den ganzen Tag über alles gegeben, um die verunfallten Kameraden zu bergen. Mithilfe eines koordinierten Vorgehens erfüllten die Besatzungen, trotz hoher Belastung, den Auftrag: Alle verletzten Kameraden wurden gerettet.


Fußzeile

nach oben

Stand vom: 06.09.17 | Autor: 


http://www.marine.de/portal/poc/marine?uri=ci%3Abw.mar.ueberuns.einheiten.fregatten.brandenburg.f217.berichte&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB070000000001%7CAQSB8J896DIBR