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Technische Daten

Planung und Entstehung der „Gorch Fock“-Klasse

Das Hauptruder der „Gorch Fock“.

Das Hauptruder der „Gorch Fock“ (Quelle: © Bundeswehr / „Gorch Fock“)Größere Abbildung anzeigen

Dass der Hamburger Werft Blohm & Voss mit dem Entwurf und dem Bau der „Gorch Fock“ I 1932/1933 ein großer Wurf gelungen war, wurde schon sehr schnell erkannt. Die Aufträge zum Bau weiterer Segelschulschiffe der gleichen Klasse zeigen dieses sehr deutlich; ein nächster Beweis ist die Tatsache, dass alle vor dem Krieg abgelieferten Schiffe heute noch im Dienst sind, auch wenn sie nun fast doppelt so alt wie unsere heutige „Gorch Fock“ sind. Es überrascht deshalb nicht, dass sich die Deutsche Marine bei ihrem Wiederaufbau nach dem Krieg wieder für ein Segelschulschiff dieser Klasse entschied.

War man schon 1932 durch den Untergang der „Niobe“ auf die Notwendigkeit größerer Schiffssicherheit aufmerksam geworden, so wurde auch die Planung der „Gorch Fock“ II durch einen tragischen Unfall, den Untergang des Handelsseglers „Pamir“ am 21. September 1957, überschattet. Weitere schiffbauliche Änderungen zur Erhöhung der Sicherheit waren die Folge.

Somit ist die heutige „Gorch Fock“ im Grundsatz zwar ein Nachbau der „Albert Leo Schlageter“, die selbst schon damals für zwei Jahrzehnte das Modernste im Segelschiffbau verkörperte, aber in ihr stecken weitere Erfahrungen bezüglich der Sicherheit, der Verwendung moderner Materialien und neuer Fertigungsmethoden.

Der ursprüngliche Entwurf dieser Segelschiffsklasse ging auf Anforderungen zurück, die nach dem Untergang der „Niobe“ von der Reichsmarine gestellt worden waren. Dieses betraf hauptsächlich die Anfangsstabilität und die Hebelarmkurve, die selbst bei einer Neigung des Schiffes von 90 Grad ein aufrichtendes Moment forderte. Auch wurde verlangt, dass die Aufbauten absolut wasserdicht sein sollten.

Die neue „Gorch Fock“

Zu diesen Forderungen kamen nun weitere von seiten der Deutschen Marine hinsichtlich besserer Schottenunterteilung, Kentersicherheit, Leckstabilität, Rettungsmittel, Funkeinrichtung und Feuersicherheit; teilweise wurden die Pläne für die „Gorch Fock“ nach dem Untergang der „Pamir“ noch kurzfristig geändert.

So wurde 1958 mit der neuen „Gorch Fock“ eines der sichersten Schiffe überhaupt gebaut und abgeliefert, dem man beruhigt die jungen Kadetten anvertrauen konnte.

40 Jahre sind seither vergangen, und auch diese, für ein solches Schiff nicht lange Zeit, ist nicht spurlos an unserer „Gorch Fock“ vorübergegangen.

So wurden 1985 während eines sechsmonatigen Werftaufenthaltes bei den Howaldtswerken-Deutsche Werft AG in Kiel die Rettungseinrichtungen optimiert, die Unterkünfte, Küchen- und Sanitäreinrichtungen modernisiert, wieder einmal das Tauwerk erneuert und Platten im Rumpf ausgewechselt. Der verringerte Personalbedarf der Marine machte es auch möglich, zusätzliche Gemeinschaftsräume zu schaffen und die Spinde der Kadetten zu vergrößern.

Bei den gewohnten Hängematten blieb es allerdings. Für größeren Komfort sorgt seit 1989 ein neuer Frischwassererzeuger, der auch die zehnfache Kapazität des Alten besitzt und bei der Körperreinigung nicht mehr den tropfenweisen Wassereinsatz erforderlich macht. Bilgenwasserentöler, Aufbereitungsanlagen für Abort- und Schmutzwasser sowie eine Müllpresse machten das Segelschiff noch umweltfreundlicher.

Zuletzt wurde dann im Jahr 1995 die Antriebsanlage auf den neuesten Stand gebracht, indem der 1991 eingebaute Antriebsdiesel jetzt auch eine neue Wellenanlage und einen neuen Propeller bekam. Außerdem wurden die Kombüse, die Navigationseinrichtungen und die Funkanlage weitestgehend erneuert und dem Stand der Technik angepasst.

Die Abmessungen

Die „Gorch Fock“ ist eine Bark, das heißt: Fock und Großmast sind rahgetakelt, während der Besanmast Schratsegel führt. Die Höhen des Fock- und Großmastes betragen je etwa 45,30 m, die des Besanmastes liegt bei etwa 40,00 m über der Wasserlinie.

