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Werftlieger: Frischzellenkur für die „Berlin“ - Teil 1

Hamburg, 31.03.2017.

Eines der drei größten Schiffe der Marine, die „Berlin“, liegt routinemäßig für knapp anderthalb Jahre in der Werft. Der 18 Jahre alte Einsatzgruppenversorger wird grundlegend überholt. Überraschungen sind eingeplant.

Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ liegt trocken und auf einer Seite eingerüstet in der Werft für anstehende Wartungsarbeiten.
Der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ für Wartungsarbeiten in der Werft (Quelle: 2017 Bundeswehr / Alexander Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen

Hoch und trocken liegt die „Berlin“ im Schwimmdock der Hamburger Norderwerft. Von außen kann niemand erahnen, was hier vor ihm liegt. Verpackt hinter Gerüst und Folie verbirgt sich der Einsatzgruppenversorger (EGV) vor neugierigen Blicken – und sieht aus wie 1995 das Reichstagsgebäude, vom Künstler Christo in Polypropylen verpackt. Ein Kunstwerk wird das Schiff aber nicht, es gibt einen ganz praktischen Grund. „Die Abdeckung wird benötigt, um alle Arbeiten am Schiff witterungsunabhängig vornehmen zu können“, erläutert der Kommandant der „Berlin“, Fregattenkapitän Sven Hikele.

Allein vier Wochen hat schon der Aufbau des Gerüsts gebraucht, nachdem das Schiff im September letzten Jahres im Dock festgemacht hatte. Doch so bald wird der EGV die Werft auch nicht verlassen. Die 1999 vom Stapel gelaufene und 2001 in Dienst gestellte „Berlin“ befindet sich in etwa auf der Hälfte ihrer Nutzungsdauer bei der Deutschen Marine. Ähnlich wie bei jeder Autoinspektion, sind, lebensalter- oder laufleistungsbedingt, bestimmte Wartungsarbeiten erforderlich. Bei der Marine ist das die planmäßige sogenannte große Zwischeninstandsetzung.

Die eingepackte „Berlin“ mit dem Kommandanten, Fregattenkapitän Hikele im Vordergrund.
Voll eingepackt - der Einsatzgruppenversorger „Berlin“ mit dem Kommandanten, Fregattenkapitän Hikele (Quelle: 2017 Bundeswehr / Alexander Gottschalk)

15 Tonnen Stahl zusätzlich

Nach 16 Jahren Dienstzeit müssen schon einige Dinge ausgebessert oder erneuert werden“, so der Kommandant. So werden unter anderem in den letzten Wochen die E-Motoren ausgebaut, die Ruderblätter und die Schiffspropeller abmontiert sowie zwei neue Bordkräne installiert.

Zur selben Zeit bekommt die „Berlin“, wie schon ihr Schwesterschiff „Frankfurt am Main“ vor zwei Jahren, eine Bugverstärkung. „Das erfüllt die Anforderungen an eine höhere Belastbarkeit gegen Seeschlag“, erklärt Hikele. Hier werden 15 Tonnen Stahl in Form mehrerer zusätzlicher Spanten verschweißt. Der Bug der „Berlin“ wird dadurch belastbarer, wenn das Schiff bei schwerem Wetter durch große Wellen stampft und diese Seewassermassen gegen den Rumpf und Oberdeck schlagen.

Als erster der drei EGV der Deutschen Marine erhält die „Berlin“ ein modernes Beiboot mit geschlossenem Dach, das das Versorgungsschiff als Ergänzung zu seinen Speedbooten nutzen soll. „So eine gedeckte Pinasse ist ideal, etwa um Menschen aus dem Wasser zu retten. Die sind dann direkt in einer warmen, geschützten Umgebung. Die Pinasse brauchen wir aber auch für Bootstransfers von Schiff zu Schiff oder wenn wir vor Anker liegen“, erläutert der Kommandant die Vorteile des neuen Fahrzeugs.

Arbeiter schweißen im Vorschiff.
Schweißarbeiten im Vorschiff (Quelle: 2017 Bundeswehr / Alexander Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen

Reparaturen und Folgereparaturen

Leider entdecken die Ingenieure der Werft bei ihrer Inspektion auch unerwartete Schäden, die für Verzögerungen der Bau- und Reparaturmaßnahmen sorgen: beispielsweise Korrosion in den Stevenrohren. In ihnen liegt die Antriebswelle des Schiffes. Dass hier Seewasser von außen eindringt und für Rost sorgt, ist völlig normal, aber das Ausmaß kann man nur in der Werft bestimmen.

Diese nötige Reparatur zieht weitere nach sich. Die Stevenrohre verlaufen auf der Strecke zwischen Getriebe und Propeller durch Frischwasserzellen, die, nach dem Entfernen der Korrosionsschäden, wieder eine besondere Innenbeschichtung benötigen. Einschließlich Aushärten nimmt das Neubeschichten bis zu 60 Tage in Anspruch. „Wir befinden uns schon bei Änderung 35 in der Werftinstandsetzungsliste, aber das ist vollkommen normal“, zeigt sich Hikele unbesorgt.

Auch anderswo im Schiffsinnern ist vieles verkleidet oder abgehängt. Die Unterkunftsräume werden modernisiert, die Kombüse erhält einen neuen Bodenbelag, und abgenommene Deckenverkleidungen und Fußböden offenbaren den Blick auf Hohlräume mit vielen Rohrleitungen und dicken Kabelsträngen. Alles das muss überprüft werden. Alle 14 Tage überprüfen deshalb die Verantwortlichen der Instandsetzungsgruppe des Marinearsenals und anderer technischer Dienststellen bei einer Werftstatusbesprechung, ob die Maßnahmen nach Plan verlaufen.

Das Heck von unten ohne Schiffsschrauben.
Das Heck ohne Schiffsschrauben (Quelle: 2017 Bundeswehr / Alexander Gottschalk)Größere Abbildung anzeigen


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Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


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