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Bordeinsatzsoldaten üben am NATO-Center für maritime Eingreifoperationen

In See, 21.10.2015.

Ready for approach – RHIB 1 go! RHIB 2 provides security starboardside“, kommt kurz über den Funkkreis, als sich zwei Boote mit insgesamt elf Bordeinsatzsoldaten des Seebataillons in Richtung der „Triton“ annähern. Ziel ist die Durchsuchung des 40m langen Schiffes.

Handwaffentraining und besondere Schießverfahren werden intensiv geübt.
Handwaffentraining unter der glühenden Sonne (Quelle: 2015 Bundeswehr / Christian Hofmann)Größere Abbildung anzeigen

Das Team der Bordeinsatzkompanie befindet sich für zwei Wochen auf der griechischen Insel Kreta, um dort am NATO-Center für maritime Eingreifoperationen (NATO Maritime Interdiction Training Center, kurz NMIOTC) zu trainieren.

Doch bevor die Soldaten in einem realitätsnahen Szenario das Transportschiff entern, um es auf mögliche Gefahren hin überprüfen, stand ein hartes und forderndes Training unter der glühenden Sonne Kretas bevor. Die Soldaten wurden in speziellen Trainingsmodulen ausgebildet. Besonders ist der internationale Charakter der Ausbildung zu spüren. Die Sprache ist durchweg Englisch, die Verfahren und Vorgehensweisen oftmals anders, als man sie bei der Deutschen Marine kennt. „Hier ist ein größtes Maß an geistiger Flexibilität gefordert“, gibt Hauptbootsmann Christian W., Teamführer in der Bordeinsatzkompanie zu bedenken. „Das Gute ist aber, dass wir so unseren eigenen Horizont ständig erweitern und unsere Fähigkeiten kontinuierlich verbessern können.

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RHIB - Insertion und Tactical Sweep

Ausbringen der Leiter bei der RHIB Insertion – die Anlandung mit taktischen Bootseinsatz unter gegenseitiger Sicherung.
Ausbringen der Leiter bei der RHIB Insertion (Quelle: 2015 Bundeswehr / Georgette Rickertsen)Größere Abbildung anzeigen

Am Anfang des Trainings wurden die Soldaten mit den Waffen, Materialien, Fahrzeugen und Übungsanlagen des NMIOTC vertraut gemacht. Das Training der Marineinfanteristen umfasste dabei eine spezielle Nahkampfausbildung und Handwaffentraining mit den Waffen des NMIOTC. Hinzu kamen noch Unterrichte in den Grundkenntnissen von Opferpsychologie, in Taktiken bei Verhandlungen, sowie dem Planen und Durchführen von maritimen Operationen im Bereich des Boarding für Führungskräfte.

Der Schwerpunkt der Ausbildung liegt jedoch in den Themen „RHIB Insertion“ - die Anlandung per Speedboot und dem sogenannten „Tactical Sweep“ – das Entern eines Schiffes, sowie dessen Sicherung und Durchsuchung. Das RHIB (Rigid Hull Inflatable Boat) ist ein Festrumpfschlauchboot mit Jetantrieb. „Da wird einem alles abverlangt“, gibt Oberleutnant zur See Christian H. zu. „Die Anlandung an ein unbekanntes Schiff, das Entern per Leiter sowie das taktische Vorgehen um die Schlüsselpositionen zu gewinnen, alles das fordert jeden Einzelnen von uns zu 100% in jeder Sekunde“. Alle Schritte werden unter den wachsamen Augen der Ausbilder, alles Angehörige von Spezialkräften, durchgeführt. „Denen bleibt nichts verborgen, die sind auf diesem Schiff zu Hause und taktische Unsauberkeiten werden knallhart bestraft, da fällt dann mal ganz schnell ein Mann aus, wie im realen Einsatz eben“, sagt der Marineoffizier, „allerdings schult es einen auch ungemein fokussiert und konzentriert zu arbeiten.“

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Field Training Exercise - Alle Phasen einer Boardingoperation in einer Abschlussübung