Die Bramstengen der beiden vorderen Masten sind zum Fieren eingerichtet, um das Befahren des Nord-Ostsee-Kanals zu ermöglichen. Die größte Rahlänge beträgt 24 m. Die Gesamtfläche der aus insgesamt 23 Segeln bestehenden Besegelung betrug anfangs 1.952 qm, als Material wurde Flachstuch benutzt.

Inzwischen erhielt das Schiff weitere „Gamituren“ mit leicht verändertem Schnitt, dadurch erhöhte sich die Segelfläche auf rund 2.000 qm; die Segel bestehen inzwischen aus synthetischem Material, wie auch das zuerst verwendete Manila- und Hanftauwerk im laufenden Gut mittlerweile vollständig durch Kunstfasertauwerk ersetzt wurde.

Hauptabmessungen des Rumpfes

  • Länge (ohne Bugspriet) 81,26 m
  • Seitenhöhe 7,30 m
  • Länge über Bugspriet 89,32 m
  • Tiefgang 5,5 m
  • Breite 12,00 m
  • Verdrängung 1.760 t
  • Kielwasserlänge: 65,42 m
Der Rumpf entspricht somit in allen Abmessungen dem der „Albert Leo Schlageter“ und ist wie dieser aus Stahl gefertigt, wie im übrigen auch die Aufbauten- jedoch wurde zum Zwecke der Isolierung, der besseren Handhabung und zur Erhöhung der Wohnlichkeit viel Holz im und am Schiff verwendet.

Maschinenanlage

Die Maschinenanlage der „Gorch Fock“ ist in zwei Räumen untergebracht: Die Antriebsmaschine, das Untersetzungsgetriebe und die Verstellpropelleranlage, sowie der Frischwasserbereiter und die Warmwasseranlage liegen im hinteren, die Dieselgeneratoren und die See- und Frischwasserpumpen liegen im vorderen Raum.

Während einer weiteren längeren Werftzeit 1991 von knapp vier Monaten wurde die gesamte Antriebsanlage, sowie die Energieerzeugung einschließlich der Hauptschalttafeln und zu großen Teilen die Verkabelung erneuert. Dazu erhielt das Schiff erstmals eine kombinierte Luftkühl- und Luftheizanlage, die nun bei Außentemperaturen zwischen -15°C und +32°C eine Innentemperatur zwischen 20°C und 27°C gewährleisten soll.

Schließlich wurde noch das beim Bau im Sinne des Feuerschutzes und zur Isolierung reichlich verwendete Asbest wegen der inzwischen bekannten Gefahren für die Gesundheit entsorgt und durch geeignetere Materialien ersetzt.

Weitere Umbauten

Selbstverständlich gehörten auch umfangreiche Überholungsarbeiten am Rumpf an Deck und in der Takelage zum Arbeitspensum von Werft und Stammbesatzung. Mit der neu eingebauten Antriebsanlage, einem 6-Zylinder-Diesel Typ Deutz MWM 628 mit 1.240 kW (1.690 PS) Leistung, erreicht das Schiff nun eine Geschwindigkeit von 13,7 kn (früher 10 kn) und eine um 30% gestiegene Seeausdauer.

Die ursprünglich an Bord vorhandenen fünf Beibbote des Schiffes (drei Kutter, eine Segeljolle, eine Motorpinasse) wurden bei Umbaumaßnahmen durch zwei Speedboote und einige Rettungsinseln ersetzt. Auch der Steuerstand auf dem Hüttendeck wurde schon sehr früh umgestaltet.

Weitere Veränderungen, dieses Mal hauptsächlich innerhalb des Schiffes, standen der „Gorch Fock“ in der Werftliegezeit 1984/85 bevor. Dabei ging es besonders um die Erfüllung inzwischen gestiegener Anforderungen an Umweltschutz, Schiffstechnik und Wohnlichkeit in den Decks, in den Lasten und der Kombüse. So erhielt die „Gorch Fock“ ein neues Essenausgabesystem nach dem Cafeteria-Prinzip. Gleichzeitig wurden Wohn-, Eß-, Gemeinschafts- und Unterrichtsräume an die veränderten Zahlen von Offiziers- und Unteroffiziersanwärtern angepasst.

Als sich 2001 die Marine für Frauen in allen Verwendungsbereichen öffnete, also auch bei den Offizieren, musste mit einer größeren Anzahl Frauen in den Lehrgängen an Bord gerechnet werden. Bis dahin waren ja nur weibliche Sanitätsoffizieranwärter in entsprechend geringer Anzahl an Bord der „Gorch Fock“ ausgebildet worden. Daher wurde die „Gorch Fock“ erneut umgebaut, um den neuen Bedingungen Rechnung zu tragen.

Alle diese Maßnahmen haben natürlich am Auftrag der „Gorch Fock“ nichts geändert, sie ist nach wie vor weit davon entfernt, ein bequemer Kreuzfahrer für den seemännischen Nachwuchs und den Offiziernachwuchs in der Deutschen Marine zu werden.


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Stand vom: 17.10.16 | Autor: 


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