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Revierfahrt auf dem „Main“ - Ausbildung auf der Brücke

Kiel, 08.11.2017.
Auf dem Tender „Main“ ist man gegen jede Art von Ernstfall gewappnet. Damit dies aber auch so bleibt, wird die Besatzung immer wieder in den verschiedensten Szenarien geschult. So auch beim Fahren in engen Gewässern, wie es bei der sogenannten Revierfahrt beispielsweise der Fall ist, denn dort kann bereits ein kleiner Fehler fatale Auswirkungen für Boot und Besatzung haben. Dieser Herausforderung stellt sich das Brückenteam, insbesondere die Navigation und den fahrenden Wachoffizier dieses Mal in der vielbefahrenen Kieler Förde.

Ein graues Boot läuft in eine Förde ein. Rechts der Förde sind zahlreiche Gebäude zu erkennen, links der Förde befinden sich Kräne und Gebäude einer Werft.

Langsam läuft der Tender „Main“ in die Innenförde ein (Quelle: 2017 Bundeswehr / Felix Wolpert)Größere Abbildung anzeigen

Mit dem Befehl „Revierfahrt auslösen!“ herrscht Stille auf der Brücke, nur noch unterbrochen durch die Meldungen der einzelnen Stationen. Jeder an Bord geht auf seinen Posten. Im Rudermaschinenraum ist man bereit, notfalls das Ruder vor Ort zu bedienen, sollte dies von der Brücke aus nicht mehr möglich sein. Die Anker sind klar zum Fallen, denn bevor der Tender bei einer Störung im Flachwasser auf Grund läuft, ankert er am Rande des Fahrwassers.

Zusätzlich wird der sogenannte Kriegsmarschverschlusszustand ausgelöst: Sollte es nun zu einem Leck kommen, sind die Schotts, also die wasserdichten Türen, geschlossen. Somit können größere Schäden vermieden werden.

Auf der Brücke werden nun Informationen wie ein Spielball zwischen den einzelnen Stationen einander zugeworfen. Die Navigation berät an der elektronischen Seekarte und dem Radar. Zusätzlich peilen eingeteilte Soldaten markante Objekte an Land an, um die Position des Bootes auch ohne GPS zu ermitteln. Ein weiterer Offizier besetzt die zweite Radarkonsole und meldet dem fahrenden Wachoffizier alle Schiffe und Boote, die dem Tender entgegen kommen oder ihn überholen wollen. Aus all diesen Informationen erstellt der WO nun ein Lagebild. Er prüft ob das Boot sich noch auf dem geplanten Weg „on track“ befindet oder seitlich daneben; wie lange noch auf dem aktuellen Kurs gefahren wird und ob es auf diesem oder dem folgenden Kurs andere Schiffe gibt, auf die man reagieren muss. All dies muss auch dem Kommandanten des Tenders gemeldet werden.

Unterbrochen wird die konzentrierte Stille nur zweimal: Bei Passieren des Marine-Ehrenmals Laboe und des Ubootehrenmals Möltenort. Bei beiden Stationen wird die „Front“ ausgelöst, die höchste auf See mögliche Ehrbezeigung.

Kurz vor Ende der Förde wendet der Tender und das „Spiel“ beginnt von vorn. Auch wenn innerhalb kürzester Zeit viele Informationen verarbeitet und Entscheidungen getroffen werden müssen, so handelt es sich doch um eine navigatorische Notwendigkeit, um ein eingespieltes und erfahrendes Team auf der Brücke zu haben.

Infobox
Die Revierfahrt bezeichnet im seemännischen Bereich die Fahrtstrecke in einem engen Gewässer, beispielsweise auf dem Weg zum oder von einem Hafenliegeplatz. Teilweise muss dies unter Beratung eines Lotsen stattfinden oder bei großen Einheiten mit der Unterstützung von Schleppern.


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Stand vom: 09.11.17 | Autor: 


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