Das Team bewegt sich über das Deck in Richtung Brücke.
Das Team kontrolliert die Schlüsselpositionen an Deck (Quelle: 2015 Bundeswehr / Georgette Rickertsen)Größere Abbildung anzeigen

Zum Abschluss der Ausbildung steht eine große und fordernde Gesamtübung für das Team an. Es erfolgt zunächst das Sammeln von Aufklärungsergebnissen und deren Auswertung über das Ziel. Anschließend erarbeitet der Bordeinsatzoffizier zusammen mit den Teamführern die aktuelle Lage in einem Briefing. Wie nun weiter vorgegangen wird, erfährt das Team in Form einer Befehlsausgabe. Jetzt können die Soldaten in die Boote, um mit der Annäherung an das Ziel zu beginnen.

Was folgt ist eine Anlandung an ein in See stehendes Schiff - aufentern, sichern, Gesprächsaufklärung mit der Crew und möglicher Feindkontakt. Dabei ist vor allem die Zusammenarbeit des gesamten Boarding-Teams von größter Bedeutung: „Wir sind da nicht alleine unterwegs. Unser zweites Boot steht als Sicherungselement im Hintergrund und unsere Scharfschützen befinden sich auf unserer Basis und sichern unser Vorgehen. Wenn sich das Team splittet, und die Operationszentrale mit Informationen versorgt werden möchte sind da mal eben fünf Gruppen zu koordinieren. Das ist dann spannend und wirklich fordernd für den Bordeinsatzoffizier und deren Teamführer“, beschreibt Oberleutnant Christian H. die Operation.

Nachdem die Soldaten auf einen Widerstand der Besatzung des zu durchsuchenden Schiffes stoßen werden mehrere Crew-Angehörige festgesetzt und es erfolgt eine Schlichtung der angespannten Situation durch die erlernten Verhandlungstaktiken. Eine Durchsuchung und Befragung der Besatzung ergab schnell, dass es sich bei den ergriffenen Personen um mutmaßliche Piraten handelt. Diese wurden im Anschluss an zuständige Sicherheitskräfte übergeben, das Schiff umgeleitet und das Boardeinsatzteam konnte zu seiner Basis zurückkehren.

„Nach so einer Operation ist vor allem das sogenannte Defusing und Debriefing von großer Bedeutung“, sagt Hauptbootsmann Christian W. und „Hier wird einerseits erstmal die ganze Anspannung und das Adrenalin der Soldaten runter gefahren und im anschließenden Debriefing erfolgt dann eine Auswertung der Übung – was lief gut und was müssen wir verbessern“.

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Ein großes Aufgabenspektrum

Bordeinsatzsoldaten führen eine erste Nachbesprechung auf dem Helodeck durch.
Das Team beim Defusing auf dem Helodeck (Quelle: 2015 Bundeswehr / Georgette Rickertsen)Größere Abbildung anzeigen

Neben so einer Anti-Piraterie Operation wurden noch andere Szenarien am NMIOTC durch das Team geübt. „Wir beschränken uns hier nicht nur auf Operationen wie wir sie vielleicht bei der EU geführten Mission Atalanta vor Somalia vorfinden könnten, sondern konzentrieren uns auch auf Einsätze, wie die Bekämpfung der Schleuser und Lösung der Flüchtlingsströme bei EUNAVFOR MED im Mittelmeer“, erklärt Oberleutnant zur See Christian H., „gerade die Flüchtlingskrise ist den Griechen natürlich bestens bekannt. So haben wir hier mit kleineren Booten und Skiffs für diesen Einsatz trainiert, gepaart mit unseren aktuellen Erfahrungen und den Erkenntnissen der griechischen Marine war das eine äußerst gewinnbringende Ausbildung“.

Soldaten der Bordeinsatzkompanie trainieren regelmäßig am NMIOTC. Das internationale Niveau und die einzigartigen Möglichkeiten des Trainings stellen eine hervorragende Plattform für erfolgreiche Einsatzvorbereitungen und individuelle Team-Trainings für die spezialisierten Kräfte der Marine dar.

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Stand vom: 20.11.17 | Autor: 


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